Deutschland – datensicherheit.de Informationen zu Datensicherheit und Datenschutz https://www.datensicherheit.de Datensicherheit und Datenschutz im Überblick Wed, 11 Feb 2026 19:45:57 +0000 de hourly 1 Europäische Souveränität auch bei Sozialen Medien: Aktionsbündnis-Aufruf an Hochschulen https://www.datensicherheit.de/europa-souveranitat-soziale-medien-aktionsbundnis-aufruf-hochschulen Wed, 11 Feb 2026 23:43:00 +0000 https://www.datensicherheit.de/?p=52451 Das „Aktionsbündnis neue soziale Medien“ hat am 10. Februar 2026 in einem Schreiben an deutsche Hochschulen zu mehr Unabhängigkeit von den großen Web-Plattformen geraten

[datensicherheit.de, 12.02.2026] Das „Aktionsbündnis neue soziale Medien“ hat am 10. Februar 2026 gemeldet, dass an diesem Tag in einem Schreiben an die Hochschulen in Deutschland sich 20 Organisationen und Unternehmen für mehr Unabhängigkeit von den großen Web-Plattformen wie „Instagram“, „TikTok“, „YouTube“ und „facebook“ ausgesprochen haben. Mit dezentralen Web-Plattformen wie z.B. „mastodon“ und „PeerTube“ werde die vielfach geforderte Digitale Souveränität auch im Bereich Sozialer Medien ermöglicht.

neusom-logo

Abbildung: NeoSoM

NeoSoM-Webseite auf „mastodon“ – aktueller Aufruf vom „Aktionsbündnis neue soziale Medien“ an Hochschulen in Deutschland

Kritik an KI-generierten Falschmeldungen und politischer Zensur in zentralen Sozialen Medien

„Dabei werden Dienste wie ,mastodon’ und ,PeerTube’ schon von rund 60 deutschen Hochschulen erfolgreich genutzt und sie haben sich zu einer tragenden Säule der Hochschul- und Wissenschaftskommunikation entwickelt.“

  • Diese ermöglichten eine Kommunikation, welche unabhängig von Werbung und Manipulation durch undurchsichtige Algorithmen stattfinde.

Anlass zu einem Umbau der Sozialen Medien gäben aktuelle Berichte über eine Flut mittels Künstlicher Intelligenz (KI) generierter Falschmeldungen und politische Zensur auf den großen Web-Plattformen, welche zunehmend Beiträge blockierten.

Aufruf empfiehlt „mastodon“-Nutzung für alle öffentlichen Einrichtungen mit Nutzung Soziale Medien

Die Hochschulen sollten deshalb den Schwerpunkt ihrer „Social Media“-Arbeit auf solche als offene Netzwerke konzipierte nicht-kommerzielle und dezentrale Web-Plattformen legen. Hochschulen als Bildungseinrichtungen würden damit viel eher ihren eigenen Zielsetzungen zur Förderung von nachhaltigem Wirtschaften und dem Schutz der Demokratie gerecht.

  • Die Unterzeichner sprechen sich zudem dafür aus, dass „mastodon“ von allen öffentlichen Einrichtungen eingesetzt werden soll, welche Soziale Medien nutzen. Denn die zugehörige App lasse sich auf dem Smartphone installieren, ohne umfangreiche Rechte zum Ausspionieren persönlicher Daten an die Betreiber zu übertragen. So könnten sich Bürger auf datenschützende Weise über aktuelle Entwicklungen bei Ämtern und Behörden informieren.

Das „Aktionsbündnis neue soziale Medien“ (neuSoM) wird demnach als Initiator dieses Appells unterstützt von einer Reihe von Digitalorganisationen und -firmen: 54 Grad Software GmbH, Algorithm Watch, Bonn.digital, Chaos Computer Club, Computertruhe, cyber4EDU, D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt, Datenpunks, Digitalcourage, Dresdner Forschungswerk GmbH, Forum Informatik für Frieden, gute IT, King Consult, Kuketz-Blog, Open Knowledge Foundation, Save Social, Scientists for Future Berlin-Brandenburg, Topio, wechange e.G. und Wikimedia Deutschland.

Weitere Informationen zum Thema:

mastodon, Aktionsb. neue soziale Medien
Für die Nutzung von wirklich sozialen Medien an deutschen Hochschulen

WIKIPEDIA
Mastodon (soziales Netzwerk)

WIKIPEDIA
PeerTube

TU Berlin, tubcloud, 10.02.2026
Schreiben an die Hochschulen (beretits mit „mastodon“-Nutzung)

TU Berlin, tubcloud, 10.02.2026
Schreiben an die Hochschulen (bisher ohne „mastodon“-Nutzung)

datensicherheit.de, 22.11.2025
Digitale Souveränität: EU-Unternehmen streben Unabhängigkeit von US-Diensten an / Beim „Gipfel zur Europäischen Digitalen Souveränität“ erklärten Politik und Wirtschaft, sich von US-Anbietern abwenden zu wollen

datensicherheit.de, 22.10.2025
AWS-Störungen mahnen zur Wahrung der Digitalen Souveränität / Aktuelle Serviceprobleme bei AWS und daraus resultierende weltweite Ausfälle führen uns wieder deutlich vor Augen, wie verletzlich digitale Wertschöpfungsketten derzeit sind

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AI Act: Durchführungsgesetz beschlossen https://www.datensicherheit.de/ai-act-durchfuhrungsgesetz-beschluss Wed, 11 Feb 2026 23:33:00 +0000 https://www.datensicherheit.de/?p=52486 Das Durchführungsgesetz zum „EU AI Act“ legt unter anderem fest, welche Behörden in Deutschland künftig für die Umsetzung, die Aufsicht und Unterstützung von Unternehmen zuständig sind

[datensicherheit.de, 12.02.2026] Laut einer Meldung des Digitalverbands Bitkom e.V. wurde vom Bundeskabinett am 11. Februar 2026 das Durchführungsgesetz zum „EU AI Act“ beschlossen. Dieses legt demnach unter anderem fest, welche Behörden in Deutschland künftig für die Umsetzung, die Aufsicht und Unterstützung von Unternehmen zuständig sind. Der Bitkom-Präsident, Dr. Ralf Wintergerst, geht in seiner aktuellen Stellungnahme auf die Ambivalenz des Durchführungsgesetzes ein – er beschreibt ein Spannungsfeld zwischen Innovation einerseits und Bürokratie andererseits.

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Foto: Bitkom

Dr. Ralf Wintergerst: Plädoyer für innovationsfreundliche KI-Reallabore

„AI Act“ trifft in Deutschland auf bestehende komplexe Behördenstruktur

Wintergerst kommentiert: „Mit dem Durchführungsgesetz entscheidet sich, ob der ,AI Act’ in Deutschland zum Innovations- oder zum Bürokratieprojekt wird.“ Der „AI Act“ treffe in Deutschland auf eine bestehende komplexe Behördenstruktur mit breit verteilten Zuständigkeiten auf Bundes- und Landesebene sowie für einzelne Branchen.

  • Die Bundesnetzagentur als zentrale Stelle in einem Verbund mit weiteren zuständigen Behörden zu benennen, sei nun „ein pragmatischer Ansatz“.

Die Bündelung von Zuständigkeiten und die behördenübergreifende Zusammenarbeit müssten jetzt allerdings „schnell, effizient und verlässlich funktionieren“. Zudem gelte es, die zuständigen Behörden so aufzustellen, „dass Beratung, Koordinierung und Marktüberwachung effektiv möglich sind“.

Abschreckendes Beispiel „Medizinprodukteverordnung“ – bei „AI Act“-Umsetzung darf sich Innovationsbehinderung nicht wiederholen

Die zuständigen Behörden brauchten schlanke Strukturen, effiziente Prozesse und müssten dazu selbst auch umfassend Künstliche Intelligenz (KI) einsetzen, um ihren Aufgaben nachzukommen. „Nur dann kann es gelingen, mit den etwas mehr als 60 zusätzlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den umfassenden Aufgaben nachzukommen!“

  • Ohne den Einsatz von KI und ausreichende Ressourcen werde aus Regulierung schnell Stillstand – die vorgesehenen Prüfstellen dürften nicht zum Flaschenhals werden. Wintergerst führt aus: „Unternehmen müssen KI-Systeme, die nach dem ,AI Act’ als besonders risikoreich gelten, in vielen Fällen von unabhängigen Stellen prüfen und bestätigen lassen. Diese Stellen müssen vorab von behördlicher Seite anerkannt werden. Kommt es hier zu langen Wartezeiten, werden KI-Innovationen in sensiblen Bereichen ausgebremst. Das wäre genau das, was wir zum Beispiel bei der ,Medizinprodukteverordnung’ erlebt haben.“ Diese habe Innovationen ausgebremst und dem Patientenwohl geschadet.

Vergleichbares dürfe sich bei der „AI Act“-Umsetzung nicht wiederholen. Ergänzend könnten auch innovationsfreundliche KI-Reallabore den Unternehmen helfen, neue Lösungen anzubieten – „mit niedrigen Zugangshürden, schlanken digitalen Verfahren und einer verlässlichen Antwort innerhalb von 30 Tagen“.

Weitere Informationen zum Thema:

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Dr. Ralf Wintergerst: Präsident Bitkom / Vorsitzender der Geschäftsführung & Group CEO Giesecke+Devrient GmbH

Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, 12.09.2025
Entwurf eines Gesetzes zur Durchführung der Verordnung (EU) 2024/1689 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juni 2024 zur Festlegung harmonisierter Vorschriften für künstliche Intelligenz und zur Änderung der Verordnungen (EG) Nr. 300/2008 / Gesetz zur Durchführung der KI-Verordnung

DATEV magazin, 11.02.2026
Künstliche Intelligenz / Bundesregierung beschließt Durchführungsgesetz zur KI-Verordnung

datensicherheit.de, 31.07.2025
Ein Jahr AI Act: eco mahnt rechtssichere Rahmenbedingungen und politischen Gestaltungswillen an / Vor einem Jahr, am 1. August 2024, ist der europäische „AI Act“ in Kraft getreten – laut eco ein historischer Meilenstein für die globale KI-Regulierung und Grundlage, um KI „Made in Europe“ zum Erfolgsmodell zu machen

datensicherheit.de, 05.02.2025
AI Act der EU verbietet bestimmte KI-Systeme und verpflichtet zur -Kompetenz / Die neue Regelung setzt das Verbot bestimmter KI-Systeme durch und legt Anforderungen an die -Kenntnisse der Beschäftigten fest

datensicherheit.de, 04.02.2025
„AI Act“: Seit dem 2. Februar 2025 weitere Regelungen der europäischen KI-Verordnung in Kraft / Eigentlich sollte der „AI Act“ für Rechtssicherheit in Europa sorgen – aktuell droht das genaue Gegenteil, so die Bitkom-Kritik

datensicherheit.de, 03.02.2025
AI Act: eco-Kommentar zum Inkrafttreten – nationale Gesetzgebung muss Vision und Praxis vereinen! / Ab dem 2. Februar 2025 verbietet der „AI Act“ Manipulation durch KI, „Social Scoring“ und biometrische Fernidentifikation in Echtzeit

datensicherheit.de, 28.05.2024
Schatten-KI und EU AI Act: Unternehmen müssen sich den Herausforderungen zeitnah stellen / Philipp Adamidis nimmt Stellung zu Aspekten der erfolgreichen KI-Transformation

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Bitkom-Podcast: Verfassungsschutz-Präsident fordert, Digitale Souveränität mit massiven Mitteln voranzutreiben https://www.datensicherheit.de/bitkom-podcast-verfassungsschutz-prasident-forderung-digital-souveranitat-staerkung Tue, 10 Feb 2026 23:51:00 +0000 https://www.datensicherheit.de/?p=52427 Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst sprach mit BfV-Präsident Sinan Selen im Vorfeld der diesjährigen „Münchner Sicherheitskonferenz“

[datensicherheit.de, 11.02.2026] Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), Sinan Selen, fordert größere Anstrengungen, Deutschlands Digitale Souveränität voranzubringen: „Wir dürfen im Auto nicht auf dem Rücksitz sitzen und hoffen, dass der Fahrer in die richtige Richtung fährt. Wenn wir als Europa überleben und bestehen wollen, müssen wir Digitale Souveränität mit massiven Mitteln vorantreiben!“, so Selen beim einem Gespräch mit dem Präsidenten des Digitalverbands Bitkom e.V., Dr. Ralf Wintergerst, in einer neuen Podcast-Episode „Wintergerst trifft…“.

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Abbildung: bitkom

Podcast v. 09.02.2026: Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst (r.) im Interview mit BfV-Präsident Sinan Selen (l.)

Neues Bitkom-Format: Podcast mit Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft

Dieses Bitkom-Format soll ab sofort auf allen großen Podcast-Plattformen verfügbar sein. In „Wintergerst trifft…“ spricht Wintergerst mit Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft, aus Wirtschaft und Wissenschaft über aktuelle Entwicklungen in der digitalen Welt.

Selen und Wintergerst sprachen demnach im Vorfeld der diesjährigen „Münchner Sicherheitskonferenz“ und der „Munich Cyber Security Conference“ über die veränderte Bedrohungslage in Deutschland und die Vorbereitung der deutschen Wirtschaft auf Cyberattacken.

Erörterung des Missbrauchs digitaler Technologien zur Rekrutierung von Terroristen

Aber auch die notwendige Befugnisse von Sicherheitsbehörden seien erörtert worden und auf welche Weise der klassische Terrorismus digitale Technologien zur Rekrutierung nutzt – etwa über Soziale Netzwerke.

Selen sieht Deutschland „als Zielfläche“ vielfältiger Angriffe, zugleich sei der Ernst der Lage anders als in vielen anderen europäischen Ländern noch nicht überall verstanden worden…

Weitere Informationen zum Thema:

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Dr. Ralf Wintergerst: Präsident Bitkom / Vorsitzender der Geschäftsführung & Group CEO Giesecke+Devrient GmbH

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msc
Willkommen bei der Münchner Sicherheitskonferenz / Die MSC 2026 findet vom 13. bis 15. Februar 2026 statt

Security Network Munich
MCSC – MUNICH CYBER SECURITY CONFERENCE, FEBRUARY 12-13, 2026, CHAMBER OF COMMERCE

YouTube, bitkom, Podcast Wintergerst trifft…, 09.02.2026
Verfassungsschutzchef Sinan Selen über die neue Realität und hybride Bedrohungen

bitkom, Mediathek, 09.02.2026
Podcast: Ralf Wintergerst trifft Sinan Selen

datensicherheit.de, 08.02.2026
Strategische Notwendigkeit: Die drei Grundpfeiler Digitaler Souveränität Europas / Digitale Souveränität ist die Fähigkeit, als Organisation in Europa handlungsfähig zu bleiben – selbst wenn globale Lieferketten reißen oder politische Spannungen digitale Datenflüsse unterbrechen

datensicherheit.de, 27.01.2026
Digitale Souveränität: Mehrheit sieht Übernahme wichtiger Unternehmen in Deutschland kritisch / 79 Prozent fordern staatliches Eingreifen bei drohenden Übernahmen deutscher Unternehmen durch Nicht-EU-Investoren

datensicherheit.de, 26.01.2026
IT made in Europe: Basis für Digitale Souveränität Deutschlands und Europas / Franz Kögl moniert, dass bislang trotz zahlreicher Lippenbekenntnisse vielfach fast schon reflexartig die Vergabe milliardenschwerer öffentlicher Aufträge an US-amerikanische IT-Konzerne erfolgte

datensicherheit.de, 01.01.2026
Cybersicherheit und Digitale Souveränität: Wie Europa die Kontrolle zurückgewinnen kann / Pierre-Yves Hentzen kommentiert aktuelle Entwicklungen und skizziert Wege zur Digitalen Souveränität Europas

datensicherheit.de, 30.11.2025
Handlungsbedarf: Digitale Souveränität von strategischer Relevanz für Unternehmen / Zunehmendes Streben nach echter Digitaler Souveränität – Unternehmen fordern die Kontrolle über ihre Daten, ihre „Cloud“-Infrastruktur und ihren technologischen Kurs zurück

datensicherheit.de, 24.11.2025
Digitale Souveränität Europas als neuer Mega-Trend / Europäische Entscheidungsträger setzen sich im Kontext Digitaler Souveränität mit Abhängigkeiten, Datenschutz und den Möglichkeiten auseinander, wie sie in Zeiten größerer Unsicherheit mehr Transparenz in ihre digitalen Infrastrukturen integrieren können

datensicherheit.de, 22.11.2025
Digitale Souveränität: EU-Unternehmen streben Unabhängigkeit von US-Diensten an / Beim „Gipfel zur Europäischen Digitalen Souveränität“ erklärten Politik und Wirtschaft, sich von US-Anbietern abwenden zu wollen

datensicherheit.de, 19.11.2025
Digitale Souveränität: Bitkom und Numeum fordern Europas Ablösung von einseitiger Abhängigkeit / Der deutsche und der französische Digitalverband – Bitkom & Numeum – nahmen den „SUMMIT ON EUROPEAN DIGITAL SOVEREIGNTY“ vom 18. November 2025 zum Anlass für ihre gemeinsame Forderung

datensicherheit.de, 21.08.2025
IT-Sicherheit „Made in EU“: Deutsche Unternehmen streben digitale Souveränität an / Laut neuer ESET-Studie beabsichtigen drei Viertel der wechselbereiten Unternehmen künftig europäische IT-Sicherheitslösungen einzusetzen

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KRITIS-Dachgesetz verabschiedet: Deutschland muss dringend seine Kritischen Infrastrukturen besser schützen https://www.datensicherheit.de/kritis-dachgesetz-verabschiedung-deutschland-kritische-infrastrukturen-verbesserung-schutz Mon, 02 Feb 2026 23:58:00 +0000 https://www.datensicherheit.de/?p=52227 Die Umsetzungsfrist für das „KRITIS-Dachgesetz“ lief am 18. Oktober 2024 ab – gegen die Bundesrepublik wurde bereits ein „Vertragsverletzungsverfahren“ der EU-Kommission eingeleitet

[datensicherheit.de, 03.02.2026] Im Anschluss an die Einigung mit dem Bundesrat hat der Bundestag am 29. Januar 2026 das „KRITIS-Dachgesetz“ beschlossen, um darüber die europäische CER-Richtlinie in deutsches Recht zu überführen. Darin soll unter anderem Betreibern Kritischer Infrastruktur (KRITIS) eine Risikobewertung für hybride Bedrohungen vorgeschrieben werden. Die Umsetzungsfrist war bereits am 18. Oktober 2024 verstrichen, so dass gegen die Bundesrepublik bereits ein „Vertragsverletzungsverfahren“ der EU-Kommission eingeleitet wurde. Der Präsident des Digitalverbands Bitkom e.V., Dr. Ralf Wintergerst, begrüßt den längst überfälligen Schritt, meldet aber auch Bedenken an.

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Foto: Bitkom

Dr. Ralf Wintergerst warnt vor Sabotageakte und rät im Kontext des „Gigabit-Grundbuchs“ zu Datensparsamkeit und strengem Sicherheits- und Zugangskonzept

Stromausfall in Berlin Anfang Januar 2026 zeigte KRITIS-Verletzlichkeit auf

Wintergerst kommentiert: „Deutschland muss seine Kritischen Infrastrukturen besser schützen. Der tagelange Stromausfall in Berlin Anfang Januar hat erneut gezeigt, wie verletzlich Deutschland ist“

  • Das „KRITIS-Dachgesetz“ bilde nun die rechtliche Grundlage für ein deutlich verbessertes Schutzniveau. Neben den gesetzlichen Vorgaben sei die Politik aber auch gefordert, die Unternehmen bei der Umsetzung konkret zu unterstützen – etwa mit Förderprogrammen.

Mit Blick auf die angespannte Sicherheitslage bleibe unverständlich, „dass ein erheblicher Teil der Bundesverwaltung vom Gesetz ausgenommen ist und die Landesverwaltungen gar nicht erst adressiert werden“. Staat und Verwaltungen dürften in diesen für unser Gemeinwesen zentralen Bereichen nicht hinter das Schutzniveau privater Anlagen zurückfallen.

„KRITIS-Dachgesetz“ darf nicht zu „föderalem Flickenteppich“ verkommen

Zudem hätten Bundestag und Bundesrat kurzfristig vereinbart, dass die Bundesländer zusätzliche Anlagen unterhalb des eigentlichen Schwellenwerts von 500.000 versorgten Personen definieren könnten.

  • Wintergerst moniert: „Dies führt zu einem ,föderalen Flickenteppich’ und hohem bürokratischem Aufwand. Die Bundesländer sollten auf regionale Sonderwege verzichten und so dafür sorgen, dass bundesweit einheitliche Regeln gelten!“

Mit dem „KRITIS-Dachgesetz“ könne Deutschlands Infrastruktur sicherer werden, aber Wintergerst betont: „Wenn wir nicht zugleich an anderen Stellen neue Gefahren provozieren: Wir warnen insbesondere davor, Datenleitungen im ,Gigabit-Grundbuch’ öffentlich zugänglich zu verzeichnen!“ Dies würde ein zusätzliches Risiko für Sabotageakte bedeuten. Sein Fazit: „Stattdessen brauchen wir in diesem Bereich Datensparsamkeit und ein strenges Sicherheits- und Zugangskonzept.“

Weitere Informationen zum Thema:

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Dr. Ralf Wintergerst: Präsident Bitkom / Vorsitzender der Geschäftsführung & Group CEO Giesecke+Devrient GmbH

Bundesministerium des Innern, 18.01.2023
EU-Richtlinien zum Schutz Kritischer Infrastrukturen / EU-Mitgliedsstaaten müssen kritische Einrichtungen besser vor Naturgefahren, Sabotage und Cyberangriffen schützen.

OpenKRITIS
KRITIS-Dachgesetz

Bundesnetzagentur & Bundesministerium für Digitales und Verkehr
Gigabit-Grundbuch: Das Datenportal für den effizienten Ausbau der digitalen Infrastrukturen in Deutschland

datensicherheit.de, 07.01.2026
Nach Stromausfall in Berlin: eco fordert zügige Verabschiedung des KRITIS-Dachgesetzes / Der eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. weist angesichts des jüngsten Stromausfalls im Südwesten Berlins abermals warnend auf die Verwundbarkeit Kritischer Infrastruktur (KRITIS) hin

datensicherheit.de, 01.02.2026
KRITIS-Dachgesetz: eco begrüßt Verabschiedung bundesweit einheitlichen Rahmens für den Schutz Kritischer Infrastrukturen / Für die Internetwirtschaft sind stabile Stromversorgung, funktionierende Netze und verlässliche Rahmenbedingungen essenziell – das „KRITIS-Dachgesetz“ setzt hierzu grundsätzlich an der richtigen Stelle an

datensicherheit.de, 13.09.2025
Bitkom betont herausragende Bedeutung des KRITIS-Dachgesetzes für Deutschland / Die Umsetzungsfrist für das „KRITIS-Dachgesetz“ ist bereits am 18. Oktober 2024 verstrichen – gegen Deutschland läuft bereits ein „Vertragsverletzungsverfahren“ der EU-Kommission

datensicherheit.de, 12.09.2025
Kabinettsbeschluss zum KRITIS-Dachgesetz: eco sieht Eile geboten – aber ohne doppelte Pflichten / Der eco begrüßt das Voranschreiten in geopolitisch angespannten Zeiten, moniert aber fehlende Rechtsverordnung zu Schwellenwerten, drohende Doppelregulierungen sowie unklare Zuständigkeiten

datensicherheit.de, 07.11.2024
KRITIS-Dachgesetz: Bitkom begrüßt Umsetzung und stellt Forderungen auf / Laut Bitkom in Fragen der Sicherheit keine Trendwende – 86 Prozent der KRITIS-Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten von analogen oder digitalen Angriffen betroffen

datensicherheit.de, 05.09.2023
KRITIS-Dachgesetz: eco moniert drohende Doppelregulierung und Rechtsunsicherheiten / KRITIS-DachG soll erstmals bundesweit einheitliche Vorgaben zum physischen Schutz kritischer Anlagen machen

datensicherheit.de, 06.12.2022
KRITIS-Dachgesetz geplant: Sinnvolle Regulierung mit Augenmaß gefordert / Verabschiedung von Eckpunkten für einheitliche Schutzstandards in KRITIS-Unternehmen am 7. Dezember 2022 geplant

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TA584: Cyberkriminelle Gruppe nimmt jetzt deutsche Unternehmen verstärkt aufs Korn https://www.datensicherheit.de/ta584-cyberkriminelle-gruppe-deutschland-unternehmen-ziel Mon, 02 Feb 2026 23:56:00 +0000 https://www.datensicherheit.de/?p=52168 „TA584“, einer der aktivsten cyberkriminellen Akteure weltweit, hat laut Proofpoint seine Angriffsstrategie grundlegend verändert und richtet nunmehr bevorzugt Kampagnen gegen deutsche Unternehmen

[datensicherheit.de, 03.02.2026] Sicherheitsexperten von Proofpoint haben Alarm geschlagen: „TA584“, einer der aktivsten cyberkriminellen Akteure weltweit, hat demnach seine Angriffsstrategie grundlegend verändert und richtet nun verstärkt gezielte Kampagnen gegen deutsche Unternehmen – zuvor habe diese Gruppe hauptsächlich nordamerikanische und britische Ziele ins Visier genommen.

„TA584“ hat Angriffstempo verdreifacht – Taktikänderung im Stundentakt

Diese seit November 2020 unter Beobachtung stehende Gruppe habe ihr Angriffstempo im Verlauf des Jahres 2025 massiv erhöht. „Zwischen März und Dezember 2025 verdreifachte sich die Anzahl der Angriffskampagnen.“

  • Besonders besorgniserregend sei dabei die Tatsache, dass „TA584“ seine Taktiken in rasanter Geschwindigkeit anpasse und ständig neue Angriffswege entwickele.

Einzelne Kampagnen blieben oft nur wenige Stunden oder Tage aktiv, bevor sie durch neue Varianten ersetzt würden, was herkömmliche Erkennungsmethoden zunehmend wirkungslos mache.

„TA584“ gibt sich u.a. als Gesundheitseinrichtung, Regierungsbehörde, Recruiting-Unternehmen oder bekannter Dienstleister aus

Dabei nutze die Gruppe hochgradig überzeugende Täuschungsmanöver. In sorgfältig gestalteten E-Mails gebe sich „TA584“ beispielsweise als Gesundheitseinrichtung, Regierungsbehörde, Recruiting-Unternehmen oder als bekannter Dienstleister aus.

  • Die Kampagnen seien geographisch angepasst und nutzten regional bekannte Marken und Institutionen, um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen.

Besonders perfide sei eine von Proofpoint im Dezember 2025 beobachtete Technik: „Die Cyberkriminellen integrierten personalisierte Fotos angeblicher Paketzustellungen in die E-Mails, die den Namen und die Adresse des jeweiligen Empfängers zeigten.“

„TA584“ setzt seit Juli 2025 verstärkt auf „ClickFix“-Technik

Seit Juli 2025 setze „TA584“ verstärkt auf die sogenannte ClickFix-Technik. „Dabei handelt es sich um eine raffinierte Manipulationsmethode, bei der Nutzer durch gefälschte Fehlermeldungen dazu gebracht werden, selbst schädlichen Code auf ihren Computern auszuführen.“

  • Nach dem Klick auf einen Link in der E-Mail und dem Lösen eines scheinbar harmlosen Sicherheitsrätsels würden Nutzer zu einer präparierten Website weitergeleitet.

Diese weise sie Schritt für Schritt an, gefährliche Befehle zu kopieren und auszuführen. „Diese Befehle laden dann im Hintergrund Schadsoftware nach, ohne dass dies zunächst von klassischen Sicherheitssystemen erkannt wird.“

„TA584“ verschickt E-Mails von Hunderten gekaperten, legitimen Absenderadressen

Die technische Infrastruktur dieser Angriffe sei hochkomplex. „TA584“ verschicke E-Mails von Hunderten gekaperten, legitimen Absenderadressen und nutze mehrschichtige Weiterleitungsketten, um die eigentliche Schadsoftware-Quelle zu verschleiern.

  • Die Gruppe setze dabei spezielle Verteilsysteme („Traffic Distribution Systems“ / TDS) ein und führe umfangreiche geographische Filter und IP-Prüfungen durch, um die Erkennung zu erschweren.

Die Cyberkriminellen nutzten zwei Schadsoftware-Varianten. Zum einen „TA584 XWorm“ mit der sogenannten „P0WER“-Konfiguration. Dabei handele es sich um ein Fernzugriffsprogramm, welches vollständig im Arbeitsspeicher laufe und sich durch geschickte Verschleierungstechniken der Entdeckung entziehe. Diese Schadsoftware verstecke ihre Mechanismen zur dauerhaften Installation durch manipulierte Registry-Einträge, welche für Standard-„Windows“-Werkzeuge unerkannt blieben.

„TA584“ verbreitet seit Ende November 2025 neuentwickelte Schadsoftware „Tsundere Bot”

Zum anderen verbreite „TA584“ seit Ende November 2025 erstmals die neuentwickelte Schadsoftware „Tsundere Bot”. Diese moderne Malware nutze die „Ethereum“-Blockchain, um die Kommunikation mit ihren Steuerungsservern (C2) zu verschleiern, kommuniziere über spezielle Netzwerkprotokolle und benötige „Node.js“ zur Ausführung.

  • „Tsundere Bot“ werde als Schadsoftware-Baukastensystem angeboten und verfüge über umfangreiche „Backdoor“-Funktionen. Diese Software könne beliebigen Code ausführen, Daten stehlen und weitere Schadsoftware nachladen.

Sicherheitsexperten von Proofpoint gehen davon aus, dass „TA584“ als sogenannter Initial Access Broker agiert: „Die Gruppe verschafft sich Zugang zu Unternehmensnetzwerken und verkauft diesen anschließend an andere Cyberkriminelle weiter. Das bedeutet, dass Infektionen durch ,TA584‘ häufig der Einstieg für nachfolgende Ransomware-Angriffe sind, bei denen Daten verschlüsselt und Lösegeld erpresst wird.“ Die Verbindungen der Gruppe zum russischen Cybercrime-Umfeld gelten laut Proofpoint als „wahrscheinlich“.

Wahrscheinlich, dass „TA584“ seine Aktivitäten in Europa und insbesondere in Deutschland weiter intensivieren wird

Proofpoint empfiehlt deutschen Unternehmen dringend, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen: „So sollte die ,Windows’-Kommandozeile ,PowerShell’ für Nutzer gesperrt werden, die sie nicht zwingend für ihre Arbeit benötigen. Sicherheitsrichtlinien sollten die Ausführung von Programmen wie ,Node.js’ aus benutzereigenen Verzeichnissen unterbinden.“

  • Der Netzwerkverkehr zu „Ethereum“-Knotenpunkten sollte überwacht oder blockiert werden, ebenso wie verdächtige Netzwerkverbindungen. Darüber hinaus sei die Schulung von Mitarbeitern ein unverzichtbarer Bestandteil jeder Verteidigungsstrategie.

Es sei wahrscheinlich, dass „TA584“ seine Aktivitäten in Europa und insbesondere in Deutschland weiter intensivieren werde. Die kontinuierliche Anpassungsfähigkeit dieser Gruppe und ihre Bereitschaft, neue Schadsoftware-Varianten zu testen, machten sie zu einer anhaltenden und wachsenden Bedrohung für Organisationen aller Größen und Branchen im deutschsprachigen Raum.

Weitere Informationen zum Thema:

proofpoint
What Sets Us Apart: Email, social media, and mobile devices are the tools of your trade—and for cyber criminals, the tools of attack. Proofpoint protects your people, data and brand against advanced threats and compliance risks.

proofpoint
Can’t stop, won’t stop: TA584 innovates initial access / Key findings

SECURELIST by Kaspersky, Lisandro Ubiedo, 20.11.2025
Blockchain and Node.js abused by Tsundere: an emerging botnet

THE HACKER NEWS, Ravie Lakshmanan, 20.11.2025
Tsundere Botnet Expands Using Game Lures and Ethereum-Based C2 on Windows

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Digitale Souveränität: Mehrheit sieht Übernahme wichtiger Unternehmen in Deutschland kritisch https://www.datensicherheit.de/digitale-souveranitat-mehrheit-ubernahme-unternehmen-deutschland-kritik Mon, 26 Jan 2026 23:03:00 +0000 https://www.datensicherheit.de/?p=51993 79 Prozent fordern staatliches Eingreifen bei drohenden Übernahmen deutscher Unternehmen durch Nicht-EU-Investoren

[datensicherheit.de, 27.01.2026] Hinsichtlich Halbleiterfertigung, „Cloud“-Diensten, Software-Plattformen, Cybersicherheitslösungen oder marktführenden Unternehmen aus Industrie, Infrastruktur und Handel ist nach aktuellen Erkenntnissen des Digitalverbands Bitkom e.V. eine überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland der Ansicht, dass die Kontrolle von Schlüsselunternehmen der deutschen Wirtschaft – und damit auch der Einfluss auf Technologien, Daten und zentrale Teile von Wertschöpfungsketten – nicht von Akteuren außerhalb der EU übernommen werden sollte. Diese Aussage basiert demnach auf einer repräsentativen Telefon-Umfrage, welche Bitkom Research im Auftrag durchgeführt hat: Die Befragung unter 1.156 Personen in Deutschland ab 16 Jahren habe im Zeitraum der Kalenderwochen 39 bis 43 2025 stattgefunden.

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Foto: Bitkom

Dr. Ralf Wintergerst betont: Deutschland braucht weiterhin offene Märkte und Investitionen auch von außerhalb der EU!

Nur 2% möchten ausländische Übernahmen grundsätzlich unterbinden

79 Prozent meinten, die Bundesregierung sollte Übernahmen von Spitzen-Unternehmen der deutschen Wirtschaft durch Nicht-EU-Investoren verhindern. Dabei gebe es aber große Unterschiede hinsichtlich der einzelnen Herkunftsländer:

  • „So sollte die Bundesregierung solche Übernahmen nach Ansicht von 84 Prozent bei Investoren aus Russland verhindern, 74 Prozent nennen China.“ Dahinter folgten Golfstaaten wie Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate (59%) sowie Indien (42%). Investoren aus den USA (33%) und Japan (19%) würden deutlich seltener als Länder genannt, aus denen Übernahmen verhindert werden sollten.

Nur zwei Prozent wollten Übernahmen egal aus welchem Land grundsätzlich stoppen. Ebenfalls zwei Prozent seien der Meinung, die Bundesregierung solle grundsätzlich alle Übernahmen zulassen.

Übernahme eine Frage, wer am Ende die Kontrolle über strategisch wichtige Unternehmen hat

„Souveränität heißt, bei Schlüsseltechnologien unabhängig zu bleiben oder unabhängiger zu werden. Dazu gehört auch die Frage, wer am Ende die Kontrolle über strategisch wichtige Unternehmen hat“, kommentiert der Bitkom-Präsident, Dr. Ralf Wintergerst.

  • Er unterstreicht: „Deutschland braucht weiterhin offene Märkte und Investitionen auch von außerhalb der EU. Investitionsprüfungen müssen Risiken für Sicherheit, Resilienz und technologische Selbstbestimmung adressieren!“

Angesichts geopolitischer Spannungen müsse Deutschland handlungsfähig bleiben. „Dazu gehört vor allem, Abhängigkeiten zu reduzieren und dort konsequent zu handeln, wo zentrale technologische Kompetenzen, Kritische Infrastrukturen oder die wirtschaftliche Sicherheit auf dem Spiel stehen“, so Wintergerst abschließend.

Weitere Informationen zum Thema:

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Dr. Ralf Wintergerst: Präsident Bitkom / Vorsitzender der Geschäftsführung & Group CEO Giesecke+Devrient GmbH

datensicherheit.de, 26.01.2026
IT made in Europe: Basis für Digitale Souveränität Deutschlands und Europas / Franz Kögl moniert, dass bislang trotz zahlreicher Lippenbekenntnisse vielfach fast schon reflexartig die Vergabe milliardenschwerer öffentlicher Aufträge an US-amerikanische IT-Konzerne erfolgte

datensicherheit.de, 01.01.2026
Cybersicherheit und Digitale Souveränität: Wie Europa die Kontrolle zurückgewinnen kann / Pierre-Yves Hentzen kommentiert aktuelle Entwicklungen und skizziert Wege zur Digitalen Souveränität Europas

datensicherheit.de, 24.12.2025
Cloud-Nutzung: Auswege für KMU aus dem Dilemma der Datensouveränität / Mit „Hyperkonvergenter Infrastruktur“ können KMU einfacher und kostengünstiger „Hybrid Clouds“ aufbauen – und so garantieren, dass ihre kritischen Daten jederzeit am richtigen Ort zugänglich sind

datensicherheit.de, 30.11.2025
Handlungsbedarf: Digitale Souveränität von strategischer Relevanz für Unternehmen / Zunehmendes Streben nach echter Digitaler Souveränität – Unternehmen fordern die Kontrolle über ihre Daten, ihre „Cloud“-Infrastruktur und ihren technologischen Kurs zurück

datensicherheit.de, 24.11.2025
Digitale Souveränität Europas als neuer Mega-Trend / Europäische Entscheidungsträger setzen sich im Kontext Digitaler Souveränität mit Abhängigkeiten, Datenschutz und den Möglichkeiten auseinander, wie sie in Zeiten größerer Unsicherheit mehr Transparenz in ihre digitalen Infrastrukturen integrieren können

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IT made in Europe: Basis für Digitale Souveränität Deutschlands und Europas https://www.datensicherheit.de/it-made-in-europe-basis-digitale-souveranitat-deutschland-europa Sun, 25 Jan 2026 23:22:00 +0000 https://www.datensicherheit.de/?p=51981 Franz Kögl moniert, dass bislang trotz zahlreicher Lippenbekenntnisse vielfach fast schon reflexartig die Vergabe milliardenschwerer öffentlicher Aufträge an US-amerikanische IT-Konzerne erfolgte

[datensicherheit.de, 26.01.2026] Franz Kögl, Vorstand und Gründer der IntraFind Software AG in München, erörtert in seiner aktuellen Stellungnahme, dass wir seit Jahren mit einem „chronischen Widerspruch“ konfrontiert sind: „Einerseits wird oft und gerne die Digitale Souveränität Deutschlands und Europas beschworen, andererseits erfolgt fast schon reflexartig die Vergabe milliardenschwerer öffentlicher Aufträge an US-amerikanische IT-Konzerne.“ Er verweist in diesem Zusammenhang auf einen konkreten aktuellen Fall in Bayern, „wo große Teile der öffentlichen IT-Infrastruktur beziehungsweise strategische Digitalvorhaben auf Microsoft-Lösungen setzen“. Indes erfolge dies angesichts der klaren, für Europa nachteiligen Regelungen des „US Cloud Act“. „Das passt nicht zusammen!“

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Foto: IntraFind

Franz Kögl appelliert: Beginnen wir bitte endlich, uns von den US-IT-Giganten zu entkoppeln!

Staatliche IT-Landschaften benötigen Zeit zur Umstellung – aber jetzt ist Richtungsweisung gefordert

Wer die Konsequenzen der drastisch veränderten geopolitischen Lage wirklich verstanden hat, der könne seine Augen nicht länger vor dem massiven Druck zum Handeln verschließen. „Das war auch in diesen Tagen beim ,Weltwirtschaftsforum’ in Davos spürbar. Der Tenor vieler Debatten ist, dass Europa seine Unabhängigkeit und Resilienz – gerade bei Schlüsseltechnologien – deutlich schneller stärken muss.“

  • Praktisch bedeutet dies demnach: Vorfahrt für deutsch-europäische Infrastruktur, Plattformen und Anwendungslandschaften – von Ministerien, Behörden über Krankenhäuser bis zu Stromversorgungsunternehmen. Gerade für Kritische Infrastrukturen (KRITIS) müsse die souveräne Digitalisierung ab sofort als gesetzt gelten.

Daher sei es sehr willkommen, dass der bayerische Digitalminister, Dr. Fabian Mehring, jetzt ganz praktisch vorgeschlagen habe, große IT-Vergaben wie im obigen Beispiel nicht länger routinemäßig durchzuwinken, sondern unter dem Gesichtspunkt der Digitalen Souveränität neu zu bewerten. „Natürlich können wir staatliche IT-Landschaften nicht von heute auf morgen umstellen, ein radikaler Schnitt oder ein sofortiger Ausstieg aus bestehenden Systemen ist illusorisch. Aber es muss endlich in die richtige Richtung gehen!“

Strategische Gesichtspunkte: Höchste Zeit für europäische IT-Lösungen

Ganz abgesehen von dem Zuwachs an Sicherheit, Resilienz und Unabhängigkeit hätte das auch noch den schönen Nebeneffekt zusätzlicher heimischer Wertschöpfung. „Die USA machen uns ja die Präferenz für eigene Interessen knallhart vor.“

  • Es sei nicht länger glaubwürdig, einerseits vor geopolitischen Abhängigkeiten zu warnen, andererseits vor dem Druck US-amerikanischer Politik und den Verlockungen der US-Digitalkonzerne in die Knie zu gehen, auch wenn es bequemer sei. „Aber das kann und darf nicht der Maßstab sein!“

Öffentliche IT-Budgets sollten und müssten endlich auch unter strategischen Gesichtspunkten eingesetzt werden: „Für Innovationsfähigkeit und heimische Wertschöpfung durch ein starkes digitales Ökosystem in Europa“. Die entsprechenden heimischen Technologien und Lösungen warteten ja nur darauf, endlich eingesetzt zu werden, „bevor es zu spät ist“. Kögl gibt abschließend zu bedenken: „Und ja, es ist erstmal anstrengender und aufwändiger – aber beginnen wir bitte endlich, uns von den US-IT-Giganten zu entkoppeln!“

Weitere Informationen zum Thema:

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KI-basierte Enterprise Search: relevante Informationen für bessere Entscheidungen

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IntraFind Leadership Team / Management

Bayerisches Staatsministerium für Digitales, 12.01.2026
Statement von Digitalminister Dr. Fabian Mehring zu den Äußerungen des Finanzministers hinsichtlich der Vereinbarungen zwischen Bayern und Microsoft

datensicherheit.de, 01.01.2026
Cybersicherheit und Digitale Souveränität: Wie Europa die Kontrolle zurückgewinnen kann / Pierre-Yves Hentzen kommentiert aktuelle Entwicklungen und skizziert Wege zur Digitalen Souveränität Europas

datensicherheit.de, 24.12.2025
Cloud-Nutzung: Auswege für KMU aus dem Dilemma der Datensouveränität / Mit „Hyperkonvergenter Infrastruktur“ können KMU einfacher und kostengünstiger „Hybrid Clouds“ aufbauen – und so garantieren, dass ihre kritischen Daten jederzeit am richtigen Ort zugänglich sind

datensicherheit.de, 30.11.2025
Handlungsbedarf: Digitale Souveränität von strategischer Relevanz für Unternehmen / Zunehmendes Streben nach echter Digitaler Souveränität – Unternehmen fordern die Kontrolle über ihre Daten, ihre „Cloud“-Infrastruktur und ihren technologischen Kurs zurück

datensicherheit.de, 24.11.2025
Digitale Souveränität Europas als neuer Mega-Trend / Europäische Entscheidungsträger setzen sich im Kontext Digitaler Souveränität mit Abhängigkeiten, Datenschutz und den Möglichkeiten auseinander, wie sie in Zeiten größerer Unsicherheit mehr Transparenz in ihre digitalen Infrastrukturen integrieren können

datensicherheit.de, 22.11.2025
Digitale Souveränität: EU-Unternehmen streben Unabhängigkeit von US-Diensten an / Beim „Gipfel zur Europäischen Digitalen Souveränität“ erklärten Politik und Wirtschaft, sich von US-Anbietern abwenden zu wollen

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eco-Position zu Regierungskonsultationen: Deutschland und Italien gemeinsam als digitaler Stabilitätsanker Europas https://www.datensicherheit.de/eco-position-regierungskonsultationen-deutschland-italien-digital-stabilitatsanker-europa Fri, 23 Jan 2026 23:51:00 +0000 https://www.datensicherheit.de/?p=51944 Die Regierungskonsultationen zwischen Deutschland und Italien vom 23. Januar 2026 fanden in einer entscheidenden Phase für Europas digitale Wettbewerbsfähigkeit statt

[datensicherheit.de, 24.01.2026] Der eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. geht in einer aktuellen Stellungnahme auf die deutsch-italienischen Regierungskonsultationen vom 23. Januar 2026 ein – diese fanden demnach in einer entscheidenden Phase für Europas digitale Wettbewerbsfähigkeit statt. Betont wird, dass Wettbewerbsfähigkeit, Künstliche Intelligenz (KI) und Digitale Souveränität sich nur im europäischen Schulterschluss sichern lassen. Deutschland und Italien könnten dabei eine Schlüsselrolle einnehmen, so Oliver Süme, der eco-Vorstandsvorsitzende.

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Foto: eco

Oliver Süme: Digitale Souveränität bedeutet nicht Abschottung, sondern den gezielten Aufbau leistungsfähiger „Cloud“-, Daten- und KI-Infrastrukturen in Europa!

Deutschland und Italien als zentrale Volkswirtschaften der EU in besonderer Verantwortung

Süme führt aus: „Europa steht digitalpolitisch unter erheblichem Handlungsdruck. In Zeiten geopolitischer Spannungen und verschärften globalen Wettbewerbs entscheidet sich jetzt, ob Europa technologisch handlungsfähig und wirtschaftlich wettbewerbsfähig bleibt.“

  • Deutschland und Italien trügen als zentrale Volkswirtschaften der EU eine besondere Verantwortung, diesen Kurs gemeinsam zu prägen – denn Wettbewerbsfähigkeit, technologische Stärke und Digitale Souveränität gebe es nur im europäischen Schulterschluss.

Dafür braucht es laut Süme einen klaren Kurswechsel – „weniger Komplexität, mehr Tempo und mehr Investitionsanreize!“

„Digitaler Omnibus“ sollte insbesondere Mittelstand in Deutschland entlasten

Der „Digitale Omnibus“ müsse daher spürbar entlasten, Überschneidungen abbauen und Regulierung kohärent und praxistauglich machen – „gerade dort, wo Unternehmen heute durch Bürokratie ausgebremst werden“.

  • KI müsse in Europa sicher und verlässlich nutzbar sein – besonders für den Mittelstand. „Dafür braucht es klare, einheitliche und innovationsfreundliche Umsetzung statt neuer Unsicherheit!“

Abschließend stellt Süme klar: „Digitale Souveränität bedeutet nicht Abschottung, sondern den gezielten Aufbau leistungsfähiger ,Cloud’-, Daten- und KI-Infrastrukturen in Europa! Wenn Deutschland und Italien hier gemeinsam vorangehen, können sie zum digitalen Stabilitätsanker Europas werden.“

Weitere Informationen zum Thema:

eco VERBAND DER INTERNETWIRTSCHAFT
Über uns: eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. / Wir gestalten das Internet.

eco VERBAND DER INTERNETWIRTSCHAFT
Vorstand@eco: RA Oliver J. Süme: Vorstandsvorsitzender, Vorstand Politik, Recht und Regulierung

datensicherheit.de, 30.12.2025
EADI lädt ein: Europas digitaler Omnibus im Datenschutz-Fokus / Experten-Diskussion „Wohin steuert der Datenschutz?“ anlässlich des „Europäischen Datenschutz‑Tages 2026“

datensicherheit.de, 12.12.2025
Digitaler Omnibus im Kontext Künstlicher Intelligenz gefährdet Verbraucherrechte / Verbraucherzentrale Bundesverband fordert, die Registrierungspflicht für „Hochrisiko-KI“ beizubehalten

datensicherheit.de, 12.12.2025
Omnibus-I-Einigung: Erleichterungen für den EU-Mittelstand erhofft / Die neuen Regeln sollen klare Grenzen für künftige Sorgfaltspflichten schaffen und zusätzliche Berichtslasten verhindern – Dr. Henning Bergmann sieht entscheidenden Erfolg für kooperierenden Mittelstand

datensicherheit.de, 20.11.2025
Bitkom publiziert Positionspapier zum „Digitalen Omnibus“ der EU / Laut Bitkom ist das vorliegende „Digitale Omnibus“-Paket nicht ausreichend, um Europas Regulierungsdschungel zu lichten – Europa müsse aber digital wettbewerbsfähig und souverän werden

datensicherheit.de, 20.11.2025
Digitaler Omnibus: eco setzt auf mehr Klarheit bei Europas Digitalregeln / Laut dem eco-Vorstandsvorsitzenden,Oliver Süme, braucht Europa ein digitalpolitisches Gesamtbild – klar, konsistent und anwendbar

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Deutschland-Stack: Bitkom kommentiert zweite Beteiligungsrunde https://www.datensicherheit.de/deutschland-stack-bitkom-kommentar-zweite-beteiligungsrunde https://www.datensicherheit.de/deutschland-stack-bitkom-kommentar-zweite-beteiligungsrunde#respond Sat, 17 Jan 2026 23:29:49 +0000 https://www.datensicherheit.de/?p=51780 Dr. Bernhard Rohleder hebt dessen zentrale Bedeutung hervor und begrüßt das Voranschreiten der Entwicklung dieser nationalen souveränen Technologie-Plattform für die Digitalvorhaben in Deutschland

[datensicherheit.de, 18.01.2026] Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) hat am 16. Januar 2026 die zweite Runde des Beteiligungsprozesses zum „Deutschland-Stack“ gestartet. In seinem aktuellen Kommentar hebt der Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom e.V., Dr. Bernhard Rohleder, dessen zentrale Bedeutung hervor und begrüßt das Voranschreiten der Entwicklung:

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Foto: Bitkom e.V.

Dr. Bernhard Rohleder betont: Die IT-Modernisierung in unserem föderalen System gelingt nur, wenn alle Verwaltungen, Behörden und Institutionen auf einer gemeinsamen technischen Basis arbeiten!

Es gilt u.a. noch vorhandene Lücken in der „Tech-Stack“-Landkarte Deutschlands zu schließen

„Der ,Deutschland-Stack’ hat herausragende Bedeutung für die Digitalisierung der Verwaltungen in Bund und Ländern, Städten und Gemeinden.“ Das Digitalministerium mache dabei gleich zwei Dinge richtig:

„Es drückt aufs Tempo und holt sich Expertenrat aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.“ So ließen sich zum Beispiel die noch vorhandenen Lücken in der „Tech-Stack“-Landkarte schließen.

Verwaltungsdigitalisierung in Deutschland massiv beschleunigen und technisch souverän ausrichten

„Die IT-Modernisierung in unserem föderalen System gelingt nur, wenn alle Verwaltungen, Behörden und Institutionen auf einer gemeinsamen technischen Basis arbeiten!“ Länder und Kommunen sollten sich deshalb verbindlich zur Nutzung der Komponenten des „Deutschland-Stacks“ verpflichten und sie in ihre Systeme integrieren.

Der „Deutschland-Stack“ müsse und könne die Verwaltungsdigitalisierung in Deutschland massiv beschleunigen, technisch souverän ausrichten und damit spürbare Verbesserungen für Bürger, Wirtschaft und Verwaltung gleichermaßen schaffen.

Weitere Informationen zum Thema:

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Über uns

bitkom
Dr. Bernhard Rohleder: Hauptgeschäftsführer Bitkom e.V.

Deutschland-Stack
Der Deutschland-Stack ist die nationale souveräne Technologie-Plattform für die Digitalvorhaben in Deutschland

Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung
Deutschland-Stack

datensicherheit.de, 06.12.2025
Deutschland-Stack: eco benennt klare Linie und Technologieoffenheit als Erfolgsfaktoren / Der Deutschland-Stack (D-Stack) ist laut eco eines der zentralen Digitalisierungsvorhaben dieser Legislatur – damit er zum Erfolg werden kann, müssen die Kriterien unbedingt klar definiert, konsistent ausgestaltet und technologieoffen angewendet werden

datensicherheit.de, 04.12.2025
Deutschland-Stack – Dirk Arendt fordert Cybersicherheit als strategischen Grundpfeiler / Der „Deutschland-Stack“ soll die ambitionierte Vision einer souveränen digitalen Verwaltung repräsentieren – Trend Micro erinnert an die zentrale Rolle der Cybersicherheit als Fundament dieser nationalen Infrastruktur

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Geister-Fabriken: Dark Factories zur Erhaltung industrieller Wertschöpfung in Deutschland https://www.datensicherheit.de/geister-fabriken-dark-factories-erhaltung-industrie-wertschoepfung-deutschland https://www.datensicherheit.de/geister-fabriken-dark-factories-erhaltung-industrie-wertschoepfung-deutschland#respond Wed, 14 Jan 2026 23:56:33 +0000 https://www.datensicherheit.de/?p=51740 Ein zunehmender Teil der Produktion wird künftig in menschen­leeren Fabriken allein mit Robotern stattfinden – diese „Dunklen Fabriken“ könnten helfen, die Deindustriali­sierung Deutschlands aufzuhalten und den Arbeitskräftemangel zu kompensieren

[datensicherheit.de, 15.01.2026] Jane Enny van Lambalgen, CEO von Planet Industrial Excellence, geht in ihrer aktuellen Stellungnahme auf sogenannte Geister-Fabriken („Dark Factories“) ein, welche demnach eine Chance für den Fortbestand der industriellen Wertschöpfung in Deutschland darstellen: „Ein zunehmender Teil der Produktion wird künftig in menschen­leeren Fabriken allein mit Robotern stattfinden. Diese ,Dark Factories’ können die Deindustriali­sierung Deutschlands aufhalten und den Arbeitskräftemangel längerfristig kompensieren.“ Van Lambalgen ist Mitglied bei „United Interim“, einer „Community für Interim Manager“ im deutschsprachigen Raum, sowie im „Diplomatic Council“, einer globalen Denkfabrik mit Beraterstatus bei den Vereinten Nationen (UNO).

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Foto: privat

Jane Enny van Lambalgen prognostiziert: Es entstehen weniger, aber dafür höher qualifizierte Arbeitsplätze!

Menschen­leeren Fabriken könnten Betriebskosten senken und Produktivität steigern

„Menschenleere Fabrikhallen, in denen die Produktion allein durch Roboter auf Hochtouren läuft, werden in den nächsten 15 Jahren zur Normalität werden“, so van Lambalgens Einschätzung. Diese „Geister-Fabriken“ der Zukunft würden mit den heutigen Produktions­anlagen soviel gemeinsam haben wie ein modernes Automobil mit einer Pferdekutsche.

  • Diese menschen­leeren Fabriken könnten die Betriebskosten um bis zu 25 Prozent senken, die Produktivität um bis zu 30 Prozent steigern und die Fehlerquoten um bis zu 40 Prozent reduzieren. Wenn in einer Fertigungshalle ausschließlich Roboter am Werk sind, könnten diese zwei- bis fünfmal schneller arbeiten als es aus Sicherheitsgründen bei Menschen im Raum geboten und erlaubt sei.

Man nennt solche vollautomatisierten Produktionsstätten „Smart Factories“ oder auch „Dark Factories“, weil die Roboter im Unterschied zu Menschen beim Arbeiten kein Licht benötigen. Diese „Dark Factories“ werden laut van Lambalgen zunächst vor allem in der Massenfertigung zum Einsatz kommen, also nicht bei der Einzelfertigung oder im Sondermaschinenbau.

„Autonomous Production Twins“ als technologische Grundlage für „Geister-Fabriken“

Als eine wesentliche technologische Grundlage für diese Entwicklung nennt sie „Autonomous Production Twins“ (APT) oder Digitale Zwillinge in der Fertigungs­industrie, um Produktions­prozesse autonom zu überwachen, zu steuern und zu optimieren.

  • Ein APT verknüpfe Echtzeit­informationen, welche über fortschrittliche Sensorik und digitale Zuliefersysteme erfasst würden, mit Künstlicher Intelligenz (KI), um eine virtuelle Repräsentation des Produktionssystems zu schaffen, welche selbstständig Entscheidungen treffen und Prozesse anpassen könne.

„Ein Autonomer Produktions­zwilling ist in der Lage, Produktionsprozesse aktiv zu steuern und auf unvor­hergesehene Ereignisse wie beispielsweise Engpässe in der Lieferkette durch automatische Umplanungen zu reagieren.“

„Geister-Fabriken“ als betriebs- und volkswirtschaftlich sinnvolle Alternative zur Produktionsverlagerung

Nach ihrer Einschätzung hat diese Entwicklung das Potenzial, die Deindustrialisierung Deutschlands zu verlangsamen und möglicherweise sogar aufzuhalten: „Der Aufwand zur Verlagerung von Fertigungs­kapazitäten ins Ausland ist hoch. Die schrittweise Automatisierung der Produktion im Inland mit der Langfristperspektive ,Dark Factory’ stellt in vielen Fällen eine betriebs- und volkswirtschaftlich sinnvolle Alternative dar.“

  • Die Tatsache, dass in vollautomatisierten Fertigungs­stätten mit viel weniger Personal gearbeitet werde, dürfe nicht zum „Totschlagargument“ werden, warnt van Lambalgen vor einer politisch-gesellschaftlichen Diskussion „Arbeiter gegen Roboter“.

In einer „Dark Factory“ würden zwar nur etwa zehn Prozent des Personalstammes benötigt werden, im Vergleich zu herkömmlichen Produktionsverfahren. Aufgaben wie Planung, Implementierung, Überwachung und Wartung müssten weiterhin zumindest teilweise von Menschen übernommen werden.

In einigen Fabriken führte Personalknappheit bereits zu personalfreien Nachtschichten

„Es entstehen weniger, aber dafür höher qualifizierte Arbeitsplätze!“, betont van Lambalgen, „was angesichts des demographischen Faktors mit einem zunehmenden Mangel an Arbeitskräften volkswirtschaftlich eine gute Nachricht ist.“ Sie verweist darauf, dass eine ganze Reihe von Unternehmen angesichts der Personalknappheit bereits eine personalfreie Nachtschicht in der Fertigung eingeführt habe.

  • Deutschland sollte diese Entwicklung daher in erster Linie als Chance ergreifen, um weiterhin als international wettbewerbsfähiger Produktionsstandort zu gelten – genug Zeit zur Anpassung sei vorhanden, meint sie. „,Dark Factories’ stellen eine technologische Heraus­forderung dar und werden sich daher in den nächsten Jahren erst allmählich durchsetzen. „Diese Zeitspanne kann Deutschland nutzen, um das Land in einer gemeinsamen Anstrengung von Politik, Wirtschaft und sicherlich auch Gewerkschaften auf diese nächste Fertigungsgeneration vorzubereiten“, lautet ihre Empfehlung.

Angesichts des demographischen Faktors sollte dabei nicht der Erhalt von Arbeitsplätzen um jeden Preis im Vordergrund stehen, sondern die Qualifizierung der heranwachsenden Generation für die neuen Arbeitsplätze: „Der Umgang mit KI-Systemen, die letztlich die Grundlage für ,Smart Factories’ bilden, muss für Beschäftigte künftig so selbstverständlich sein wie die Nutzung eines Smartphones!“

Bau Autonomer Fabriken indes durch EU-Regeln und Robotersteuer gefährdet

„Die politischen Diskussionen über neue EU-Regeln für menschenleere Fabriken bis hin zu einer eventuellen Robotersteuer können den Bau Autonomer Fabriken hierzulande möglicherweise verhindern“, warnt van Lambalgen, zudem würde dies die internationale Wettbewerbsfähigkeit weiter schwächen. Selbst wenn in Deutschland auf absehbare Zeit keine „Geister-Fabriken“ entstünden, würde deren Inbetriebnahme in Ländern außerhalb der EU einen enormen Kostendruck auf die Produktion „made in Germany“ ausüben.

  • Sie verweist beispielhaft auf die „Dark Factory“ des chinesischen Technologieherstellers Xiaomi nördlich von Peking, welche im Dauerbetrieb ohne Fertigungsmitarbeiter (aber mit Wartungspersonal) pro Sekunde ein Smartphone produzieren könne. Die Fertigungskapazität liege derzeit bei bis zu zehn Millionen Smartphones pro Jahr und könne auf das Dreifache erweitert werden.

„Für rund 330 Millionen Dollar Entwicklungs­kosten hat Xiaomi einen Blick in die Zukunft der industriellen Fertigung geschaffen“, so van Lambalgen aus. Sie erläutert hierzu: „Bei der Errichtung einer ,Smart Factory’ entfallen etwa ein Drittel der Gesamtkosten auf Sensorik, Software und Infrastruktur, aber die höheren Investitionen zahlen sich bereits nach einem Betriebsjahr durch die deutlich niedrigere Lohnsumme aus.“ Hinzu käme die höhere Flexibilität, um auf Marktveränderungen zu reagieren, und das höhere Qualitätsniveau, was die Nachbesserungs­kosten senke und die Kundenzufriedenheit steigere.

Mut und Vision der Führungskräfte in der Industrie sowie politische Initiative gefordert

Eine derartige Vollautomatisierung werde in Deutschland auf Jahre hinweg noch die Ausnahme bleiben, vor allem bei der Einzelfertigung und im Sondermaschinenbau. Aber die schrittweise Einführung „menschenfreier Zonen“ für Teilbereiche der Produktion erwartet van Lambalgen auch hierzulande zusehends: Bereits in fünf Jahren könnte bis zur Hälfte der Fertigungsfläche „dunkel“ sein, schätzt sie.

  • Abschließend gibt sie zu bedenken: „Deutschland wird sich auf Dauer als international wettbewerbsfähiger Produktionsstandort nur halten können, wenn es in den nächsten fünf bis zehn Jahren gelingt, ,Smart Factories’ hierzulande im großen Stil zu errichten und das Arbeitsrecht entsprechend angepasst wird!“ Hierzu bedürfe es „Mut und Vision der Führungskräfte“ in der Industrie, aber auch einer entsprechenden politischen Initiative.

„Denn natürlich hat die Minderbeschäftigung durch ,Smart Factories’ erheblichen Einfluss auf die Renten- und Sozialsysteme, die alle auf der Besteuerung von menschlicher Arbeitskraft aufgebaut sind.“ Sie stellt klar: „Aufgrund des demographischen Faktors stoßen diese Systeme allerdings ohnehin an ihre Grenzen und müssen dringend reformiert werden. In der Sicherung des Produktions­standorts Deutschland durch die Förderung vollautomatisierter Fertigung hierzulande steckt daher auch ein wichtiger Baustein für den Umbau der Renten- und Sozialsysteme mit einem enormen Wertschöpfungspotenzial. Das wird allerdings nur gelingen, wenn die Politik den Mut zu Konzepten findet, die über den bloßen Ruf nach mehr Regulatorik oder einer Robotersteuer hinausgehen!“

Weitere Informationen zum Thema:

Planet Industrial Excellence
Unser Logo steht für Operational Excellence in der Produktion, beim Einkauf und in der Logistik. Unser Versprechen ist es, Schritt für Schritt eine industrielle, schlanke, nachhaltige und digitale Produktion und Supply Chain zu schaffen.

Planet Industrial Excellence
Jane Enny van Lambalgen ist seit 2020 CEO von Planet Industrial Excellence | Interim Management & Consulting

SIEMENS
„Lights-Out“-Fabrik

Deutschlandfunk, 09.09.2025
Dark Factory: Fachkräftemangel beschleunigt Automatisierung in Fabriken / Personalknappheit treibt Experten zufolge die Automatisierung von Fabriken voran

F PRO WELTWIRTSCHAFT , Thomas Bonschab, 04.12.2025
Industriepolitik: Europa verschläft das Zeitalter der „Dark Factories“

YouTube, WSJ The Wall Street Journal, 18.07.2025
China’s Dark Factories: So Automated, They Don’t Need Lights

datensicherheit.de, 25.03.2025
Intelligente Produktion: Smarte Roboter erobern die Fabrik​ / Vier Beispiele für das Zusammenspiel von KI und Edge Computing

datensicherheit.de, 25.02.2025
Neue Maßstäbe für dynamische Planungssicherheit: Digital Zwillinge und Daten-Streaming / Digitale Zwillinge bilden Objekte oder Prozesse in einer virtuellen Umgebung ab und nutzten umfangreiche Echtzeitdaten zur realistischen Simulation

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