Aktuelles, Experten, Studien - geschrieben von am Samstag, August 1, 2026 12:28 - noch keine Kommentare

42 Jahre nach Empfang der ersten E-Mail in Deutschland: Unternehmen bei der -Sicherheit in der Pflicht

Der eco fordert Unternehmen und E-Mail-Dienstleister auf, Absenderidentität und Versandwege konsequent abzusichern

[datensicherheit.de, 01.08.2026] Am 3. August 1984 erfolgte der Empfang der ersten E-Mail in Deutschland – nunmehr, 42 Jahre danach, meldet der eco – Verband der Internetwirtschaft e.V., dass demnach eine im Auftrag durchgeführte repräsentative YouGov-Umfrage Folgendes zeigt: 86 Prozent machten die Vertrauenswürdigkeit einer E-Mail an leicht imitierbaren Merkmalen fest. Damit bleibe die E-Mail auch heute noch das größte Einfallstor für Cyberkriminalität. Der eco fordert deshalb Unternehmen und E-Mail-Dienstleister auf, Absenderidentität und Versandwege konsequent abzusichern. Die Daten dieser Befragung basierten auf Online-Interviews mit Mitgliedern des „YouGov Panels“, welche der Teilnahme vorab zugestimmt hätten – im Zeitraum 22. und 24. Juli 2026 seien insgesamt 2.057 Personen befragt worden. Die Erhebung sei nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region, Wohnumfeld, Wahlverhalten und politisches Interesse quotiert und die Ergebnisse seien anschließend entsprechend gewichtet worden. Die Ergebnisse seien repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.

E-Mail bleibt größtes Einfallstor für Cyberkriminalität

Obwohl weder Name, noch Logo oder eine plausibel wirkende Absenderadresse ausreichten, um zuverlässig belegen zu können, dass eine E-Mail tatsächlich von einem bestimmten Unternehmen stammt, hielten 86 Prozent der Erwachsenen in Deutschland mindestens eines dieser sichtbaren Merkmale für einen ausreichenden Vertrauensnachweis.

  • Das sei eine Erkenntnis der im eco-Auftrag durchgeführten bevölkerungsrepräsentativen Erhebung. Die E-Mail bleibe damit auch 42 Jahre nach dem Empfang der ersten E-Mail in Deutschland „das größte Einfallstor für Cyberkriminalität“.

52 Prozent der Befragten stuften eine E-Mail grundsätzlich als vertrauenswürdig ein, wenn sie sich auf eine tatsächliche Kundenbeziehung bezieht. 39 Prozent orientierten sich daran, dass ihnen der angezeigte Unternehmensname bekannt ist, 32 Prozent an der Absenderadresse, die den Namen des Unternehmens enthält, und 21 Prozent hielten eine E-Mail für vertrauenswürdig, wenn sie keine Warnung des Mailbox-Providers erhalten. Sieben Prozent seien der Meinung, dass keines der abgefragten Merkmale die Vertrauenswürdigkeit einer E-Mail zuverlässig bestätigen könne.

Marken-Inhaber in der Pflicht, ihre Domains sicher aufzusetzen und den E-Mail-Verkehr zu überwachen

Die vorliegenden Ergebnisse machten deutlich, dass Unternehmen die Echtheit ihrer E-Mail-Kommunikation nicht der Einschätzung ihrer Kunden überlassen dürften. Namen, Absenderadresse und Designs in E-Mails könnten imitiert werden, wodurch selbst aufmerksame Nutzer Opfer von Kriminellen werden könnten.

  • Julia Janßen-Holldiek, „Director“ der „Certified Senders Alliance“ – ein Service des eco-Verbands in Kooperation mit dem Deutschen Dialogmarketingverband (DDV), führt weiter aus: „Vertrauen beginnt nicht erst im Posteingang, sondern in der Domain- und Versandinfrastruktur. Marken müssen ihre digitale Absenderidentität schützen und ihre Versandquellen kontrollieren. Sie sind in der Pflicht, ihre Domains sicher aufzusetzen und den E-Mail-Verkehr zu überwachen!“

Auch E-Mail-Service-Provider seien gefordert, ihre Plattformen vor Missbrauch zu schützen und bei Vorfällen schnell zu reagieren. Nur so könnten Mailbox-Provider missbräuchliche Nachrichten filtern, bevor sie die Empfänger erreichen.

Damaliger E-Mail-Austausch weitgehend auf Basis gegenseitigen Vertrauens

Anlass der Befragung sei der 42. Jahrestag der ersten E-Mail an einen eigenständigen deutschen E-Mail-Server am 3. August 1984: „Der Empfänger war der heutige eco-Ehrenpräsident Prof. Michael Rotert.“

  • Damals habe der E-Mail-Austausch zwischen wenigen Forschungseinrichtungen weitgehend auf gegenseitigem Vertrauen beruht. In ihrer damaligen technischen Form würde die erste E-Mail heutige Authentifizierungsstandards nicht erfüllen. Moderne Empfangssysteme könnten sie deshalb eher als verdächtig einstufen, in den Spamordner verschieben oder ablehnen.

Heute sollen Verfahren wie SPF, DKIM und DMARC dabei helfen, die Versandberechtigung, Signatur und verwendeten Domains einer E-Mail technisch zu prüfen. Für Unternehmen reiche die einmalige Einrichtung dieser Verfahren jedoch nicht aus. Entscheidend sei eine dauerhaft hohe Qualität entlang der gesamten Versandkette.

Drei Aufgaben für Unternehmen zur Stärkung der E-Mail-Sicherheit:

  1. Aufgabe: Alle Versandquellen erfassen!
    Unternehmen müssten sämtliche internen Systeme und externen Dienstleister kennen, die in ihrem Namen E-Mails verschicken – vom Newsletter über Rechnungen und Buchungsbestätigungen bis zur Passwortzurücksetzung.
  2. Aufgabe: Absenderidentität technisch absichern!
    SPF, DKIM und DMARC müssten korrekt eingerichtet, aufeinander abgestimmt und kontinuierlich überwacht werden.
  3. Aufgabe: Reputation und Versandqualität kontrollieren!
    Missbrauchssignale, Beschwerden, unzustellbare Adressen und weitere Qualitätskennzahlen sollten regelmäßig ausgewertet und Probleme frühzeitig behoben werden.

Unabhängig überprüfte und messbare Qualitätsstandards könnten Unternehmen und Versandplattformen dabei unterstützen, diese Anforderungen dauerhaft umzusetzen. Für Marken bedeute dies mehr Kontrolle über ihre digitale Identität und Reputation. Für Mailbox-Provider entstünden verlässlichere Signale zur Bewertung von Nachrichten. Empfänger profitierten von einem vertrauenswürdigeren Posteingang und einer zuverlässigeren Zustellung erwünschter E-Mails.

Weitere Informationen zum Thema:

eco VERBAND DER INTERNETWIRTSCHAFT
Über uns: eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. / Wir gestalten das Internet.

Linkedin
Julia Janßen-Holldiek

united internet media, Kay Städele, 12.07.2024
40 Jahre E-Mail in Deutschland – E-Mail-Pionier Prof. Michael Rotert erinnert sich

datensicherheit.de, 10.05.2026
Warnung an Unternehmen: Gefälschte E-Mails der Verbraucherzentrale Hamburg / Cyberkrimineller Absender fordert Stellungnahmen zu angeblichen Verbraucherbeschwerden auf – Opfer sollen verlinkten Online-Kalender zur angeblichen Terminvereinbarung nutzen

datensicherheit.de, 04.03.2026
Erkennen betrügerischer E-Mails: Dringlichkeit als wichtigstes Warnsignal / Eine aktuelle Umfrage von KnowBe4 zeigt, dass Mitarbeiter nicht mehr Rechtschreibfehler im Text, sondern den Versuch, ein Gefühl der Dringlichkeit zu vermitteln, als zuverlässigstes Erkennungsmerkmal für Betrugsversuche ansehen sollten

datensicherheit.de, 17.12.2025
E-Mail-Sicherheit: BSI publiziert Untersuchung der Programme und gibt Sicherheitstipps / Das BSI hat auch betrachtet, wie die Programme E-Mails und Zugangsdaten speichern und wie Anbieter mit möglichen Sicherheitslücken umgehen

datensicherheit.de, 16.12.2025
E-Mail unter cyberkriminellem Dauerbeschuss – Kommunikationssicherheit muss neu gedacht werden / Allein in der Bundesverwaltung waren täglich rund 684.000 E-Mail-Adressen potenziellen Angriffen ausgesetzt – von Spam über Phishing bis hin zu Malware



Kommentare sind geschlossen.

Kooperation

TeleTrusT

Mitgliedschaft

German Mittelstand e.V.

Mitgliedschaft

BISG e.V.

Multiplikator

Allianz für Cybersicherheit

Datenschutzerklärung