Aktuelles - geschrieben von am Samstag, September 25, 2010 15:41 - noch keine Kommentare

Notfallverbund: Münsters Archive und Bibliotheken als Vorreiter

Gegenseitige Unterstützung im Havarie- und Katastrophenfall auf Basis einheitlicher Notfallpläne

[datensicherheit.de, 25.09.2010] In den letzten Jahren haben mehrere gravierende Schadensfälle die Verletzlickeit unseres unersetzlichen Kulturgutes in den Archiven und Bibliotheken deutlich gemacht. So haben das Hochwasser an Elbe und Oder im Jahr 2002, der Brand der „Anna Amalia Bibliothek“ in Weimar 2004 und der Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln 2009 das Bewusstsein in Archiven und Bibliotheken dafür geschärft, dass Katastrophen jederzeit auch die eigene Institution treffen und die aufbewahrten Zeugnisse unserer Kulturgeschichte gefährden oder gar vernichten können. Selbst kleinere Havarien, wenn etwa durch beschädigte Wasserleitungen oder nach Gewitter- und Starkregen Magazinräume unerwartet unter Wasser stehen, stoßen die betroffenen Einrichtungen mit ihren eigenen Kräften schnell an Grenzen. In Münster – als erster Stadt in Nordrhein-Westfalen – haben die großen Archive und Bibliotheken nun gehandelt und sich zu einem Notfallverbund zusammengeschlossen, um gemeinsam Vorsorge zum Schutz ihrer Kulturgüter zu treffen und sich in Unglücks- und Katastrophenfällen gegenseitig zu unterstützen:
Das Bistumsarchiv, die Diözesanbibliothek, die Hochschulbibliothek der FH, das Landesarchiv NRW, das LWL-Archivamt für Westfalen, das Stadtarchiv, die Stadtbücherei, das Universitätsarchiv sowie die Universitäts- und Landesbibliothek beherbergen Millionen Bücher und Archivalien – darunter unersetzliche Unikate wie eine Ausfertigung des Westfälischen Friedensvertrages oder die Handschriften und Drucke der Santini-Sammlung, einer der weltweit wichtigsten Musik-Sammlungen.
Im historischen Rathaus in Münster wurde nun von LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch (Landschaftsverband Westfalen-Lippe), Generalvikar Norbert Kleyboldt (Bistum Münster), Oberbürgermeister Markus Lewe (Stadt Münster), FH-Präsidentin Prof. Dr. Ute von Lojewski (Fachhochschule Münster), Rektorin Prof. Dr. Ursula Nelles (Universität Münster) und Präsident Prof. Dr. Wilfried Reininghaus (Landesarchiv NRW) die gegenseitige Unterstützung der Archive und Bibliotheken in einem Notfallverbund besiegelt.

© Presseamt Münster

© Presseamt Münster

Vertragsunterzeichnung im münsterschen Rathaus (v.l.): Norbert Kleyboldt, Ute von Lojewski, Ursula Nelles, Wilfried Reininghaus, Wolfgang Kirsch, Markus Lewe.

Diese Vereinbarung enthält nicht nur Regelungen für die gegenseitige Unterstützung in Havarie- und Katastrophenfällen. Die Beteiligten verpflichten sich auch, für alle von ihren Einrichtungen genutzten Räume nach einem einheitlichen Muster Notfallpläne zu erstellen – dafür gilt es Strukturen und Abläufe zu erarbeiten und zu erproben, um im Unglücks- oder Katastrophenfall den Schaden für das Kulturgut möglichst gering zu halten. Notfallvorsorge ist eine Daueraufgabe – deshalb werden die Archive und Bibliotheken ihre Notfallpläne künftig regelmäßig überprüfen und aktualisieren. Zudem wird die gegenseitige Unterstützung im Notfall auch regelmäßig geübt, denn Aktionismus aus Betroffenheit anstelle von planmäßigem Vorgehen führt im Schadensfall mit großer Wahrscheinlichkeit zu Fehlentscheidungen mit hohen Folgekosten.

Weitere Informationen zum Thema:

STADT MÜNSTER, 23.09.2010
Neun Archive und Bibliotheken schützen gemeinsam ihr Kulturgut / Stadt, LWL, Landesarchiv, Bistum und Hochschulen gründen in Münster einen Notfallverbund



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