Bitkom-Umfrage zu SmartGlasses: Dual-Use-Aspekt muss verantwortungsvoll begegnet werden

Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer Bitkom e.V.
Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer Bitkom e.V., Bild: Bitkom

Zwar würden viele Menschen selbst eine solche tragen – die Vorstellung aber, von anderen mit „SmartGlasses“ unbemerkt gefilmt oder fotografiert zu werden, ist nach repräsentativen Bitkom-Erkenntnissen den meisten Menschen ausgesprochen unangenehm.

Sogenannte SmartGlasses – ausgestattet mit Kamera, Mikrofon und KI-Anwendung direkt in der Brille – bieten neue Einsatzmöglichkeiten im Alltag, erzeugen aber zunehmend auch Sorge vor Missbrauch. Nach aktuellen Erkenntnissen des Digitalverbands Bitkom e.V. möchten zwar viele Menschen selbst eine solche tragen, fühlen sich aber eben unwohl, wenn andere dies tun. Die Vorstellung, von anderen mit „SmartGlasses“ unbemerkt gefilmt oder fotografiert zu werden, ist demnach den meisten Menschen ausgesprochen unangenehm: 76 Prozent möchten nicht, dass andere sie mit einer solchen Brille aufnehmen. Unter den 16- bis 29-Jährigen seien es 71 Prozent, bei den Menschen ab 65 Jahren 79 Prozent.

Männer störten sich mit 73 Prozent ähnlich häufig daran wie Frauen mit 78 Prozent. 62 Prozent würden Menschen mit einer solchen Brille nicht in ihr Zuhause lassen. Diesen Ergebnissen liegt laut Bitkom eine in Auftrag gegebene repräsentative Befragung unter 1.164 Personen in Deutschland ab 16 Jahren zugrunde.

76% möchten nicht von anderen mit einer solchen Brille aufgenommen werden

Kamera, Mikro und KI direkt in der Brille: „SmartGlasses“ bieten neue vielfältige Möglichkeiten im Alltag, gleichzeitig erzeugen sie aber auch Sorge vor Missbrauch. Zwar möchten viele Menschen selbst eine solche „Datenbrille“ tragen, fühlen sich aber unwohl, wenn andere dies tun.

Die Vorstellung, von anderen mit „SmartGlasses“ unbemerkt gefilmt oder fotografiert zu werden, ist den meisten Menschen ausgesprochen unangenehm: 76 Prozent möchten nicht, dass andere sie mit einer solchen Brille aufnehmen. Unter den 16- bis 29-Jährigen sind es 71 Prozent, bei den Menschen ab 65 Jahren 79 Prozent. Männer stören sich mit 73 Prozent ähnlich häufig daran wie Frauen mit 78 Prozent. 62 Prozent würden Menschen mit einer solchen Brille nicht in ihr Zuhause lassen.

Das seien Ergebnisse einer repräsentativen Befragung unter 1.164 Personen in Deutschland ab 16 Jahren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Bitkom Research habe die Befragung im Zeitraum der Kalenderwochen 20 bis KW 2026 durchgeführt und hierzu folgende Fragen gestellt: „Welche der folgenden Aussagen zu Brillen, die Ihnen virtuelle oder sprachliche Inhalte wiedergeben können, treffen auf Sie oder Ihrer Meinung nach zu bzw. nicht zu?“ sowie „Haben Sie eine solche Smarte Brille bereits genutzt?“.

Pauschale Verbote von „SmartGlasses“ wären sinnlos

Gleichzeitig bestehe in der Bevölkerung große Offenheit, selbst „SmartGlasses“ zu nutzen: So hätten 43 Prozent der Deutschen Interesse, eine solche Brille zu tragen: 15 Prozent hätten eine solche Brille bereits genutzt – ob im Alltag oder testweise – weitere 28 Prozent würden sie gerne nutzen. Für rund die Hälfte (52%) komme das Tragen einer solchen Brille allerdings nicht in Frage.

„,SmartGlasses’ haben großes Potenzial, digitale Assistenten nahtlos in unseren Alltag zu integrieren, und stoßen auf wachsendes Interesse. Die Sorgen der Menschen vor unbemerkten Aufnahmen müssen aber ernst genommen werden“, kommentiert der Bitkom-Hauptgeschäftsführer, Dr. Bernhard Rohleder.

Er führt weiter aus: „Kameras sind in der Öffentlichkeit allgegenwärtig – im Smartphone, als ,DashCam’ in Autos, als ,ActionCam’ beim Sport oder als ,BodyCam’ bei Sicherheitskräften.“ Pauschale Verbote von „SmartGlasses“ hätten auch deshalb einfach keinen Sinn.

Es gilt, Innovation und Schutz der Privatsphäre geschickt miteinander zu verbinden

Stattdessen braucht es laut Rohleder klare Regeln und technische Lösungen, welche Innovation und den Schutz der Privatsphäre miteinander verbinden. Entscheidend sei, dass Hersteller den Schutz von Privatsphäre bereits bei der Produktentwicklung berücksichtigen und für Umstehende jederzeit eindeutig erkennbar ist, wenn Bild oder Ton aufgenommen werden.

„Gleichzeitig müssten heimliche Aufnahmen empfindlich sanktionsbewehrt werden!“, betont Rohleder. 82 Prozent der Deutschen fänden es wichtig, dass „SmartGlasses“ für Umstehende klar erkennbar anzeigen, wenn sie Aufnahmen machen.

Dieser Wunsch ziehe sich durch nahezu alle Altersgruppen und liege jeweils bei mehr als 80 Prozent – bei 84 Prozent unter Männern sowie 81 Prozent unter Frauen. Aktuelle „SmartGlasses“ verfügten in aller Regel über eine LED, die signalisiert, wenn mit der Brille gefilmt wird. Wird diese LED abgeklebt, deaktiviere sich bei vielen Modellen automatisch die Kamera.

Zentrale Erkenntnisse der DS-Redaktion

  • Für den Einsatz sogenannter SmartGlasses lassen sich ohne Frage viele nützliche und seriöse Anwendungen im Alltag denken: Ob für Journalisten, Handwerker bzw. Monteure, medizinisches Personal, Kundenbetreuer, Gutachter u.v.a.m.
  • Auf der anderen Seite sind auch illegale bzw. il­le­gi­time Nutzungen zu befürchten – z.B. für Mobbing, Erpressung, Überwachung, Ausspähung.
  • Als eine innovative Hardware-Ausrüstung mit modernster Software-Ausstattung müssen deren Einsatz klare ethische und juristische Rahmen gesetzt werden.
  • Man könnte sich von dem Regelwerk etwa für Drohnen inspirieren lassen – deren Einsatz ist nicht pauschal verboten, hat aber in einem klaren rechtlichen Rahmen zu erfolgen.
  • Grundsätzlich sollte es für potenziell Betroffene erkennbar sein, ob eine Aufnahmefunktion aktiviert ist – Ton- bzw. Audio oder Video-Aufzeichnungen dürften nur mit Zustimmung der direkt Betroffenen erfolgen und klar umrissen verwendet werden.

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