Im Spannungsfeld zwischen rasantem technologischen Fortschritt und neuen regulatorischen Rahmenbedingungen stehen Industrie und Wissenschaft vor der Herausforderung, abstrakte Vorgaben in konkrete technische Handlungsempfehlungen zu übersetzen.
Sogenannte cyber-physische Systeme gelten als das Rückgrat der Industrie 4.0, der automatisierten Mobilität sowie der intelligenten Energie- und Infrastruktursysteme. Im Kontext der zunehmenden Integration Künstlicher Intelligenz (KI) entstehen hochadaptive, autonome Systeme (KI-Systeme), deren Absicherung und Zuverlässigkeit von fundamentaler Bedeutung für die Betriebssicherheit (im Sinn von „Safety“) sind.
Die vom Verein Deutscher Ingenieure e.V. geplante Richtlinienarbeit zur „Sicherheit von cyber-physischen KI-Systemen“ soll nun eine essenzielle Grundlage für die Entwicklung, den Einsatz und den Betrieb solcher Systeme bilden. Insbesondere soll das umfassende Zusammenwirken von physischer Hardware, Software-Algorithmen, KI-Modellen als Gesamtsystem und Betriebsstrategien behandelt werden. Interessenten können sich bei der VDI-Gesellschaft Produkt- und Prozessgestaltung melden.
Wissenschaft und Technik in die praxisnahe Anwendung von KI im Ingenieurwesen überführen
Im Zuge des rasanten Fortschritts der KI-Technologien und neuen regulatorischen Rahmenbedingungen – wie etwa dem EU AI Act oder der neuen „EU-Maschinenverordnung“ – stehen Industrie und Wissenschaft vor der Herausforderung, abstrakte Vorgaben in konkrete
technische Handlungsempfehlungen zu übersetzen.
Bisherige klassische Sicherheitsnachweise stoßen bei lernenden und probabilistischen KI -Komponenten an ihre Grenzen, weshalb erweiterte Anforderungen an die Validierung, Verifizierung und das Risikomanagement definiert werden müssen.
Vor diesem Hintergrund möchte der VDI einen Richtlinienausschuss einrichten, um hierzu konkrete Handlungsempfehlungen für alle Entscheider und Anwender zu erarbeiten. Ziel ist es demnach, den aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik abzubilden und eine praxisorientierte Brücke zwischen KI-Entwicklung und klassischer Ingenieurpraxis zu schlagen.
Für diese Arbeit sucht der VDI engagierte Mitwirkende, welche ihre Erfahrung und ihr Fachwissen einbringen möchten – ehrenamtlich, interdisziplinär und mit dem Ziel, ein praxisnahes und zukunftsfähiges Regelwerk zu entwickeln. Der „Kick-Off“-Termin ist am Freitag, dem 11. Dezember 2026, von 10 bis 12 Uhr, als Webmeeting (ohne Gewähr).
Angestrebt wird laut VDI die erfolgreiche Abarbeitung folgender Punkte:
- Definition ganzheitlicher Sicherheitsbetrachtungen KI-basierter cyber-physischer Systeme auf System- und Prozessebene
- Integration aktueller regulatorischer Anforderungen in den Ingenieursalltag
- Berücksichtigung neuer Methoden zur Verifizierung, Validierung und kontinuierlichen Überwachung von KI-Modellen im physischen Einsatz
- Weiterentwicklung der Anforderungen an das Risikomanagement, die Erklärbarkeit (XAI) und die Resilienz gegenüber äußeren Einflüssen
- Berücksichtigung von Praxiserfahrungen aus der Implementierung, Zertifizierung und dem Betrieb intelligenter, autonomer Systeme
Zur Mitwirkung aufgerufen sind…
- Fachleute aus Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus, der Automatisierungstechnik, der Mobilitätsbranche und der Softwareentwicklung
- Entwickler und Datenwissenschaftler („Data Scientists“) mit Fokus auf industriellen KI-Anwendungen
- Ingenieure aus den Bereichen Funktionale Sicherheit, „Safety Engineering“ und „System Safety Management“
- Wissenschaftler aus den Bereichen Informatik, KI -Forschung und Robotik
- Behördenvertreter, Prüforganisationen und Sachverständige, welche sich mit der Zulassung und Zertifizierung von KI-Systemen befassen
Motivation zur Mitwirkung:
- Weil cyber-physische KI-Systeme eine Schlüsselrolle für die Zukunftsfähigkeit und Innovationskraft der Industrie spielen.
- Weil praxisnahe technische Regeln nur im Austausch zwischen KI-Experten, klassischen Ingenieursdisziplinen, Forschung und Prüfstellen entstehen können.
- Weil aktiv an der Mitgestaltung eines völlig neuen und hochrelevanten technischen Regelwerks mitgewirkt werden kann.
- Weil der fachliche Austausch im VDI-Netzwerk neue Impulse für die eigene Praxis, Standardisierung und Forschung bietet.
Fazit der DS-Redaktion
Die KI-Integration in Operational Technology (OT) verspricht viele Synergien hinsichtlich Effektivität und Effizienz in den Betrieben – auf der anderen Seite erwachsen neue Herausforderungen im Kontext ganzheitlicher Sicherheitsansätze: Nicht nur das Schutzziel Security ist bedroht, sondern auch die Betriebssicherheit im Sinne der Safety. Es ist deshalb sehr zu begrüßen, dass hier zeitnah die VDI-Richtlinienarbeit aufgenommen werden soll, um möglichst noch frühzeitig Orientierung bieten zu können.
Weitere Informationen
VDI
VDI-Gesellschaft Produkt- und Prozessgestaltung / Methoden, Tools und Know-how für effiziente Entwicklung, Systems Engineering und innovative Produktlösungen
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