Aktuelles, Branche - geschrieben von am Freitag, Oktober 17, 2014 12:56 - 2 Kommentare

DsiN-Index: IT-Sicherheitslage der Verbraucher erstmals erfasst

Neuer Sicherheitsindex offenbart digitales Sicherheitsgefälle unter deutschen Internetnutzern / Junge Onliner und über 60-Jährige bilden Schlusslicht

[datensicherheit.de, 17.10.2014] Der neue DsiN-Index 2014, den der Verein Deutschland sicher im Netz (DsiN) und das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz am Freitag in Berlin vorgestellt haben, offenbart ein deutliches Sicherheitsgefälle unter Verbrauchern im Netz.

„Mit dem DsiN-Index schaffen wir einen verlässlichen Indikator, um die aktuelle Sicherheitslage von Verbrauchern in Deutschland bewerten zu können, aber auch künftige Entwicklungen der digitalen Sicherheitslage im Blick zu behalten. Er ist zugleich Startschuss für eine Digitale Aufklärung 2.0, mit der wir die Sicherheitslage aller Internetnutzer in Deutschland kontinuierlich verbessern wollen“, sagt Dr. Christian P. Illek, Vorsitzender der Initiative Deutschland sicher im Netz.

Der Index erfasst erstmals die persönliche Bedrohungslage von Internetnutzern in Deutschland und stellt diese in Relation zu den individuell praktizierten Schutzmaßnahmen. So entsteht eine Kennzahl, die die Balance zwischen Gefährdung und Verhalten widerspiegelt. Dieser Indexwert gibt Auskunft über die Sicherheitslage von Internetnutzern in Deutschland und ermöglicht zusätzlich eine differenzierte Betrachtung verschiedener Nutzertypen. Der Index wird künftig jährlich erhoben, um Veränderungen im Verhältnis zwischen Bedrohungslage und Schutzmaßnahmen festzustellen.

Digitales Sicherheitsgefälle in Deutschland

Das Ergebnis des aktuellen Reports: Während der Index im bundesdeutschen Durchschnitt bei 60,2 Punkten liegt, fällt er bei einigen Nutzergruppen, insbesondere bei jüngeren und älteren Onlinern, unter den Schwellenwert von 50 Punkten. Unterhalb dieses Schwellenwertes kippt die Balance zwischen Bedrohungslage und praktiziertem Schutzniveau. Der Index zeigt darüber hinaus, dass bei insgesamt 60 Prozent der deutschen Internetnutzer ein erhöhter Aufklärungs- und Unterstützungsbedarf für den sicheren und souveränen Umgang mit dem Internet besteht.

Über alle Nutzergruppen hinweg offenbart sich zudem eine deutliche Schieflage zwischen Wissen und Sicherheitsverhalten im Netz. Der DsiN-Index wurde im Rahmen einer repräsentativen Umfrage unter 1005 Internetnutzern von Deutschland sicher im Netz in Zusammenarbeit mit TNS Infratest ermittelt, um Aufschlüsse über den Bedarf an Aufklärungsangeboten zu bekommen.

„Aufklärung mit der Gießkanne ist beim Thema Internetsicherheit nicht sinnvoll, denn Verbraucher unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Nutzungsgewohnheiten, ihrer Kenntnisse und ihrem Schutzverhalten signifikant“, so Illek. „Um die Nutzer beim souveränen Umgang mit dem Internet zu unterstützen, brauchen wir einen Mix an differenzierten Aufklärungsangeboten, der auf die spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten ist.“

„Mit dem DsiN-Index erhalten wir Vergleichsmaßstäbe für die Sicherheitslage von Verbrauchern im Netz. Daraus lassen sich wichtige Rückschlüsse für eine wirksame Aufklärungsarbeit ziehen. DsiN trägt mit seiner Arbeit dazu bei, die Kompetenz der Verbraucherinnen und Verbraucher zu verbessern. Das ist genau der richtige Weg“, erklärt Ulrich Kelber, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz.

Dsin-Index 2014

Bild: Deutschland sicher im Netz e.V.

Digitale Sicherheitslage der Verbraucher in Deutschland

Startschuss für Digitale Aufklärung 2.0

Der DsiN-Index differenziert nach insgesamt vier Nutzertypen, um den unterschiedlichen Erfahrungen, Gewohnheiten, Kenntnissen und Verhaltensweisen von Onlinern in Deutschland Rechnung zu tragen. Zentrale Erkenntnis des Index ist das Gefälle der Sicherheitslage zwischen den vier Nutzergruppen im Netz:

  • Fatalistische Nutzer: Mit einem Indexwert von 44,2 Punkten bildet diese Gruppe das Schlusslicht. Die Nutzer sind meist jünger als 20 Jahre und verzichten auf Schutzmaßnahmen, obwohl diese wie auch die Risiken der Internetnutzung bekannt sind; privat sind fatalistische Nutzer bis zu 20 Wochenstunden im Netz. Ein Sechstel der deutschen Internetnutzer gehört zu dieser Gruppe.
  • Außenstehende Nutzer: Der Indexwert dieser Gruppe liegt mit 45,8 Punkten etwas höher, jedoch sind Gefährdungsempfinden und Kenntnis von Schutzmaßnahmen kaum vorhanden. Der Gruppe gehören schwerpunktmäßig ältere Menschen über 60 Jahren an, die das Internet weniger als zehn Wochenstunden nutzen. Diese Gruppe macht zehn Prozent der deutschen Internetnutzer aus.
  • Gutgläubige Nutzer: Mit 58,1 Punkten liegt diese Gruppe über dem Index-Schwellenwert, allerdings schätzt sie die Risiken im Netz als gering ein und nutzt daher auch kaum Sicherheitsmaßnahmen. Diese Gruppe ist zwischen 30 und 59 Jahren alt und privat bis zu 20 Wochenstunden im Netz unterwegs. Zu den gutgläubigen Nutzern zählen 35 Prozent der Onliner in Deutschland.
  • Souveräne Nutzer: Mit 72 Punkten überragt ihr Indexwert den der anderen Gruppen deutlich. Auffällig ist insbesondere die häufige Nutzung auch komplexer Sicherheitsmaßnahmen. Dieser Gruppe gehören meist 40- bis 49-Jährige an, die mehrheitlich privat das Internet unter zehn Wochenstunden nutzen. Die souveränen Nutzer machen 40 Prozent der deutschen Onliner aus.

Die Unterscheidung der Nutzergruppen bietet konkrete Ansatzpunkte für eine digitale Aufklärungsarbeit 2.0. So sollten beispielsweise „fatalistische Nutzer“ verstärkt auf die praktische Notwendigkeit und Einhaltung von Schutzmaßnahmen hingewiesen werden, da sie bereits über gute Anwendungskenntnisse verfügen. „Außenstehende Nutzer“ bedürfen hingegen der Vermittlung von Basiswissen und Hilfestellung bei der konkreten Umsetzung. Bei „gutgläubigen Nutzern“ muss die Sensibilisierung für Sicherheitsrisiken im Netz im Mittelpunkt stehen. „Souveräne Nutzer“ sollten über neuste Entwicklungen laufend informiert werden und nach Möglichkeit als Vorbilder in die Aufklärungsarbeit eingebunden werden.

Der Index zeigt aber auch: Den allwissenden und rund um die Uhr sicherheitsbewussten Anwender gibt es in der Praxis nicht: Deshalb ist es weiterhin über alle Nutzergruppen hinweg notwendig, für die Risiken der Internetnutzung zu sensibilisieren sowie zu motivieren, Basisschutzmaßnahmen im Alltag auch tatsächlich anzuwenden. Dazu bedarf es in Deutschland einer breit angelegten Aufklärungskampagne.

DsiN: Aufklärungsangebote entwickeln, bündeln und verstärken

„Die Vorteile der Digitalisierung können sich für die Gesellschaft erst entfalten, wenn alle Verbraucher das Internet souverän nutzen.“ erklärt der DsiN-Vorsitzende Dr. Christian P. Illek. „Wir sehen daher alle maßgeblichen Akteure aus ITK, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in der Verantwortung eine Aufklärungsstrategie 2.0 auf den Weg zu bringen. Deutschland sicher im Netz steht bereit, um das Engagement für eine unabhängige Aufklärungsarbeit zu koordinieren und im Dialog mit Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wirksam zu verstärken.“

Schon heute bietet Deutschland sicher im Netz zahlreiche Aufklärungs- und Unterstützungsangebote für Verbraucher an. Mit dem Index können diese künftig noch stärker auf die Bedürfnisse der Nutzergruppen ausgerichtet werden. So entwickelt der Verein derzeit Projekte im Verbund mit seinen Mitgliedern, Partnern sowie Bund und Ländern, die Verbrauchern bundesweit konkrete Beratung und Unterstützung vor Ort anbieten. DsiN wird beispielsweise Unterrichtsmaterialien für Berufsschüler entwickeln und digitale Stammtische für Senioren organisieren. Darüber hinaus steht das DsiN-Webportal www.sicher-im-netz.de mit Veröffentlichung des DsiN-Index mit zusätzlichen Informationsangeboten im neuen Design zur Verfügung.

In der Digitalen Agenda hatte die Bundesregierung erklärt, die Zusammenarbeit mit und Unterstützung von DsiN weiter auszubauen. Darüber hinaus strebt DsiN an, den Dialog mit allen Stakeholdern der digitalen Gesellschaft zu verstärken, um die Wirkung der Aufklärungsarbeit zu verbessern und bestehende Angebote zu bündeln.

Weitere Informationen zum Thema:

Deutschland sicher im Netz (DsiN)
DsiN-Index 2014 als Broschüre (2,5 MB)



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