Aktuelles - geschrieben von cp am Samstag, November 21, 2009 14:21 - ein Kommentar
Illegaler Medikamentenhandel übers Internet: Immer mehr perfekte Imitate
Zahl der entdeckten Fälle von Medikamentenfälschungen steigt jährlich um 30 bis 50 Prozent
Im Internet bestellte Pillen, die ohne Beipackzettel im Plastiktütchen geliefert würden und leicht zerbröselten, seien ein eindeutiges Indiz für eine Fälschung. Diese sei im besten Fall wirkungslos, im schlimmsten Fall gefährde sie die Gesundheit. Doch solche “Hinterhoffälschungen” würden seltener - immer mehr Imitate seien so perfekt, dass ein Laie keine Chance habe, sage Harald Schweim, Arzneimittelexperte und Professor an der Universität Bonn. Seit etwa fünf Jahren, so der Experte, steige die Zahl der entdeckten Fälle von Medikamentenfälschungen um jährlich etwa 30 bis 50 Prozent. Am häufigsten würden Lifestyle-Medikamente wie das Potenzmittel Viagra gefälscht, berichtete die FR-online.de am 21.11.2009:
Sie seien teuer und verschreibungspflichtig, weshalb sich schamhafte Kunden lieber im Netz damit eindeckten. Nicht wenige Kriminelle nutzten auch die Panik vor der Schweinegrippe, um illegale Medikamente zu verkaufen. So warne der Bundesverband der Verbraucherzentralen vor illegalem Handel mit dem Grippemittel Tamiflu - Testkäufe zeigten, dass das Arzneimittel problem- weil rezeptlos im Internet erhältlich sei.
Weltweit seien unlängst 995 Postsendungen beschlagnahmt und 72 Internetseiten abgeschaltet worden. Das Bundeskriminalamt (BKA) wolle die Öffentlichkeit für die Risiken des Medikamentenkaufs von unkontrollierten Websites sensibilisieren. Einer Studie des auf Patientensicherheit spezialisierten Kommunikationsunternehmens “Aegate” zufolge wüssten zwei Drittel der Deutschen, dass verschreibungspflichtige Medikamente gefälscht werden könnten. Elf Prozent hätten den Verdacht, gefälschte Arzneimittel erhalten zu haben, ein Prozent davon sei sich sicher - die Zahlen seien höher als in den anderen untersuchten Ländern Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien.
Das Problem sei, dass viele Fälle nie bekannt würden - nur 33 Prozent der Befragten, die ein vermeintlich gefälschtes Präparat erhalten hätten, würden sich damit an eine Apotheke wenden, um die Zusammensetzung prüfen zu lassen. Dahinter stecke die “Angst, selbst der Strafverfolgung zu unterliegen”, so Professor Schweim. Er fordere ein Verbot des im Jahr 2004 legalisierten Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten - damit sei der Kriminalität Tür und Tor geöffnet worden.
Die Bundesverbraucherzentrale rate dazu, nur bei seriösen Arzneimittelversendern zu bestellen - eine Liste registrierter Anbieter sei auf der Website des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI), einer nachgeordneten Behörde des Bundesministeriums für Gesundheit zu finden.
Quelle: FR-online.de, 21.11.2009
Originalartikel unter: Imitate / Gefährliche Pillen aus dem Netz
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