Aktuelles, Branche, Studien - geschrieben von dp am Sonntag, Juli 26, 2026 0:09 - noch keine Kommentare
Vorbereitung auf Post-Quanten-Kryptographie: Trotz Planungsfortschritten stagniert die PQC-Umsetzung
Zwar planen, testen bzw. implementieren 87 Prozent der von DigiCert befragten Unternehmen bereits PQC-Initiativen, doch die tatsächliche Umsetzung hat im vergangenen Jahr nur um zwei Prozentpunkte zugenommen
[datensicherheit.de, 26.07.2026] Eine aktuelle DigiCert–Studie zeigt demnach, dass Unternehmen bei der Vorbereitung auf die Post-Quanten-Kryptographie (PQC) weiterhin schneller sind als bei der tatsächlichen Umsetzung – zwar planten, testeten oder implementierten 87 Prozent der befragten Unternehmen bereits PQC-Initiativen, doch die tatsächliche Umsetzung habe im vergangenen Jahr nur um zwei Prozentpunkte zugenommen. Kevin Hilscher, „Senior Director of Product Management“ bei DigiCert, geht in seiner Stellungnahme auf die am 24. Juli 2026 veröffentlichte Studie ein und kommentiert die zentralen Erkenntnisse. Er betont dabei, dass der Übergang zur PQC als Teil eines umfassenderen Modernisierungsprozesses – und eben nicht nur als ein technisches Upgrade – verstanden werden sollte.

Foto: DigiCert
Laut Kevin Hilscher zeigt die DigiCert-Studie, wo Unternehmen aktuell an ihre Grenzen stoßen – nämlich bei der Übersetzung der Strategie in die unternehmensweite Umsetzung
Tatsächliche PQC-Implementierung bleibt große Herausforderung
Die Ergebnisse der nun vorliegenden DigiCert-Studie zeigten, dass Unternehmen sich zwar auf das Quantenzeitalter vorbereiteten, dabei jedoch kaum messbare Fortschritte bei der tatsächlichen Umsetzung erzielten.
- Zwar gäben 87 Prozent der Unternehmen an, PQC-Initiativen zu planen, zu testen oder umzusetzen, doch die tatsächliche Implementierung habe seit der letzten Umfrage nur um zwei Prozentpunkte zugenommen.
Infolgedessen hätten bisher lediglich sieben Prozent der Unternehmen quantensichere oder hybride Kryptographie für den Großteil ihrer digitalen Zertifikate implementiert – für Hilscher ein deutliches Zeichen dafür, wie viel Arbeit noch nötig ist, um von der Planung zur tatsächlichen Umsetzung zu gelangen.
Übergang zur PQC mehr als ein bloßes technisches Upgrade
Die Ergebnisse – veröffentlicht im „DigiCert Quantum Readiness Outlook“ – deuteten darauf hin, dass Unternehmen die Phase des reinen Bewusstseins bereits hinter sich gelassen hätten, nun jedoch mit einer Umsetzungslücke konfrontiert seien.
- Mehr als die Hälfte der Unternehmen erwarte, dass die heutigen Verschlüsselungsstandards innerhalb der nächsten fünf Jahre gebrochen würden – während der Fortschritt der Unternehmen auf dem Weg zur Quantensicherheit im vergangenen Jahr nur um zwei Prozent zugenommen habe.
„Der Übergang zur Post-Quanten-Kryptographie ist Teil einer umfassenderen Modernisierungsreise und nicht nur ein technisches Upgrade!“, untersteicht Hilscher.
Drohende „Harvest Now, Decrypt Later“-Angriffe unterstreichen Dringlichkeit der PQC-Einführung
Hilscher führt aus: „Unternehmen, die heute in Krypto-Agilität investieren, schaffen sich die Flexibilität, sich mit sich wandelnden Standards, neuen Technologien und zukünftigen Geschäftsanforderungen weiterzuentwickeln. Genau das schafft langfristige Resilienz. Doch genau hier zeigt die Studie, wo Unternehmen aktuell an ihre Grenzen stoßen – bei der Übersetzung von Strategie in unternehmensweite Umsetzung.“
- Die Dringlichkeit nehme weiter zu. 84 Prozent der Unternehmen gingen davon aus, dass zumindest ein Teil ihrer verschlüsselten Daten bereits jetzt anfällig für Angriffe des Stils „Harvest Now, Decrypt Later“ (HNDL) sei, während der größte Anteil der Befragten (39%) erwarte, dass der Übergang zu quantensicherer Kryptographie drei bis fünf Jahre dauern werde.
Dies unterstreiche das Bewusstsein, dass Quantencomputing nicht mehr als zukünftige technologische Herausforderung, sondern als aktuelles Geschäftsrisiko wahrgenommen werde.
Weitere Erkenntnisse aus der aktuellen DigiCert-Studie zur PQC-Einführung:
- Finanztransaktionsdaten und Bankdaten seien als jene Daten identifiziert worden, welche am wahrscheinlichsten zuerst angegriffen würden, sobald sie entschlüsselbar sind – gefolgt von privaten Schlüsseln und „Wallets“ für „Krypto-Währungen“.
- 50 Prozent hätten bereits Quantenrisikobewertungen durchgeführt, während 44 Prozent Übergangspläne entwickelt und kryptographische Inventare erstellt hätten.
- 25,6 Prozent würden die Komplexität von Altsystemen (Legacy-Systemen) als größtes Hindernis für die Implementierung nennen – womit dieser Faktor die Unsicherheit bezüglich Standards oder mangelnde Unterstützung durch die Geschäftsführung als größtes Hindernis abgelöst habe.
- Der Einzelhandel habe den niedrigsten Vorbereitungsgrad verzeichnet, während die Fertigungsindustrie die am stärksten gespaltene Branche gewesen sei. „MedTech“ sowie Telekommunikation und Medien hätten das höchste Vertrauen in ihre eigene Vorbereitung gezeigt.
- Das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland habe den höchsten Anteil an Unternehmen verzeichnet, welche sich selbst als führend in Sachen Quantenbereitschaft einschätzten (18%), gefolgt von den USA (17%) und Australien (10%).
Weitere Informationen zum Thema:
digicert. Research Report 2026
The Quantum Execution Gap / Key findings from DigiCert’s Quantum Readiness Outlook
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