Aktuelles, Experten - geschrieben von dp am Freitag, Juli 17, 2026 0:17 - noch keine Kommentare
5.811 Festnahmen – Fahndungserfolg wird dennoch Anlagebetrug nicht stoppen
Großangelegte, von INTERPOL koordinierte Operation „First Light 2026“ zeigt zwar, dass internationale Strafverfolgung gegen Social-Engineering-Betrug wirken kann, doch es gibt keinen verfrühten Grund zur Entwarnung – vor allem nicht für Deutschland
[datensicherheit.de, 17.07.2026] „First Light 2026“ – eine großangelegte und von INTERPOL koordinierte Operation – zeige, „dass internationale Strafverfolgung gegen Social-Engineering-Betrug wirken kann“. Frank Heisel, CEO von Risk Ident führt in seiner aktuellen Stellungnahme aus, was es bei dieser Angelegenheit trotzdem zu beachten gibt und wie Deutschland seine Rolle in diesem Kontext finden kann:

Foto: RISK IDENT
Frank Heisel: Dass Deutschland bei der nächsten „First Light“-Operation dabei sein sollte, versteht sich von selbst!
Weltweit mehr als 142.000 Geschädigte vermutlich nur Teil eines Dunkelfelds
Heisel berichtet: „5.811 Festnahmen in 97 Ländern, dazu sichergestellte Vermögenswerte im Wert von 293 Millionen US-Dollar. Die Bilanz der von INTERPOL koordinierten Operation ,First Light 2026‘ belegt, dass internationale Strafverfolgung gegen Social-Engineering-Betrug wirken kann.“
- Zwei Details dieser Meldung verdienten allerdings mehr Aufmerksamkeit, als sie bisher bekämen. „Deutschland gehörte nicht zu den beteiligten Ländern. Und die weltweit mehr als 142.000 ermittelten Geschädigten sind vermutlich nur der sichtbare Teil eines erheblich größeren Dunkelfelds.“
Dabei wäre der Handlungsdruck gerade hierzulande hoch. Das Bundeskriminalamt (BKA) habe für 2024 einen Anstieg der erfassten Fälle von Anlagebetrug um 413 Prozent registriert. „Wie leicht Täter an potenzielle Opfer kommen, zeigt eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag der Initiative ,Sicher Handeln’. 39 Prozent der Befragten haben im Netz bereits Werbung für angeblich schnelle oder besonders einfache Gewinne gesehen, am häufigsten in Sozialen Netzwerken.“
„Gen Z“ – Souveränität im Umgang mit Apps ist noch keine Betrugskompetenz
Hinter solchen Angeboten stecke organisierter „Cybertrading Fraud“. „Wer einzahlt, sieht sein Geld in aller Regel nicht wieder!“, warnt Heisel und führt hierzu aus: „Besonders beunruhigt mich der Blick auf die Generationen. Extrem hohe Renditeversprechen deuten 69 Prozent der ,Babyboomer’ als Warnsignal, in der ,Gen Z’ sind es gerade einmal 45 Prozent.“ Nur ein Drittel dieser Altersgruppe schließe aus, sich überhaupt mit solchen Angeboten zu befassen.
- „Ausgerechnet wer digital aufgewachsen ist, durchschaut die Maschen offenbar am schlechtesten. Souveränität im Umgang mit Apps ist eben keine Betrugskompetenz.“
Heisel erörtert die Folgerungen: „Ermittlungserfolge wie ,First Light’ bleiben unverzichtbar, aber sie setzen an, wenn der Schaden bereits entstanden ist.“ Selbst „I-GRIP“, der INTERPOL-Mechanismus zum schnellen Stoppen verdächtiger Zahlungen, reagiere erst auf einen bereits gelungenen Betrug.
Es gilt eben, Betrugsfälle zu verhindern – bevor sie für INTERPOL relevant werden
Wirksamer sei es indes, Betrugsversuche zu erkennen – „bevor Geld fließt“. Plattformen und Finanzdienstleister könnten die Spuren in ihren eigenen Systemen früher als jede Behörde sehen. Auffällige Gerätemuster oder untypische Transaktionswege ließen sich maschinell in Echtzeit erkennen. Diese Verantwortung dürften Anbieter nicht allein auf ihre Kundschaft abwälzen.
- „Aufklärung wirkt trotzdem: Kampagnen wie die der Initiative ,Sicher Handeln’, die wir als RISK IDENT unterstützen, machen Menschen misstrauischer gegenüber unrealistischen Versprechen.“
Doch gegen professionelle, arbeitsteilig organisierte Täterstrukturen reiche die Wachsamkeit Einzelner nicht aus. Abschließend gibt Heisel zu bedenken: „Der wirksamste Betrugsfall ist der, der technisch verhindert wird, bevor er überhaupt erst ein Fall für INTERPOL werden kann. Dass Deutschland bei der nächsten ,First Light’-Operation dabei sein sollte, versteht sich von selbst. Warten sollten wir darauf jedoch nicht!“
Weitere Informationen zum Thema:
RISK IDENT
Das sind wir / Unsere Vision: Eine Welt in der es keinen Online-Betrug mehr gibt!
RISK IDENT
Frank Heisel
INTERPOL
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heise online, Andreas Knobloch, 09.07.2026
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