Aktuelles - geschrieben von cp am Dienstag, Februar 23, 2010 16:18 - 2 Kommentare

Data Mining durch Unternehmen: Rasterfahnung in Kundenprofilen

Verdichtung und statistische Auswertung aller Kundeninformationen

Die allgegenwärtige Computertechnik durchdringe weitgehend unbemerkt immer neue Winkel unseres Alltags. Ob zu Hause, im Büro, im Supermarkt, ja selbst in unserem Beziehungsleben. Wo immer wir seien, was immer wir täten, ununterbrochen erzeugten wir einen Strom elektronischer Informationen. Unsere Telefone, Kreditkarten, E-Mail-Konten, selbst Kleidungsstücke und Fahrkarten würden zu Sensoren der Datensammler, berichtete die wiwo.de am 23.02.2010:
Data Mining würden es Spezialisten nennen, wenn sie in den Datenbergen nach verwertbarem Wissen forschten, oder „Reality Mining“, weil es zunehmend um in der Realität erzeugte Informationen gehe. Die Industrie profitiere von der Leistungsexplosion bei Rechenleistung und Speicherplatz - sowie sinkenden Preisen der Technik. Beides ermögliche den Statistikern, in der Faktenflut immer feinere Zusammenhänge zu entdecken - und zur subtilen Beeinflussung zu nutzen.
Natürlich nutzten die großen Geldhäuser das aus den Kontodaten ihrer Kundschaft zu generierende Wissen. Sie analysierten mit Computerhilfe die Finanz- und Vermögensentwicklung ihrer Kunden und ordneten sie in Risikogruppen ein - und plötzlich komme wie aus dem Nichts die Offerte für die Finanzierung eines Neuwagens oder Alternativangebot zur bestehenden Gebäudeversicherung, kurz bevor die Police fällig sei, die bei einem anderen Anbieter laufe. Wann und warum die Banker ihre Kunden kontaktierten, entscheide immer öfter die elektronische Analyse der Konten.
Auch ganz legal genutzt, erwiesen sich die vom Telefon erzeugten Daten als Informationsquelle erster Güte. Unternehmen arbeiteten gerade daran, diese Daten nutzbar zu machen, sage „Data-Mining“-Experte Stephen Baker, Autor des Buches „Die Numerati“. So analysierten zum Beispiel Mobilfunkunternehmen überall auf der Welt das Verhalten ihrer Nutzer. Manch überraschender Anruf des Kundenberaters erkläre sich schlicht damit, dass die „Daten-Mineure“ auf eine „Goldader“ gestoßen seien, die sie nun ausbeuten wollten.
Das System funktioniere auch in der Gegenrichtung - egal, ob beim Telefonkonzern, der Fluggesellschaft oder dem Versandhaus: Anrufer in Callcentern würden vielfach schon anhand ihrer Rufnummer vorsortiert. Umsatzstarke Kunden rutschten in der Warteschleife automatisch nach vorne und würden schneller bedient. Noch bevor der Berater das Gespräch annehme, sehe er auf dem Bildschirm die Einkaufs- oder Buchungshistorie des Anrufers - und gleich noch dazu passende Zusatzangebote.
„Unser Blick“, sage der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar, „hat sich in den letzten Jahren deutlich erweitert.“ Habe es früher gegolten, Bürger vor überbordendem Informationshunger des Staates zu schützen, gehörten heute Privatunternehmen als Datensammler mindestens genauso in den Fokus. An die Stelle des allwissenden Großen Bruders seien heute ungezählte „Kleine Brüder“ getreten. Sie reicherten ihr Spezialwissen mit allgemein verfügbaren statistischen Informationen an, schafften so ökonomisch sezierbare Abbilder unseres Lebens - im Grunde sei auch das nichts anderes als eine Art Rasterfahndung.

Quelle: wiwo.de, 23.02.2010
Originalartikel unter: Datenhaie / Sie wissen alles über Sie

Weitere Informationen zum Thema:

greenwebA auf YouTube, 27.05.2009

Data Mining

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