Aktuelles, Branche, Studien - geschrieben von am Montag, Juli 20, 2026 0:56 - noch keine Kommentare

Digitale Unabhängigkeit: Überwiegende Mehrheit deutscher Unternehmen offen für Wechsel zu EU-IT

Im Durchschnitt fordern 90 Prozent der von Myra Security befragten IT-Entscheider europäische Digitalprodukte für Staat und KRITIS-Betreiber

[datensicherheit.de, 20.07.2026] Die Myra Security GmbH sieht in Fragen der Datensouveränität eine offensichtliche Abkehr von „Big Tech“ – denn laut einer aktuellen Studie schließt demnach fast kein deutsches Unternehmen den Wechsel zu europäischer Software aus. Im Durchschnitt forderten sogar 90 Prozent der befragten IT-Entscheider europäische Digitalprodukte für Staat und Betreiber Kritischer Infrastrukturen (KRITIS). Die Erkenntnisse basierten auf einer im Auftrag von Myra Security durchgeführten Civey-Online-Umfrage unter 1.818 IT-Entscheidern: 1.007 in Deutschland, 504 in Frankreich sowie 307 in Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden. Die Erhebung sei vom 25. Februar bis zum 5. März 2026 erfolgt – die die statistische Fehlertoleranz liege bei rund fünf Prozent.

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Foto: Nicolas Armer / Arctic Narratives

Sprecher auf der „Bots & Brews“ (v.l.n.r.): Alexandre Vulic (Französischer Generalkonsul in München), Andrea Lindholz (CSU, MdB, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages), Katharina M. Schwarz („Head of Global Affairs“) und Leonhard Kugler (Geschäftsführer Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung / ZenDiS)

Nur noch 4,6% deutscher IT-Entscheider schließen Einführung europäischer Software aus

Deutsche Unternehmen vollzögen eine Kehrtwende bei europäischer Software: „Nur noch 4,6 Prozent der IT-Entscheider schließen deren Einführung aus.“ Vor einem Jahr seien es noch 47,7 Prozent gewesen – ein Rückgang um mehr als 90 Prozent. Gleichzeitig befänden sich 39,7 Prozent der Unternehmen bereits in der Einführung europäischer Lösungen (gegenüber 2025 mit einem Anteil von etwa 20,4 Prozent).

  • Dies zeige die beim Tech-Event „Bots & Brews“ vorgestellte Studie „State of Digital Sovereignty 2026: Uncharted Waters“ des Münchner Cybersicherheitsanbieters Myra Security auf.

Erstmals habe Myra Security neben 1.007 IT-Entscheidern in Deutschland auch 504 Entscheider in Frankreich sowie 307 in den Nordischen Ländern – Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland – befragt. Deutschland liege beim Anteil der Unternehmen, welche bereits europäische Software einführten, knapp vor Frankreich mit 38,5 Prozent und den nordischen Ländern mit 35,5 Prozent.

Unterstützung europäischer IT für Staat und KRITIS in allen untersuchten Regionen hoch

Die grundsätzliche Unterstützung für europäische Digitalprodukte in Staat und KRITIS sei in allen untersuchten Regionen hoch. Frankreich liege mit 93,6 Prozent an der Spitze, gefolgt von den nordischen Ländern mit 88,9 Prozent und Deutschland mit 87,5 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr sei die Zustimmung in Deutschland damit von 84,4 Prozent weiter gestiegen.

  • Andrea Lindholz, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Vorsitzende der Kommission zu Digitaler Souveränität, betonte bei der Vorstellung der Studie vor Journalisten: „Unsere Daten sind das ,Gold der Gegenwart’ und der Zukunft. Insbesondere der Deutsche Bundestag sitzt auf dem größten Datenschatz des ganzen Landes. Wenn der Deutsche Bundestag bei Digitaler Souveränität Vorbild sein will, braucht es den Mut stärker auf deutsche und europäische Lösungen zu setzen.“

Geopolitische Ereignisse erhöhten zudem den Handlungsdruck. Im Durchschnitt gebe die Hälfte der europäischen Entscheider an, ihren Fokus auf Digitale Souveränität infolge aktueller Entwicklungen verstärkt zu haben. Der politische Druck führe jedoch nicht durchgehend zu einer Abkehr von US-Technologie: 24,8 Prozent der französischen IT-Entscheider setzten infolge geopolitischer Ereignisse stärker auf US-Software. In Deutschland sagten dies 19,8 Prozent und in den Nordischen Staaten 16,9 Prozent.

Indes: Hohe Migrationskosten nannten 34,6% der IT-Entscheider in Deutschland als Hürde

Digitale Souveränität sei für die Entscheider aller befragten Länder in den Technologiefeldern Cybersicherheit, Künstliche Intelligenz (KI) und „Cloud“-Dienste am wichtigsten.Cybersicherheit nennen 57,6 Prozent der Befragten in Deutschland, 57,1 Prozent in Frankreich und 68,4 Prozent in den Nordischen Ländern. Bei KI liegen die Werte bei 50,1 Prozent in Deutschland, 52,4 Prozent in Frankreich und 48,6 Prozent in den ,Nordics’.“

  • Leonhard Kugler, Geschäftsführer Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDis), kommentierte: „Die Ergebnisse der Studie bestätigen, was wir in der Praxis täglich erleben: Der Bedarf an Digitaler Souveränität ist groß. Jetzt geht es darum, diese umzusetzen und echte Wahlfreiheit zu schaffen. Das bedeutet nicht, dass wir alles selbst entwickeln müssen. Wir brauchen aber auf jeder Ebene europäische Alternativen. Sprich, einen souveränen ,German-Stack’.“

Der Wechsel zu europäischen Technologien bleibe indes anspruchsvoll. Hohe Migrationskosten würden von 34,6 Prozent der IT-Entscheider in Deutschland als Hürde genannt. Insbesondere fehlende Informationen über europäische Alternativen würden von den befragten Unternehmen als weitere Migrationshemmnisse eingestuft. Trotz dieser Hürden wachse aber die Zuversicht: 54,6 Prozent der deutschen IT-Entscheider hielten es für realistisch, dass Europa bis 2035 eine strukturelle Digitale Unabhängigkeit erreichen könne. In den Nordischen Ländern liege dieser Wert bei 64,5 Prozent, in Frankreich bei 46,4 Prozent.

Weitere Informationen zum Thema:

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