ISO/IEC 42001 – datensicherheit.de Informationen zu Datensicherheit und Datenschutz https://www.datensicherheit.de Datensicherheit und Datenschutz im Überblick Thu, 26 Feb 2026 13:34:29 +0000 de hourly 1 ISO/IEC 42001: Verantwortungsvolle KI – ein neuer Standard für Cybersicherheit https://www.datensicherheit.de/iso-iec-42001-ki-standard-cybersicherheit https://www.datensicherheit.de/iso-iec-42001-ki-standard-cybersicherheit#respond Thu, 26 Feb 2026 13:33:09 +0000 https://www.datensicherheit.de/?p=52871 Bis zur Einführung der Norm existierte kein global einheitlicher Standard, der Governance, Risikomanagement und Verantwortlichkeiten für KI-Systeme systematisch definiert. Die Norm schließt diese Lücke und bietet Organisationen einen strukturierten Rahmen, um KI sicher, nachvollziehbar und regulatorisch konform zu betreiben.

Von unserem Gastautor Max Heinemeyer, Global Field CISO, Darktrace

[datensicherheit.de, 26.02.2026] Die Einführung der ISO/IEC 42001 markiert einen wichtigen Meilenstein für die sichere und verantwortungsvolle Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI). Als weltweit erste Managementsystem-Norm für KI schafft sie einen strukturierten Rahmen – insbesondere für sicherheitskritische Bereiche wie die Cybersicherheit.

Max Heinemeyer, Global Field CISO, Darktrace

Max Heinemeyer, Global Field CISO, Darktrace, Bild: Darktrace

In einer Zeit, in der KI nicht nur Prozesse automatisiert, sondern zunehmend eigenständig Entscheidungen vorbereitet oder trifft, ist ein klar definiertes Governance-Modell unerlässlich. Gerade in sensiblen Umfeldern wie der Datenverarbeitung und IT-Sicherheit bietet ISO/IEC 42001 eine dringend benötigte Orientierung.

Warum ein KI-Standard notwendig ist

KI-Systeme sind heute weit mehr als unterstützende Werkzeuge. Sie priorisieren Sicherheitsvorfälle, analysieren große Datenmengen in Echtzeit und reagieren automatisiert auf Bedrohungen. Diese Fähigkeiten erhöhen die Geschwindigkeit und Effektivität der Cyberabwehr erheblich. Gleichzeitig entstehen neue Risiken: mangelnde Transparenz, algorithmische Verzerrungen, unklare Entscheidungslogiken oder zusätzliche Angriffsflächen für Manipulation.

Bis zur Einführung der ISO/IEC 42001 existierte kein global einheitlicher Standard, der Governance, Risikomanagement und Verantwortlichkeiten für KI-Systeme systematisch definiert. Die Norm schließt diese Lücke und bietet Organisationen einen strukturierten Rahmen, um KI sicher, nachvollziehbar und regulatorisch konform zu betreiben.

Die Struktur der ISO/IEC 42001

Im Kern definiert die Norm Anforderungen an ein „Artificial Intelligence Management System“ (AIMS). Die Struktur orientiert sich an etablierten ISO-Managementsystemen wie ISO/IEC 27001 und umfasst sieben zentrale Elemente:

Kontext der Organisation: Unternehmen müssen interne und externe Faktoren identifizieren, die Einfluss auf ihr KI-Managementsystem haben.

  • Führung: Die Unternehmensleitung trägt Verantwortung für Governance-Strukturen und stellt sicher, dass KI-Strategien klar definiert und umgesetzt werden.
  • Planung: Risiken und Chancen im Zusammenhang mit KI-Systemen müssen systematisch identifiziert, bewertet und dokumentiert werden.
  • Unterstützung: Ressourcen, Kompetenzen, Schulungen und Kommunikationsstrukturen sind bereitzustellen, um eine wirksame Steuerung des KI-Managementsystems zu gewährleisten.
  • Betrieb: Organisationen müssen Prozesse etablieren, die Entwicklung, Einsatz und Nutzung von KI-Systemen gemäß den definierten Richtlinien sicherstellen.
    Leistungsbewertung: Regelmäßige Überprüfung und Bewertung der Wirksamkeit des KI-Managementsystems sind verpflichtend.
  • Verbesserung: Das System muss kontinuierlich weiterentwickelt und an neue Risiken oder regulatorische Anforderungen angepasst werden.

Darüber hinaus enthält Annex A konkrete Kontrollziele, unter anderem zur Datennutzung, zum Lebenszyklus von KI-Systemen, zur Bewertung gesellschaftlicher Auswirkungen sowie zum Management von Drittanbieterrisiken.

Ein zentraler Aspekt der Norm ist die Kompatibilität mit bestehenden Standards wie ISO/IEC 27001 (Informationssicherheit) und ISO/IEC 27018 (Schutz personenbezogener Daten in Cloud-Umgebungen). Dadurch lässt sich KI-Governance in bestehende Compliance-Strukturen integrieren.

ISO/IEC 42001-Zertifizierung in der Praxis

Nach rund elf Monaten Implementierungsphase und erfolgreichen Stage-1- und Stage-2-Audits durch das British Standards Institute (BSI) gehört Darktrace zu den ersten Cybersicherheitsunternehmen weltweit mit ISO/IEC 42001-Zertifizierung.

Im Rahmen der Auditierung wurden Menschen, Prozesse und Technologien umfassend geprüft. Die Zertifizierung umfasst ein breites Spektrum an KI-Technologien – von maschinellen Lernverfahren über Bayes’sche Modelle und neuronale Netze bis hin zu graphentheoretischen Analysen und spezialisierten Large-Language-Models.

Diese Technologien kommen unter anderem bei Anomalieerkennung, autonomer Reaktion, Bedrohungsanalyse und forensischen Untersuchungen zum Einsatz.

Ein wesentlicher Unterschied liegt dabei im Ansatz der selbstlernenden KI: Systeme lernen das individuelle Normalverhalten jeder Kundenumgebung – von der Cloud über das Netzwerk bis zum E-Mail-Verkehr – ohne auf statische Regeln oder bekannte Angriffssignaturen angewiesen zu sein. Dadurch lassen sich auch bislang unbekannte Angriffe in Echtzeit identifizieren.

Bedeutung für Verantwortliche in der Datensicherheit

Für Fachkräfte im Bereich Datenschutz und Informationssicherheit bietet ISO/IEC 42001 konkrete Vorteile:

  • Strukturierte Dokumentation und Auditfähigkeit: Die Norm stellt ein prüfbares Rahmenwerk zur Bewertung von KI-Systemen bereit.
  • Regulatorische Vorbereitung: Mit zunehmender Regulierung – etwa durch den EU AI Act – gewinnt nachweisbare Governance an strategischer Bedeutung.
  • Vertrauensbildung: Eine Zertifizierung signalisiert Kunden, Partnern und Aufsichtsbehörden, dass KI nicht nur leistungsfähig, sondern auch verantwortungsvoll eingesetzt wird.

Damit fungiert ISO/IEC 42001 als internes Steuerungsinstrument und externes Vertrauenssignal zugleich.

Fazit: Ein notwendiger Schritt in die Zukunft

KI wird in der Cybersicherheit künftig eine noch zentralere Rolle einnehmen. Doch technologische Leistungsfähigkeit allein reicht nicht aus. Entscheidend ist ein Governance-Rahmen, der Transparenz, Kontrolle und kontinuierliche Verbesserung sicherstellt.

ISO/IEC 42001 ist kein rein regulatorisches Konstrukt, sondern ein praxisnahes Instrument für Organisationen, die KI verantwortungsvoll einsetzen möchten. Für Unternehmen im Bereich Datenschutz und Informationssicherheit empfiehlt es sich, die Norm frühzeitig in bestehende Managementsysteme zu integrieren – als Grundlage für eine nachhaltige und vertrauenswürdige KI-Strategie.

Über den Autor:

Max Heinemeyer ist ein Cyber-Sicherheitsexperte mit mehr als zehn Jahren Erfahrung in diesem Bereich. Sein Fokus liegt auf einer Vielzahl von Bereichen wie Penetrationstests, Red-Teaming, SIEM- und SOC-Beratung und die Jagd auf Advanced Persistent Threat (APT)-Gruppen. Bei Darktrace ist Heinemeyer eng mit den strategischen Kunden und Interessenten verbunden. Er arbeitet mit dem F&E-Team von Darktrace zusammen und gestaltet die Forschung zu neuen KI-Innovationen sowie deren verschiedenen defensiven und offensiven Anwendungen. Seine Erkenntnisse werden regelmäßig in internationalen Medien wie der BBC, Forbes und WIRED veröffentlicht. Er hat seinen Master of Science an der Universität Duisburg-Essen und seinen Bachelor of Science an der Dualen Hochschule Stuttgart in internationaler Wirtschaftsinformatik absolviert.

Weitere Informationen zum Thema:

datensicherheit.de, 21.01.2026
DAX-40-Unternehmen: Cybersicherheit von einer Randnotiz zum strategischen Kernthema

datensicherheit.de, 05.07.2016
KRITIS: TÜV Rheinland beschreibt fünf Vorteile der ISO 27001 für Betreiber

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