Aktuelles, Experten, Studien - geschrieben von dp am Donnerstag, Februar 5, 2026 0:57 - noch keine Kommentare
KI-basierte Disruption der Arbeitswelt: 80 Prozent der Menschen werden ihren Job verlieren
Die Ethik Society hat das Positionspapier „Die Zukunft der Arbeit im KI-Zeitalter“ herausgegeben – Autoren empfehlen, zukünftig nicht mehr Arbeit zu besteuern sondern Produktivität
[datensicherheit.de, 05.02.2026] In ihrem Papier „Die Zukunft der Arbeit im KI-Zeitalter“ stimmt die Ethik Society in insgesamt acht Punkten auf eine völlig veränderte Gesellschaft ein – und moniert, dass die Politik in diesem Zusammenhang die dazu „wirklich wichtigen Debatten“ eben nicht führt. „Wir werden eine Disruption erleben wie nie zuvor!“, warnen die Autoren, Jürgen Linsenmaier, Reiner Huthmacher und Gerald Wood.
Zukünftig kaum noch sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze
Demnach wird es zukünftig kaum noch sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse geben: „80 Prozent der Jobs werden wegfallen. Und der ausgeübte Beruf wird nicht mehr die Identität bestimmen.“
- Das sind nur drei der Prognosen der Ethik Society, welche im jetzt veröffentlichten aktuellen Positionspapier erörtert werden.
Wood, KI-Experte und Autor des Buches „#NextGenWork“, kritisiert die Bundesregierung: „Die Politik sagt nicht die Wahrheit, verharmlost und ignoriert die Entwicklung!“ 80 Prozent der derzeit bekannten Jobs drohten überflüssig zu werden – nicht in zwanzig Jahren, sondern bis Ende dieses Jahrzehnts.

Foto: Ethik Society
Gerald Wood: Die Festanstellung hat ausgedient
Arbeitsmarkt wird mit „Disruption biblischen Ausmaßes“ konfrontiert
„Und ja, es werden auch neue Jobs entstehen, aber es werden komplett andere Jobs sein, von denen wir heute noch nicht einmal die Berufsbezeichnung kennen“, ist Wood überzeugt. Es werde eine „Disruption biblischen Ausmaßes“ geben, an deren Ende die allermeisten Jobs solche sein werden, „die entweder direkt von KI oder Robotern erledigt würden oder in denen der Mensch faktisch mit technischen Systemen verschmolzen sein wird“.
- Es sei, so der Unternehmer und KI-Entwickler, das Ende der Arbeit, wie wir sie kennen.
Er mahnt eindringlich: „Wer sich jetzt nicht in Sachen KI fortbilde und sich fit mache, sowohl als Unternehmen als auch als Beschäftigter, werde vom Markt verschwinden!“ Es sei „fünf nach zwölf“, so der Deutsch-Amerikaner, der auch Vergleiche mit den USA zieht.
Arbeit zu haben bedeutet zukünftig, befristet in Projekten beschäftigt zu sein
Wood hat noch eine These parat: „Die Festanstellung hat ausgedient. Wer demnächst noch Arbeit hat, wird diese befristet in Projekten, von denen er in der Regel mehrere gleichzeitig hat, erledigen.“ Die sogenannte Gig-Economy werde zur Regel.
- Letztlich würden alle auf die eine oder andere Art selbstständig werden und von überall aus arbeiten können. „Dann sind die Sozialversicherungen und unser Steuersystem am Ende.“
Das Papier der Ethik Society empfiehlt deswegen, zukünftig nicht mehr Arbeit zu besteuern, sondern Produktivität – etwa in Form einer „Maschinensteuer“. Mit Blick auf die Sozialsysteme empfehlen die Autoren, sich an den privaten Systemen zu orientieren: „Wenn fast alle wie Selbständige arbeiten, dann haben kollektive Umlagesysteme keine Zukunft“, so die Autoren.

Foto: Ethik Society
Reiner Huthmacher: In den kommenden Jahren werden wir Fachkräftemangel und Massenarbeitslosigkeit parallel erleben
Technologiedividende für Beschäftigte im Kontext der Transformation der Arbeitswelt
Huthmacher, ebenfalls einer der Autoren sowie Arbeitsmarkt- und Personalexperte, wirbt für mehr Mitarbeiterbeteiligung: „Wir erwarten von den Mitarbeitern, dass sie an der aktuellen Transformation motiviert mitwirken. Dann ist es nur fair, sie auch angemessen zu beteiligen!“
- Hierfür entwickelt das Ethik-Society-Papier mehrere Szenarien und Lösungen. So sollten Mitarbeiter in jedem Falle eine Art „Technologie-Dividende“ erhalten. Zudem müssten sich auch Arbeitgeber fortbilden, um sich der neuen Rolle in weitgehend digitalen und autonom agierenden Unternehmen anzupassen.
„Die Führungskraft der Zukunft wird nicht nur Menschen führen, sondern auch KI-Modelle. Das ist etwas völlig Anderes als heute“, betont Huthmacher.
Gerade jetzt kommt es auf die Mitarbeiter an
Huthmacher fordert zudem von der Politik, die monatlichen Sachbezugsfreigrenzen von derzeit 50 Euro auf mindestens 500 Euro anzuheben: „Gerade in diesen Umbruchzeiten muss sich Arbeit lohnen, und Unternehmen, die ihren Beschäftigten etwas bieten wollen, sollten dies unkompliziert und individuell tun können!“, so sein Appell.
- So paradox dies klinge: Es komme gerade jetzt auf die Mitarbeiter an. Diese müssten den Wandel gestalten und in Unternehmen gehalten werden – auch, um dann in einer digitalen Welt ihren Platz zu finden.
Huthmacher ist sich sicher: „In den kommenden Jahren werden wir Fachkräftemangel und Massenarbeitslosigkeit parallel erleben.“ Dies sei kein Widerspruch, sondern logische Folge der technischen Entwicklung.

Foto: Ethik Society
Jürgen Linsenmaier fordert, dass die KI-Regulierung keinesfalls die Entwicklung behindern darf, aber auch ethische Fragen sowie Aspekte des Umweltschutzes berücksichtigt werden
Neue Formen des Miteinanders: Ablösung des Selbstwertgefühls von Arbeit im traditionellen Sinn
Linsenmaier als Gründer der Ethik Society und Herausgeber des Acht-Punkte-Papiers mahnt zu einem nachhaltigen Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI): „Die Regulierung darf keinesfalls die Entwicklung behindern, aber es müssen auch ethische Fragen sowie Aspekte des Umweltschutzes berücksichtigt werden!“
- Beispielhaft nennt er den hohen Energieverbrauch, den Bau neuer Rechenzentren und „Green Coding“.
Auch der Frage, was das neue KI-Zeitalter mit den Menschen an sich macht, widmet sich das Papier: „Bislang definieren wir uns weitgehend über unseren Beruf und unsere beruflichen Erfahrungen. Was aber, wenn das wegfällt, weil fast jeder alles mithilfe von KI selbst erledigen kann? Wir werden neue Formen des Miteinanders finden müssen. Es wird eine neue Menschlichkeit entstehen“, so Linsenmaiers abschließende – positive – Botschaft.
Weitere Informationen zum Thema:
Jürgen Linsenmaier
FÜR PRODUKTION UND DENSTLEISTUNG / Nachhaltigkeitsberatung ohne Dogma, mit System
Wirtschaft & Ethik
Positionspapier Zukunft der Arbeit
ac Authentic Consult GmbH
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