Dirk Arendt kritisiert die absurde Situation in Berlin nach dem schweren Cyberangriff auf die Verwaltung, welcher nun durch die angeblich „alternativlose“ Entscheidung der Senatsverwaltung, zur Eindämmung des Sicherheitsvorfalls einem US-amerikanischen Unternehmen weitgehenden Zugriff auf die Daten des Landes zu geben, begegnet werden soll
Der jüngste Cyberangriff auf die Berliner Verwaltung wirft offensichtlich nicht nur Fragen zur Cybersicherheit im engeren Sinne auf, sondern auch zur Digitalen Souveränität insgesamt. Dirk Arendt, „Director Public Sector & Government DACH“ bei TrendAI, kommentiert in seiner aktuellen Stellungnahme insbesondere den nun geplanten weitgehenden Zugriff eines US-Unternehmens auf die Daten des Landes: „Endgültig ab absurdum geführt wird die Situation in Berlin durch die angeblich ‚alternativlose‘ Entscheidung der Senatsverwaltung, zur Eindämmung des Vorfalls einem amerikanischen Unternehmen weitgehenden Zugriff auf die Daten des Landes zu geben – auch die bislang noch nicht abgeflossenen.“
Dabei gebe es in Deutschland zahlreiche nicht US-amerikanischer Jurisdiktion – wie z.B. dem „US CLOUD Act“ – unterliegende Dienstleister. „Offensichtlich ist man in der Senatsverwaltung der Meinung, jetzt sei es auch schon egal, wer welche Daten hat“, moniert Arendt.
Digitale Souveränität untrennbar mit Cybersicherheit und -resilienz verbunden
Der Cyberangriff auf die Berliner Verwaltung zeige einmal mehr schmerzhaft auf, „welch eklatante Mängel bei der Cybersicherheit der deutschen Verwaltung bestehen – mit massiven Folgen für unsere Souveränität“.
Digitale Souveränität – über kaum ein Thema sei in den vergangenen Monaten so intensiv diskutiert. „Wem können wir vertrauen?“, „Wer ist Partner, wer Rivale?“, „Wo liegen die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit?“, „Wie viel Autarkie ist sinnvoll?“
Dies seien zweifellos wichtige Fragen – und am Ende doch völlig irrelevant, wenn es schon an der Grundlage fehle. Denn Digitale Souveränität sei untrennbar mit Fragen von Cybersicherheit und -resilienz verbunden. „Das zeigt der aktuelle Cyberangriff auf die Berliner Senatsverwaltung eindrücklich“, so Arendt.
Auch KRITIS-Informationen betroffen
Der jüngste Vorfall betreffe einen riesigen Datensatz: 5,8 Terabyte zum Teil hochsensible Informationen wurden demnach kopiert.
Neben den personenbezogenen Daten Tausender Bürger gehe es auch um Informationen zur Kritischen Infrastruktur (KRITIS) der Bundeshauptstadt, Krisenreaktionspläne, Daten zu Rüstungsunternehmen und Bundeswehrstandorten.
„In Zeiten, in denen praktisch täglich über hybride Bedrohungslagen, Drohnen-Sichtungen und Spionageverdacht berichtet wird, lassen wir zu, dass mögliche Feinde solche ,Kronjuwelen’ einfach im Internet herunterladen können.“
Souveränität setzt Sicherheit voraus
Arendt führt weiter aus: „Unter diesen Voraussetzungen darüber zu streiten, von welchem Anbieter wir ein Textverarbeitungsprogramm beziehen, wirkt mindestens irritierend. Vielmehr zeigt sich unmissverständlich: Eine funktionierende Cybersicherheit bildet überhaupt erst das Fundament, auf dem jegliche Digitale Souveränität aufbauen kann.“
Nur mit sicheren Technologien und Infrastrukturen könnten Staat und Verwaltung wirklich souverän agieren. Diese Grundlage zu schaffen, wurde und wird laut Arendt jedoch nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland, seit Jahrzehnten systematisch versäumt – durch „Kleinstaaterei“, Ausnahmeregelungen und letztendlich mangelnden politischen Willen.
So könne es mit Blick auf die Geschehnisse in Berlin nur als großer Fehler bezeichnet werden, „dass die Landesverwaltungen nicht vom NIS2-Umsetzungsgesetz erfasst werden“. Immerhin betreffe der Datenabfluss eben nicht nur Berliner Bürger – was schon schlimm genug wäre – sondern vielmehr auch den Bund, andere Länder, den Zivilschutz und den Verteidigungssektor. „Warum eine Verwaltung, die solche Daten besitzt und verarbeitet nicht als ,wichtige Einrichtung’ bzw. Kritische Infrastruktur bewertet und reguliert wird, ist absolut unverständlich“, unterstreicht Arendt.
Nächste Souveränitätsverletzung als vermeintliche Lösung
Endgültig ab absurdum geführt werde die Situation in Berlin durch die angeblich „alternativlose“ Entscheidung der Senatsverwaltung, zur Eindämmung des Vorfalls einem US-amerikanischen Unternehmen weitgehenden Zugriff auf die Daten des Landes zu geben – auch auf die bislang noch nicht abgeflossenen.
Leider reihe sich dieser Vorfall in Berlin in eine lange Serie schwerwiegender IT-Sicherheitsvorfälle in der öffentlichen Verwaltung ein. Da könne es kaum überraschen, dass immer weniger Bürger dem Staat zutrauten, seine Aufgaben effektiv zu erfüllen. Digitale Souveränität und Cybersicherheit seien in diesem Kontext keine Nebenschauplätze, sondern zentrale Faktoren für die staatliche Handlungsfähigkeit. „Ein Staat, der digital nicht mehr funktioniert, gefährdet letztendlich seine Zukunft!“, warnt Arendt.
Cybersicherheit, Resilienz und Digitale Souveränität müssen als Einheit verstanden werden
Cybersicherheit, Resilienz und Digitale Souveränität seien untrennbar miteinander verbunden. „Eine sichere und digital leistungsfähige Verwaltung ist unerlässlich für die Zukunft unserer Gesellschaft und unserer Demokratie!“
Arendt stellt klar: „Unser Staat ist dabei gefordert, sich auf vertrauenswürdige Partnerschaften zu konzentrieren, die nicht nur technologische Lösungen bieten, sondern auch Souveränitätsanforderungen genügen.“
Nur so könne man die Herausforderungen der digitalen Zukunft erfolgreich meistern und die Grundlagen für eine sichere, souveräne und handlungsfähige Gesellschaft legen.
Zentrale Erkenntnisse der DS-Redaktion
- Datensicherheit und Digitale Souveränität bedingen einander und sind in einem umfassenden Konzept – von der Prävention bis zur Notfall- und Wiederanlaufplanung – frühzeitig vorzusehen, eben noch bevor ein Schadensvorfall dann vermeintlich nur noch Pseudo-Lösungen zulässt.
- Da offensichtlich die Perimeter-Grenzen verwischen, sollten auf Basis der oft kolportierten Erkenntnis „Jede Kette ist nur so stark wie das schwächste Glied!“ endlich in der Praxis zielführende Maßnahmen eingeleitet werden.
- Sicherheit und Souveränität gehen einher mit Verantwortung – statt nach einem Schadensfall irgendwo anders vermeintlich „Schuldige“ zu suchen, gilt es, im Rahmen eines ganzheitlichen Konzeptes Verantwortlichkeiten unmissverständlich zu definieren.
- Die Angelegenheit ist „Chefsache“ – wer auf der Entscheiderebene angesiedelt ist, steht zuerst und zuletzt dafür in der Verantwortung.
- Neben der Verantwortung der Entscheiderebene kommt dieser auch eine Vorbildfunktion zu – wenn diese ignoriert wird, entsteht eben keine notwendige Lernkultur im Gemeinwesen (aber auch nicht in Betrieben und Institutionen), sondern eine wuchernde Subkultur der Unsicherheit.
Fazit
Der schwere Vorfall in Berlin sollte eine Weckruf sein, sich jetzt nicht in Wahlkampf-Getöse zu verlieren, sondern ein Impuls, gemeinsam die offenkundigen Schwachstellen umgehend zu beseitigen und IKT-Netzwerke resilient und stabil zu gestalten.
Weitere Informationen
DATENSICHERHEIT.DE, 08.09.2026
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