KI-Agenten: Sicherheit durch Identität und klare Verantwortlichkeiten

Foto: Keyfactor
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Eine Frage der Identität: Sicherer Einsatz von KI-Agenten auf Basis neuer Vertrauensinfrastrukturen und klarer Verantwortlichkeiten Digitale Identitäten der KI-Agenten können nicht wie menschliche oder maschinelle Identitäten gemanagt werden können – dafür ist laut Jiannis Papadakis eine eigene Technik erforderlich. Er stellt jedoch auch klar, dass der Fokus über technische Aspekte hinaus aufzuweiten ist und die betriebliche Sicherheitskultur entsprechend fortentwickelt werden sollte.

[datensicherheit.de, 12.08.2026] Jahrelang wurde große Sorgfalt darauf verwendet, gleichermaßen für Menschen und Maschinen jeweils sichere digitale Identitäten zu erstellen und diese konsequent anzuwenden. „Seit einiger Zeit kommt nun in Unternehmensnetzwerken ein neuer Anwendungsfall für digitale Identitäten hinzu: autonom operierende KI-Agenten“, führt Jiannis Papadakis, „Director of Solutions Engineering“ bei Keyfactor, in seiner aktuellen Stellungnahme aus. Er gibt warnend zu bedenken: „So schnell wächst ihre Zahl, dass das traditionelle Identitäts- und Sicherheitsmanagement mit ihrer Absicherung vielerorts kaum noch hinterherkommt.“ Er betont, dass digitale Identitäten der KI-Agenten nicht wie menschliche oder maschinelle Identitäten gemanagt werden können – dafür ist demnach eine eigene Technik erforderlich. Hinzu kommt als Herausforderung, dass es in den meisten Unternehmen nach wie vor unklar sei, wer eigentlich genau für das Identitätsmanagement der KI-Agenten zuständig ist. Er empfiehlt in diesem Zusammenhang, verbindliche Governance-Strukturen zu etablieren und hierzu KI-Entwickler, Identitätsexperten und Sicherheitsteams an einen Tisch zu bringen – denn nur auf Basis einer klaren Aufgabenteilung könnte dann eine solche Vertrauensarchitektur geschaffen w erden, welche auch den abgesicherten Einsatz autonom operierender KI-Agenten gestattet.

KI-Agenten treffen eigenständig Entscheidungen und agieren über Systemgrenzen hinweg

Da KI-Agenten eigenständig Entscheidungen treffen und im Namen ihres Unternehmens über dessen Systemgrenzen hinweg agieren können, ist es zur erfolgreichen Absicherung dieses hohen Maßes an Autonomie offensichtlich erforderlich, dass jeder KI-Agent mit einer vertrauenswürdigen, eindeutigen digitalen Identität ausgestattet wird.

Das Problem laut Papadakis: „Die Identitätsmanagement-Modelle, die bei Mensch und Maschine seit Jahren zum Einsatz kommen, lassen sich nicht einfach 1:1 auf KI-Agenten übertragen.“ Ihre Operationsfähigkeit würde dadurch nämlich zu sehr eingeschränkt werden.

Für menschliche Identitätsmanagementsysteme, welche auf statischen Berechtigungen und Authentifizierungsmerkmalen basieren, agieren KI-Agenten zu schnell, zu dynamisch. „Auch das Standard-Instrumentarium für Maschinenidentitäten, ein statischer API-Schlüssel, greift zu kurz.“ Dieser Schlüssel gewähre einen zu breiten Zugriff: Der KI-Agent erhalte volle Rechte, obwohl er für eine konkrete Aufgabe eigentlich nur eingeschränkte Rechte bräuchte.

KI-Agent müssen mit besonderen Zertifikate mit klaren Grenzen ausgestattet werden

Papadakis benennt ein weiteres Problem: Zudem lasse sich über den API-Schlüssel nicht nachweisen, warum ein KI-Agent diese oder jene Entscheidung getroffen hat, ob die Entscheidung im Rahmen seines Auftrags lag oder ob der Agent vielleicht sogar von außen manipuliert worden ist. In diesem Schlüssel selbst liege keine technische Instanz vor, die prüft, ob die autonome Entscheidung des Agenten zulässig ist.

Was hier nun benötigt wird, ist eine Lösung, die Geschwindigkeit und Dynamik, die Kryptographie und Kontext zusammenbringt. Anstelle eines einfachen Text-Passworts (API-Schlüssel) muss der Agent ,X.509‘-Zertifikate mittels ,Mutual TLS’-Verfahren nutzen. Statt statischen Anmeldedaten müssen ,Ephemeral Credentials’ zum Einsatz gebracht werden.

Der KI-Agent würde somit Zertifikate erhalten, welche nur für eine einzige Aufgabe oder für wenige Minuten gültig sind. Zusätzlich sollte die Berechtigung an das Verhalten und die Absicht des KI-Agenten gekoppelt sein. „Wenn der KI-Agent dann plötzlich versucht, Daten herunterzuladen, die nicht zu seiner aktuellen Zielstellung passen, verliert seine digitale Identität automatisch ihre Gültigkeit“, so Papadakis.

Im Ernstfall muss die Identität eines KI-Agenten widerrufen werden können

Neben der technischen Umsetzung des Identitätsmanagements stelle auch dessen organisatorische Governance in vielen Unternehmen nach wie vor eine erhebliche Herausforderung dar. Zuständigkeiten seien häufig zersplittert. Die Verantwortung für Identitäten der KI-Agenten werde zwischen IT-, Sicherheits- und KI-Teams aufgeteilt – „ohne, dass verbindliche Rechenschaftspflichten existieren“.

Oft sei unklar, wer etwa im Ernstfall die Identität eines KI-Agenten widerrufen darf. Nur ein Bruchteil der Unternehmen verfüge hierzu überhaupt über eine formelle Strategie.

Papadakis gibt abschließend zu bedenken: „Hier gilt es, KI-Entwickler, Identitätsexperten und Sicherheitsteams an einen Tisch zu bringen, um verbindliche Governance-Strukturen zu etablieren. Nur auf der Grundlage einer klaren Aufgabenteilung lässt sich eine solide Vertrauensarchitektur schaffen, die einen wirklich abgesicherten Einsatz autonom operierender KI-Agenten ermöglicht.

Zentrale Erkenntnisse der DS-Redaktion

  • Für Unternehmensnetzwerken kommt neben „Mensch“ und „Maschine“ ein neuer Anwendungsfall für digitale Identitäten hinzu – jener der autonom operierenden KI-Agenten.
  • Bisherige Ansätze des Identitätsmanagements sind für KI-Agenten untauglich.
  • Die Herausforderung des Rechtemanagements in den Betrieben war schon immer eine große Herausforderung und gewinnt jetzt zusätzlich an Brisanz.
  • Neben geeigneten technischen Maßnahmen in Form spezieller Zertifikate für KI-Agenten mit klar umrissener Gültigkeit sollte auch die betriebliche Sicherheitskultur an das KI-Zeitalter angepasst werden.
  • Verbindliche Governance-Strukturen auch im KI-Kontext sind elementare Voraussetzung, um KI-Agenten sicher einsetzen zu können.

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