Aktuelles - geschrieben von am Donnerstag, November 19, 2009 18:59 - noch keine Kommentare

USB-Kamera prüft Blindenschrift

Shape-from-Shading-Prinzip zur Überprüfung der Beschriftung von Arzneimitteln mit Braille-Schrift

[datensicherheit.de, 19.11.2009] Die barrierefreie Programmierung und Einrichtung von Webseiten ist mittlerweile im Netz selbstverständlich. Allein in Deutschland gibt es mehr als 150.000 Blinde, die natürlich trotz ihrer Behinderung am Informationsfluss teilhaben wollen. So gibt es beispielsweise Programme, die einem via Audiodateien die abgebildeten Bilder und Texte auf dem Bildschirm vorlesen. Noch viel wichtiger als im Netz ist allerdings die Beschriftung von Arzneimitteln mit Braille-Schrift:
Alle Hersteller von Arzneimitteln beschriften ihre Verpackungen mit der am weitesten verbreiteten Blindenschrift, die auf einem Punktesystem beruht. Mithilfe von sechs erhobenen Punkten können alle Buchstaben, viele Zeichen und sogar Musiknoten einwandfrei zugeordnet und gelesen werden. Aber genauso, wie die normale Beschriftung und Packungsbeilage Korrektur gelesen werden müssen, muss auch vor der Produktion getestet werden, ob die Blindenschrift gut lesbar ist. Schließlich ist es gar nicht so einfach, in die Pappe der Verpackung die kleinen Punkte genau so reinzustanzen, dass alle wichtigen Angaben auch klar und deutlich identifizierbar sind. Und damit auch bei den Dosierungsangaben keine Fehler entstehen können, muss die Schrift vorher geprüft werden. Genau dafür wurde jetzt ein System entwickelt, welches mithilfe einer USB-Kamera und dem Shape-from-Shading-Prinzip unter Mithilfe von blauem Licht die Punkte der Schrift genau messen und überprüfen kann.
Früher setzte man für diese Überprüfung vor der Auslieferung mechanische Systeme ein, die beispielsweise mithilfe von Schrauben und ähnlichem über Druck die Höhe der herausragenden Punkte messen konnten. Das Problem hierbei war natürlich nicht nur die Langsamkeit des Verfahrens, sondern auch die Fehlerquellen in dem Verfahren selbst. Denn durch diese mechanische Einwirkung konnten die Punkte selbst, die vorher vielleicht in Ordnung waren, noch nachträglich zerdrückt werden. Manuelle Prüfungen, teilweise auch durch blinde Mitarbeiter, gehen ebenfalls recht langsam vonstatten und bieten zudem keine effiziente Möglichkeit des Reportings und der Dokumentation von Ergebnissen.
Dank des neuen kameragesteuerten Systems wird mithilfe telezentrisch angebrachter Lampen ein Schatten auf den Verpackungen erzeugt, der die entsprechend vorhandenen Punkte genau wiedergibt. Diesen wiederum kann die Kamera aufnehmen und mithilfe der entwickelten Software selbstständig mit PDF-Dateien der gängigen Braille-Alphabete abgleichen – und so in Sekundenschnelle sagen, ob die Verpackung o.k. ist oder nicht. Da dieses System europaweit eingesetzt werden soll, sind die am häufigsten zu findenden Braille-Alphabete vorinstalliert, das System lässt sich aber auch nachrüsten.
Und hat man über einen gewissen Zeitraum viele Prüfergebnisse gesammelt, kann man diese natürlich einfach, sicher und problemlos mithilfe eines USB-Sticks abspeichern und zur weiteren Auswertung geben. Denn mithilfe dieser Ergebnisse ist es natürlich auch möglich, die Produktion dahingehend zu verbessern, dass die Fehlerquote verringert wird.



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