Alexander Dobrindt – datensicherheit.de Informationen zu Datensicherheit und Datenschutz https://www.datensicherheit.de Datensicherheit und Datenschutz im Überblick Tue, 11 Nov 2025 12:01:12 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.7 https://www.datensicherheit.de/wp-content/uploads/cropped-datensicherheit-favicon-300x300-1-32x32.jpg Alexander Dobrindt – datensicherheit.de Informationen zu Datensicherheit und Datenschutz https://www.datensicherheit.de 32 32 BSI-Jahresbericht 2025: Trotz Fortschritten bei der Cybersicherheit weiterhin hohe Verwundbarkeit https://www.datensicherheit.de/bsi-jahresbericht-2025-fortschritte-cybersicherheit-fortdauer-verwundbarkeit https://www.datensicherheit.de/bsi-jahresbericht-2025-fortschritte-cybersicherheit-fortdauer-verwundbarkeit#respond Tue, 11 Nov 2025 23:56:09 +0000 https://www.datensicherheit.de/?p=50921 Immer mehr KRITIS-Betreiber erfüllen die Mindestanforderungen und internationale Ermittlungen gegen Cyberkriminelle zeigen Wirkung – dennoch bleibt die Lage weiter angespannt

[datensicherheit.de, 12.11.2025] Laut dem aktuellen Jahresbericht des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) für den Berichtszeitraum 1. Juli 2024 bis 30. Juni 2025 können Fortschritte bei der Cybersicherheit in Deutschland gemeldet werden – immer mehr Betreiber Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) erfüllten die Mindestanforderungen und internationale Ermittlungen gegen Cyberkriminelle zeigen Wirkung. Dennoch bleibe die Lage angespannt, da die mangelnde Umsetzung von Schutzmaßnahmen dazu führe, dass digitale Systeme angreifbar blieben.

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Foto: BMI, Hennig Schacht

Claudia Plattner warnt: Wir haben festgestellt, dass Cyberkriminelle überall dort eindringen, wo es ihnen möglich ist, und erst danach eruieren, welchen Schaden sie anrichten können… 

Bundesinnenminister und BSI-Präsidentin stellten BSI-Jahreslagebericht 2025 zur Cybersicherheit vor

Die KRITIS-Widerstandsfähigkeit nehme zu, indes bleibe Deutschland im Digitalen Raum immer noch verwundbar. Dies betonten Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und BSI-Präsidentin Claudia Plattner bei der Vorstellung des BSI-Jahreslageberichts 2025 zur Cybersicherheit.

  • Das bedeutet demnach: Viele digitale Systeme, Server und Online-Dienste sind weiterhin unzureichend geschützt und ermöglichen Angreifern, in Netzwerke einzudringen oder Daten zu stehlen.

Webanwendungen seien besonders häufig schlecht geschützt, auch Server oft falsch konfiguriert oder ungeschützt, und bekannte Sicherheitslücken würden oft zu spät oder gar nicht behoben.

Jede aus dem Internet erreichbare Institution oder Person prinzipiell bedroht

Zwischen Juli 2024 und Juni 2025 sei die Zahl der täglich neu entdeckten Schwachstellen um 24 Prozent gestiegen. Ein Grund sei: Mit fortschreitender Digitalisierung entstünden neue internetbasierte Anwendungen und Systeme. Werden diese nicht oder nicht gut genug geschützt, eröffneten sich potenzielle Einstiegspunkte für Cyberangriffe.

  • Bundesinnenminister Dobrindt unterstrich: „Digitale Sicherheit ist eine Kernfrage staatlicher Souveränität. Deshalb geben wir unseren Sicherheitsbehörden die Befugnisse, die sie brauchen, um das Land wirksam zu schützen. Mit dem ,Cyberdome’ schaffen wir ein starkes Schild gegen Angriffe aus dem Netz. Der Schutz Deutschlands bleibt eine gemeinsame Aufgabe – von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft!“

BSI-Präsidentin Plattner führte aus: „Wir müssen die ,Cybernation Deutschland’ weiterbauen und uns klarmachen: Jede aus dem Internet erreichbare Institution oder Person ist prinzipiell bedroht, Angreifer suchen gezielt nach den verwundbarsten Angriffsflächen. Ganz banal gesagt bedeutet das: ,Die Letzten beißen die Hunde!‘ Wir haben festgestellt, dass Cyberkriminelle überall dort eindringen, wo es ihnen möglich ist, und erst danach eruieren, welchen Schaden sie anrichten können. Nur, wer sich aktiv schützt, erhöht die Chancen, Gefährdungen zu entgehen oder Schadwirkungen zu minimieren!“

Organisierte Ransomware-Erpressergruppen bleiben größte Bedrohung

Finanziell motivierte Cyberangriffe (Cyber Crime) seien im Vergleich zum Vorjahr, 2024, um neun Prozent zurückgegangen. Dies sei unter anderem auf erfolgreiche internationale Ermittlungen unter Beteiligung von BKA und BSI zurückzuführen. Trotzdem blieben professionell organisierte Erpressergruppen, die mit Schadsoftware (Ransomware) arbeiteten, die größte Bedrohung.

  • Auch staatlich gesteuerte Akteure, welche mit komplexen und langfristigen Attacken politische oder wirtschaftliche Ziele verfolgten, seien zunehmend aktiv. Angesichts globaler Konflikte träten weitere Risiken in den Vordergrund. Besonders im „Cloud“-Bereich, in der Energieversorgung und in der Fahrzeugindustrie bestehe die Gefahr, dass Hersteller oder Anbieter dauerhaft und unkontrolliert Zugriff auf Systeme und Daten behielten.

Während große Betreiber ihre Schutzmaßnahmen zunehmend ausbauten, fehlten Kleineren und Mittleren Unternehmen (KMU) dafür oft die Ressourcen und das Bewusstsein für die eigene Verwundbarkeit. Ähnliche Herausforderungen zeigten sich bei Kommunen, politischen Organisationen, Vereinen und Parteien.

Verbraucher noch immer zu sorglos hinsichtlich ihrer IT-Sicherheit

Auch viele Verbraucher gingen noch zu sorglos mit IT-Sicherheit um. Schutzmaßnahmen wie Passkeys oder starke Passwörter in Kombination mit Zwei-Faktor-Authentisierung (2fA) und regelmäßige Updates müssten Teil einer Verbesserung des Schutzes vor Angriffen werden.

  • Hierbei seien insbesondere auch Hersteller und Anbieter in der Verantwortung, ihre Produkte und Dienste standardmäßig mit entsprechenden Schutzmaßnahmen auszustatten.

Zur weiteren Verbesserung der Widerstandsfähigkeit im Cyberbereich werde das Bundesministerium des Innern (BMI) den „Cyberdome“ aufbauen – ein teilautomatisiertes System zur Detektion und Analyse von Angriffen sowie zur Reaktion darauf. Außerdem würden die Cyberabwehrbefugnisse der Sicherheitsbehörden gestärkt, damit schwerwiegende Angriffe aktiv verhindert, abgemildert oder gestoppt werden könnten.

Weitere Informationen zum Thema:

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
Auftrag / Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist die Cybersicherheitsbehörde des Bundes und Gestalter einer sicheren Digitalisierung in Deutschland.

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
Die Leitung des BSI / Die Präsidentin – Claudia Plattner

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2025 / Berichtszeitraum: 01.07.2024 – 30.06.2025

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
Vision: Wir bauen gemeinsam die Cybernation Deutschland

Die Bundesregierung
Alexander Dobrindt – Bundesminister des Innern

heise online, Martin Holland, 30.06.2025
Kooperation mit Israel: Bundesinnenminister plant „Cyberdome“ für Deutschland / Alexander Dobrindt hat bei einem Besuch in Israel eine engere Zusammenarbeit im Bereich Cyberabwehr und Zivilschutz vereinbart. Er nennt das einen „Cyberdome“.

datensicherheit.de, 12.11.2025
Bitkom-Kommentar zum BSI-Lagebericht 2025: Deutschland eines der Top-Ziele Cyberkrimineller / Durch Cyberangriffe ist der deutschen Wirtschaft laut Bitkom zuletzt ein Rekordschaden von 202 Milliarden Euro entstanden

datensicherheit.de, 04.10.2025
Qilin-Gruppe dominiert: Ransomware-Angriffe auf deutsche Industrie nehmen zu / „Die Ransomware-Lage in Deutschland und Europa bleibt angespannt“, unterstreicht Abdulrahman H. Alamri und verweist auf die „Dragos Industrial Ransomware Analysis Q2 2025“

datensicherheit.de, 02.10.2025
Acronis: Ransomware dominiert Bedrohung im European Cybersecurity Month 2025 / Die Notwendigkeit des „European Cybersecurity Month“ unterstreichen laut Acronis aktuelle eigene Erkenntnisse – in der ersten Jahreshälfte 2025 blieb Ransomware weltweit die dominierende Bedrohung…

datensicherheit.de, 29.08.2025
Sophos: Ransomware setzt Einzelhandel massiv unter Druck – IT-Teams gelangen ans Limit / Anteil der Einzelhandelsunternehmen, welche zur Datenwiederherstellung nach einem Ransomware-Angriff Lösegeld zahlen, im Vergleich zu Vorjahren stark angestiegen

datensicherheit.de, 01.08.2025
NIS-2-Regierungsentwurf: Claudia Plattner würdigt großen Schritt auf dem Weg zur Cybernation / Mit dem am 30. Juli 2025 vorgelegten Regierungsentwurf des Gesetzes zur Umsetzung der NIS-2-Richtlinie soll das deutsche IT-Sicherheitsrecht umfassend modernisiert werden

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BKA: Innere Sicherheit erfordert entschlossene Bekämpfung Organisierter Kriminalität https://www.datensicherheit.de/bka-innere-sicherheit-entschlossenheit-bekaempfung-organisierte-kriminalitaet https://www.datensicherheit.de/bka-innere-sicherheit-entschlossenheit-bekaempfung-organisierte-kriminalitaet#respond Sat, 25 Oct 2025 22:48:00 +0000 https://www.datensicherheit.de/?p=50686 Das Bundeskriminalamt (BKA) hat das Bundeslagebild „Organisierte Kriminalität 2024“ veröffentlicht – Phänomen „Violence-as-a-Service“ adressiert Kinder und Jugendliche

[datensicherheit.de, 26.10.2025] Das Bundeskriminalamt (BKA) hat das Bundeslagebild „Organisierte Kriminalität 2024“ veröffentlicht – demnach bleibt die Bedrohung durch Organisierte Kriminalität (OK) in Deutschland weiterhin hoch und daher deren Bekämpfung ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit der Polizeibehörden von Bund und Ländern. 2024 seien bundesweit 647 OK-Ermittlungsverfahren geführt worden. Über 70 Prozent dieser Verfahren wiesen laut BKA eine transnationale Tatbegehung auf – Hauptbetätigungsfeld der OK bleibe dabei der Rauschgifthandel.

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Abbildung: BKA

Bundeslagebild „Organisierte Kriminalität 2024“ des BKA veröffentlicht

Kommentar des Bundesinnenministers zum Bundeslagebild „Organisierte Kriminalität 2024“

Der Bundesinnenminister, Alexander Dobrindt, betont: „Organisierte Kriminalität ist eine der größten Bedrohungen für unseren Rechtsstaat. Sie agiert brutal und skrupellos, weltweit – vom Drogenhandel über Geldwäsche bis zur Einflussnahme auf Entscheidungsträger.“

  • Diesen kriminellen Netzwerken müsse man den Nährboden entziehen, „indem man ihre Geldquellen konsequent austrocknet.“.

Er führt hierzu aus: „Wer innerhalb dieser Strukturen nicht erklären kann, woher sein Vermögen kommt, soll es verlieren!“ Dies sei ein Paradigmenwechsel – Polizei, Zoll und BKA zögen dabei an einem Strang. „Unser Ziel ist klar: Strukturen zerschlagen, Vermögen einfrieren, Sicherheit durchsetzen!“, so Dobrindt.

BKA setzt auf intensive nationale sowie internationale Zusammenarbeit

BKA-Präsident Holger Münch unterstreicht: „Entscheidend für die erfolgreiche Bekämpfung der OK ist die nachhaltige Zerschlagung ihrer Strukturen, ihrer Logistik und ihrer nationalen und transnationalen Vernetzung mit anderen kriminellen Akteuren!“

  • Im BKA setzten sie auf eine intensive nationale sowie internationale Zusammenarbeit – national etwa im „BKA-Kompetenzzentrum für digitale Finanzermittlungen“ oder der „Gemeinsamen Plattform der OK-Bekämpfung“ (GPOK).

„Wir beteiligen uns außerdem an internationalen Projekten wie einer ,Operational Taskforce’ bei EUROPOL zur Bekämpfung des Phänomens ,Violence-as-a-Service‘ (VaaS).

Zentrale BKA-Erkenntnisse aus vorliegendem Lagebild:

  • Von OK-Gruppierungen gehe weiterhin ein hohes Bedrohungspotenzial aus – unter anderem wegen einer zunehmenden Gewaltbereitschaft, auch im Öffentlichen Raum. Im Kontext des VaaS-Phänomens werben demnach kriminelle Gruppen der OK-Kategorie zudem Kinder und Jugendliche an, „die dann Drohungen, Angriffe oder Tötungen ausführen sollen“. Diese Anwerbung erfolge oft über Online-Plattformen oder Messenger-Dienste.
  • In jedem fünften OK-Verfahren sei die Nutzung kryptierter Messengerdienste festgestellt worden – vorrangig auf dem Gebiet der Rauschgiftkriminalität. Die Anzahl verfügbarer kryptierter Telekommunikationsdienste für den kriminellen Gebrauch nehme weiter zu. Die Entschlüsselung kryptierter Täterkommunikation bleibe damit zentraler Bestandteil für eine erfolgreiche OK-Bekämpfung.
  • Der durch OK-Gruppierungen verursachte Gesamtschaden habe 2024 bei 2,6 Milliarden Euro gelegen. Über zwei Drittel des insgesamt verursachten Schadens durch OK-Gruppierungen seien im Berichtsjahr auf den Phänomenbereich „Cybercrime“ entfallen, obwohl entsprechende Gruppierungen lediglich vier Prozent der Ermittlungsverfahren im Jahr 2024 ausgemacht hätten.
  • Die festgestellte gewaschene Geldsumme sei 2024 auf 230,5 Millionen Euro gestiegen. Dieser Anstieg sei insbesondere auf kriminelle Aktivitäten von Cybercrime-Gruppierungen und den Einsatz dogenannter Krypto-Mixern zurückzuführen. Solche Dienste würden auch als „Crime-as-a-Service“ (CaaS) angeboten. Damit gehe eine zunehmende Professionalisierung in den jeweiligen Deliktsbereichen einher.

BKA verfolgt mit Kooperationspartnern ganzheitlichen Bekämpfungsansatz

Ein wesentlicher Bestandteil des Vorgehens gegen OK auf nationaler Ebene sei die seit 2023 bestehende GPOK. Diese Plattform diene dem schnellen bundesweiten Inormationsaustausch zwischen den OK-Dienststellen von Bund und Ländern.

  • Das im BKA eingerichtete „Kompetenzzentrum für digitale Finanzermittlungen“ ermögliche den Austausch zu Neuerungen, Entwicklungen oder Modi Operandi zwischen nationalen und internationalen Strafverfolgungsbehörden sowie Stakeholdern aus betroffenen Sektoren und Unternehmen der Privatwirtschaft. Dieses Kompetenzzentrum optimiere die strategische und operative Zusammenarbeit aller relevanten Akteure und unterstütze Ermittlungen zu komplexen virtuellen Zahlungssystemen.
  • Um mögliche Drahtzieher zu identifizieren und Minderjährige zu schützen, arbeiteten neben dem BKA und EUROPOL weitere Dienststellen aus zehn europäischen Staaten seit April 2025 in einer „Operational Task Force“ zur Bekämpfung des VaaS-Phänomens zusammen.

Im internationalen Kontext werde auch über die „European Multidisciplinary Platform Against Criminal Threats“ (EMPACT) mit gemeinsam abgestimmten Maßnahmen auf Kriminalitätsentwicklungen reagiert. Dieser europäische Rahmen ergänze die bi- und multilateralen Kooperationen mit den Sicherheitsbehörden der EU-Mitgliedstaaten sowie weiteren relevanten Organisationen – wie eben beispielsweise EUROPOL.

Weitere Informationen zum Thema:

Bundeskriminalamt
Aufgabenbereiche des BKA: Nationale und internationale Zusammenarbeit, Ermittlungen, Forschung und Entwicklung, Verwaltung und Personenschutz – erfahren Sie hier mehr zu den vielfältigen Aufgabenbereichen der Kriminalpolizei des Bundes

Bundeskriminalamt
Bundeslagebild Organisierte Kriminalität 2024

Bundeskriminalamt, 19.08.2025
BKA bekämpft als Teil der Operational Taskforce GRIMM das Phänomen “Violence-as-a-Service”

EUROPOL
Über Europol / Europa sicherer machen

CEPOL EUROPEAN UNION AGENCY FOR LAW ENFORCEMENT TRAINING
European Multidisciplinary Platform Against Criminal Threats (EMPACT)

datensicherheit.de, 07.06.2025
Bundeslagebild Cybercrime 2024: BKA meldet zahlreiche Ermittlungserfolge bei anhaltend hoher Bedrohungslage / BKA-Präsident Münch berichtete am 3. Juni 2025, dass jeden Tag der Polizei in Deutschland zwei bis drei schwere Ransomware-Angriffe angezeigt werden

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BigBrotherAwards 2025 – „Oscars für Überwachung” als Gesprächsangebot https://www.datensicherheit.de/bigbrotherawards-2025-oscars-ueberwachung-gespraechsangebot https://www.datensicherheit.de/bigbrotherawards-2025-oscars-ueberwachung-gespraechsangebot#respond Sun, 12 Oct 2025 22:07:17 +0000 https://www.datensicherheit.de/?p=50507 Am 10. Oktober 2025 haben Digitalcourage und andere Bürgerrechtsorganisationen nun bereits zum 25. Mal die „BigBrotherAwards“ verliehen

[datensicherheit.de, 13.10.2025] Der Digitalcourage e.V. engagiert sich seit 1987 für Grundrechte, Datenschutz und „eine lebenswerte Welt im digitalen Zeitalter“. Die Akteure verstehen sich als „technikaffin“, wehren sich indes dagegen, dass unsere Demokratie „verdatet und verkauft“ wird. „Wir klären auf und mischen uns in Politik ein. Digitalcourage ist gemeinnützig, finanziert sich durch private Spenden und lebt durch die Arbeit vieler Freiwilliger.“ Am 10. Oktober 2025 haben Digitalcourage und andere Bürgerrechtsorganisationen nun bereits zum 25. Mal die „BigBrotherAwards“ („Oscars für Überwachung”) verliehen:

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Foto: Inflac, CC-BY-SA 4.0 [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0]
Auf der Bühne (v.l.n.r): Laudatorin Rena Tangens, Moderator Ralph Caspers und einer der Gründerväter von Digitalcourage, padeluun, im Gespräch zum 25. Jubiläum der „BigBrotherAwards“

„BigBrotherAward“ in der Kategorie „Behörden und Verwaltung“ an Bundesinnenminister Alexander Dobrindt

Die Laudatorin, Elisabeth Niekrenz, Rechtsanwältin bei der Kanzlei Spirit Legal in Leipzig, berät Unternehmen und öffentliche Stellen zur datenschutzkonformen Gestaltung ihrer Prozesse und Produkte. Von 2019 bis 2020 war sie politische Referentin des Vereins Digitale Gesellschaft, in dem sie seither Mitglied ist. In diesem Jahr ist war erstmals in der Jury der „BigBrotherAwards“ vertreten.

  • Innenminister Dobrindt (CSU) wurde für sein geplantes „Sicherheitspaket“, das den umfangreichen Einsatz von Gesichter-Suchmaschinen vorsieht, ausgezeichnet. Dobrindts Behörde will demnach mit datenschutzwidrigen Anbietern wie Clearview AI und PimEyes zusammenarbeiten, welche auf alle online zu findenden Bilder zugreifen – ganz gleich, ob sie mit oder ohne Einverständnis der Betroffenen eingestellt wurden. Der Entwurf des Innenministers ziele darauf, diese illegale „Schnüffel-Praxis“ zu legitimieren. Zudem wolle Dobrindt die hochumstrittene Palantir-Software auf Bundesebene einführen.

Nach Niekrenz’ Einschätzung bringt dieses „Sicherheitspaket“ Deutschland einen weiteren Schritt auf dem Weg in einen Überwachungsstaat: „Woraus besteht Dobrindts ,Sicherheitspaket’? Die toxischen Zutaten: Gesichter-Suchmaschinen und der Ersatz von Polizeiarbeit durch die gruseligste Software der Welt – ,Gotham’ von Palantir a.k.a. ,Bundes-VeRA’.“ Dies sei eine Realität gewordene Dystopie.

„BigBrotherAward“ in der Kategorie „Was mich wirklich wütend macht“ an den vermeintlichen Bürokratieabbau

Laut der Laudatorin, Rena Tangens, ist „Bürokratieabbau“ ein irreführender Begriff. Er suggeriere, dass etwas für Bürger einfacher würde. In Wahrheit aber gehe es um Deregulierung und den Abbau von Gesetzen, welche Verbraucher schützen sollten. Big-Tech-Konzerne aus den USA wollzen die europäischen Digitalgesetze am liebsten komplett kippen. Die EU-Kommission und die deutsche Bundesregierung machten sich mitschuldig, „wenn sie bei einem ,Deal’ um Strafzölle die Digitalgesetzgebung zur Verhandlungsmasse machen“.

  • Tangens ist Künstlerin, Internet-Pionierin und politische Geschäftsführerin von Digitalcourage. Sie hat Digitalcourage 1987 mitgegründet und ist von Beginn an in der „BigBrotherAwards“-Jury. Für Ihre Arbeit wurde sie u.a mit der „Theodor-Heuss-Medaille“, dem Kunstpreis „Evolutionäre Zellen“, dem „Verbraucherpreis“ und dem „taz-Panterpreis“ ausgezeichnet.

In ihrer Laudatio warnte sie vor gefährlichen politischen Entwicklungen: „Die EU-Kommission, Ursula von der Leyen, Kanzler Merz und Co. machen sich mitschuldig, wenn sie sich an die Mafia im Weißen Haus anbiedern.“ Bei einem vertraulichen Treffen in Paris habe US-Vizepräsident Vance offenbar die EU-Kommission aufgefordert, die europäischen Digitalgesetze für US-Konzerne auf Eis zu legen. „Unklar, ob sie es tut, trotz aller Beteuerungen des Gegenteils.“

„BigBrotherAward“ in der Kategorie „Social Media“ an „TikTok“

Preisträger in dieser Kategorie ist die chinesische Plattform „TikTok“ für Verletzungen des Datenschutzes, für die „Verbreitung von Fake-News und Hatespeech“, für die Manipulation von Menschen in Bezug auf ihre politischen Überzeugungen, ihre Wertvorstellungen und ihr Konsumverhalten durch undurchsichtige Algorithmen sowie für die Schaffung von Abhängigkeiten, insbesondere bei Minderjährigen.

  • Dr. Thilo Weichert, der Laudator, ist ehemaliger Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein und repräsentiert das „Netzwerk Datenschutzexpertise“ (ein Zusammenschluss von Experten, welche Gesetze und Technologien juristisch und technisch detailliert analysieren) sowie die Deutsche Vereinigung für Datenschutz e.V. (DVD) (eine unabhängige Bürgerrechtsvereinigung) – seit 2024 ist er Teil des Vorstandes von Digitalcourage. Er kritisiert in seiner Laudatio die Praktiken des Betreibers deutlich:

„Da wir in einem freien Land leben, dürft Ihr ,TikTok’ nutzen, wie es Euch gefällt. Ginge es nach denen, die hinter ,TikTok’ stehen, dürftet ihr das nicht mehr. ,Douyin’ – wie ,TikTok’ in China heißt – betreibt massiv Zensur im Sinne der chinesischen Diktatur und sammelt für diese Nutzerdaten.“

„BigBrotherAward“ in der Kategorie „Technik“ an Google

Google wurde für den KI-Assistenten „Gemini“ zum Preisträger, welcher ab jetzt unauffällig, aber zwangsweise auf „Android“-Mobiltelefonen installiert werde. „Gemini“ erhalte Zugriff auf umfangreiche Nutzungs- und Kommunikationsdaten, welche für das Training von Googles KI genutzt und auch von menschlichen Mitarbeitern eingesehen werden könnten. „Darunter könnten komplette Chat-Verläufe fallen – ohne dass der Kommunikationspartner eingewilligt hat.“ Die Deaktivierung dieses KI-Assistenten erfordere komplexe Einstellungen in verschiedenen Menüs.

  • Frank Rosengart vom Chaos Computer Club programmiert im Kommunikationsbereich. Der 1981 gegründete Chaos Computer Club e.V. (CCC) gilt als größte europäische Hacker-Vereinigung. Rosengart wurde in seiner Laudatio sehr deutlich:

„Der schwerwiegende Nachteil ist, dass ganz viele private und intime Details das Gerät verlassen, denn – das ist der Unterschied zum alten Google-Assistenten – ,Gemini’ hält den Großteil der Intelligenz in der ,Cloud’ bereit. Und ,Cloud’ meint hier: Google. Die Daten würden also auf den Servern von Google verarbeitet und unterlägen damit dem Risiko, dass sie für mehr Zwecke verwendet würden, „als den meisten Benutzern lieb sein dürfte“.

„BigBrotherAward“ in der Kategorie „Arbeitswelt“ an das Verwaltungsgericht Hannover und das Bundesarbeitsgericht

Die Auszeichnung an die beiden Gerichte erfolgte „für krasse Fehlurteile in Sachen Amazon“. Das Verwaltungsgericht habe die Totalüberwachung von Angestellten eines Amazon-Logistikzentrums abgesegnet und das Bundesarbeitsgericht einem Amazon-Betriebsrat das Mitbestimmungsrecht bei der Einführung einer Software verweigert, „die Beschäftigtendaten rechtswidrig in den USA verarbeitet“.

  • Katharina Just, Gastlaudatorin, ist Informatikerin und zertifizierte Datenschutzbeauftragte. Sie arbeitete an den Universitäten Bonn und Dortmund und beriet viele Jahre Interessenvertretungen bei der Technologieberatungsstelle beim DGB NRW. Heute ist sie als Beraterin für Betriebs- und Personalräte tätig. Sie berät zur Gestaltung der IT in der Arbeitswelt und zum Datenschutz.

In ihrer Laudatio betonte sie die Bedeutung von Mitbestimmung und Arbeitnehmerrechten: „Betriebsräte sind eine wichtige demokratische Instanz in unserer freiheitlichen Wirtschaftsordnung! Sie dienen dem Ausgleich zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteressen. Wer, wie das Bundesarbeitsgericht im Amazon-Verfahren, die Axt an dieses Mitbestimmungsrecht setzt, der stellt eine Grundsäule unserer sozialen Wirtschaftsordnung in Frage.“

„BigBrotherAward“ in der Kategorie „Jung und Überwacht“ an „iPads“ in Schulen und Ausgrenzung am Beispiel des „WhatsApp“-Messengers

Erstmals gab es bei den „BigBrotherAwards“ 2025 einen eigenen Programmpunkt, welcher von Jugendlichen selbst entwickelt und gestaltet wurde: In Kooperation mit den „Teckids“ sind zwei Beiträge entstanden, welche aus junger Perspektive kritisch auf Digitalisierung blicken:

  • Zum einen ging es um den Einsatz von „iPads“ in Schulen, zum anderen um Ausgrenzung am Beispiel des Messenger- Dienstes „WhatsApp“. Die Themenwahl und die Ausgestaltung stammten von den Jugendlichen.

Digitalcourage hat sie bei der Entwicklung und Umsetzung begleitet: „Ziel ist es, junge Stimmen sichtbar zu machen und ihre Perspektiven stärker in die Gala einzubeziehen.“

Ein Preisträger nahm „BigBrotherAward“ sogar entgegen

„Ist jemand hier, der den Preis entgegennehmen möchte?“ In der Regel melde sich niemand auf diese Frage der Moderation. Aber zu aller Überraschung eilte der Präsident des frisch prämierten Verwaltungsgerichts Hannover, Ingo Behrens, auf die „BigBrotherAwards-Bühne“. Seine Rede, in der er die Unabhängigkeit der Gerichte, die Rechtsstaatlichkeit und die Strukturen zur Fehlerkorrektur betonte, erntete viel Applaus.

  • Die „BigBrotherAwards“ seien als ein Gesprächsangebot zu verstehen – „wir freuen uns, dass das in diesem Fall so konstruktiv aufgenommen wurde!“ Man habe öffentlich gezeigt, „wie man respektvoll unterschiedlicher Meinung sein und auf hohem Niveau öffentlich diskutieren kann“.

Ralph Caspers (bekannt von der „Sendung mit der Maus“ und „Wissen macht Ah!“) habe als der neue Moderator „frischen Wind“ auf die Bühne gebracht – „und die Beiträge der ,Teckids’ haben uns umgehauen“. Die Digitalcourage-Bilanz: „Das Fernsehen war da, unser Livestream vermeldete ein Allzeit-Hoch mit über 2.500 Zuschauerinnen und Zuschauern und überall im Land trafen sich Menschen zum gemeinsamen Stream-Gucken.“

Weitere Informationen zum Thema:

BigBrotherAwards.de „Oscars für Datenkraken“, 10.10.2025
Freitag, 10.10.2025 / Hechelei Bielefeld / BigBrotherAwards 2025

digitalcourage
Über uns / Für eine lebenswerte Welt im digitalen Zeitalter

digitalcourage, Patrick Wildermann, 10.10.2025
Jubiläum zu 25 Jahren / Wir feiern den Datenschutz

digitalcourage
padeluun

SPIRIT § LEGAL
Elisabeth Niekrenz: Datenschutzrecht, IT-Recht, Prozessführung

digitalcourage
Rena Tangens: Die Künstlerin Rena Tangens ist Gründungsvorstand von Digitalcourage und Jurymitglied der BigBrotherAwards. Wenn sie sich in ein Thema verbeisst, lässt sie so schnell nicht wieder los. Ihr Wissen geht in die Tiefe – und sie weiß, im Heute das Morgen mit den Erfahrungen von gestern zu antizipieren.

NETZWERK DATENSCHUTZEXPERTISE
Dr. Thilo Weichert

BigBrotherAwards.de
Frank Rosengart / Frank Rosengart programmiert im Kommunikationsbereich. Der Chaos Computer Club e.V. (CCC), 1981 gegründet, ist die größte europäische Hackervereinigung.

FORBIT Computer – Arbeit – Datenschutz
Katharina Just / Diplom-Informatikerin, Partnerin

Teckids
Eine verstehbare (digitale) Welt – gemeinsam, für Alle

Digitalcourage, BigBrotherAwards, 11.10.2025
iPad-Welt in der Schule | Teckids | BigBrotherAwards 2025

Niedersächsisches Oberverwaltungsgericht
Neuer Präsident des Verwaltungsgerichts Hannover ernannt

WIKIPEDIA
Ralph Caspers

datensicherheit.de, 07.08.2025
Bürger unter Generalverdacht: DAV kritisiert überbordende Befugnisse / Deutscher Anwaltverein (DAV) nimmt Stellung zum „Sicherheitspaket“ des Bundesinnenministeriums – Einsatz biometrischer Gesichtskontrolle und umstrittener Datenanalyse geplant

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Dobrindt startet Initiative „Netzallianz Digitales Deutschland“ https://www.datensicherheit.de/dobrindt-initiative-netzallianz-digitales-deutschland https://www.datensicherheit.de/dobrindt-initiative-netzallianz-digitales-deutschland#respond Fri, 07 Mar 2014 22:22:24 +0000 http://www.datensicherheit.de/?p=23319 Ziel ist der flächendeckende Ausbau der Breitbandversorgung mit mindestens 50 MBit/s bis 2018

[datensicherheit.de, 07.03.2014] Das Internet ist inzwischen allgegenwärtig, die Digitalisierung nahezu aller Lebensbereiche und der Wirtschaft geschieht in rasendem Tempo. Zukunftschancen des Standortes Deutschland und einhergehend damit Innovationen, Wachstum und Beschäftigung hängen zwingend von einer modernen digitalen Infrastruktur ab. Der flächendeckende Zugang zu modernen Kommunikationsnetzen für Wirtschaft und Privatpersonen ist in diesem Zusammenhang ein entscheidender Standortfaktor.

Im Koalitionsvertrag der Großen Koalition ist für die Bundesregierung ein ambitioniertes Ziel formuliert: Bis zum Jahr 2018 soll es in Deutschland eine flächendeckende Breitbandversorgung von mindestens 50 Mbit/s geben. Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt (CSU), hat dafür die „Netzallianz Digitales Deutschland“ ins Leben gerufen. Mit diesem Verbund aus investitions – und innovationswilligen Telekommunikations- und Netzunternehmen soll dieses Ziel gemeinsam erreicht werden.

Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur Alexander Dobindt
Foto: Henning Schacht

Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur

Die Netzallianz ist eine Investitions- und Innovationsplattform für den Breitbandausbau. Das erste Treffen sollte der Zusammenführung großer und mittelständischer Unternehmen dienen.

Kernfragen der Auftaktrunde waren:

  • Wie ambitioniert stellen sich die Unternehmen in Deutschland in den nächsten Jahren auf?
  • Welcher Anreize bedarf es, um zusätzliche Innovationen und Investitionen zu generieren?
  • Wie können Deutschland und Europa den Anschluss an die digitale Spitzengruppe in der Welt halten?

Laut einer vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie, sind für eine bundesweite Verfügbarkeit von Netzen mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde bis zum Jahr 2018 in einem Technologiemix von Breitbandkabel, VDSL-Vectoring, LTE-Advanced und Glasfaser Investitionen von rund 20 Milliarden Euro erforderlich, für eine flächendeckende Glasfaserversorgung sogar 80 Milliarden Euro. Dobrindt will dazu zusätzliche staatliche Mittel über die für das Jahr 2016 geplante Auktion (zweite Digitale Dividende) des 700-MHz-Bandes zur Verfügung stellen.

Der Branchenverband BITKOM betonte im Vorfeld, daß gerade Deutschland als bedeutender Wissensstandort auf besonders leistungsstarke und zukunftsfähige Telekommunikationsinfrastrukturen, die dem stetig steigenden Datenverkehr gewachsen sind, angewiesen sei. Neben einer Steigerung des Versorgungsniveaus in der Fläche komme insbesondere den Höchstgeschwindigkeitsnetzen in Städten, Ballungsgebieten und an Unternehmensstandorten eine besondere Bedeutung zu.

Ziel des ersten Treffens der „Netzallianz Digitales Deutschland“ war es, die für die nächsten drei Jahre geplanten Maßnahmen und Investitionen aller Beteiligten zu benennen, Vorschläge für flankierende Maßnahmen zu diskutieren und daraus einen gemeinsamen  Fahrplan zu erstellen: „Meilensteine für die Netzallianz“.

Weitere Informationen zum Thema:

datensicherheit.de,  06.03.2014
BITKOM-Position zum Treffen der „Netzallianz Digitales Deutschland“

Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
Zukunft Breitband

netzpolitik.org, 08.03.2014
Netzallianz träumt von der digitalen Dividende

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