KI-Agenten: Drei von zehn deutschen Unternehmen würden sie eigenmächtig handeln lassen

Moritz Anders hebt hervor, dass für Cyberresilienz nicht nur die Höhe des Budgets ausschlaggebend ist, Bild: PwC Deutschland
Moritz Anders hebt hervor, dass für Cyberresilienz nicht nur die Höhe des Budgets ausschlaggebend ist, Bild: PwC Deutschland

Deutsche Unternehmen investieren verstärkt in Cybersecurity und setzen dabei auf KI, Cloud Security und digitale Souveränität. Gleichzeitig steigen durch autonome KI-Agenten, geopolitische Unsicherheiten und verwundbare Lieferketten die Anforderungen an die Cyberresilienz. Entscheidend ist daher nicht allein die Höhe der Budgets, sondern ein gezieltes Management kritischer Abhängigkeiten, wirksame Governance und der Schutz geschäftskritischer Infrastrukturen.

Führungskräfte in Deutschland erwarten nach aktuellen Erkenntnissen von PwC bis 2027 steigende Cyberbudgets: 47 Prozent der deutschen Befragten rechnen demnach mit einem Budgetplus von sechs bis zehn Prozent (Vorjahr: 36%; global: 6 %) und nennen als Prioritäten KI (57%), „Cloud Security“ (54%), „Cyber Managed Services“ (40%) und „Connected Products“ (31%). „Data Protection“ und „Data Trust“ würden in Deutschland (28%) deutlich seltener priorisiert als weltweit (39%).

Dies sind sind die Kernaussagen der diesjährigen „Digital Trust Insights“-Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft. PwC befragte nach eigenen Angaben zwischen Mai und Juli 2026 3.934 Führungskräfte aus „Business“ und „Technologie“ in 71 Ländern und Territorien, 74 Prozent davon auf C-Level. In Deutschland hätten 277 Personen teilgenommen, davon rund 65 Prozent aus „Technologie“- und rund 35 Prozent aus „Business“-Funktionen.

„Steigende Cyberbudgets sind ein wichtiges Signal. Für Cyberresilienz ist allerdings nicht nur die Höhe des Budgets ausschlaggebend, sondern wie gut Unternehmen mit ihren Abhängigkeiten umgehen und neue Technologien kontrolliert einsetzen“, kommentiert Moritz Anders, Partner und Leiter des Bereichs „Cyber Security, Data & Tech Risk“ bei PwC Deutschland.

KI-Agenten zunehmend ein operativer Akteur

Künstliche Intelligenz (KI) werde zunehmend zum operativen Akteur: Vor einem Jahr hätten 54 Prozent der deutschen Unternehmen KI- und Machine-Learning-Tools in der Cyberabwehr genutzt, vor allem angesichts des Fachkräftemangels. Jetzt öffneten sie sich für autonome Agenten: Nur zwei Prozent würden deren Autorisierung in jedem Bereich ausschließen (global: 4%).

29 Prozent würden gar KI-Agenten vollkommen eigenständig handeln lassen, 42 Prozent zumindest risikoarme Aktionen ohne menschliche Freigabe zulassen; bei „mittleren“ und „hohen“ Auswirkungen solle der Mensch am Ende entscheiden.

Neben der Malware-Entfernung und Systemwiederherstellung (51%) planten die Unternehmen, KI-Agenten für das Erkennen und Löschen von Phishing-Mails einzusetzen (49%). Je 46 Prozent möchten KI-Agenten Incident-Tickets erstellen und eskalieren sowie Lücken schließen und Konfigurationen ändern lassen. Bei 45 Prozent sollten Agenten betroffene Endgeräte isolieren und bei 39 Prozent Nutzerkonten sperren und Zugriffsrechte entziehen.

Bei KI-bezogenen Cyberinvestitionen verschieben sich Prioritäten zugunsten operativer Fähigkeiten

Zurückhaltender als der globale Durchschnitt seien deutsche Unternehmen beim Anreichern und Verknüpfen von Bedrohungsdaten in der „Threat Intelligence“ (39%; global: 49%) sowie beim Blockieren und Segmentieren von Netzwerkverkehr (34%; global: 39%).

Bei KI-bezogenen Cyberinvestitionen verschieben sich laut PwC die Prioritäten zugunsten operativer Fähigkeiten. Verantwortungsvolle KI-Governance und Compliance würden nur 30 Prozent nennen (global: 42 %), die Absicherung von KI-Modellen 27 Prozent (global: 33%) und „Guardrails“ für LLM und GenAI 25 Prozent (global: 31%).

Gleichzeitig legten deutsche Unternehmen mehr Gewicht auf den Schutz von Trainingsdaten als der weltweite Durchschnitt (35%; global: 30%) und die kontinuierliche Kontrolle von Risiken und Compliance (26%; global: 20%). Die Erkennung und Steuerung von KI-Tools ohne Freigabe der IT-Abteilung („Schatten-KI“) priorisierten 40 Prozent, SOC und „Incident Response“ 37 Prozent und offensive Sicherheit 31 Prozent.

47 Prozent möchten Sicherheit ihrer Softwareentwicklungs- und Delivery-Pipelines stärken

„KI-Agenten gewinnen in der Cybersecurity schneller an Autonomie, als Unternehmen ihre Governance weiterentwickeln. Wer KI-Agenten eigenständig handeln lässt, muss explizit klären, wer verantwortlich ist, wo menschliche Kontrolle erforderlich bleibt und wie sich jede Aktion nachvollziehen lässt“, unterstreicht Anders.

Im Vorjahr hätten 51 Prozent Angriffe auf Lieferketten befürchtet. Jetzt handelten die Unternehmen: 47 Prozent wollten die Sicherheit ihrer Softwareentwicklungs- und Delivery-Pipelines stärken. Ebenso viele wollten Lieferanten diversifizieren und Notfallpläne für Lieferantenausfälle aufbauen.

45 Prozent möchten Sichtbarkeit und Risikomanagement bei Software-Abhängigkeiten verbessern. 41 Prozent bezögen Lieferanten in „Incident Response“- und Krisenübungen ein (global: 29%), 42 Prozent tauschten Informationen mit Schlüssellieferanten aus (global: 37%). Ein kontinuierliches Supplier-Cyber-Risk-Monitoring planten 45 Prozent der deutschen Unternehmen.

Deutsche Unternehmen reagieren stärker auf geopolitische Risiken als der globale Durchschnitt

Bei der Digitalen Souveränität reagierten deutsche Unternehmen stärker auf geopolitische Risiken als der globale Durchschnitt: 61 Prozent setzten auf Multi- oder Hybrid-Cloud (global: 54%), um Anbieterabhängigkeiten zu vermeiden. 50 Prozent bauten regionale Daten- und Technologie-Redundanzen auf und 46 Prozent verlagerten „Workloads“ zu souveränen oder regionsspezifischen Cloud-Anbietern, während 45 Prozent ihre technologische Infrastruktur in bestimmten Rechtsräumen lokalisierten (global: 37%).

Lediglich ein Prozent der deutschen Unternehmen passe den Tech-Stack nicht an die geopolitische Lage an (global: 6%). „Digitale Souveränität wird zunehmend zu einem Bestandteil von Cyberresilienz. Der erste Schritt zu mehr Cyberresilienz ist, die eigenen kritischen Abhängigkeiten zu kennen. Deutsche Unternehmen sind hier bereits aktiver als der internationale Durchschnitt“, berichtet Anders.

Dass Resilienz in deutschen Unternehmen ernst genommen wird, zeige sich ebenfalls im Bereich „Notfallplanung“: 29 Prozent hätten vollständig formalisierte, integrierte Operational-Continuity-Pläne, welche Cyberbedrohungen einschließen (global: 39%). Bei weiteren 44 Prozent seien solche Pläne in Entwicklung (global: 38%), zusammen also 73 Prozent (global: 77%).

Lücken bei OT-Fachkräften und Ressourcen

In der Betriebstechnik (OT) fehle es allerdings an Personal und an Spielraum bei Altsystemen: 42 Prozent würden Lücken bei OT-Fachkräften und Ressourcen nennen (global: 38%), 40 Prozent Legacy-Systeme, die sich nicht patchen lassen (global: 33%).

Weitere Herausforderungen seien die Absicherung KI-fähiger Zugänge zu OT- und IIoT-Geräten (38%), unzureichende Finanzierung oder Management-Unterstützung (37%) sowie Lieferketten- und Drittparteirisiken (36%).

„Kompromittierbare Betriebstechnik ist ein großer Risikofaktor, der noch stärker in den Blick der Unternehmen rücken sollte. Vor dem Hintergrund hybrider Bedrohungen gibt es hier dringenden Aufholbedarf!“, gibt Anders abschließend zu bedenken.

Zentrale Erkenntnisse der DS-Redaktion

  • Offenbar ist die Sensibilität für Datensicherheitsfragen gestärkt worden, so dass künftig mit höheren Budgets zumindest für Cybersicherheitsbelange zu rechnen ist.
  • Der bloße Betrag sagt für sich selbst aber noch nicht viel aus – Unternehmen müssen es beherrschen, mit ihren Abhängigkeiten sinnvoll umzugehen und neue Technologien kontrolliert einzusetzen.
  • Mit der zunehmenden Bereitschaft, autonome KI-Agenten einzusetzen, nimmt auch die Verantwortung der Unternehmen zu.
  • Die Unternehmen sind somit geradezu verpflichtet, ihre Governance entsprechend schnell anzupassen.
  • Die Betriebstechnik (OT) bleibt offenbar weiter ein „Sorgenkind“ – aufgrund des fehlenden Fachpersonal und des eingeschränkten Spielraums bei Altsystemen.

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