Die zweite Welle mutmaßlicher Cyberangriffe auf Kühlsysteme europäischer Supermärkte verdeutlicht die wachsenden Risiken für vernetzte Betriebstechnik (OT). Manipulierte Kühlsysteme können Lebensmittelverluste, Betriebsunterbrechungen und erhebliche finanzielle Schäden verursachen. Entscheidend ist daher ein sicherer, kontrollierter Fernzugriff, der notwendige Wartungsarbeiten ermöglicht, Zugriffsrechte gezielt beschränkt und kritische Infrastruktur vor unbefugten Zugriffen schützt.
Secomea, ein dänisches Unternehmen für industrielle Cybersicherheit – nach eigenen Angaben spezialisiert auf sicheren Fernzugriff für sogenannte Betriebstechnik (Operational Technology / OT) –, hat Stellung zu einer zweiten Welle Cyberangriffe auf Kühlsysteme in Supermärkten genommen: Diese werfe dringende Fragen darüber auf, wie Einzelhändler kritische Betriebstechnologie schützen und gleichzeitig unverzichtbare Fernwartungsdienste aufrechterhalten könnten. Supermarktketten in Europa haben demnach eine neue Welle von Cyberangriffen auf Kühlsysteme gemeldet – nur wenige Wochen, nachdem Angreifer Berichten zufolge Kühlanlagen in Hunderten von französischen Filialen manipuliert und damit erhebliche Lebensmittelverluste verursacht hatten.
Ziel sollte es nun aber gerade sein, einerseits Fernsupport zu ermöglichen, weil moderne Betriebsabläufe darauf angewiesen seien, und andererseits IT- und Sicherheitsteams die erforderliche Steuerung und Kontrolle zu geben.
Cyberangriffe auf die Betriebstechnik mit unmittelbaren physischen Folgen
Diese jüngsten, aus Schweden, Belgien und Luxemburg gemeldeten Vorfälle verdeutlichten eine zunehmende Herausforderung insbesondere für Einzelhändler: Die für die Lebensmittelsicherheit zuständige OT sei zunehmend mit externen Systemen und Dienstleistern vernetzt, „was potenzielle Sicherheitsrisiken mit sich bringt, wenn diese Vernetzung nicht angemessen geschützt ist“.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Cyberangriffen, welche auf den Diebstahl von Daten oder die Störung von IT-Diensten abzielten, könnten Angriffe auf die Betriebstechnik unmittelbare physische Folgen haben: So könnten kompromittierte Kühlsysteme verdorbene Lebensmittel, Betriebsunterbrechungen, erhebliche finanzielle Verluste und potenzielle Risiken für die Lebensmittelsicherheit zur Folge haben.
„Diese Vorfälle verdeutlichen, warum es bei der Cybersicherheit nicht mehr nur um den Schutz von Informationen geht. Wenn Angreifer in die Betriebstechnologie eingreifen, sind die Folgen physischer Natur“, warnt Michael Ferdinandsen, CEO von Secomea. Er gibt zu bedenken: „Für Einzelhändler stellt sich nicht die Frage, ob sie Fernzugriff benötigen. Das tun sie unbedingt. Die Frage ist, ob sie ausreichende Kontrolle darüber haben, wer auf ihre Anlagen zugreifen kann, worauf diese zugreifen können und was sie dort tun dürfen.“
Die Herausforderung liegt in der Zugriffskontrolle
Moderne Kühlsysteme sind laut Ferdinandsen auf Fernzugriff angewiesen, um effizient zu funktionieren. Externe Dienstleister und Wartungstechniker nutzten diesen, um Temperaturen zu überwachen, auf Alarme zu reagieren, Fehler zu diagnostizieren und Anlagen an Hunderten oder Tausenden von Standorten zu warten.
Diese Konnektivität sei unerlässlich, um Reaktionszeiten zu minimieren und Geräteausfälle zu verhindern. Sie schaffe jedoch auch potenzielle Einfallstore für Angreifer – insbesondere wenn Betriebsgeräte direkt mit dem Internet verbunden sind oder Remote-Benutzern umfassendere Zugriffsrechte gewährt werden, als notwendig ist.
Für Supermarktketten, die mehrere Standorte, Kühlsysteme und externe Dienstleister verwalten, werde die Herausforderung noch komplexer. Verschiedene Anbieter nutzten möglicherweise unterschiedliche Zugriffsmethoden, was es für IT- und Sicherheitsteams schwierig mache, einen einheitlichen Überblick darüber zu behalten, wer sich mit der Kritischen Infrastruktur (KRITIS) verbinden darf.
Systeme nicht unbedingt unter Berücksichtigung heutiger Anforderungen an Konnektivität und Cybersicherheit entwickelt
„Viele Unternehmen haben stark in die Absicherung ihrer betrieblichen IT-Umgebungen investiert, doch betriebliche Geräte stellen oft eine andere Herausforderung dar“, erläutert Ferdinandsen.
Diese Systeme seien dafür konzipiert worden, über Jahre, manchmal Jahrzehnte hinweg zuverlässig zu funktionieren. „Sie wurden nicht unbedingt unter Berücksichtigung der heutigen Anforderungen an Konnektivität und Cybersicherheit entwickelt. Die Anwendung traditioneller IT-Fernzugriffskonzepte ohne Berücksichtigung dieser Unterschiede kann unnötige Risiken schaffen.“
Der Schutz von Kühlsystemen erfordere nicht den Verzicht auf Fernzugriff: Stattdessen benötigten Einzelhändler einen Ansatz, welcher es externen Technikern ermögliche, notwendige Wartungsarbeiten durchzuführen, während der Zugriff auf betriebliche Anlagen kontrolliert und nachverfolgbar bleibe.
Sichere Konnektivität ermöglicht es Unternehmen, wichtige Überwachungs- und Wartungsvorgänge aufrechtzuerhalten
Ein speziell für OT entwickelter sicherer Fernzugriff helfe bei der Bewältigung dieser Herausforderung, indem laut Secomea Verbindungen auf der Ebene einzelner Anlagen gesteuert werden, anstatt Benutzern umfassenden Zugriff auf betriebliche Netzwerke zu gewähren.
Die OT-native Architektur z.B. von Secomea ermögliche sichere Verbindungen zu betrieblichen Anlagen über Edge-Gateways, welche sich in unmittelbarer Nähe der Anlagen befinden. Zentralisiertes Zugriffsmanagement, detaillierte Berechtigungen und Prüfprotokolle würden Unternehmen dabei helfen, zu steuern, wer sich verbinden darf, auf welche Geräte zugegriffen werden darf und wann.
Dieser Ansatz werde bereits in der Kühltechnikbranche des Einzelhandels eingesetzt. In Dänemark nutze der Kühlüberwachungsspezialist AK-Centralen diese Technologie von Secomea, um die Fernüberwachung von Kühlsystemen für mehr als 1.500 Supermärkte zu unterstützen. Die sichere Konnektivität ermögliche es dem Unternehmen, wichtige Überwachungs- und Wartungsvorgänge aufrechtzuerhalten, ohne direkten Zugriff auf die internen Netzwerke der Supermärkte zu benötigen. Dieses Beispiel zeige, dass effiziente Fernwartung und strengere Cybersicherheitskontrollen „Hand in Hand“ gehen könnten.
Aufrechterhaltung des Betriebs und dessen Sicherheit müssen vereinbar sein
Die jüngsten Vorfälle würden indes Fragen aufwerfen – weit über die Supermarktkühlung hinaus. Von Gebäudemanagement und Energiesystemen bis hin zu Produktionsmaschinen und Logistikinfrastruktur – Unternehmen verließen sich zunehmend auf vernetzte, von externen Spezialisten gewartete Betriebsanlagen.
Da diese Umgebungen immer stärker miteinander vernetzt seien, benötigten Unternehmen einheitliche Methoden, um den Zugriff Dritter zu verwalten, Berechtigungen auf die tatsächlich benötigten Anlagen zu beschränken und den Überblick über Remote-Aktivitäten zu behalten.
Sicherer Fernzugriff sei neben Schwachstellenmanagement, Netzwerksegmentierung, System-Updates und kontinuierlicher Überwachung ein Bestandteil dieses Schutzes. „Unternehmen sollten sich nicht zwischen der Aufrechterhaltung ihres Betriebs und dessen Sicherheit entscheiden müssen“, unterstreicht Ferdinandsen.
Cybersicherheitsversagen in Betriebsumgebungen bedrohen Geschäftskontinuität
Sein Fazit: „Das Ziel ist es, den Fernsupport zu ermöglichen, auf den moderne Betriebsabläufe angewiesen sind, und gleichzeitig den IT- und Sicherheitsteams die erforderliche Steuerung und Kontrolle zu geben.“
Dies sei besonders wichtig, wenn die betroffenen Systeme direkten Einfluss auf den physischen Betrieb haben.
„Während die genauen Methoden hinter den jüngsten mutmaßlichen Angriffen noch untersucht werden, sind die Vorfälle eine weitere Mahnung, dass Cybersicherheitsversagen in Betriebsumgebungen schnell zu Problemen für die Geschäftskontinuität werden können.“
Zentrale Erkenntnisse der DS-Redaktion
- Cyberangriffe auf die Kühlsystem-OT europäischer Supermärkte werden fortgesetzt.
- Ein Ende ist nicht in Sicht, solange nicht grundlegende Sicherheitsaspekte berücksichtigt werden.
- Da laut Secomea die Fernwartung auf derartige Systeme erforderlich ist, muss diese sicher eingehegt werden.
- Hierzu sind die IT- und Sicherheitsteams zu ermächtigen, die erforderliche Steuerung und Kontrolle zu übernehmen.
- Cybersicherheitsversagen in Betriebsumgebungen hat ein großes Schadenspotenzial und kann in der Summe für Volkswirtschaften und deren Versorgung bedrohliche Ausmaße annehmen.
Fazit der DS-Redaktion
Vernetzte, von externen Spezialisten gewartete Betriebsanlagen sind heute die Regel – damit wird aber eine weitere Angriffsfläche geschaffen, die entsprechend dringend vor Cyberangriffen zu schützen ist. Effiziente und effektive Funktionalität eines Betriebes muss stets mit einem Höchstmaß an Sicherheit einhergehen – dazu gehören u.a. Echtzeit-Monitoring, Rechteverwaltung, Resilienz („Fail operational“-Betrieb), Prävention sowie eine erprobte Notfall- und Wiederanlaufplanung.
Weitere Informationen
DATENSICHERHEIT.DE, 14.10.2026
Nach Cyberangriff auf französische Supermärkte: BSI fordert dringend Absicherung vernetzter Steuerungssysteme
DATENSICHERHEIT.DE, 13.10.2026
NIS2 und CRA sind mehr als Bürokratie: Cyberangriff auf französische Supermärkte zeigt Handlungsbedarf