Aktuelles, Experten, Studien - geschrieben von dp am Mittwoch, September 16, 2009 13:52 - noch keine Kommentare
Wirtschaftsspionage: Kriminelle und Geheimdienstler tummeln sich im Öffentlichen Raum
Unachtsame Firmen-Mitarbeiter mit Datenträgern im Visier der Ausforschung
Oft seien es langjährige Mitarbeiter, ganz normale Kollegen, die irgendwann ihr Wissen versilbern wollten. Männlich, verheiratet, überdurchschnittlich gebildet und selten vorbestraft - so beschreibe eine neue Studie den typischen Täter. Die Untersuchung habe die Universität Leipzig für die Unternehmensberatung RölfsPartner erstellt, berichtete SPIEGEL ONLINE am 16.09.2009:
Industrie- und Handelskammern, Verfassungsschützer und Sicherheitsexperten schlügen Alarm, denn in der Wirtschaftskrise drohe die Zahl der Spionagefälle rasant zu steigen - schon 2007 sei der Wirtschaft ein Schaden von geschätzten 20 Milliarden Euro entstanden, hätten etwa die IHK in Potsdam und der brandenburgische Verfassungsschutz jüngst gewarnt.
Unternehmen seien oft an unzähligen Stellen gleichzeitig verletzbar - vor allem Mittelständler. Kleine und mittlere Unternehmen unterschätzten das Problem häufig - sie ließen Lieferanten frei über das Werksgelände laufen oder Handwerker und Reinigungsfirmen ohne Bedenken stundenlang allein im Büro, selbst nachts. Dabei dauere es nur noch Sekunden, eine Wanze zu installieren oder einen “Keylogger” zwischen Tastatur und PC zu stecken.
Eine der größten Gefahren sei Sicherheitsexperten zufolge allerdings immer noch der unvorsichtige Mitarbeiter. Er benutze z.B. USB-Sticks, die ihm als Werbegeschenk in die Hand gedrückt worden seien und lade sich so unbemerkt Spionagesoftware auf den PC. Er telefoniere lautstark am Flughafen oder packe im Zug den Laptop aus, um dort sorglos an vertraulichen Dokumenten zu arbeiten. Dabei könne nicht nur der Nachbar mitlesen, auch aus 100 Metern Entfernung könnten Daten auf dem Bildschirm noch mühelos auf ein anderes Gerät gespiegelt werden. Ähnlich problemlos ließen sich Handys, Palms und Blackberrys anzapfen.
Es gebe Datensammler, die gezielt auf öffentliche Plätze gingen und alle Informationen mitnähmen, die sie bekommen könnten, sage Corporate-Trust-Chef Christian Schaaf. Schaaf zufolge ständen die Täter am Flughafen oder zögen am Montagmorgen durch ICEs, die auf typischen Businessstrecken fahren - Berlin-Frankfurt etwa. Manchmal seien es Kriminelle, die Firmen erpressen wollten, manchmal Geheimdienstler mit dem Auftrag der Wirtschaftsspionage.
Quelle: SPIEGEL ONLINE, 16.09.2009
Originalartikel unter: Wirtschaftskriminalität / Vom Mitarbeiter zum Spion
Weitere Informationen zum Thema:
RölfsPartner, 10.09.2009
Wirtschaftskriminalität in Unternehmen steigt: Wer in Krisenzeiten die Prävention vernachlässigt, macht es Wirtschaftsstraftätern zu leicht
wiwo.de, 13.09.2009
Wirtschaftskriminalität / Wenn Manager zu Tätern werden
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