Aktuelles - geschrieben von dp am Samstag, Oktober 24, 2009 14:24 - 2 Kommentare
Autofahrer-Psychogramm: Wissenschaftler entwickeln Wutsensor
Assistenzsysteme mit emotionalempathischer Rückmeldung geplant
In einem interdisziplinären Forschungsprojekt arbeiteten Psychologen und Informatiker der Universität Lüneburg an einer Art Wutsensor, der es dem Auto ermöglichen solle, die seelische Verfassung seines Fahrers zu erkennen. Das Vorhaben genieße die Förderung des Landes Niedersachsen und der Volkswagen AG. Es solle fünf Jahre laufen, in dieser Zeit etwa zehn Doktorarbeiten abwerfen und am Ende der Industrie eine Einschätzung geben, ob es möglich sei, die Grundstimmung eines Autofahrers sensorisch zu vermessen, um ihn so zweifelsfrei als “Wüterich”, “Angsthasen” oder “Schlafmütze” zu klassifizieren, berichtete SPIEGEL ONLINE am 19.10.2009:
Aggression sei nicht die einzige Gemütsverfassung, die die Fahrtüchtigkeit schmälern könne, auch Angst, Trauer und Euphorie könnten negative Einflüsse haben, erkläre Hans-Rüdiger Pfister, einer der involvierten Professoren. Ob sich diese Emotionen mit den Bordmitteln eines Automobils auslesen ließen, würden zunächst Versuche an einem Fahrsimulator im Kellergeschoss eines der Universitätsgebäude klären.
Testpersonen sollten dort künstlich in die zu untersuchenden Stimmungen gebracht werden - ein Instruktor werde sie auffordern, sich an besonders traurige, empörende oder schöne Erlebnisse zu erinnern, oder er versetze sie in Wut, etwa durch rüpelhafte Behandlung. Danach starte eine virtuelle Testfahrt, während der einige physische Informationen abgegriffen würden, aus denen sich der Seelenzustand des Probanden rekonstruieren lassen solle. Neben simplen Parametern wie der Pulsfrequenz und einer Messung der Hautfeuchtigkeit an der Fußsohle ermittelten Drucksensoren im Sitzkissen die Körperhaltung und im Lenkrad den Händedruck. Zudem beobachte eine Kamera das Gesicht. Mit Hilfe einer Schauspielerin hätten die Wissenschaftler Mimikbeispiele für bestimmte Gefühlslagen aufgenommen und im Computer abgelegt. Nun sollten in zahlreichen Simulatorfahrten die Stimmungen der Probanden erkannt und mit der jeweiligen Fahrweise abgeglichen werden. Ergebnis der Arbeit werde im Idealfall eine Datensammlung sein, die es dem Auto der Zukunft ermögliche, ein klares Psychogramm seines Fahrers zu erstellen.
Doch was solle es dann tun - den Motor ausschalten, Gas rausnehmen? Oder solle es therapeutisch eingreifen, etwa mit dem wohlmeinenden Rat der Navigatorstimme - “wenn möglich, bitte zur Ruhe kommen”? Pfister schwebe eine “emotionalempathische Rückmeldung” des Fahrzeugs vor, die konkret zu gestalten dann Sache des Fahrzeugherstellers sein dürfte.
Quelle: SPIEGEL ONLINE, 19.10.2009
Originalartikel unter: Neue Assistenzsysteme im Auto / Die Vermessung des Wüterichs
Weitere Informationen zum Thema:
datensicherheit.de, 29.09.2009
Sicherheit im Straßenverkehr: Fahrerassistenzsysteme als große Hoffnung / Volvo setzt ab 2010 neues Kollisionsverhütungssystem ein
datensicherheit.de, 13.07.2009
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2 Kommentare
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