Aktuelles, Experten - geschrieben von am Freitag, Oktober 4, 2013 22:07 - noch keine Kommentare

BKA warnt vor betrügerischen Gewinnversprechen: Vermutlich 100.000 Geschädigte in Deutschland

Täter haben es zumeist auf ältere Opfer abgesehen

[datensicherheit.de, 04.10.2013] Ältere Bürgerinnen und Bürger in Deutschland werden in zunehmendem Ausmaß Opfer von falschen Gewinnversprechen per Telefon, warnt aktuell das Bundeskriminalamt (BKA). Aus Call-Centern agierende Täter, die sich als Rechtsanwälte oder Notare ausgeben, informieren demnach die Angerufenen über den angeblichen Gewinn eines Geld- oder Sachpreises – zumeist eines hochwertigen Autos. Die Auszahlung oder Überführung werde dann davon abhängig gemacht, dass die vermeintlichen Gewinner im Voraus bestimmte Gebühren, Steuern oder andere Kosten bezahlen sollen. Eine Verrechnung mit dem Gewinn werde mit unterschiedlichsten Begründungen abgelehnt, so das BKA.

Der nicht existierende Gewinn

Für die Bezahlung würden die Täter den Opfern verschiedene Möglichkeiten nennen, wie beispielsweise die Nutzung von
Bargeldtransfer-Dienstleistern oder den Versand der Geldbeträge per Post als Brief oder Päckchen. Unabhängig aber von der gewählten
Bezahlungsmethode erfolge eben keine Gewinnausschüttung – der Gewinn existiere nicht, stellt das BKA klar.

Fortgesetzte Betrugsversuche

Opfer einer solchen Betrugsmasche müssen auch noch damit rechnen, in derFolgezeit erneut von Betrügern angerufen zu werden, die dann vorgäben, das bezahlte Geld wiederbeschaffen zu können. Vereinzelt behaupteten die Täter auch, dass sich die Angerufenen durch eine Übersendung von Geld in das Ausland strafbar gemacht hätten. Letztendlich versuchten sie, das Opfer zu weiteren Geldzahlungen zu bewegen. Dabei gäben sich die Betrüger als Polizeibeamte, Staatsanwälte, Richter oder auch als Notare und Rechtsanwälte aus.

Bereits Schäden in Millionenhöhe

Bundesweit verzeichnet die Polizei nach offiziellen Angaben in Deutschland seit 2010 über 37.000 Personen, die Opfer dieser Art des Betruges geworden sind. Fachleute von Polizei und Justiz gehen jedoch von einem hohen Dunkelfeld aus. Vermutlich seien bundesweit mittlerweile über 100.000 Personen dieser Tatbegehungsweise zum Opfer gefallen, haben dies aber zum Beispiel aus Furcht, Scham oder mangelnder Mobilität nicht bei der Polizei angezeigt. Durch die Betrügereien erlangten die Täter laut BKA bislang Geldsummen in einer Gesamthöhe von mindestens 23 Millionen Euro.

Manipulation der Anruferkennung

Die bisherigen Ermittlungen hätten ergeben, dass die Taten überwiegend von der Türkei aus begangen werden. Die Täter sprächen sehr gut Deutsch; sie seien redegewandt und skrupellos. Selbst wenn Opfer gegenüber den Tätern angeben, kein Geld mehr zu haben und alle Ersparnisse bereits für den versprochenen Gewinn aufgebraucht zu haben, ließen die Täter nicht von ihnen ab und forderten dazu auf, Geld zu leihen oder einen Kredit aufzunehmen. Um die eigene Glaubwürdigkeit zu erhöhen, manipulierten die Betrüger gezielt die eigene Rufnummer, die im Telefondisplay des Opfers erscheint. Dort werde die Rufnummer einer deutschen Stadt angezeigt, obgleich sich der Täter bei seinem Anruf in der Türkei befinde. Passend zu einem Anruf eines vermeintlichen Notars aus Hamburg könne so auch eine Nummer mit Hamburger Vorwahl im Display des Angerufenen erscheinen.

Besonders dreister Beispielfall in NRW

An einem Fall aus Nordrhein-Westfalen werde das dreiste Vorgehen der Täter besonders deutlich – eine 83-jährige Geschädigte habe in zwei Einschreibebriefen insgesamt 24.000 Euro in die Türkei versandt. Zuvor sei sie von „Polizeibeamten“ telefonisch bedroht worden. Die zweite Geldsendung würde angeblich benötigt, um nun gegen die Geschädigte bestehende Forderungen auszugleichen. Wenn sie nicht bezahle, würden Polizeibeamte sie zu Hause abholen. Die Geschädigte habe sich einige Tage später bei der Polizei gemeldet und berichtet, dass sie erneut einen Anruf von „Interpol Istanbul“ erhalten habe – sie müsse wieder eine Geldsumme überweisen, da aufgrund ihrer früheren Geldsendungen in der Türkei Ermittlungen wegen Geldwäsche gegen sie geführt würden. Nun wolle man weitere 4.800 Euro, um damit die weitere Strafverfolgung gegen sie zu verhindern…

BKA-Präsident ruft Opfer zur Anzeige auf

Skrupellos schüchterten die Täter ihre Opfer ein, um sie zu Zahlungen zu bewegen, sagt BKA-Präsident Jörg Ziercke. Ziercke appelliert, aufmerksam zu sein und telefonischen Gewinnversprechen keinen Glauben zu schenken.
Angehörige deutscher Strafverfolgungsbehörden würden niemals am Telefon zu einer Geldüberweisung nötigen oder eine Festnahme androhen. Wer Opfer einer Straftat geworden ist, sollte sich nicht scheuen, Anzeige bei der nächstgelegenen Polizeidienststelle zu erstatten. Nur so könne die Polizei Maßnahmen zur Überführung der Täter ergreifen.

Kooperation mit türkischen Behörden

So dramatisch der Fall für die 83-Jährige Geschädigte aus Nordrhein-Westfalen auch war – durch ihre Anzeigenerstattung bei der Polizei hätten Ermittlungen in der Türkei angeregt werden können. An der Empfängeradresse der Geldsendungen hätten türkische Polizeibeamte Beweismittel sichergestellt und mehrere Tatverdächtige festgenommen. Die Ermittlungen in der Türkei und in Deutschland dauerten an. In Fällen von international operierenden Tätergruppierungen sei eine schnelle und verlässliche Zusammenarbeit deutscher und türkischer Sicherheitsbehörden entscheidend, um den Tätern das Handwerk zu legen, betont der BKA-Präsident. Aus diesem Grund hätten sie eine deutsch-türkische Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich intensiv mit der Aufklärung dieser Straftaten beschäftigen werde. Die beteiligten Justiz- und Polizeibehörden würden alle Anstrengungen unternehmen, um diese Serie von Straftaten aufzuklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Opfer in fast allen Bundesländern

In Deutschland sollen nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern in fast allen Bundesländern Bürgerinnen und Bürgern Opfer solcher Betrugsfälle geworden sein. Eine hohe Anzahl von Geschädigten gebe es in Ermittlungsverfahren, die in Bayern, Niedersachsen und Sachsen geführt werden.

BKA-Tipps zum Schutz vor Betrug am Telefon:

  • Schenken Sie telefonischen Gewinn-Versprechungen keinen Glauben, insbesondere wenn die Einlösung des Gewinns an Bedingungen geknüpft ist!
  • Leisten Sie keinerlei Vorauszahlungen auf versprochene Gewinne – ein seriöses Unternehmen wird die Gewinnausschüttung niemals von einer Vorauszahlung abhängig machen!
  • Lassen Sie sich von angeblichen Amtspersonen am Telefon nicht unter Druck setzen – Angehörige deutscher Strafverfolgungsbehörden würden Sie niemals am Telefon zu einer Geldüberweisung nötigen oder bedrängen!
  • Geben Sie keine persönlichen Informationen weiter: keine Telefonnummern und Adressen, Kontodaten, Bankleitzahlen oder Kreditkartennummern!
  • Wenden Sie sich an Ihre örtliche Polizeidienststelle, wenn Sie derartige Anrufe erhalten. Erstatten Sie Anzeige!

Weitere Informationen zum Thema:

Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
INFORMATIONSBLATT Gewinnversprechen



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