Aktuelles - geschrieben von dp am Montag, November 9, 2009 0:36 - noch keine Kommentare
Ambivalente Nutzen-Risiken-Einschätzung der Ortungsdienste über Mobilfunk
Verbesserte Rettungschancen einerseits - genauere Überwachung andererseits
Wenn das vor einen Lautsprecher gehaltene, eigentlich ausgeschaltete Handy brumme, dürfte darauf eine Spionagesoftware installiert sein. Solche Programme befielen vor allem Smartphones wie den Blackberry und melden den Aufenthaltsort, ohne dass der Handybesitzer davon etwas mitbekomme, berichtete die WELT ONLINE am 07.11.2009:
Obwohl das Handy aktiv sei, bleibe das Display dunkel, eingehende Anrufe würden nicht angezeigt. Davor habe das Notfall-Team CERT in den USA offiziell gewarnt. Solche Software, von der mehr als 30 Versionen in Internet-Foren kursierten und die sich jeder herunterladen könne, komme per E-Mail-Anhang oder SMS auf das “Smartphone”. Der Nutzer bemerke aber nicht, dass sich da ein Programm eingenistet habe und das Handy automatisch aktiviere. Während ansonsten ausgeschaltete Handys nicht geortet werden könnten, seien mit einem Spionageprogramm verseuchte Telefone nur sicher, wenn der Nutzer den Akku entferne.
Ortungssoftware zum Herunterladen auf Handys verbreite sich derzeit im Netz in hoher Geschwindigkeit. Wie die Spionageprogramme für “Smartphones” zeigten, könne dies zu Sicherheitsproblemen führen. Viele Anwendungen allerdings seien nützlich und unterhaltend, zuweilen sogar lebensrettend.
Über spezielle Handys und mit entsprechender Software könnten Eltern zum Beispiel den Aufenthaltsort ihrer Kinder ermitteln. Werde die Technik nicht zur Überwachung, sondern zur Kontrolle oder in einem Notfall eingesetzt, könnten Anbieter wie “Trackyourkid” den Kindern sogar mehr Bewegungsfreiheit verschaffen. Damit die Technik auch immer einsatzbereit ist, lasse sich zum Beispiel das spezielle Kinder-Handy “KandyMobile” nicht komplett ausschalten und immer orten.
Derzeit würden massenhaft neue Dienste entstehen, die mehr lieferten als nur Ortung. Dazu gehörten Nachrichten, die unter anderem die Berliner Zeitung B.Z. für das iPhone anbiete - wer zustimme, bekomme zusätzlich zu den Nachrichten Fotos und weitere Informationen rund um seinen Aufenthaltsort auf sein Handy geschickt. Auch Rettungsdienste nutzten mittlerweile die Handyortung. Forscher des Fraunhofer-Instituts aus Prien und des Unternehmens “proTime” zum Beispiel hätten ein System entwickelt, mit dem sie Lawinenopfer über ihr Handy orten könnten - und zwar bis auf wenige Meter genau.
Lina Ehrig vom Bundesverband der Verbraucherzentralen sehe nach wie vor Risiken der Ortung - es gebe das Problem, dass Handy-Vertragsinhaber und Handynutzer oft nicht identisch seien, zum Beispiel bei der Partnerkarte. Hierbei könne der Vertragsinhaber einer Ortung des Partnerhandys schriftlich zustimmen, ohne dass der Nutzer des Endgerätes darüber informiert sei.
Quelle: WELT ONLINE, 07.11.2009
Originalartikel unter: Mobilfunk / Der große Bruder sitzt in jedem Handy
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