Cybersicherheitsgesetz – datensicherheit.de Informationen zu Datensicherheit und Datenschutz https://www.datensicherheit.de Datensicherheit und Datenschutz im Überblick Thu, 05 Mar 2026 16:08:55 +0000 de hourly 1 Cybersicherheitsgesetz: Im Entwurf staatliche Eingriffe in Netzinfrastrukturen vorgesehen https://www.datensicherheit.de/cybersicherheitsgesetz-entwurf-staat-eingriffe-netzinfrastrukturen Fri, 06 Mar 2026 23:55:00 +0000 https://www.datensicherheit.de/?p=53033 Der eco hat in einer Stellungnahme gewarnt, dass der vorliegende Entwurf zum „Cybersicherheitsgesetz“ staatliche Eingriffe in Netzinfrastrukturen zur Normalität machen würde

[datensicherheit.de, 07.03.2026] Der eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. hat in seiner Stellungnahme vom 2. März 2026 gewarnt, dass der vorliegende Entwurf zum „Cybersicherheitsgesetz“ staatliche Eingriffe in Netzinfrastrukturen zur Normalität machen würde: Sicherheitsbehörden sollen demnach weitreichende Befugnisse bis hin zur Umleitung und Veränderung von Datenverkehr erhalten – mithin bislang scharf kritisierte Mechanismen vor allem autoritärer Staaten.

eco-klaus-landefeld

Foto: eco

Klaus Landefeld kritisiert: Cybersicherheit wird in dem geplanten Gesetz nicht mehr in erster Linie als Frage von Schutz, Prävention und Resilienz verstanden, sondern als Legitimation für staatliche Eingriffe in Netze und Systeme

Erhebliche Kompetenz- und Machtverschiebung: BKA, BPOL und BSI

Der Referentenentwurf für ein „Gesetz zur Stärkung der Cybersicherheit“ („Cybersicherheitsgesetz“) greife tief in die Architektur und Steuerungslogik digitaler Infrastrukturen ein und verschiebe das Verständnis von Cybersicherheit grundlegend. Der eco kritisiert diesen Paradigmenwechsel deutlich:

  • „Cybersicherheit wird in dem geplanten Gesetz nicht mehr in erster Linie als Frage von Schutz, Prävention und Resilienz verstanden, sondern als Legitimation für staatliche Eingriffe in Netze und Systeme. Diese Verschiebung ist ordnungspolitisch hoch problematisch!“, betont eco-Vorstand Klaus Landefeld.

Der Entwurf sieht laut eco vor, dass mit Bundeskriminalamt (BKA), Bundespolizei (BPOL) und Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) künftig drei Bundesakteure teils neue und deutlich erweiterte Anordnungs- und Eingriffsbefugnisse erhalten. Damit gehe eine erhebliche Kompetenz- und Machtverschiebung einher.

„Cybersicherheitsgesetz“ würde Datenlöschung und -veränderung zulassen

Wenn mehrere Sicherheitsbehörden parallel weitreichende Eingriffsrechte in digitale Infrastrukturen erhielten, stelle sich die Frage nach klaren Zuständigkeitsabgrenzungen und wirksamen rechtsstaatlichen Kontrollmechanismen.

  • Besonders kritisch bewertet der eco, dass die vorgesehenen Maßnahmen weit über die bisherige Praxis der Abschaltung eindeutig maliziöser Infrastruktur hinausgingen. Der Entwurf erlaube nicht nur Sperren, sondern ausdrücklich auch die Umleitung oder Unterbindung von Datenverkehr. Zudem sollten BKA und BPOL künftig befugt sein, Daten in IT-Systemen zu erheben, zu löschen oder sogar zu verändern.

„Das ist ein qualitativ neuer Eingriff in die Integrität informationstechnischer Systeme. Hier wird eine Schwelle überschritten: Es geht nicht mehr nur um Gefahrenabwehr an der Peripherie, sondern um aktive Eingriffe in laufende Kommunikations- und Datenverarbeitungsprozesse!“, so Landefelds Warnung.

eco-Positionierung: Cybersicherheit darf nicht zum Einfallstor für staatliche Netzlenkung und Systemmanipulation werden

In der Begründung des Referentenentwurfs werde ausdrücklich beschrieben, dass Datenverkehr auf polizeilich kontrollierte Systeme – sogenannte Sinkholes – umgeleitet werden könne. Ein staatlich angeordnetes Umlenken von „Traffic“ schaffe damit eine technische Infrastruktur, welche strukturell geeignet sei, Kommunikationsflüsse zentral zu beeinflussen. Instrumente wie DNS- und Routing-Eingriffe sowie staatlich angeordnete „Traffic“-Umleitungen seien Bausteine, welche bislang vor allem im Kontext von Zensur- und Kontrollregimen diskutiert worden seien.

  • „Wenn wir solche Mechanismen gesetzlich normalisieren, etablieren wir Instrumente, die strukturell für Inhaltslenkung missbraucht werden könnten und verlieren zugleich an Glaubwürdigkeit in der internationalen Debatte über digitale Freiheitsrechte“, unterstreicht Landefeld. Er führt weiter aus: „Um es einmal deutlich zu sagen: Exakt dieselben Mechanismen und Anordnungsbefugnisse mit identischen, niedrigen Begründungserfordernissen haben wir bisher als Gesetze in Russland oder der Türkei auf allen Ebenen massiv kritisiert. Soll das jetzt die neue Normalität auch bei uns in Deutschland werden?“

Abschließend stellt der eco klar, dass Cybersicherheit nicht zum Einfallstor für staatliche Netzlenkung und Systemmanipulation werden dürfe. Ziel müsse die Stärkung der Resilienz digitaler Infrastrukturen sein – nicht die Etablierung weitreichender staatlicher Steuerungs- und Eingriffsmöglichkeiten im Netz. Der Gesetzgeber sei jetzt gefordert, den Entwurf grundlegend zu überarbeiten und klare, rechtsstaatlich tragfähige Leitplanken einzuziehen.

Weitere Informationen zum Thema:

eco VERBAND DER INTERNETWIRTSCHAFT
Über uns: eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. / Wir gestalten das Internet.

eco VERBAND DER INTERNETWIRTSCHAFT
Vorstand@eco: Klaus Landefeld – Stellv. Vorstandsvorsitzender, Vorstand Infrastruktur und Netze

Handelsblatt, Dietmar Neuerer, 27.02.2026
Cyberangriffe / Dobrindt rüstet Sicherheitsbehörden für digitale Abwehr: Der Innenminister will dem Bundeskriminalamt, der Bundespolizei und dem BSI weitreichende Eingriffsrechte im Cyberraum geben – bis hin zum heimlichen Löschen von Daten.

SPIEGEL Politik, Roman Lehberger und Andreas Niesmannm 27.02.2026
Abwehr von Cyberangriffen BKA und Bundespolizei sollen Hacker aktiv bekämpfen können / »Zukunftsfähige Cyberabwehr aufbauen«: Bundespolizei und BKA sollen Attacken im Netz künftig aktiv stoppen können. Was die Regierung den Behörden dazu alles erlauben will, zeigt ein Gesetzentwurf, der dem SPIEGEL vorliegt.

datensicherheit.de, 18.12.2025
eco-Warnung: Bundespolizeigesetz droht digitale Sicherheit zu untergraben / Der eco äußert Kritik an „Staatstrojanern“, Chat-Kontrolle und drohendem Vertrauensverlust in verschlüsselte Kommunikation

]]>