Aktuelles, Branche - geschrieben von am Donnerstag, Juli 28, 2011 23:03 - noch keine Kommentare

Warnung vor Big Brother: Gesichtserkennung bei facebook und Google

Fotos sollten Abbilder dessen bleiben, was wir sehen, und nicht dessen, was wir wissen, fordert Martin Rösler, Leiter des Forschungsteams bei TREND MICRO

[datensicherheit.de, 28.07.2011] Als „Director Threat Research“ ist Martin Rösler bei TREND MICRO verantwortlich für ein Team aus weltweit tätigen Sicherheitsforschern, das täglich die Aktivitäten der Cyber-Kriminellen beobachtet und die Bedrohungslage im Internet analysiert. Dabei geht es zum einen darum, Angriffe zu verhindern und neue Abwehrmethoden zu erarbeiten, zum anderen darum, den sicheren Austausch digitaler Daten zu ermöglichen und neue Technologien zu entwickeln. Nun kommentiert Rösler die Einführung der Funktion zur Gesichtserkennung, bei der Google nun facebook nachfolgt – durch Übernahme des Unternehmens Pittsburgh Pattern Recognition steht Google jetzt Software zur Identifizierung von Gesichtern auf Fotos und in Videos zur Verfügung.
Mit dieser Software kann man Personen auf Fotos Identitäten zuordnen und Freunden Fotos vorschlagen, auf denen diese ihre Bekannten markieren können. facebook war von Datenschützern für diese Fähigkeit kritisiert worden, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie standardmäßig eingeschaltet ist. Nun lasse sich jeder Kritik an facebook entgegen halten, dass die Nutzer Sozialer Netzwerke ihre persönlichen Informationen – einschließlich ihrer für sie nicht immer vorteilhaften Fotos von Partys – freiwillig veröffentlichten und damit den Schutz ihrer Privatsphäre aufs Spiel setzten. Etwas anderes sei es, wenn eine Person nur zufällig auf einem Bild zu sehen sei, das andere „Freunde“ verwenden – denn mit der Gesichtserkennungssoftware könne jeder die Identität dieser Person über einen Abgleich im eigenen facebook-Konto herausfinden. Vor diesem Hintergrund sei es problematisch, dass facebook-Nutzer diese Funktion explizit deaktivieren müssten, um sich vor etwaigem Missbrauch zu schützen.
Noch brisanter aber sei laut Rösler die Überlegung, warum Google oder facebook für eine solche Technik Geld ausgeben. Die Antwort sei einfach und gleichzeitig erschreckend – das Geschäftsmodell sei der Grund. Denn beide Unternehmen lebten davon, dass ihre Nutzer „kostenlos“ Informationen über sich preisgeben, die sich dann zu Geld machen ließen. Google erhalte Informationen über jene Dinge, die die Nutzer suchten und die sie interessierten – und diese Informationen seien für Anbieter und für deren Produkte Gold wert. facebook und vielleicht irgendwann auch Google Plus erfahre etwas über die Beziehungen, Hobbies und Gefühle der Teilnehmer – also ebenfalls Werte, die sich sehr wohl „versilbern“ ließen. Die Gefahr, die von der Gesichtserkennungssoftware ausgehe, liege weniger in der Verletzung der Privatsphäre der Nutzer als vielmehr darin, dass die beiden Dienstleister ihre „Kernkompetenz“ stärkten und mittels der Funktionalität ihr Datenpotenzial vergrößerten, indem sie über identifizierte Personen auf Fotos noch mehr über deren Beziehungen und Interessen erfahren.
Fotos sollten aber Abbilder dessen bleiben, was wir sehen, und nicht dessen, was wir wissen, fordert Rösler. Wir sollten unsere heutige Welt nicht noch mehr der Orwell’schen Vision angleichen.



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