eco: Eingriffe in Rechenzentren könnten Menschenleben gefährden

Alexander Rabe, Geschäftsführer des eco, Bild: eco
Alexander Rabe, Geschäftsführer des eco, Bild: eco

eco-Geschäftsführer Alexander Rabe warnt vor den Risiken von Besetzungen und Eingriffen in Rechenzentren als Kritische Infrastruktur. Er fordert einen verantwortungsvollen Ausbau der digitalen Infrastruktur in Europa statt pauschaler Ablehnung und Baustopps.

Der Geschäftsführer des eco – Verband der Internetwirtschaft e.V., Alexander Rabe, geht auf europaweite Proteste gegen Rechenzentren (RZ) und insbesondere auf die in diesem Zusammenhang stehende Besetzung einer Rechenzentrumsbaustelle von Microsoft in Amsterdam ein: Er verurteilt diese Aktion ausdrücklich und warnt davor, dass Eingriffe in den laufenden Betrieb von Rechenzentren im schlimmsten Fall sogar Menschenleben gefährden könnten. Rabe unterstreicht: „Rechenzentren sind nicht der Feind!“

Krankenhäuser und andere lebenswichtige Einrichtungen auf zuverlässigen RZ-Betrieb angewiesen

Anlässlich der Besetzung einer Rechenzentrumsbaustelle in Amsterdam und der europaweiten Proteste gegen den Ausbau von Rechenzentren führt Rabe aus:

„Wir verurteilen die Besetzung der Rechenzentrumsbaustelle in Amsterdam ausdrücklich! Rechenzentren sind Teil unserer Kritischen Infrastruktur. Krankenhäuser und andere lebenswichtige Einrichtungen sind auf ihren zuverlässigen Betrieb angewiesen.“

Er stellt klar: „Wer Rechenzentren besetzt und dabei ihren Betrieb oder ihre Sicherheit beeinträchtigt, kann im schlimmsten Fall Menschenleben gefährden. Friedlicher Protest ist ein Grundrecht. Doch wer Absperrungen überwindet, unbefugt Baustellen betritt und Baukräne besetzt, überschreitet eine klare Grenze und gefährdet zudem Menschen vor Ort. Das ist keine akzeptable Form der politischen Auseinandersetzung!“

Rechenzentren als Fundament von Digitalisierung, Wohlstand, Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit

Rechenzentren seien eben nicht „der Feind“ – sie seien vielmehr das Fundament unserer Digitalisierung und sicherten Wohlstand, Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit. Ohne sie funktionierten weder Cloud-Dienste noch digitale Verwaltung, industrielle Anwendungen oder Künstliche Intelligenz (KI).

„Kritik an einzelnen Technologiekonzernen mag berechtigt sein. Daraus darf aber keine pauschale Ablehnung der Infrastruktur werden, auf die unsere gesamte Gesellschaft angewiesen ist.“

Zudem weist Rabe die Forderungen nach einem europaweiten Baustopp zurück: „Deutschland und Europa verfügen über Rechenzentren, die im internationalen Vergleich zu den energieeffizientesten gehören. Wer ihren Ausbau hier verhindert, schafft den Bedarf an Rechenleistung nicht ab.“

Warnung vor RZ-Abwanderung in Weltregionen mit niedrigeren Effizienzstandards und höheren Umweltbelastungen

Wer hier den Ausbau verhindert, riskiert laut Rabe vielmehr, „dass neue Kapazitäten in anderen Weltregionen mit niedrigeren Effizienzstandards und höheren Umweltbelastungen entstehen.“ Dies schade dem Klima und schwäche zugleich Europas Digitale Souveränität.

Eingehend auf die Kritik am Wasserbedarf betont Rabe: „Auch hier braucht es eine sachliche Debatte statt pauschaler Vorwürfe! Viele Rechenzentren in Deutschland nutzen bereits Kühlverfahren, die ohne laufenden Wasserverbrauch auskommen. In geschlossenen Kühlkreisläufen wird das Kühlmedium immer wieder verwendet. Bei trockener Rückkühlung muss im Normalbetrieb nicht kontinuierlich Frischwasser für die Kühlung zugeführt werden.“

Natürlich müsse man Energie und Wasser effizient einsetzen und die Auswirkungen neuer Standorte transparent machen. Rabes Fazit: „Aber wer digitale Infrastruktur grundsätzlich verhindern will, verhindert damit nicht die Digitalisierung, sondern ihre verantwortungsvolle Gestaltung in Europa.“

Zentrale Erkenntnisse der DS-Redaktion

  • Rechenzentren sind ein bedeutender Teil der KRITIS einer Volkswirtschaft – ihre gesicherte Verfügbarkeit ist von existenzieller Bedeutung, so auch für Krankenhäuser und andere lebenswichtige Einrichtungen.
  • Der minimierte Ressourcenbedarf, insbesondere hinsichtlich Energie und Wasser, ist ein wesentlich Kriterium für die RZ-Standortauswahl.
  • Droht indes durch anhaltende Proteste, gar Gewalt, eine Abkehr von Europa, dann werden RZ künftig in Weltgegenden errichtet, welche derzeit geringere Umweltauflagen haben.
  • Viele deutsche Rechenzentren verwenden bereits geschlossene Kühlkreisläufe und könnten somit Vorbildfunktion haben.
  • Nur ein gewaltfreier sachlicher Diskurs kann dazu beitragen, die Digitalisierung in Europa weiter verantwortungsvoll zu gestalten und damit auch hohe Standards zu setzen.

Weitere Informationen

DATENSICHERHEIT.DE, 02.06.2026
KI- und Rechenzentrumsausbau in Europa droht zu scheitern

DATENSICHERHEIT.DE, 02.05.2026
VDE-Plädoyer für hocheffiziente Rechenzentren zur Stärkung der Digitalindustrie in Deutschland

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