Aktuelles - geschrieben von dp am Samstag, Juli 18, 2009 16:56 - ein Kommentar
Selbstentblößung im Internet gestattet ungewollte Erstellung einer Biografie
Verdichtung aller freiwillig hinterlassenen Daten führt zu aussagekräftigen Persönlichkeitsprofilen
Als das französische Magazin “Le Tigre” vor einigen Monaten ein sogenanntes “Google”-Porträt veröffentlicht hätte, die detaillierte, unverhüllte Lebensgeschichte eines Menschen, die nur aus dessen Spuren im Internet zusammengesetzt gewesen sei, habe der Porträtierte geschockt reagiert. In Zeitungsinterviews habe der junge Architekt aus Bordeaux bekannt, nach Veröffentlichung des Artikels kaum mehr schlafen zu können, und einen Prozess gegen das Magazin wegen Verletzung der Privatsphäre angekündigt, schreibe Andreas Bernard für das SüddeutscheZeitungMagazin, Heft 29/2009:
Dieses Ansinnen habe der Mann, ein besonders aktiver Nutzer des Web 2.0 (er hätte über die Jahre allein 17.000 Fotos auf die Datenbank “Flickr” gestellt), schon bald wieder verwerfen müssen; es sei sofort klar gewesen, dass es keine juristische Grundlage für seine Klage geben würde. Der Streit um den Artikel sei in den Medien Anfang des Jahres weltweit gemeldet worden, habe dieses “Google-Porträt” doch eine faszinierende Geschichte erzählt - vielleicht zum ersten Mal habe jemand die Probe aufs Exempel gemacht und die Informationen, die jeder Nutzer freiwillig oder unfreiwillig im Internet hinterlasse, vor allem in den Sozialen Netzwerken, zu einer intimen Biografie verdichtet.
Das Porträt in “Le Tigre” habe für einen Moment die Kehrseite jener längst selbstverständlichen Praxis sichtbar gemacht, im Netz ein möglichst umfassendes Bild von sich selbst herzustellen. Welche Medien, welche Orte hätte es noch vor zehn, zwanzig Jahren gegeben, das eigene Leben in der Öffentlichkeit zu präsentieren? Das Poesiealbum? Das Schwarze Brett an der Schule? Heute dagegen seien die Techniken, andere an der eigenen Existenz teilhaben zu lassen, allgegenwärtig - nicht nur in den sozialen Netzwerken wie “Facebook”, “My Space”, “StudiVZ” oder “Xing”, sondern neuerdings auch per Handyortung.
Quelle: SüddeutscheZeitungMagazin, Heft 29/2009
Originalartikel unter: Internet / Der nackte Wahnsinn
Weitere Informationen zum Thema:
Trends der Zukunft, 22.01.2009
Google Portrait - Das Ende der Anonymität im Internet
WordPress.com, 10.07.2009
Das Internet ist so schlau
dein.gs, 12.05.2009
Marc L*** [deutsche Übersetzung des "Google-Portraits" über Marc L.]
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Criminologia | Verlinkenswertes (KW 29/09)
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