Aktuelles, Experten - geschrieben von dp am Donnerstag, Januar 29, 2026 0:56 - noch keine Kommentare
ERC Proof of Concept Grants für TU Berlin: Satellitendaten für jeden und resiliente Kommunikationsnetze
Prof. Dr. Begüm Demir, BIFOLD-Forschungsgruppenleiterin sowie Prof. Dr. Stefan Schmid, Fachgebietsleiter „Internet Architecture and Management“, beide an der TU Berlin, haben jeweils einen der „Proof of Concept Grants“ des European Research Council gewonnen
[datensicherheit.de, 29.01.2026] Laut einer Meldung der Technischen Univerität Berlin (TU Berlin) konnten Prof. Dr. Begüm Demir, Leiterin des Fachgebiets für „Remote Sensing“ und Forschungsgruppenleiterin bei BIFOLD („Berlin Institute for the Foundations of Learning and Data“) an der TU Berlin, sowie Prof. Dr. Stefan Schmid, Leiter des Fachgebiets „Internet Architecture and Management“ der TU Berlin, jeweils einen der begehrten, mit 150.000 Euro dotierten „Proof of Concept Grants“ des European Research Council (ERC) für sich gewinnen. Diese Förderungen schließen demnach die Lücke zwischen Grundlagenforschung und praktischer Anwendung – sie sollen dazu beitragen, wegweisende Forschungsergebnisse in konkrete gesellschaftliche oder wirtschaftliche Vorteile umzusetzen. Gefördert werde einmal die Entwicklung eines digitalen, KI-gestützten Assistenten, welcher auch interessierten Laien Zugang zu den enormen Erdbeobachtungsdaten des europäischen „Copernicus“-Programms ermöglichen soll. Mittels der anderen Förderung würden automatisierte Softwaretools entwickelt, um die Resilienz von Kommunikationsnetzen zu verbessern – dabei gehe es vor allem um die Umleitung von Datenpaketen beim Ausfall von Verbindungen zwischen Netzwerkknoten.

Abbildung: © BIFOLD
„Agent BigEarth“: KI-Agent zur Nutzung von Satellitendaten durch Wissenschaft, Politik und Gesellschaft
An der TU Berlin geplanter KI-Agent „Agent BigEarth“ soll Satellitendaten leicht auffindbar, verständlich und nutzbar machen
Mit dem von Demir geplanten KI-Agenten „Agent BigEarth“ stehe die Nutzung von Satellitendaten durch Wissenschaft, Politik und Gesellschaft vor einem Wendepunkt: Die BIFOLD-Wissenschaftler möchten „Agent BigEarth“ entwickeln, um große Mengen komplexer Satellitendaten nicht nur für Experten, sondern auch für interessierte Laien, Journalisten oder politische Entscheidungsträger leicht auffindbar, verständlich und nutzbar zu machen.
- In natürlicher Sprache oder mit Bildern sollten Nutzer künftig durch die Satellitendaten des europäischen „Copernicus“-Programms geführt werden, um relevante Informationen zu extrahieren oder konkrete Fragen zu Umwelt- und Klimathemen beantwortet zu bekommen.
„Copernicus“ liefere mit seinen „Sentinel“-Satelliten täglich rund 20 Terabyte hochauflösender Erdbeobachtungsdaten. Diese Daten beinhalteten wichtige Informationen über den Zustand der Erde: Von Veränderungen der Landnutzung über die Ausbreitung von Städten und Wäldern bis hin zu Naturkatastrophen, Wasserqualität oder landwirtschaftlicher Produktion. Trotz ihrer großen Bedeutung seien diese Daten bislang hauptsächlich für Experten zugänglich gewesen.
TU Berlin avisiert Vorreiterrolle für Europa im Bereich KI-gestützter Umweltinformationen
Hier solle nun „Agent BigEarth“ ansetzen, welcher ähnlich wie herkömmliche Chatbots funktioniere, jedoch speziell für Erdbeobachtungsdaten von „Copernicus“ entwickelt worden sei. Nutzer sollten künftig mit dem System in einen Dialog treten können: „Sie können Fragen stellen, Bilder hochladen oder beschreiben, wonach sie suchen, und erhalten gezielte Antworten sowie relevante Satellitendaten.“
- Ein solche Frage wäre zum Beispiel: „Wie hat sich die Vegetation einer bestimmten Region nach einer Dürre verändert?“
Technisch basiere „Agent BigEarth“ auf einer neuartigen Kombination mehrerer KI-Module, welche als spezialisierte „Subagenten“ zusammenarbeiteten. Die einzelnen Module übernähmen unterschiedliche Aufgaben – „etwa das Verstehen der Nutzeranfrage, das Auswählen geeigneter Analysewerkzeuge, das Extrahieren relevanter Parameter oder die Prüfung, ob eine gewünschte Auswertung technisch möglich ist“. Ein zentrales Steuerungselement koordiniere diese Abläufe und sorge dafür, dass komplexe Anfragen Schritt für Schritt bearbeitet werden könnten. „Gelingt die Umsetzung, könnte ,Agent BigEarth’ eine Vorreiterrolle für Europa im Bereich KI-gestützter Umweltinformationen einnehmen“, so Demir.
Entwicklung automatisierter Software-Werkzeuge an der TU Berlin zur Verbesserung der Resilienz von Umleitungsmechanismen
Kommunikationsnetze sind offenkundig eine Kritische Infrastruktur (KRITIS) unserer digitalen Gesellschaft. Da es in großen Netzen unvermeidbar ist, dass Verbindungen zwischen Netzwerkknoten manchmal ausfallen, setzen moderne Infrastrukturen auf schnelle Umleitungsmechanismen, welche den Datenverkehr bei Störungen schnell auf alternative Pfade lenken.
- Das Konfigurieren von Kommunikationsnetzen inklusive der alternativen Pfade sei allerdings sehr komplex und fehleranfällig. Statistiken zeigten, dass viele Netzausfälle auf Misskonfigurationen und menschliche Fehler zurückzuführen seien.
Mit seinem „ERC Proof of Concept Grant“ werde Schmid automatisierte Software-Werkzeuge entwickeln, um die Resilienz von Umleitungsmechanismen gegenüber dem gleichzeitigen Ausfall mehrerer Knoten-Verbindungen – den sogenannten Links – zu verbessern. Dadurch würden die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen von Ausfällen reduziert und die Ziele der Europäischen Union (EU) zum KRITIS-Schutz unterstützt. Schmids Arbeitsgruppe kooperiere hierzu auch mit der von Prof. Dr. Jiri Srba von der Aalborg University in Dänemark.
Entwicklung an der TU Berlin soll konkrete Grundlage für anwendungsreife Software liefern
Die Software-Werkzeuge bauten auf Schmids neuen Forschungsergebnissen auf und basierten auf einem innovativen, sogenannten rekursiven Ansatz: Ähnlich wie beim Rückpass-Spiel im Fußball könne es sich lohnen, die Datenpakete zunächst in eine ganz andere Richtung – nach hinten oder zur Seite – zu transportieren, wenn in Vorwärtsrichtung zum eigentlichen Ziel alle Verbindungen gekappt sind.
- „Und so weiter (daher ,rekursiv’), falls in dieser Richtung weitere Störungen auftreten sollten. Da die ,Spieler’ nur eine lokale Sicht haben, sind solche weiteren Störungen nicht vorhersehbar und es braucht einen robusten, sich dynamisch anpassenden Mechanismus, um diese Taktik anzuwenden.“
Dieser Ansatz ermöglicht laut Schmid zudem auch effiziente „Was-wäre-wenn-Analysen“: Eine Systemoperator könnte durch solche Simulationen verifizieren, ob eine aktuelle Netzkonfiguration noch vollständig funktioniert, auch wenn bestimmte Links ausgefallen sind. „Unsere Entwicklung wird ganz konkret die Grundlage liefern für eine anwendungsreife Software, die sofort auf bestehender Hardware eingesetzt werden könnte“, erläutert Schmid abschließend.
Weitere Informationen zum Thema:
erc European Research Council
Proof of Concept: Have you already received an ERC grant for your frontier research project and now want to explore the commercial or societal potential of your work? The ERC Proof of Concept Grant could be for you.
BIFOLD
Prof. Dr. Begüm Demir
BIFOLD, Prof. Dr. Begüm Demir, 27.01.2026
Ask Agent-BigEarth / Modern Analysis of satellite data for science, politics, and society
Copernicus Europas Blick auf die Erde
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WIKIPEDIA
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Prof. Dr. Stefan Schmid
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