Aktuelles, Branche, Studien - geschrieben von dp am Dienstag, Juli 28, 2026 0:55 - noch keine Kommentare
IT-Probleme im Einzelhandel: Omnissa benennt Software als Blinden Fleck
Der Einzelhandel behandelt langsame Geräte, veraltete Software und „Schatten-KI“ weiterhin als drei separate Probleme – indes handelt es sich um denselben Blinden Fleck
[datensicherheit.de, 28.07.2026] Kunden eines Einzelhandelsgeschäfts werden im Regelfall die dort eingesetzte Technologie gar nicht bewusst wahrnehmen, welche den Geschäftsbetrieb überhaupt am Laufen hält: Etwa Handscanner, Zahlungsterminals, Kiosksysteme oder mobile Geräte hinter der Kasse. Wenn eines davon mal langsamer wird oder gar ausfällt, wird kaum jemand dies als ein strategisches Problem ansehen – sondern eher einfach nur als einen weiteren Auftrag für die IT-Abteilung. Jeder Vorfall mag für sich allein betrachtet routinemäßig wirken, in der Summe ergibt sich laut einer aktuellen Stellungnahme von Omnissa jedoch ein ganz anderes Bild. Der Einzelhandel behandelt demnach langsame Geräte, veraltete Software und „Schatten-KI“ weiterhin als drei separate Probleme. „Das sind sie jedoch nicht. Es handelt sich um denselben Blinden Fleck, der auf demselben Bildschirm auftaucht!“ So komme es leicht dazu, dass Einzelhändler verschiedene „Tools“ anschafften, um etwas zu beheben, was in Wirklichkeit ein und dasselbe Problem sei. Omnissa als Anbieter digitaler Arbeitsplattformen unterstreicht die Bedeutung eine einheitlichen und ständigen Transparenz der eingesetzten Hard- und Software.

Abbildung: Omnissa
Omnissa-Studie „State of Digital Workspace 2026“: Betriebssysteme im Einzelhandel hinken zuweilen um vier bis fünf Generationen hinterher
Komplexe moderne Technologieinfrastruktur im Einzelhandel
Die aktuelle Studie „State of Digital Workspace 2026“ zeige eine große Lücke auf: Der Einzelhandel habe mittlerweile den mit Abstand größten Anteil an „Android“-Geräten in Unternehmen. Er zähle zudem zu jenen Branchen, welche am ehesten Betriebssysteme einsetzten, die vier oder fünf Generationen hinterherhinkten.
- Dies betreffe fast ein Drittel der Geräte in dieser Kategorie. „iOS“-Geräte erhielten Patches etwa achtmal schneller als „Android“-Geräte, so dass eine so stark auf „Android“ ausgerichtete Branche bereits einen langsameren Patch-Zyklus in Kauf nehmen müsse – „noch bevor die IT-Abteilung überhaupt ein Ticket eröffnet“.
Zusammengenommen zeigten diese Ergebnisse, wie komplex die moderne Technologieinfrastruktur im Einzelhandel geworden sei.
Für Einzelhandel erfolgsentscheidend, wie schnell Verkaufspersonal Kunden bedienen kann
Handheld-Geräte z.B. von Zebra verdeutlichten dies: Der Datensatz von Omnissa zeige, dass fast sechs von zehn Zebra-Geräten im Einzelhandel im Einsatz seien – eine stärkere Konzentration auf einen Sektor als bei jeder anderen erfassten Gerätemarke. Die „iPad“-Flotte im Einzelhandel spiegele eine andere Seite derselben betrieblichen Realität wider. Das Standard-Basismodell mache 81 Prozent davon aus, da es eine Anwendung zuverlässig und kostengünstig in großem Maßstab über Hunderte von Filialen hinweg ausführen müsse.
- „Hier fallen auch Kosten an, die über die Sicherheit hinausgehen.“ An anderer Stelle im selben Bericht zitiert Omnissa eine bekannte wissenschaftliche Studie, welche die durchschnittlichen Kosten einer einzelnen Unterbrechung auf etwa 24 Minuten verlorene Konzentration beziffere.
Bezogen auf einen Verkaufsraum mit veralteten Handhelds im Einsatz sei ein langsamer Scanner nicht mehr nur ein IT-Problem – er werde zu einem Hemmnis für das, was im Einzelhandel zähle, nämlich wie schnell das Verkaufspersonal einen Kunden bedient.
Vorfälle im britischen Einzelhandel als Mahnung bzw. Motivation
Ein Vorfall, den Ermittler später als eine einzige, zusammenhängende Kampagne eingestuft hätten, habe im vergangenen Frühjahr innerhalb weniger Tage nacheinander zwei der größten britischen Einzelhändler betroffen. Einem Einzelhändler seien die funktionierenden Systeme ausgegangen, so dass er mitten im Geschäftsbetrieb den Lagerbestand von Hand – mit Stift und Papier – habe erfassen müssen.
- „Der andere erkannte den Angriff innerhalb weniger Minuten, isolierte den betroffenen Teil seines Netzwerks und setzte den Geschäftsbetrieb fast wie gewohnt fort.“ Der o.g. habe in der Folge einen Gewinnverlust von 300 Millionen Britischen Pfund hinnehmen und sechs Wochen lang Online-Bestellungen aussetzen müssen – der andere sei auf der kundenorientierten Seite weitgehend unbeschadet davon gekommen.
„Der Unterschied lag nicht darin, wer in die neueste Technologie investiert hatte. Es ging darum, wer schnell genug erkannte, was in seiner Umgebung vor sich ging, um darauf reagieren zu können.“ Ein britischer Parlamentsausschuss habe später erfahren, dass der weitgehend unbeschadet davongekommene Einzelhändler vorab seine Infrastruktur so gut habe segmentieren können, dass der Angriff auf einen Teil des Netzwerks begrenzt worden sei. Die Systeme des anderen hingegen seien so stark miteinander verflochten gewesen, dass die Abwehr des Angriffs bedeutet habe, große Teile des Geschäfts, einschließlich der Kassen, wieder auf manuellen Betrieb umzustellen.
Einzelhandel muss sich Problem der „Schatten-KI“ im Verkaufsraum stellen
Eine weniger beachtete Erkenntnis verdiene mehr Aufmerksamkeit, denn die aktuelle Welle von Warnungen anderer Anbieter zum Thema „Schatten-KI“ gehe daran völlig vorbei: „Die nicht genehmigte Nutzung von KI auf Arbeitsgeräten ist im Vergleich zum Vorjahr um fast 1.000 Prozent gestiegen – ein Trend, der derzeit in allen Branchen zu beobachten ist.“
- Der jüngste Sicherheitsbericht von Verizon habe ergeben, dass sich die Nutzung von „Schatten-KI“ innerhalb eines Jahres vervierfacht habe. Eine andere, Anfang dieses Jahres veröffentlichte Studie habe gezeigt, dass zwei Drittel der Büroangestellten ein KI-Tool genutzt hätten, „von dem sie glaubten, dass es gegen die Richtlinien verstößt“.
Die meisten Berichte über „Schatten-KI“ vermittelten derzeit den Eindruck von einem einzelnen Mitarbeiter an einem Firmenlaptop. Im Einzelhandel sehe das Problem jedoch oft anders aus: „Ein Handheld-Gerät, das jeder, der gerade im Dienst ist, in die Hand nimmt und auf dem bereits eine Zahlungs- und eine Bestandsanwendung laufen, wobei niemand so recht weiß, welcher Kollege was wann geöffnet hat.“ Diese Ausprägung des Problems falle schwerer auf als jene Variante, welche die Branche meist beschreibe – „und der Einzelhandel hat sich damit noch nicht auseinandergesetzt“.
„Best Practice“ der erfolgreichen, resilienten Einzelhändler
Einzelhändler, die hierbei einen Schritt voraus sind, haben laut Omnissa in der Regel eines gemeinsam: „Sie betrachten den Gerätebestand als etwas, das die IT kontinuierlich überwacht, und nicht als etwas, das jemand nach dem Zufallsprinzip in einen Kalender einträgt, in der Hoffnung, dass es funktioniert.“ Anstatt auf einzelne Probleme zu reagieren, sobald sie auftreten, verschafften sie sich einen umfassenden Überblick über die Vorgänge in ihrer gesamten Technologieumgebung. „So erkennen sie aufkommende Probleme in Bezug auf Benutzererfahrung, Sicherheit und Betrieb, bevor diese den Geschäftsbetrieb stören.“
- Omnissa gibt Beispiele: „Ein schwacher Akku fällt auf, bevor er dazu führt, dass ein Scanner im Verkaufsraum ausfällt. Ein Update erreicht Tausende von Geräten innerhalb von Stunden statt Tagen, weil jemand erkennen kann, welche Geräte dieses benötigen.“ Ein Angreifer könne dann zwar immer noch quasi an die Tür klopfen. „Der Unterschied besteht aber darin, ob jemand zusieht, wenn er dies tut. Das kommt dem, was die zuvor genannten Einzelhändler voneinander unterschied, viel näher als alles, was mit dem Alter der Hardware zu tun hat.“
Die Technologie sei weniger wichtig als die Denkweise. Einzelhändler hätten jahrelang Endgeräte als Inventar verwaltet, doch sie müssten sie nun immer mehr als aktive Betriebssysteme behandeln. Diese lieferten kontinuierliche Einblicke in den Zustand der Filialen und der Geräte selbst, welche jede Transaktion unterstützten und das gesamte Kundenerlebnis ermöglichten.
Herausforderung für den Einzelhandel: Problembetrachtung von der Metaebene
„Hier treffen das alte und das neue Problem auf ein und demselben Bildschirm aufeinander. Der Einzelhandel muss nun robuste Handhelds, gemeinsam genutzte Mobilgeräte und Kiosksysteme verwalten, auf denen mitunter Consumer-KI läuft, die niemand genehmigt hat.“
- Das Aneinanderreihen eines Patch-Tools an ein Identitätsmanagement-Tool und an ein Überwachungs-Tool werde die Lücken nicht schließen. Es bedürfe eines einzigen Systems, „das Gerät, Zugriff und Kundenerlebnis als Ganzes erfasst, denn ein Blinder Fleck in einem dieser Bereiche ist ein Blinder Fleck in allen dreien“.
Die Herausforderung für den Einzelhandel bestehe somit nicht darin, dass es drei verschiedene Probleme gebe – sie bestehe darin, dass die Branche immer noch nicht erkenne, dass diese alle miteinander verbunden seien.
Weitere Informationen zum Thema:
omnissa
About Omnissa: We make digital work, work – for businesses and their people
verizon business, 2026
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WIKIPEDIA
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