DigiCert: Zertifikatsausfälle werden zum Infrastruktur-Risiko

Mike Nelson, Global Vice President, Field CTO bei DigiCert
Mike Nelson, Global Vice President, Field CTO bei DigiCert, Bild: DigiCert

Zertifikatsausfälle werden zum kritischen Infrastruktur-Risiko, während steigende Zertifikatsmengen und kürzere Laufzeiten den Handlungsdruck erhöhen. Viele Unternehmen sind beim automatisierten Zertifikatsmanagement jedoch noch nicht ausreichend vorbereitet.

DigiCert hat Ergebnisse seines weltweiten Certificate Management Outlook veröffentlicht. Sie zeigen, dass Zertifikatsvorfälle für Unternehmen zunehmend kostspieliger werden. Fast jede vierte Organisation gab an, dass ihr schwerwiegendster Zertifikatsvorfall mehr als 250.000 US-Dollar gekostet hat, 5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Im vergangenen Jahr kam es bei mehr als einem Drittel der befragten Organisationen zu einem Dienstausfall, der durch ein abgelaufenes Zertifikat verursacht wurde. Fast drei Viertel meldeten mindestens fünf Stunden zertifikatsbedingte Ausfallzeit, jede fünfte sogar 25 Stunden oder mehr. Lange Ausfälle können kritische Dienste stören, die Produktivität der Mitarbeitenden lahmlegen und das Vertrauen der Kunden untergraben. Entsprechend ist die Absicherung von Zertifikaten für moderne Organisationen zu einer der obersten Prioritäten geworden.

Ausmaß und Dauer dieser Ausfälle verweisen auf eine Herausforderung für die Unternehmensresilienz, die über das Sicherheitsteam hinausreicht: Mehr als die Hälfte der Befragten stuft Zertifikatsausfälle als Infrastrukturproblem ein. Das automatisierte Management des Zertifikatslebenszyklus rangiert inzwischen auf Platz drei der Cybersicherheitsprioritäten von Organisationen, noch vor der Vereinfachung von Compliance, der Standardisierung von IoT-Sicherheit und dem Ausbau von Zero Trust.

Die Umsetzung hält damit jedoch nicht Schritt: Nur 10 Prozent gaben auf die Frage nach den Hürden an, dass sie „bereits über eine Automatisierung verfügen“.

„Ein abgelaufenes Zertifikat kann einen kritischen Dienst genauso schnell lahmlegen wie jeder andere Infrastrukturausfall“, sagte Mike Nelson, Global Vice President, Field CTO bei DigiCert. „Da die Zertifikatslaufzeiten auf 47 Tage schrumpfen, lassen sich Tabellen und Kalendererinnerungen schlicht nicht skalieren. Organisationen müssen jedes einzelne Zertifikat kennen, das sie besitzen, wissen, wo es liegt und wer dafür verantwortlich ist, und dann den Lebenszyklus automatisieren, bevor aus einem übersehenen Ablaufdatum ein Betriebsausfall wird.“

Dieser Druck wird weiter zunehmen, da die Zertifikatsmengen steigen und die Laufzeiten schrumpfen. Fast drei Viertel der Organisationen erwarten, dass die Mengen in den nächsten zwei Jahren zunehmen, während mehr als die Hälfte bereits über 1.000 Zertifikate verwaltet.

Ab 2029 werden Branchenregeln öffentliche TLS-Zertifikate auf 47 Tage und die Wiederverwendung einer Domain-Validierung auf 10 Tage begrenzen, was das Sicherheitsrisiko verringert, indem Zertifikatsinformationen häufiger aktualisiert werden. Ein Unternehmen, das 1.000 öffentliche TLS-Zertifikate verwaltet, könnte dadurch pro Jahr rund 8.000 Zertifikatsausstellungen und 40.000 Domain-Validierungen bewältigen müssen.

Weitere Ergebnisse

  • 30 Prozent bereiten sich noch nicht aktiv auf kürzere Zertifikatslaufzeiten vor.
  • Der Grad der Vorbereitung variiert je nach Markt: 74 Prozent der US-Organisationen bereiten sich aktiv vor, verglichen mit 71 Prozent im Vereinigten Königreich und 62 Prozent in Australien.
  • Die Inkompatibilität mit älteren Technologiesystemen im Unternehmen ist mit 25 Prozent die größte Hürde für die Automatisierung, gefolgt von Budgetbeschränkungen mit 21 Prozent.
  • 40 Prozent verzeichneten Dienstausfälle aufgrund von fehlerhaftem Zertifikatsmanagement, und mehr als die Hälfte ist sehr oder äußerst besorgt über den Ablauf von Zertifikaten.

Methodik

Die Ergebnisse basieren auf einer unabhängigen Umfrage, die Propeller Insights im Auftrag von DigiCert im Mai 2026 durchgeführt hat. Befragt wurden 1.001 IT- und Cybersicherheits-Entscheider in den Vereinigten Staaten, im Vereinigten Königreich und in Australien.

Zentrale Erkenntnisse der DS-Redaktion

  • Zertifikatsausfälle werden zum Infrastrukturproblem: Mehr als die Hälfte der Unternehmen stuft sie als Infrastruktur- und nicht nur als Security-Thema ein.
  • Ausfälle haben konkrete Geschäftskosten: Fast jede vierte Organisation beziffert ihren schwerwiegendsten Zertifikatsvorfall auf mehr als 250.000 US-Dollar.
  • Zertifikatsbedingte Downtime ist weit verbreitet: Mehr als ein Drittel verzeichnete Ausfälle durch abgelaufene Zertifikate; fast drei Viertel meldeten mindestens fünf Stunden Ausfallzeit.
  • Die Komplexität nimmt weiter zu: Fast drei Viertel erwarten steigende Zertifikatsmengen, während die Laufzeiten auf künftig 47 Tage sinken.
  • Automatisierung hinkt dem Risiko hinterher: Obwohl automatisiertes Zertifikatsmanagement bereits zu den Top-3-Cybersecurity-Prioritäten zählt, verfügen nur 10 Prozent der Befragten bereits über entsprechende Automatisierung.

Weitere Informationen

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