Aktuelles, Experten - geschrieben von dp am Freitag, März 13, 2026 10:39 - noch keine Kommentare
Rechenzentren in Holzbauweise: Von Schweden bis Deutschland wird vermehrt auf Brettsperrholz statt Stahlbeton gesetzt
Technische Infrastruktur wird heute von der Gesellschaft kritischer beobachtet und hinterfragt als je zuvor, worunter die Verfügbarkeit an Rechenzentren leidet – Tobias von der Heydt führt aus, warum Brettsperrholz als Baumaterial zahlreiche ökologische wie ökonomische Vorteile bietet
[datensicherheit.de, 13.03.2026] „Technische Infrastruktur wird heute von der Gesellschaft kritischer beobachtet und hinterfragt als je zuvor. In den USA wurden 2025 mindestens 25 Rechenzentren-Projekte nach lokalem Widerstand gestoppt, viermal so viele wie im Jahr davor“, so Tobias von der Heydt, Geschäftsführer bei Prior1, in seiner aktuellen Stellungnahme. Auch in Europa gebe es punktuellen Widerstand. In Deutschland habe die Branche das Thema Nachhaltigkeit bereits auf der Agenda – nicht zuletzt wegen der schärferen Regulatorik, wie z.B. dem „Energieeffizienzgesetz“. Ein Teil der Antwort darauf sei die Holzbauweise.

Foto: Prior1
Tobias von der Heydt: Nachhaltigkeit ist zum harten wirtschaftlichen und strategischen Faktor geworden!
Bau von Rechenzentren immer öfters in der Kritik
„Die Digitalisierung ist das Fundament der modernen Wirtschaft, doch ihre physische Basis, das Rechenzentrum, wird immer wieder kritisch diskutiert. In den USA wurden 2025 25 Bauprojekte für Rechenzentren nach lokalem Widerstand gestoppt, viermal so viele wie 2024“, berichtet von der Heydt.
- Laut Data Center Watch sind in den USA demnach Projekte im Wert von 64 Milliarden US-Dollar blockiert oder verzögert worden. 142 sogenannte Aktivistengruppen in 24 US-Staaten mobilisierten gegen den Bau neuer Anlagen.
Die Kritikpunkte seien vielfältig und beträfen verschiedene Dimensionen des Ressourcenverbrauchs: „In Michigan protestierten im Dezember 2025 Anwohner gegen ein geplantes 7-Milliarden-Dollar-Rechenzentrum auf wertvollem Farmland. In Detroit demonstrierten Bürger vor der Zentrale des Energieversorgers DTE Energy gegen ein 1,4-Gigawatt-Rechenzentrum, das die lokale Stromversorgung belasten würde.“
In Irland bereits 21% der nationalen Stromversorgung für Rechenzentren
Auch in Europa habe sich in der Vergangenheit punktueller Widerstand formiert. In Irland gingen bereits 21 Prozent der nationalen Stromversorgung an Rechenzentren, in den Niederlanden seien es 5,4 Prozent.
- „Meta musste 2022 ein geplantes Rechenzentrum in Zeewolde aufgeben, nachdem der niederländische Senat das Projekt auf Eis gelegt hatte. In Irland lehnte der South Dublin County Council im August 2024 ein Google-Projekt ab, weil die Stadt nicht genug Energie zur Verfügung stellen konnte.“
In Marseille habe „Clouds Were Under Our Feet“ – eine „Aktivistengruppe“ – 2024 gegen fünf Rechenzentren gekämpft, welche ihrer Ansicht nach mit der Elektrifizierung des städtischen Busnetzes konkurriert hätten.
Deutsche Rechenzentren-Branche hat Nachhaltigkeit bereits auf der Agenda
In Deutschland sei die Situation differenzierter. „Im September 2024 protestierten zwar über 73.000 Menschen mit einer BUND-Petition gegen Pläne für Hyperscale-Rechenzentren im Rheinischen Revier.“ Der Umweltverband habe den Verbrauch von Agrarland, den hohen Energiebedarf und ungeklärte Fragen zur Wasserversorgung kritisiert.
- Doch die Branche habe das Thema Nachhaltigkeit längst auf der Agenda, nicht zuletzt aufgrund des „Energieeffizienzgesetzes“.
Im Spannungsfeld zwischen wachsendem Bedarf an Rechenleistung und gesellschaftlichen Nachhaltigkeitserwartungen suche die Branche nach Lösungen, welche verschiedene Dimensionen, nicht nur die Energieeffizienz, adressierten.
„Cross-Laminated Timber“ (CLT) als Baumaterial-Alternative für neue Rechenzentren
Die Herausforderung sei vielschichtig. Energieeffizienz und die Versorgung mit „erneuerbaren Energien“ adressierten den Betrieb. Holz sei da ein „Gamechanger“: International hätten mehrere Unternehmen begonnen, bei neuen Rechenzentren auf Brettsperrholz, auch bekannt als „Cross-Laminated Timber“ (CLT), zu setzen.
- Beispiele aus der Praxis belegten das Potenzial: Bei zwei Hyperscale-Rechenzentren in Virginia habe Microsoft auf eine Hybridbauweise mit CLT, Stahl und Beton gesetzt. Auch in Europa gebe es Vorreiter: Das EcoDataCenter in Schweden und das Rechenzentrum von Celeste in Frankreich nutzten ebenfalls Holz als tragendes Element ihrer Konstruktion.
„Diese Projekte zeigen, dass Holzbauweise keine Nischentechnologie mehr ist, sondern eine kommerziell etablierte und skalierbare Lösung. Der Grund liegt in den überzeugenden Eigenschaften des Materials“, kommentiert von der Heydt.
Modernes Brettsperrholz traditionellen Materialien ebenbürtig oder sogar überlegen
Indes: „Die Vorbehalte gegenüber Holz in einer hochtechnisierten Umgebung wie einem Rechenzentrum sind oft groß, basieren aber meist auf veralteten Vorstellungen. Modernes Brettsperrholz (CLT) ist ein Hightech-Baustoff, der traditionellen Materialien in entscheidenden Disziplinen ebenbürtig oder sogar überlegen ist!“, betont von der Heydt.
- Die österreichische Holz-Informationsplattform „proHolz“ beschreibt das Brandverhalten von Holz als „gutmütig und vorhersehbar“. Von der Heydt erläutert: „Bei einem Brand bildet sich an der Oberfläche eine schützende Holzkohleschicht, die den inneren Kern isoliert. Die Abbrandrate ist mit etwa 0,7 mm pro Minute präzise kalkulierbar.“
Moderne CLT-Elemente erreichten problemlos die Feuerwiderstandsklasse F90 (d.h. 90 Minuten Feuerwiderstand) und erfüllten damit die strengen Normen für Rechenzentren wie die EN 50600 und baurechtliche Anforderungen. Auch Anforderungen an den Einbruchschutz seien durch massive Holzstrukturen realisierbar.
Angriffe auf Rechenzentren-Wände: Weder bei Holz- noch bei Stahlcontainern dokumentierte Fälle
Doch es gebe auch kritische Stimmen – Prof. José Torero, ein international renommierter Brandschutzforscher, habe vor Planungs- und Ausführungsfehlern gewarnt: Nicht das Material selbst sei risikobehaftet, sondern unzureichende Erfahrung im Umgang damit. Ein schlecht umgesetzter Holzbau könne im Ernstfall gefährlicher sein als ein vergleichbarer Beton- oder Stahlbau.
- „Dieses Risiko lässt sich durch die Beauftragung spezialisierter Unternehmen mit dokumentierter Projekterfahrung und entsprechenden Zertifizierungen ausschließen“, unterstreicht jedoch von der Heydt.
Auch das Vorurteil, Holzwände könnten einfach aufgesägt werden, halte einer Prüfung nicht stand: Weder bei Holz- noch bei Stahlcontainern existierten dokumentierte Fälle solcher Angriffe auf Rechenzentren. CLT-Wände seien mehrschichtig verleimt und erforderten erheblichen mechanischen Aufwand diese zu durchbrechen. In Kombination mit Zutrittskontrolle, Videoüberwachung und Alarmsystemen sei das Sicherheitsniveau identisch mit konventionellen Bauweisen.
CLT-Elemente ermöglichen Errichtung mittelgroßer Rechenzentren in vier bis neun Monaten
Holz als Baumaterial zeichne sich zudem durch eine exzellente natürliche Wärmedämmung aus: Mit einer Wärmeleitfähigkeit von nur 0,13 W/mK (im Vergleich zu 2,1 W/mK bei Beton) reduziere Holz den Bedarf an zusätzlicher Dämmung und senke den Energieaufwand für die Kühlung um 15 bis 20 Prozent.
- Zertifizierungen wie „Cradle to Cradle Certified® Gold“, die beispielsweise das von der Firma DERIX verwendete Brettsperrholz erhalten habe, belegten die Kreislauffähigkeit des Materials.
Ein weiterer Vorteil liege in der Baugeschwindigkeit: „Vorgefertigte CLT-Elemente ermöglichen für mittelgroße Rechenzentren Bauzeiten von vier bis neun Monaten, deutlich schneller als die 15 bis 24 Monate, die konventionelle Massivbauten benötigen.“
Reduzierter Kühlbedarf und verminderte Betriebskosten für die Klimatisierung der Rechenzentren
Die oft zitierte Annahme, Holzbau sei per se teurer, greife bei einer Gesamtbetrachtung zu kurz. Zwar könnten die reinen Materialkosten variieren, doch zwei betriebswirtschaftliche Faktoren kehrten dieses Bild um.
- Erstens, der Zeitgewinn: Die modulare Vorfertigung von Holzelementen verkürze, wie erwähnt, die Bauzeit im Vergleich zu Betonprojekten. Dieser Vorsprung ermögliche eine deutlich frühere Inbetriebnahme und damit einen schnelleren „Return on Investment“.
Zweitens, die Energieeffizienz: Holz dämme durch seine geringe Wärmeleitfähigkeit deutlich besser als Beton. Das reduziere den Kühlbedarf und senke die Betriebskosten für die Klimatisierung. Praxisbeispiele belegten, dass diese laufenden Einsparungen, kombiniert mit der schnelleren Bauzeit, Holz zu einer wirtschaftlich attraktiven und zukunftssicheren Entscheidung machten.

Abbildung: Prior1
Außenansicht: IT-Container in Holzbauweise (hier z.B. „Eco Fix“ von Prior1)
Modulare Rechenzentren in Holzbauweise: Markt für „Green Data Center“ wächst rasant
Was bei internationalen Großprojekten funktioniere, sei auch für den deutschen Mittelstand und für „Edge“- oder „On-Premise“-Anwendungen verfügbar. Mehrere Anbieter hätten modulare Rechenzentren in Holzbauweise entwickelt.
- „Ein Beispiel ist der IT-Container ,Eco Fix’ von Prior1, der in Kooperation mit dem Holzbauspezialisten DERIX entwickelt wurde und auf CLT-Brettsperrholz-Technologie basiert. Mit Platz für vier 19-Zoll-Server-Racks auf rund 20 Quadratmetern erfüllt er die Verfügbarkeitsklasse VK2 nach EN 50600, sowie hohe Anforderungen an Brand- und Einbruchschutz.“ Eine effiziente Klimatisierung mit natürlichem Kältemittel (R290) und eine intelligente indirekte Freikühlung ermöglichten bei niedrigen Außentemperaturen den vollständigen Verzicht auf mechanische Kälteerzeugung. „Die schlüsselfertige Lösung ermöglicht Realisierungszeiten von wenigen Wochen.“
Auch andere Anbieter arbeiteten an vergleichbaren Lösungen. Der Markt für „Green Data Center“ wachse rasant. Allein in Deutschland von 2,88 Milliarden US-Dollar (2024) auf voraussichtlich 12,02 Milliarden US-Dollar bis 2032, mit einer jährlichen Wachstumsrate von 19,55 Prozent.

Abbildung: Prior1
Innenansicht: IT-Container in Holzbauweise (hier z.B. „Eco Fix“ von Prior1)
Fazit: Mittels Holzbauweise für Rechenzentren Weichen für die Zukunft stellen
Die zunehmende gesellschaftliche Aufmerksamkeit und der zunehmende regulatorische Druck veränderten u.a. die Anforderungen an die Rechenzentrumsbranche. „Nachhaltigkeit ist zum harten wirtschaftlichen und strategischen Faktor geworden!“
- Holzbauweise erweise sich dabei als eine technisch ausgereifte, wirtschaftlich sinnvolle und ökologisch überlegene Alternative zu konventionellen Bauweisen. Von der Heydt gibt abschließend zu bedenken: „Unternehmen, die heute in ihre IT-Infrastruktur investieren, müssen die Weichen für die Zukunft stellen.“
Eine Bauweise, welche z.B. den Energieverbrauch im Betrieb senkt und die Anforderungen von morgen bereits heute erfüllt, sei eine kluge Investition in die eigene Zukunftsfähigkeit. „Holzbauweise ist dabei eine wichtige Säule. Gemeinsam mit Energieeffizienz, erneuerbaren Energien und Abwärmenutzung bildet sie die Grundlage für zukunftsfähige Rechenzentren!“
Weitere Informationen zum Thema:
prior1, 11.10.2021
Prior1 erweitert seine Geschäftsführung um Tobias von der Heydt / Strategische Entwicklung des Unternehmens wird nahtlos fortgeführt
HEATMAP, Robinson Meyer, 12.01.2026
Amid Rising Local Pushback, U.S. Data Center Cancellations Surged in 2025 / A Heatmap Pro review of public records shows that 25 data centers were scrubbed last year after local pushback — four times as many as 2024.
Data Center Watch
$64 billion of data center projects have been blocked or delayed amid local opposition / Local activism threatens to derail the U.S. data center boom
newrepublic.com, Liza Featherstone/, 17.02.2026
not today: Data Centers Are the Enemy We’ve All Been Waiting For / The startling rapidity of the bottom-up revolt against Big Tech shows people will indeed get off the sofa for the right fight
Planet Detroit, Dustin Blitchok, 03.12.2025
Demonstrators at DTE headquarters voice objections to 1.4 gigawatt data center deal / The protest outside DTE Energy headquarters precedes a virtual hearing by state regulators on a 1.4 gigawatt data center deal in Saline Township
euronews.com, Anna Desmarais, 02.10.2024
‚Do we want fewer emissions or more Netflix?‘: Inside the fight against Europe’s data centres / Pockets of data centre activists are fighting back against the expansion of mega computer centres in Europe amid an artificial intelligence (AI) boom.
BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen, 16.09.2024
73.000 Menschen fordern:„Microsoft muss umplanen!“ / BUND-Petition erhält viel Unterstützung
RUBNER
Rechenzentrum Celeste: Fünfstöckiger Holzbau in Frankreich
pro:Holz
Holz brennt sicher / Brandschutz im Holzbau – Daten, Fakten, Beispiele
dezeen, Nat Barker, 22.03.2023
Fire safety expert „extremely concerned“ about mass-timber buildings
MERCER mass timber, 05.22.2024
Building to the Future: How Mass Timber Construction Eliminates Traditional Building Challenges
Credence Research
Market Overview: Germany Green Data Center Market…
datensicherheit.de, 07.12.2025
Frankfurt/Main: Wirtschaftswachstum gründet sich auf Rechenzentren – doch neue IW-Studie benennt Hürden für Betreiber / Jeder Euro, der in Rechenzentren erwirtschaftet wird, generiert weitere 51 Cent wirtschaftlicher Leistung – 24 Cent davon direkt in der Region
datensicherheit.de, 16.11.2025
Zuspitzung der Energiekrise für Rechenzentren gefährdet Digitalstandort Deutschland / „Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen“ fordert wettbewerbsfähige Strompreise und zuverlässige Netzanschlüsse für Rechenzentrenbranche
Aktuelles, Experten - März 13, 2026 10:39 - noch keine Kommentare
Rechenzentren in Holzbauweise: Von Schweden bis Deutschland wird vermehrt auf Brettsperrholz statt Stahlbeton gesetzt
weitere Beiträge in Experten
- Plattform Privatheit lädt nach Frankfurt am Main ein: KI – Freundin versus Datenkrake
- Datenschutz trifft Medienkompetenz: Medienpädagik-Fachtag in Berlin am 25. März 2026
- Zero Trust: Absicherung mobiler IoT- und OT-Systeme
- Datenschutz als Unterrichtsthema: Kostenfreie BfDI-Lehrmaterialien für Klassenstufen 4 bis 7
- Angriff auf die digitale Lebensader: Telekommunikation ist die Königsklasse für die Cyberkriminalität
Aktuelles, Branche - März 13, 2026 11:25 - noch keine Kommentare
„CrackArmor“: Neun Sicherheitslücken in Millionen von Linux-Systemen entdeckt
weitere Beiträge in Branche
- Zero Trust: Absicherung mobiler IoT- und OT-Systeme
- Angriff auf die digitale Lebensader: Telekommunikation ist die Königsklasse für die Cyberkriminalität
- Chrome-Erweiterungen können Nutzer ausforschen
- Ambivalenz: Malware-Erkennungen gesunken – blockierte schädliche URLs zugenommen
- OpenClaw: Abwägen zwischen Produktivität und Sicherheitsrisiko
Aktuelles, A, Experten, Service, Wichtige Adressen - Jan. 13, 2026 1:08 - noch keine Kommentare
Registrierung bei ELEFAND: Krisen- und Katastrophenvorsorge bei Auslandsaufenthalten
weitere Beiträge in Service
- DigiCert-Umfrage: Manuelle Zertifikatsprozesse führen zu Ausfällen, Compliance-Fehlern und hohen Verlusten im Unternehmen
- Threat Hunting: Bedeutung und Wertschätzung steigt
- Umfrage: 71 Prozent der IT-Entscheidungsträger besorgt über Mehrfachnutzung von Passwörtern
- Fast die Hälfte der Unternehmen ohne geeignete Sicherheitsrichtlinien für Remote-Arbeit
- Umfrage: Bedeutung der Konsolidierung von IT-Sicherheitslösungen


