Aktuelles, Branche - geschrieben von dp am Donnerstag, Juni 11, 2026 0:23 - noch keine Kommentare
Realitätscheck zur souveränen europäischen KI
Andreas Dangl erörtert die Frage „Wie müsste eine europäische KI-Lösung aussehen und wie realistisch ist deren Umsetzung?“
[datensicherheit.de, 11.06.2026] Geopolitische Spannungen, neue Regulierungen und den rasanten Fortschritt im Bereich Generativer Künstlicher Intelligenz (GenKI) befeuern geradezu die Debatte im Kontext Digitaler Souveränität. In diesem Zusammenhang wird die zentrale Frage aufgeworfen: „Wie müsste eine europäische KI-Lösung aussehen und wie realistisch ist deren Umsetzung?“ Andreas Dangl, Geschäftsführer der Fabasoft Approve GmbH, macht in seiner aktuellen Stellungnahme einen Realitätscheck. Souveränität ist für ihn nicht eine beliebige Eigenschaft, sondern vielmehr ein umfassenden Prinzip, welches das gesamte Spektrum der Aspekte – vom Rechenzentrum bis hin zur Anwendung – umfasst.

Foto: © Fabasoft Approve
Andreas Dangl: Wirkliche Souveränität bedeutet, technologische Unabhängigkeit, rechtliche Sicherheit, strategische Autonomie und transparente „Governance“ konsequent zusammenzuführen!
Zentrale Elemente souveräner KI bereits heute umsetzbar
Dangl betont: „Eine souveräne europäische KI-,Cloud’ geht deutlich über die bloße Speicherung von Daten in Europa hinaus. Wirkliche Souveränität bedeutet, technologische Unabhängigkeit, rechtliche Sicherheit, strategische Autonomie und transparente ,Governance’ konsequent zusammenzuführen!“
- Dies bedeutet laut Dangl konkret: Betrieb in europäischen Rechtsräumen, vollständige Datenhoheit für Kunden, nachvollziehbare Modell-Architekturen und auditierbare Entscheidungsprozesse. Souveränität sei kein einzelnes „Feature“, sondern ein durchgängiges Prinzip – vom Rechenzentrum bis zur Anwendung.
Heute ließen sich bereits zentrale Elemente souveräner KI umsetzen. Datenresidenz innerhalb Europas, dedizierte „Cloud“-Regionen, kundenseitige Schlüsselverwaltung und der Betrieb von KI-Modellen in kontrollierten Umgebungen seien technisch realisierbar. „Einige Unternehmen betreiben ihre ,Cloud’-Infrastruktur daher ausschließlich in Rechenzentren im DACH-Raum – ohne dass Daten in außereuropäische Rechtsräume abfließen.“
Souveräne KI-Strategie als Basis der eigenen Resilienz
Bereitgestellte KI-Funktionalitäten arbeiteten dort konsequent ohne Umweg über externe LLMs wie „OpenAI“ oder „Azure“. Sensible Unternehmensdaten verließen damit zu keinem Zeitpunkt die kontrollierte Infrastruktur – weder für die Verarbeitung noch für das Training.
- Unternehmen profitierten vor allem durch erhöhte Kontrolle und reduzierte regulatorische Risiken. Gerade im Kontext der DSGVO werde Datenhoheit zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Darüber hinaus stärke eine souveräne KI-Strategie die Resilienz gegenüber geopolitischen Unsicherheiten und potenziellen Zugriffen durch Drittstaaten.
„In der Praxis bedeutet das: ,Cloud’-basierte Software für beispielsweise Dokumenten- und Qualitätsmanagement kombiniert europäische Datenhoheit mit KI-gestützter Automatisierung, ohne Einbußen bei ,Compliance’ oder Kontrolle. Kunden und Partner erwarten zunehmend transparente Datenverarbeitung, souveräne KI wirkt dabei als klares Differenzierungsmerkmal.“
Statt absoluter KI-Souveränität „strategische Souveränität“ im Fokus
Dangl gibt aber auch zu bedenken: „Derzeit nicht möglich ist eine vollständige technologische und wirtschaftliche Unabhängigkeit von internationalen KI-Anbietern, Infrastrukturen und Innovationszyklen. Hochleistungs-Hardware für große KI-Modelle stammt überwiegend aus außereuropäischer Produktion, ebenso viele Trainings-Frameworks.“ Europa könne derzeit indes souveräne Betriebsmodelle schaffen – einige Anbieter zeigten bereits, „dass das gelebte Praxis ist“. Dennoch bleibe Europa in Teilen der Wertschöpfungskette noch von globalen „Technologie-Ökosystemen“ abhängig.
- Eine vollständig autarke europäische KI sei realistisch betrachtet kaum erreichbar. „Globale Lieferketten, etwa bei seltenen Erden oder Halbleitern, machen eine vollständige Entkopplung praktisch unmöglich“, erläutert Dangl. Statt absoluter Souveränität rücke daher „strategische Souveränität“ in den Fokus: Ziel sei nicht Isolation, sondern die Fähigkeit, kritische Abhängigkeiten zu kontrollieren und Wahlmöglichkeiten zu schaffen.
Europa müsse dort unabhängig werden, „wo es sicherheits- oder wettbewerbskritisch ist“, und gleichzeitig offen für globale Innovation bleiben. Dangls Fazit: „Europäische Softwareanbieter, die souveräne Infrastruktur mit praxistauglicher KI verbinden, sind dabei ein Baustein auf dem Weg dorthin.“
Andreas Dangl hat uns als Hintergrundinformation den Beitrag „Datensicherheit und digitale Souveränität: Grundlagen nachhaltiger Wettbewerbsfähigkeit“ zur Verfügung gestellt.
Weitere Informationen zum Thema:
Fabasoft, 23.05.2022
Fabasoft Approve ist eigenständige GmbH … / Andreas Dangl übernimmt Geschäftsführung von innovativem Digitalisierungsunternehmen
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