Aktuelles - geschrieben von cp am Sonntag, Februar 7, 2010 18:19 - ein Kommentar
Vorratsdatenspeicherung zur Aufklärung von Beleidigungen, Urheberrechtsverletzungen und Betrug
Fakten geschaffen, die weit über das derzeit politisch Gewollt und rechtlich Erlaubt hinaus gehen
In den kommenden Wochen werde das Bundesverfassungsgericht voraussichtlich entscheiden, ob die Vorratsdatenspeicherung mit unserem Grundgesetz vereinbar sei. Bislang sehe es so aus, als ob die Richter in Karlsruhe die Mauern höher ziehen würden, die um die Daten gebaut seien. Sie würden also den Zugriff für Strafermittler etwas erschweren. Das Sammeln selbst aber würden sie wahrscheinlich nicht untersagen, schrieb Kai Biermann für ZEIT ONLINE am 04.02.2010:
Bezüglich der „Vorratsdaten“ würden hinter verschlossenen Türen gerade technische Standards etabliert und Fakten geschaffen, die weit über das hinaus gingen, was derzeit politisch gewollt und rechtlich erlaubt sei. Die Pläne der Sicherheitsbehörden gingen sehr weit - wie weit, das dokumentiere ein Dokument mit dem Titel „ETSI TS LI 102 657“. Die ersten vier Buchstaben ständen dabei für European Telecommunications Standards Institute, ein Normungsinstitut, von dem alle technischen Spezifikationen im europäischen Telefonmarkt stammten. „TS“ meine „Technical Specification“ und bedeute, dass das Dokument allgemeingültige Normen enthalte - und „LI“ heiße „lawful interception“, gesetzliche oder erlaubte Überwachung. In diesem fast hundert Seiten langen Papier (die aktuellste Version 1.4.1 datiere vom Dezember 2009) sei unter anderem festgehalten, welche Daten die Telekommunikationsdienste künftig automatisch liefern müssten, wenn dies in einem Ermittlungsverfahren verlangt werde. Neben den üblichen Informationen wie Name, Adresse und Aufenthaltsort ständen dort unter anderem: E-Mail-Adressen, Rechnungsinformationen, bekannte Login-Namen, Zeiten, wann das Gerät an- und abgeschaltet wurde, SIM-Nummern und IMSI-Nummern der Geräte sowie MAC-Adressen und IP-Adressen und sogar die PUK-Codes. Mit letzteren lasse sich ein Handy gegen den Willen des Besitzers sperren oder fernsteuern.
Das sei nicht alles - die Schnittstellen bei den Telefonfirmen sollten auch jede Information sammeln, die irgendwie mit der Kommunikation zu tun habe, also beispielsweise wie oft es bis zum Abheben geklingelt habe oder nach wie vielen Klingelzeichen ein Anrufversuch abgebrochen worden sei.
Das sei keine Wunschliste, die noch zu verhandeln wäre, sondern es seien Vorgaben, an die sich die Firmen zu halten hätten.
Es bedeute nicht, dass in Deutschland auch alle diese Daten an die Polizei geschickt würden. Das Weitergeben mancher davon sei hierzulande klar illegal und die Provider dürften sie nicht einmal speichern. Aber es bedeute, dass die technischen Systeme der „Vorratsdatenspeicherung“ theoretisch dazu in der Lage seien, diese Informationen automatisiert, also ohne weiteres Zutun des Providers, an die Polizei zu schicken. Im Zweifel verhindere nur ein Haken in irgendeinem Kästchen, dass hierzulande illegale Daten rausgingen.
Zahlen des Verbandes eco über die Anfragen von Strafermittlern belegten, dass schätzungsweise mehr als neunzig Prozent der Delikte, bei denen seit 2008 „Vorratsdaten“ angefordert worden seien, Beleidigungen sowie Urheberrechtsverletzungen und Betrug, sogenannte minderschwere Straftaten, gewesen seien.
Quelle: ZEIT ONLINE, 04.02.2010
Originalartikel unter: Vorratsdaten / 3x klingeln = Terrorist
Weitere Informationen zum Thema:
netzpolitik auf YouTube 30.10.2007
Frontal21: Bürger unter Generalverdacht
ein Kommentar
Kommentieren
Gefragte Themen
- DatenSicherheitsTag in Berlin am 25. Februar 2010
- Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts: Vorratsdatenspeicherung ist verfassungswidrig
- USA: Entnahme von DNA-Proben bei jedem neugeborenen Kind ohne Zustimmung der Eltern
- Nutzer von Windows-Live als Hacker wider Willen
- US-Blog: Schule soll Schüler über Webcam daheim fernüberwacht haben
- Internetsperren: Grundsatz des Löschens statt Sperrens soll nun zur Geltung kommen
- Argentinien: Hauptsächlich Banken, Universitäten und Technologie-Unternehmen von Zeus betroffen
- Studie zum mutmaßlichen Ansteigen des Meeresspiegels zurückgezogen
- Einkommensteuererklärung 2009 mit Anlage KAP: Computerpanne verzögert Bearbeitung
- DatenSicherheitsTag Berlin am 25. Februar 2010: Facetten betrieblicher Sicherheit
- Mehr Medienkompetenz unter Schülern: Ausbildung von Medienscouts in Klassen 8 und 9
- HSBC Private Bank (Suisse): 15.000 Kunden von Datendiebstahl betroffen
- Wie ein Berliner Fernmeldetechniker zufällig auf eine große Abhöraktion stieß
- ACTA-Abkommen: Europaparlament warnt EU-Kommission vor Alleingängen
- Britische Geheimdienstdokumente: Als Fahrradtouristen getarnte Hitlerjungen spionierten
- Ständige Lokalisierbarkeit könnte in einigen Jahren Selbstverständlichkeit sein
- Vorratsdatenspeicherung: Löschung erst zum Teil umgesetzt
- EuGH-Urteil moniert Verstoß der Bundesrepublik gegen das EG-Datenschutzrecht
- Unklare Dienstplanung: Tower des Flughafens Leipzig-Altenburg ohne Fluglotse
- ZDF: Am Morgen des 9. März 2010 offenbar halbstündiger Totalausfall
- Libertäre Plattform meldet Erhalt einer Daten-CD mit Informationen über Politiker und Behördenvertreter
- Originalmanuskript der Relativitätstheorie von Albert Einstein zum ersten Mal ausgestellt
- Na, ich lese "at" und "dot"..ist aber klar, was da hin muss, näch? grinsel...
- Hallo Dagmar Katz und Gisela Hatzmann,
wendet euch an den lokalen Verbraucher...
- Hallo zusammen,
///
Das Urteil sei somit noch deutlicher, als Beobachter das...
- Hoffentlich ist das nicht so ein Reinfall wie mit den Streitschlichtern in diese...
- Ist mal wieder typisch für unseren Schnüffel- und Abzockstaat.
Die Hauptsache, ...
- Hallo Jannik,
lasse dir das Geld einfach wieder zurück buchen von deiner Bank, ...
- Interessanterweise finden sich auf der Website der Stadt Ratingen Panoramafotos,...
- Trotzdem ist der energieausweis der richtige weg. Natürlich ist für den Laien ni...
Fachmagazine, Service, Studien - Mrz 4, 2010 0:26 - noch keine Kommentare
kes, Die Zeitschrift für Informations-Sicherheit
weitere Beiträge in Experten
- Rechtsgutachten des rheinland-pfälzischen Justizministeriums: Google Street View muss nachbessern
- 20 Jahre ELECTRONIC FRONTIER FOUNDATION: Einsatz für Bürgerrechte im IT-Zeitalter
- Forscher der University of Cambridge: EMV-Verfahren bei EC- und Kreditkarten auszuhebeln
- Netzzeitung bruchsal.org stellt kryptologische Rätsel: Konzertkarten als Gewinn für Codeknacker
- Umfassende Anpassung des Datenschutz- und Medienrechts an die Web-2.0-Ära gefordert
Aktuelles, Branche - Mrz 2, 2010 16:14 - noch keine Kommentare
Scareware: Microsoft Malware Protection Center warnt vor Fakeinit
weitere Beiträge in Branche
- IT-Messen: Kunden werden wählerischer und suchen gezielt nach Informationen
- DatenSicherheitsTag Berlin am 25. Februar 2010: Facetten betrieblicher Sicherheit
- DatenSicherheitsTag in Berlin am 25. Februar 2010
- Stop Digital Pollution: Das Motto von Kaspersky Lab zum Safer Internet Day 2010
- Online-Kalender von eleven warnt vor saisonalen Spam-Wellen
Fachmagazine, Service - Mrz 4, 2010 23:57 - noch keine Kommentare
Datenschutz-Berater
weitere Beiträge in Service
- CD Sicherheitsmanagement
- WIK, Zeitschrift für die Sicherheit der Wirtschaft
- S&I, DIE FACHZEITSCHRIFT FÜR SICHERHEIT & INDUSTRIE
- W&S, DAS SICHERHEITSMAGAZIN
- S+S, report
















[...] datensicherheit.de, 07.02.2010 Vorratsdatenspeicherung zur Aufklärung von Beleidigungen, Urheberrechtsverletzungen und Betrug… [...]