Aktuelles - geschrieben von cp am Montag, November 9, 2009 0:57 - noch keine Kommentare
Sprachanalyse per Telefon soll Depression oder Posttraumatisches Stress-Syndrom erkennen helfen
Feldversuch mit Hunderten von Telefonaten zwischen ausgewählten Pflegern und Patienten
Jeder kennt das - ein Gespräch ende in einem handfesten Streit, weil die Art und Weise des Sprechens den Inhalt überlagere. Der Ton mache die Musik, heiße es im Volksmund. Auch für Alex Pentland vom MIT - der Leiter des “Human Dynamics Lab” erforsche, was Tonfall und Stimmlage, Länge und Häufigkeit von Pausen sowie Geschwindigkeit beim Reden über die Stimmungslage einer Person verrieten, berichtete die Technology Review in ihrer Online-Ausgabe am 05.11.2009:
Pentland gehe es um medizinische Diagnosen. Seine Gruppe entwickele Algorithmen zur Sprachanalyse, die ermitteln sollten, ob jemand von Ängsten geplagt, vereinsamt oder depressiv sei. Die MIT-Ausgründung “Cogito Health” wolle Pentlands Forschungsergebnisse nun in einer Sprachanalyse-Software vermarkten, die eine solche Diagnose über das Telefon vornehmen könne.
Psychiater würde etwa eine klinische Depression oft schon daran erkennen, wie Patienten redeten. Eine langsame, ruhige und häufig monotone Sprechweise sei ein typisches Signal. Es seien solche Muster, die “Cogito Health” aus Sprachproben herausfiltere und für Computer erkennbar machen wolle.
“Cogito Health” habe nun mathematische Modelle entwickelt, die bestimmte Merkmale der Sprache verarbeiteten. Dazu gehöre, wie flüssig jemand rede, wie sehr sein Tonfall schwanke, aber auch, mit welcher Intensität er dem Gespräch folge.
Derzeit mache das “Start-up” einen Feldversuch mit Hunderten von Telefonaten zwischen ausgewählten Pflegern und Patienten. Zunächst werde in einem Fragebogen festgehalten, welche tatsächlich an Depressionen litten. Die Software sollte dann diese Patienten im Idealfall auch identifizieren. Die ersten Ergebnisse seien bereits vielversprechend - die Resultate des Versuchs würden 2010 veröffentlicht.
“Cogito Health” wolle seine Expertise später auch anderen Krankheitsbildern widmen. Ab 2010 sollten Sprachmuster des Posttraumatischen Stress-Syndroms bei Soldaten erforscht werden. Je früher dies erkannt werde, desto größer seien die Chancen, die Situation in den Griff zu bekommen.
Quelle: Technology Review, 05.11.2009
Originalartikel unter: Der virtuelle Psychiater in der Leitung
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