Aktuelles, Experten - geschrieben von am Mittwoch, März 14, 2018 23:04 - ein Kommentar

Smart Devices: Herkömmliche Modelle viel zu einfach zu hacken

Wissenschaftler der Ben-Gurion-Universität geben Sicherheits-Tipps zum Schutz von Kameras, Babymonitoren, Türklingeln und anderen IoT-Geräten

[datensicherheit.de, 14.03.2018] „Smarte“ Standard-Geräte wie Babyphones, Überwachungskameras, Türklingeln und Thermostate konnten von Cyber-Forschern der Ben-Gurion-Universität des Negev (BGU) nach eigenen Angaben problemlos übernommen werden. Im Rahmen ihrer laufenden Forschung zur Erkennung von Schwachstellen in Geräten und Netzwerken, wie sie sich im „Smart Home“ und „Internet of Things“ (IoT) verbreiten, haben die Forscher demnach viele gängige Geräte auseinandergenommen und im Zuge ihres „Reverse Engineering“ schnell ernsthafte Sicherheitsprobleme aufgedeckt.

Leichtes Spiel für kriminelle Machenschaften

„Es ist wirklich beängstigend, wie leicht ein Krimineller, Voyeur oder Pädophiler diese Geräte übernehmen kann“, berichtet Dr. Yossi Oren, Dozent an der BGU-Abteilung für Software- und Informationssystemtechnik und Leiter des Implementation Security and Side-Channel Attacks Lab bei „Cyber@BGU“.
„Mit diesen Geräten in unserem Labor konnten wir laute Musik über einen Babyphon spielen, einen Thermostat ausschalten und eine Kamera aus der Ferne einschalten, sehr zur Sorge unserer Forscher, die selbst diese Produkte verwenden“, so Oren.
Es habe nur 30 Minuten gedauert, um Passwörter für die meisten Geräte zu finden, und einige von ihnen seien schon durch eine Google-Suche nach der Marke gefunden worden, erläutert Omer Shwartz, Doktorand und Mitarbeiter in Dr. Orens Labor: „Hacker können auf ein IoT-Gerät wie eine Kamera zugreifen und ein komplettes Netzwerk dieser ferngesteuerten Kameramodelle erstellen.“

Billigkeit geht zu oft vor Sicherheit

Die BGU-Forscher hätten mehrere Möglichkeiten entdeckt, wie Hacker von schlecht gesicherten Geräten profitieren könnten. So sei festgestellt worden, dass ähnliche Produkte unter verschiedenen Marken dieselben gemeinsamen Standardkennwörter verwendeten. Verbraucher und Unternehmen änderten Gerätekennwörter nur selten nach dem Kauf, so dass sie jahrelang mit bösartigem Code infiziert seien.
Sie konnten sich laut BGU auch an ganzen Wi-Fi-Netzwerken anmelden, indem sie einfach das in einem Gerät gespeicherte Passwort abriefen, um Netzwerkzugriff zu erhalten.
Oren drängt die Hersteller dazu, auf einfache, fest codierte Passwörter zu verzichten, Remote-Access-Funktionen zu deaktivieren und Informationen aus freigegebenen Ports zu erschweren, wie z.B. von einer Audiobuchse, die sich schon in anderen Studien von „Cyber@BGU“ als verwundbar erwiesen habe. „Es scheint oft wichtiger zu sein, IoT-Produkte zu einem attraktiven Preis auf den Markt zu bringen, als sie richtig zu sichern“, sagt er.

BGU-Tipps für IoT-Produktsicherheit:

Mit dem Ziel, Verbrauchern den Schutz intelligenter Heimgeräte zu vereinfachen, bieten die BGU-Forscher eine Reihe von Tipps, um IoT-Geräte, Familien und Unternehmen sicherer zu machen:

  • Kaufen Sie IoT-Geräte nur von namhaften Herstellern und Anbietern.
  • Vermeiden Sie den Erwerb gebrauchter IoT-Geräte (diese könnten bereits Malware installiert haben).
  • Untersuchen Sie jedes Gerät online, um festzustellen, ob es ein Standardkennwort hat, und ändern Sie es vor der Installation.
  • Verwenden Sie sichere Kennwörter mit mindestens 16 Buchstaben (diese sind schwer zu knacken).
  • Mehrere Geräte sollten nicht dieselben Passwörter haben.
  • Aktualisieren Sie regelmäßig die nur von namhaften Herstellern bezogene Software.
  • Berücksichtigen Sie sorgfältig die Vorteile und Risiken der Verbindung eines Geräts mit dem Internet.

Preiswerte Geräte offenbaren komplexe Datensicherheitsherausforderungen

„Die zunehmende Popularität der IoT-Technologie birgt viele Vorteile, aber diese Flut neuer, innovativer und preiswerter Geräte offenbart komplexe Sicherheits- und Datenschutzherausforderungen“, warnt Yael Mathov, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.
„Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse die Hersteller stärker zur Rechenschaft ziehen und helfen, sowohl die Hersteller als auch die Verbraucher auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die mit der weitverbreiteten Verwendung ungesicherter IoT-Geräte verbunden sind.“

Weitere Informationen zum Thema:

datensicherheit.de, 08.02.2018
Angreifer überwinden selbst Faradaysche Käfige und Luftstrecken

Springer Link, 26.01.2018
Opening Pandora’s Box: Effective Techniques for Reverse Engineering IoT Devices

datensicherheit.de, 08.11.2017
Studie: Cybersicherheit im Kontext von IoT und Operational Technology

datensicherheit.de, 06.10.2016
SANS Institute: Warnung vor IoT-Botnetzen



ein Kommentar

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Bernd Waldmüller
Mrz 16, 2018 11:32

Gibt es dan eigentlich Bestrebungen wie in anderen Bereichen Mindestanforderungen z.B. an Softwaresicherheit zu stellen?

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