Aktuelles - geschrieben von dp am Samstag, Oktober 31, 2009 12:00 - 2 Kommentare

Deutsche Telekom bedauert Missbrauch von Verbindungsdaten

René Obermann verschickt Entschuldigungsschreiben an Spitzelopfer

Wenn Klaus Bresser, der frühere Chefredakteur des ZDF, Mitte November 2009 von einer Reise in die USA nach Deutschland zurückkomme, könnte zu Hause eine etwas ungewöhnliche Post von der Deutschen Telekom liegen. Deren Vorstandschef René Obermann habe wegen der Spitzelaffäre in seinem Unternehmen schon diverse Briefe verschickt, die nicht alltäglich seien. In diesen Schreiben habe sich Obermann bei den Opfern der Affäre entschuldigt. Das dürfte demnächst auch bei Bresser nötig sein. Denn auch er sei nach Informationen der Süddeutschen Zeitung (SZ) von den Schnüffeleien der Telekom betroffen, allerdings auf andere Weise als andere Journalisten, berichtete die sueddeutsche.de am 31.10.2009:
Unter Obermanns Vorgänger Kai-Uwe Ricke hätte die Telekom mit Hilfe der Berliner Detektei “Network” herausfinden wollen, wer die Presse mit internen Zahlen und Papieren aus dem Konzern versorgt habe. Die Telefonverbindungen von Aufsichtsräten und Journalisten seien ausspioniert worden - mit Hilfe von Datensätzen der Telekom. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittele wegen Verstößen gegen das Fernmeldegeheimnis und anderer Delikte. Bei den Nachforschungen der Strafverfolger habe sich herausgestellt, dass die Detektei für die Telekom auch in anderen Fällen und auch im Ausland tätig geworden sei. Ihr sei es offenbar sogar gelungen, sich Telefondaten aus den USA zu besorgen. Dort habe zeitweise ein mit dem ehemaligen ZDF-Chefredakteur Bresser befreundeter Geschäftsmann aus Wiesbaden gewohnt. Dieser international tätige Geschäftsmann solle sich der Telekom vor einigen Jahren als Berater bei der geplanten Übernahme einer Mobilfunkfirma in Polen angeboten haben. Deshalb habe die Telekom alles Mögliche über den Wiesbadener wissen wollen - und “Network” habe geliefert. So stehe es in einem Ermittlungsbericht des Bundeskriminalamtes (BKA) für die Bonner Staatsanwaltschaft.
Auch habe “Network” laut BKA eine Übersicht geliefert, mit wem der Mann aus Wiesbaden von seinem Domizil in den USA aus vom 30. Juni bis 21. September 2004 telefoniert hätte. Aufgelistet seien die Ferngespräche, und da seien auch welche mit Bresser dabei.
Bresser, der bis zum Jahr 2000 Chefredakteur beim ZDF in Mainz, habe durch die SZ davon erfahren - es sei ein “ungeheuerlicher Vorgang”, dass man unter privaten Bekannten nicht telefonieren könnte, ohne dass das in irgendwelche Spitzelberichte eingehe, so Bresser.

Quelle: sueddeutsche.de, 31.10.2009
Originalartikel unter: Spitzeleien bis nach Übersee / Schnüffeleien der Telekom

Weitere Informationen zum Thema:

sueddeutsche.de, 16.05.2009
Telekom: Spitzelaffäre / Neue belastende Aussagen

sueddeutsche.de, 28.04.2009
Mr. Heiße Luft und die Operation Rheingold / Telekom-Spitzelaffäre

sueddeutsche.de, 22.04.2009
Telekom-Spitzelaffäre / Die “sehr geehrten” Herren

sueddeutsche.de, 13.03.2009
Telekom-Spitzelaffäre / Razzia bei Zumwinkel und Ricke

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2 Kommentare

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Wolfgang
Okt 31, 2009 17:50

Dann kann wohl jeder, der mit den bespitzelten Aufsichtsräten, Journalisten, Mitarbeitern oder Betriebsräten in der Zeit telefoniert hat oder angerufen wurde, ins Visier der Telekom geraten sein.

Ist der Kreis der Betroffenen dann wohl viel grösser als die von der Bonner Staatsanwaltschaft angegebenen 55 Personen ?

Peter Schaar: Mentalitätswandel beim Datenschutz offenbar erst nach großem Skandal - datensicherheit.de Informationen zu Datenschutz und Datensicherheit
Okt 31, 2009 20:46

[...] datensicherheit.de, 31.10.2009 Deutsche Telekom bedauert Missbrauch von Verbindungsdaten / René Obermann verschickt Entschuldigung… [...]

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