Aktuelles, Experten - geschrieben von am Mittwoch, Juli 22, 2026 0:03 - noch keine Kommentare

Phishing-as-a-Service: Erfolgreicher Schlag der Strafermittler gegen „Kratos“-Gruppe

ZIT und BKA haben gemeinsam mit Strafverfolgungsbehörden aus den USA die zentrale Infrastruktur eines des weltweit meistverbreiteten kriminellen Phishing-Services namens „Kratos“ zerschlagen

[datensicherheit.de, 22.07.2026] Das Bundeskriminalamt (BKA) vermeldet einen erfolgreichen Schlag gegen eine der weltweit gefährlichsten Phishing-Gruppierungen – demnach gingen Strafverfolgungsbehörden aus Deutschland und den USA gemeinsam gegen die Gruppierung „Kratos“ und das Phänomen „Phishing-as-a-Service“ vor.

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Abbildung: BKA

Sicherstellungsbanner der Aktion gegen das cyberkriminelle „Kratos“-Netwerk

Der „Kratos“-Entwickler und zugleich technische Administrator konnte verhaftet werden

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main – Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) – und das BKA haben demnach gemeinsam mit Strafverfolgungsbehörden aus den USA die zentrale Infrastruktur eines des weltweit meistverbreiteten kriminellen Phishing-Services namens „Kratos“ zerschlagen.

  • Der Entwickler und technische Administrator von „Kratos“ sei in Indonesien von den dortigen Behörden festgenommen worden.

Bei „Kratos“ handele es sich um einen von der gleichnamigen Gruppierung entwickelten digitalen Baukasten, mit dem sich insbesondere täuschend echte Microsoft-Authentifizierungs-Webseiten erstellen und verwalten ließen. Solche Webseiten seien eingesetzt worden, um Zugangsdaten wie Passwörter und E-Mail-Adressen von Opfern durch gefälschte Abfragemasken zu stehlen (Phishing), um dann damit weitere Straftaten zu begehen.

„Kratos“-Gruppierung adressierte auch technisch weniger versierte Cyberkriminelle

Das Geschäftsmodell der „Kratos“-Gruppierung hat laut BKA darauf beruht, den digitalen Baukasten an andere Cyberkriminelle weiterzuvermieten, welche dann wiederum die eigentlichen Phishing-Kampagnen durchführten (sogenanntes Phishing-as-a-Service).

  • Dieses Vorgehen habe es dieser Gruppierung ermöglicht, auch technisch weniger versierte Kriminelle zu erreichen und seit 2024 über 300.000 Euro zu „erwirtschaften“.

„Über 1.800 kriminelle Franchisenehmer sollen ,Kratos’ erworben und damit monatlich ca. 15.000 Phishing-Kampagnen durchgeführt haben.“ Dabei habe jede einzelne Kampagne das Potenzial gehabt, mehrere tausend Empfänger weltweit zu schädigen.

Fortsetzung durch „Kratos“ unterstützter Phishing-Kampagnen nunmehr unterbunden

Bei den polizeilichen Maßnahmen seien über 200 Server der „Kratos“-Infrastruktur unschädlich gemacht worden. Die Anzahl der Opfer gehe seit Ende 2024 in die Hunderttausende. Diese stammten aus über 30 Staaten (insbesondere in Europa und den USA).

  • „Mit der Festnahme des Administrators sowie der Abschaltung zentraler technischer Komponenten wurde die ,Kratos’-Infrastruktur vollständig außer Betrieb gesetzt.“ Durch „Kratos“ unterstützte Phishing-Kampagnen könnten dadurch nicht mehr fortgeführt werden.

Mit dem erfolgreichen Vorgehen sei den Strafverfolgungsbehörden erstmalig ein bedeutender Ermittlungserfolg gegen eine der weltweit gefährlichsten „Phishing-as-a-Service“-Gruppierungen gelungen.

Erfolg gegen Phishing-Kit „Kratos“ ein Schlag gegen hochprofessionelle Phishing-Infrastruktur

Die in Deutschland wegen des „gewerbsmäßigen Betreibens einer kriminellen Handelsplattform im Internet“ (gem. § 127 StGB), „Fälschung beweiserheblicher Daten im besonders schweren Fall“ (gem. § 269 StGB), sowie der „Vorbereitung des Computerbetrugs“ (gem. § 263a StGB) und anderer Straftaten geführten Ermittlungen hätten dazu beigetragen, zahlreiche potenzielle Opfer weltweit vor dem Diebstahl ihrer Zugangsdaten zu schützen.

  • Carsten Meywirth, Leiter der Abteilung „Cybercrime“ im BKA, kommentiert: „Wer im Internet mit gefälschten Webseiten Zugangsdaten stiehlt, darf sich nicht in Sicherheit wiegen! Der Erfolg gegen das Phishing-Kit ,Kratos’ zeigt, dass sich auch hochprofessionelle Phishing-Infrastrukturen wirksam bekämpfen lassen.“ Dies sei Pionierarbeit und ein deutliches Signal an andere Cyberakteure – Phishing bleibe nicht folgenlos und werde durch das BKA konsequent bekämpft. „Mit diesem Schlag haben wir zudem die Gefahr, dass fortlaufend Hunderttausende Internetnutzer Opfer werden, abgewehrt“, so Meywirth.
  • Dr. Benjamin Krause, Leiter der ZIT der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, führt aus: „Unser Ansatz der disruptiven Strafverfolgung funktioniert: Denn neben der primären Aufgabe der Identifizierung und Strafverfolgung der Beschuldigten ist es uns wieder gelungen, einen kriminellen Online-Dienst zu zerschlagen und so für etwas mehr Cybersicherheit zu sorgen.“

Hintergründe zum Modus Operandi der Gruppierung „Kratos“

Die „Kratos“-Gruppierung hatte laut BKA insbesondere gefälschte, aber täuschend echt aussehende Microsoft-Authentifizierungs-Webseiten entwickelt, um die Geschädigten zur Eingabe ihrer Kundendaten zu verleiten und diese so abzugreifen. Diese Methode ist so konzipiert, dass neben den Login-Daten ebenfalls ein „Cookie“ gestohlen werde, mit dem sich sogar die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) umgehen lasse.

  • Die so erlangten Zugangsdaten hätten durch die jeweiligen Täter für verschiedene Zwecke genutzt werden können, z.B. für weitere Phishing-Angriffe, Verkauf von Kundendaten an Dritte oder die Infiltration von Unternehmen durch die Ausbreitung über unternehmensweit genutzte Microsoft-Lösungen.

Die „Kratos“-Gruppierung habe das Phishing-Kit über ein Lizenzmodell vertrieben, welches Kunden mittels „Krypto-Währungen“ hätten erwerben können. Für den Vertrieb und den Support der „Kunden“ sei eigens eine Website und ein „Telegram“-Shop erstellt worden, um sich darüber zu registrieren, das eigene Konto zu verwalten und die eigene Phishing-Kampagne organisieren zu können.

Weitere Informationen zum Thema:

Bundeskriminalamt
Aufgabenbereiche des BKA / Nationale und internationale Zusammenarbeit, Ermittlungen, Forschung und Entwicklung, Verwaltung und Personenschutz – erfahren Sie hier mehr zu den vielfältigen Aufgabenbereichen der Kriminalpolizei des Bundes

Staatsanwaltschaften Hessen
GStA: Zentralstelle zur Bekämpfung der Internet- und Computerkriminalität (ZIT)

Handelsblatt Live, Technologie / IT, 23.05.2025
Cybercrime – Ohne Partner ist alles nichts / Gastbeitrag von Carsten Meywirth, Direktor und Leiter der Abteilung Cybercrime, Bundeskriminalamt

DPT Deutscher Präventionstag
Dr. Benjamin Krause

Microsoft
Schützen Sie sich vor Phishing / Phishing („fisching“ ausgesprochen) ist ein Angriff, der versucht, Ihr Geld oder Ihre Identität zu stehlen, indem Sie dazu bewegt werden, Ihre persönlichen Informationen wie Kreditkartennummern, Bankdaten oder Kennwörter auf Websites einzugeben, die sich als seriös ausgeben. Cyberkriminelle geben sich in einer gefälschten Nachricht mit einem Link zu einer Phishing-Website als seriöse Unternehmen, Freunde oder Bekannte aus.

datensicherheit.de, 14.07.2026
Phishing-as-a-Service: Cybercrime im Abo / Mit der Zerschlagung der Phishing-as-a-Service-Plattform „Outsider“ durch das FBI, Google und Black Lotus Labs wurde Mitte Juni eines der größten Phishing-Netzwerke weltweit aufgedeckt. Der Fall zeigt, wie stark sich Cyberkriminalität professionalisiert hat: Phishing-Kampagnen lassen sich heute als schlüsselfertiger Service buchen – inklusive Infrastruktur und täuschend echter Vorlagen. Unterstützt durch KI sinken die Einstiegshürden weiter, während Umfang, Geschwindigkeit und Schadenspotenzial der Angriffe kontinuierlich zunehmen.

datensicherheit.de, 05.03.2026
Kratos: Neues Phishing-as-a-Service-Kit ermöglicht selbst Anfängern Ausführung hochkomplexer Angriffe / Vor Kurzem haben Sicherheitsanalysten der „KnowBe4 Threat Labs“ einen ersten Bericht zum Anfang 2026 aufgespürten Phishing-as-a-Service-Kit „Kratos“ vorgestellt



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