Cloud-Anbieter: Nur jedes fünfte Unternehmen kann innerhalb von drei Wochen wechseln

Eine Leaseweb-Studie zeigt mangelnde digitale Unabhängigkeit und wachsende Bindung durch KI
Marcus Busch, Geschäftsführer Leaseweb Deutschland, Bild: Leaseweb
Marcus Busch, Geschäftsführer Leaseweb Deutschland, Bild: Leaseweb

Digitale Souveränität bedeutet vor allem echte Wahlfreiheit beim Wechsel von Cloud- und Infrastrukturanbietern. Die „Leaseweb Digital Independence Survey 2026“ zeigt: Nur 22 Prozent der deutschen Unternehmen könnten geschäftskritische Workloads innerhalb von drei Wochen migrieren. Gleichzeitig erwarten 76 Prozent, dass KI ihre Abhängigkeit von wenigen Anbietern weiter verstärkt.

Sehr oft wird im Kontext der Digitalen Souveränität der Aspekt digitaler Unabhängigkeit allgemein diskutiert. Marcus Busch, Geschäftsführer Leaseweb Deutschland, merkt hingegen an, dass vor allem folgende Frage der Erörterung bedarf: „Aber wie schnell könnten deutsche Unternehmen im Ernstfall kritische ,Workloads’ von einem Cloud-Anbieter zu einem anderen verlagern?“

Er macht Ausführungen zu Erkenntnissen mit Verweis auf die aktuellen Studie „Leaseweb Digital Independence Survey 2026“, für die demnach 800 C-Level-Führungskräften in Unternehmen mit 500 bis 5.000 Mitarbeitern befragt wurden – darunter 200 aus Deutschland. Leaseweb ist ein globaler Anbieter von Cloud-Diensten und „Infrastructure as a Service“ (IaaS).

Die dem Report zugrundeliegende Befragung sei durch Censuswide zwischen dem 22. und 30. September 2026 durchgeführt worden – mit jeweils 200 Teilnehmern in Großbritannien, den USA, Deutschland und den Niederlanden. Anzustreben sei eine echte Wahlfreiheit – die nun vorliegende Untersuchung zeige allerdings, dass viele Unternehmen weniger Optionen hätten als erwartet.

Deutschland steht im internationalen Vergleich noch vergleichsweise gut da

Nur 22 Prozent der deutschen Unternehmen könnten geschäftskritische „Workloads“ innerhalb von drei Wochen von ihrem größten Cloud- oder Infrastrukturanbieter zu einem anderen Anbieter migrieren, während zugleich 60 Prozent der Auffassung seien, Kontrolle über ihre Daten zu haben.

Dies gehe aus einer neuen Umfrage von Leaseweb unter 200 deutschen C-Level Führungskräften hervor. Mit diesen Ergebnissen stehe Deutschland im internationalen Vergleich noch gut da: In Großbritannien und den Niederlanden könnten nur jeweils sechs Prozent innerhalb von drei Wochen wechseln, in den USA neun Prozent.

40 Prozent der Befragten aus deutschen Unternehmen hätten angegeben, dass eine solche Migration geschäftskritischer „Workloads“ länger als drei Monate dauern würde – deutlich weniger als im Durchschnitt der anderen drei untersuchten Länder (59%). Die Herausforderung für viele Unternehmen bestehe darin, dass diese Abhängigkeit durch Künstliche Intelligenz (KI) voraussichtlich noch weiter zunehmen werde.

Als Reaktion auf geopolitische Herausforderungen Maßnahmen ergreifen

Insgesamt erwarten mehr als drei Viertel (76%) der deutschen Befragten, dass KI ihre Abhängigkeit von einer kleinen Anzahl von Anbietern in den nächsten drei Jahren verstärken werde.

Geopolitischer Druck führe zu Änderungen bei den Infrastrukturstrategien: Rund zwei Drittel (65%) der in Deutschland Befragten hätten als Reaktion auf geopolitische Herausforderungen Maßnahmen ergriffen, um die Abhängigkeit von einem bestimmten Technologie- oder Infrastrukturanbieter zu verringern.

Dieser Wert liege deutlich niedriger als in den anderen Ländern (82%). Unternehmen würden der Unabhängigkeit einen klaren finanziellen Wert beimessen: Fast alle Befragten wären bereit, mehr zu zahlen, um mehr Kontrolle zu erlangen, die Abhängigkeit von Anbietern zu verringern oder ihre Handlungsfreiheit zu verbessern. 79 Prozent in Deutschland würden elf Prozent oder mehr Aufpreis in Kauf nehmen.

Abhängigkeiten verstehen: Wer Anwendungen auf der Plattform eines Anbieters aufgebaut hat, wechselt selten schnell oder einfach

„Digitale Unabhängigkeit bedeutet, dass man einfach wechseln kann. Es geht um echte Wahlfreiheit. Unsere Untersuchung zeigt, dass viele Unternehmen weniger Optionen haben, als sie denken“, kommentiert Busch.

Er führt aus: „Viele Unternehmen glauben, sie hätten die volle Kontrolle über ihre Daten. Doch wer Anwendungen auf der Plattform eines Anbieters aufgebaut hat, wechselt selten schnell oder einfach. Künstliche Intelligenz dürfte die Bindung an wenige Anbieter noch verstärken.“

Führungskräfte müssten diese Abhängigkeiten deshalb jetzt verstehen und handeln – „nicht erst, wenn eine Preiserhöhung oder eine geopolitische Verschiebung sie dazu zwingt“.

Weitere Ergebnisse der „Leaseweb Digital Independence Survey 2026“:

  • „Private Cloud“
    Diese sei in den befragten deutschen Unternehmen mit 39,5 Prozent das führende Infrastrukturmodell. 22,5 Prozent setzten hauptsächlich auf eine On-Premises-Infrastruktur, während 21 Prozent vornehmlich die „Public Cloud“ nutzen.
  • Auswahl des Cloud-Dienstleisters
    Auf die Frage, in welchem Bereich man bei Auswahl eines Cloud-Dienstleisters am ehesten Kompromisse eingehen würde, sähen nur etwa ein Viertel (26%) der in Deutschland Befragten die Einhaltung gesetzlicher und regulatorischer Vorschriften als unverhandelbar und nur drei von zehn (30%) Sicherheit und Datenschutz.
  • Hindernisse für digitale Unabhängigkeit
    Als häufigstes Hindernis für digitale Unabhängigkeit stehe in Deutschland die Komplexität von Altsystemen an erster Stelle (30%). Auf den weiteren Plätzen folgten regulatorische Anforderungen, Datenhoheit oder Speicherort-Vorschriften (27%), vertragliche Verpflichtungen gegenüber bestehenden Anbietern (26%) und der Umgang mit Technologie- und Anbieterabhängigkeit im Zusammenhang mit der Einführung von KI (26%). In den anderen drei Ländern stünden hier KI-Technologien und die Abhängigkeit vom Anbieter mit 29 Prozent ganz vorne.

Zentrale Erkenntnisse der DS-Redaktion

  • Nur ein gutes Fünftel der befragten deutschen Unternehmen könnte innerhalb von drei Wochen den Cloud- bzw. Infrastrukturanbieter wechseln.
  • Weitere 40 Prozent der Befragten gehen von einer länger als drei Monate dauernden Migration geschäftskritischer „Workloads“ aus.
  • Dass Deutschland im Vergleich vermeintlich gut dasteht, sollte nicht zur Nachlässigkeit verleiten – denn mit vermehrtem KI-Einsatz drohen Abhängigkeiten eher noch stärker zu werden.
  • Daher sollten Führungskräfte diese Abhängigkeiten jetzt verstehen und noch rechtzeitig zielführend handeln, bevor veränderte Rahmenbedingungen dazu zwingen.
  • Als ernstes Hindernis für digitale Unabhängigkeit wird in Deutschland zudem die Komplexität von Altsystemen an erster Stelle genannt.

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