Der Ausbau vernetzter Photovoltaikanlagen erhöht die Cyberrisiken für die europäische Stromversorgung. EU-Experten warnen vor möglichen Angriffen auf Solaranlagen und Wechselrichter mit weitreichenden Folgen. Betreiber sollten bestehende Systeme proaktiv schützen – durch sichere Fernwartung, minimierte Internetzugänge sowie konsequentes Identitäts- und Zugriffsmanagement.
Der rasante Ausbau der Solarenergie in Europa erhöht neben der Anzahl der Energiequellen gleichermaßen die Anfälligkeit des Stromsystems für Cybersicherheitsrisiken – im Kontext an das Internet angebundener Photovoltaikanlagen. Da immer mehr Wechselrichter und Solaranlagen aus der Ferne überwacht, konfiguriert und aktualisiert werden, steigt auch das Risiko koordinierter Cyberangriffe, welche große Mengen an Erzeugungskapazität beeinträchtigen könnten.
EU-Experten haben drei drei wesentliche Cybersicherheitsrisiken für internetangebundene Solar-PV dentifiziert. Shane Barney, CISO von Keeper Security, geht in seiner aktuellen Stellungnahme auf diese Herausforderung ein. Er legt den Betreibern dringend nahe, nicht untätig zu bleiben und erst auf neue Vorschriften zu warten.
SEEG-Warnung gerade zum richtigen Zeitpunkt
Barney betont: „Die Warnung der ,Smart Energy Expert Group’ der Europäischen Kommission vor einer möglichen Destabilisierung des Stromnetzes kommt angesichts des Cybersicherheitsvorfalls, der auf die Kühlanlagen französischer Einzelhändler abzielte, zum richtigen Zeitpunkt!“
In ihrem Bericht warne die SEEG vor den Risiken, wenn Angreifer die Kontrolle über eine große Anzahl mit dem Internet verbundener Solaranlagen erlangen.
„Ersetzt man die bei dem französischen Kühlanlagen-Vorfall gekaperten Steuerungen durch Solarwechselrichter, gilt das gleiche Muster. Daher betreffen die praktischsten Empfehlungen des SEEG-Berichts die Art und Weise, wie Wechselrichter mit dem Internet kommunizieren.“
Strengere Standards für Produkte von morgen helfen kaum bei bereits installierten und online geschalteten Anlagen
Für Großanlagen fordert der Bericht demnach , dass der Datenverkehr dokumentiert, verschlüsselt und authentifiziert wird, ausgehende Verbindungen auf zugelassene Server in der EU oder in Rechtsräumen mit gleichwertiger Sicherheit beschränkt werden, eingehende Kommunikation von außerhalb des lokalen Netzwerks blockiert wird und die Authentifizierung für den Fernzugriff verstärkt wird.
„Danfoss, das Unternehmen, dessen Steuerungen bei dem Vorfall in Frankreich ins Visier genommen wurden, rät seinen Kunden nun vergleichbare Maßnahmen zu ergreifen, darunter die Beseitigung direkter Internetanbindung“, so Barney. Eine reaktive Abhilfe erweise sich jedoch fast immer als kostspieliger als proaktive Maßnahmen.
„Es wird allerdings einige Zeit dauern, bis die Regulierung nachzieht, und Standards für Produkte, die morgen auf den Markt kommen, helfen kaum bei bereits installierten und online geschalteten Anlagen.“
Identitäts- und Zugriffsverwaltung von entscheidender Bedeutung
Betreiber sollten daher nicht untätig bleiben und auf neue Vorschriften warten:
Vielmehr gelte es, alle vernetzten Anlagen und deren Support-Status zu erfassen, die eingehende Internet-Exposition zu beseitigen, den Zugriff von Dritten über eine Plattform zur Verwaltung privilegierter Zugriffe zu regeln, die Zugangsdaten dieser Systeme zu rotieren und Verantwortlichen zuzuweisen.
„Die Regulierung legt die Mindestanforderungen fest, aber die Identitäts- und Zugriffsverwaltung entscheidet darüber, wie weit die Betreiber darüber hinausgehen“, gibt Barney abschließend zu bedenken.
Zentrale Erkenntnisse der DS-Redaktion
- Gerade waren Kühlanlagen für Lebensmittel von Cybermanipulation in Frankreich betroffen – morgen könnten es andere kritische Systeme mit Fernwartungsanschluss auch in Deutschland sein.
- KRITIS-Betreiber müssen zu jedem Zeitpunkt quasi mit einer Echtzeit-Inventur aller vernetzten Anlagen aufwarten können – es wäre fatal, wenn potenzielle Cyberangreifer besser informiert sind als die Betreiber.
- Erst zu reagieren, wenn etwas Schlimmes passiert ist, statt proaktiv Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen, beschädigt nicht nur das Image der Anbieter und kostet unter Umständen hohe Geldbeträge – es kann in der EU zu einer kontinentalen Katastrophe ungeahnten Ausmaßes führen.
- KRITIS-Betreiber sind in der Pflicht, die „Zeichen an der Wand“ ernst zu nehmen und entsprechende Technisch-Organisatorische Maßnahmen (TOM) einzuleiten.
- Bequemlichkeit im Kontext einer Fernwartung darf niemals mit Leichtsinnigkeit einhergehen.
Fazit der DS-Redaktion
Mit dem Vernetzungsgrad nimmt auch das Risiko koordinierter Cyberangriffe mit gewaltigen Auswirkungen in der Fläche zu. Mit Blick auf den bevorstehenden Winter sollten in der EU umgehend Maßnahmen zur Absicherung der Energieversorger getroffen werden!
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