Aktuelles, Experten - geschrieben von am Mittwoch, März 1, 2017 21:50 - noch keine Kommentare

Kooperation: BSI und Verbraucherzentrale NRW haben Vereinbarung unterzeichnet

Arne Schönbohm und Wolfgang Schuldzinski unterschrieben „Memorandum of Understanding“ am 1. März 2017

[datensicherheit.de, 01.03.2017] Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (vz nrw) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) haben nach eigenen Angaben am 1. März 2017 in Düsseldorf eine Vereinbarung über ihre Kooperation unterzeichnet.

Sperrung von mehr als 14.500 dubiosen Webseiten

Internetnutzer sind immer stärker um sich greifenden Gefahren im „World Wide Web“ ausgesetzt – Cyber-Angriffe, gehackte Router, Datenlecks, Passwortdiebstahl und veraltete Software, die „Internetdieben“ Tür und Tor zu Geldkonten und persönlichen Daten öffnen, halten Sicherheitsbehörden und Verbraucherschützer weiterhin in Atem. So verzeichne beispielsweise die vz nrw bislang 350.000 Meldungen über betrügerische E-Mails an Internetnutzer in ihrem „Phishing-Radar“.
Fälscher gaukelten hierbei Nutzern meist den Web-Auftritt eines echten Anbieters vor, um persönliche Daten abzugreifen, an sensible Kontodaten zu gelangen oder unbemerkt ein Schadprogramm auf privaten Rechnern einzuschleusen. Aufgrund der Meldungen von Betroffenen sei die Sperrung von mehr als 14.500 dubiosen Webseiten durch die vz nrw veranlasst worden.

Internet- und Informationssicherheit für Verbraucher in der Digitalen Welt

Auch das BSI beschreibt im jährlichen Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland eine „zunehmende Qualität der Gefährdung“ – die zunehmende Digitalisierung biete fast tägliche neue Angriffsflächen für Cyber-Angreifer.
Die Internet- und Informationssicherheit von Verbrauchern in der Digitalen Welt zu steigern, ihnen beim Umgang mit Missbrauch zur Seite zu stehen und Internetsabotage wirksam zu bekämpfen sind gemeinsame Anliegen der vz nrw und des BSI. Dazu haben BSI-Präsident Arne Schönbohm und Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der vz nrw, am 1. März 2017 in Düsseldorf eine Vereinbarung über ihre künftige Zusammenarbeit unterzeichnet. Dieses „Memorandum of Understanding zur Förderung der Informationssicherheit von Verbraucherinnen und Verbrauchern“ habe zum Ziel, den regelmäßigen Austausch und Wissenstransfer über Gefährdungen im Internet und die Entwicklung von wirksamen Strategien zur Ab- und Gegenwehr bei Cyber-Attacken zu intensivieren.
Zudem sollten gemeinsame Aktionen von BSI und Verbraucherzentrale die Beurteilungs- und Lösungskompetenz der Bevölkerung in Fragen der IT-Sicherheit stärken.

„Finanzieller Abzocke“ und Datenmissbrauch den Kampf angesagt

Als nationale Cyber-Sicherheitsbehörde gestalte das BSI die Informationssicherheit in der weiter voranschreitenden Digitalisierung (und Vernetzung). Dabei informiere es neben Staat, Wirtschaft und Institutionen auch private Nutzer über Sicherheitslücken in elektronischen Geräten und zeige Möglichkeiten zur Absicherung dieser Informationstechnik auf.
Zunehmend wendeten sich Endverbraucher mit Problemen zu den Tücken in der Digitalen Welt an die vz nrw. Das dortige Angebot an Rat und Orientierung reiche von aktuellen Informationen über „finanzielle Abzocke“ und Datenmissbrauch im Internet über persönliche Rechtsberatung bis hin zur Rechtsvertretung bei Problemen aufgrund von Cyber-Kriminalität.
„Aufgabe des BSI ist es, die Cyber-Sicherheit für und gemeinsam mit der Gesellschaft zu gestalten. Mit unserem jeweiligen Know-how sind die Verbraucherzentrale NRW und das BSI ideale Partner, um Gefährdungspotenziale für Nutzerinnen und Nutzer zu ermitteln und ihnen gemeinsam zu begegnen“, so BSI-Präsident Schönbohm zur Basis der künftigen Zusammenarbeit. Man arbeite vielfach an den gleichen Themen und habe ein gemeinsames Interesse, Bürger in IT-Sicherheitsfragen zu sensibilisieren. Die Kooperationsvereinbarung sei somit ein „guter Schritt“, um Aktivitäten zu bündeln und eine noch größere Wirkung zu erzielen.
„Was die zunehmende Vernetzung, Digitalisierung und Datenverfügbarkeit im Alltag für jeden Einzelnen bedeutet, darauf wollen wir ab sofort durch eine kontinuierliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit Antworten finden und Auskunft geben. Damit Verbraucherrechte in der digitalen Welt nicht auf der Strecke bleiben, bringen wir außerdem unsere Verbandsklagebefugnis als wirksames Mittel zur Bekämpfung von personenbezogenem Datenmissbrauch und finanzieller Abzocke in die Kooperation mit ein“, unterstreicht NRW-Verbraucherzentralen-Vorstand Schuldzinski.

Erste gemeinsame Schritte

Erste gemeinsame Schritte seien bereits unternommen worden: So habe das BSI bei einem Smartphone mit veraltetem „Android“-Betriebssystem „15 nicht mehr behebbare Sicherheitslücken“ festgestellt und rate deshalb von einer Nutzung des Geräts dringend ab. Laut BSI könnten Angreifer unter anderem sensible Daten ausspähen und einen Schadcode ins System einschleusen. Ein Gerät dieses Typs sei noch kürzlich zum Kauf angeboten worden. Die vz nrw habe den Verkäufer abgemahnt und werde die Sachlage jetzt gerichtlich überprüfen lassen.
Die Zusammenarbeit beim „Phishing-Radar“ der vz nrw, in dem Meldungen von Internetbetrügern erfasst, geprüft und zur Warnung veröffentlicht werden, solle intensiviert werden. Darüber hinaus sei auch eine abgestimmte Veröffentlichung von Sicherheitswarnungen sowie Musterbriefen im jeweiligen Internetauftritt der Kooperationspartner möglich. Auch mit weiteren Akteuren aus dem Regionalen Innovationsnetzwerk NRW sei ein regelmäßiger Austausch über Strategien zur Stärkung der IT-Sicherheit Teil der gemeinsamen Agenda von BSI und vz nrw.

Weitere Informationen zum Thema:

verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, 01.03.2017
„Memorandum of Understanding zur Förderung der Informationssicherheit von  Verbraucherinnen und Verbrauchern“

verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, 01.03.2017
Phishing-Mails: Kein Tag ohne Betrug / Phishing-Radar: Aktuelle Warnungen

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
Publikationen / Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2016



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