Aktuelles, Branche - geschrieben von dp am Mittwoch, Januar 21, 2026 16:10 - noch keine Kommentare
Cybersicherheit: Folgekosten verletzter Compliance weit jenseits reiner Bußgelder
Wenn Unternehmen über „Compliance“-Verstöße nachdenken, neigen sie dazu, in Zahlen zu denken – Andy Fielder erläutert die versteckten Kosten der Nichteinhaltung von Vorschriften in Fragen der Cybersicherheit
[datensicherheit.de, 22.01.2026] In seiner aktuellen Stellungnahme führt Andy Fielder, CTO bei MetaCompliance, warnend aus, dass die Kosten der Nichteinhaltung von Vorschriften auf dem Gebiet der Cybersicherheit weit über reine Bußgelder hinausgehen – denn auch der Ruf der Firma, der Betrieb selbst, gar die Belegschaft und das langfristige Wachstum des Unternehmens geraten in Gefahr: „Wenn Unternehmen über ,Compliance’-Verstöße nachdenken, neigen sie dazu, in Zahlen zu denken: die Höhe des Bußgeldes, der Prozentsatz der verlorenen Einnahmen, der unmittelbare finanzielle Schaden. Diese Zahlen erzählen jedoch nur einen Teil der Geschichte.“ Fielder erläutert die versteckten Kosten der Nichteinhaltung von Vorschriften in Fragen der Cybersicherheit.

Foto: MetaCompliance
Andy Fielder: Wenn ein „Compliance“-Verstoß Schlagzeilen macht, ist der Schaden bereits entstanden!
Mutmaßliche „Compliance“-Verstöße mit langanhaltender Wirkung
Fielder führt aus: „Die Wahrheit ist, dass die wahren Kosten der Nichteinhaltung von Vorschriften selten in einer Bilanz erfasst werden. Sie liegen in einem geschädigten Ruf, im betrieblichen Chaos, in den schlaflosen Nächten der Mitarbeiter und im anhaltenden Misstrauen, das daraus folgt.“
- Die finanzielle Buße möge eine Schlagzeile wert sein, doch die versteckten Folgen seien es, welche ein Unternehmen wirklich veränderten.
Es dauere eben nicht lange, „bis das Vertrauen schwindet, sobald der Name eines Unternehmens mit einem ,Compliance’-Verstoß in Verbindung gebracht wird“. Nachrichten verbreiteten sich heutzutage schneller als je zuvor – und der Schaden für den Ruf könne sich ausbreiten, „lange bevor die Fakten klar sind“ und zudem lange nach Begleichung der Buße.
„Compliance“ ein notwendiges Kriterium für Integrität eines Unternehmens
Kunden erwarteten heute mehr als nur die Einhaltung von Vorschriften – sie erwarteten Integrität. „Wenn diese Erwartungen enttäuscht werden, dauert es viel länger, das Vertrauen wiederherzustellen, als das ursprüngliche Problem zu beheben.“ Stakeholder, von Investoren bis hin zu Aufsichtsbehörden, würden beginnen, Unternehmensführung, Führungskräfte und Unternehmenskultur in Frage zu stellen.
- „Sobald eine Geschichte öffentlich wird, nimmt sie ein Eigenleben an. Die Empörung in den Sozialen Medien verstärkt die Schlagzeilen und schafft Erzählungen, die selbst die solideste Krisenreaktion in den Schatten stellen können. Ein Unternehmen, das einst für Innovation oder Zuverlässigkeit stand, kann plötzlich als nachlässig oder unethisch angesehen werden.“
Ein guter Ruf sei auch nicht nur für einen einzigen Tag verloren – vielmehr drohe eine langfristige Erosion der Marke. „Mit jedem neuen Artikel, jedem Online-Kommentar und jedem zögernden Kunden, der sich für einen Wettbewerber entscheidet, nimmt der Schaden zu.“ Mit der Zeit drohten Markenwert und Marktanteil zu sinken – und das Unternehmen werde dann nicht mehr durch das definiert, was es aufgebaut hat, sondern durch das, was es verloren hat.
Betriebliche Unterbrechungen als Folge eines „Compliance“-Verstoßes
Bei einer Nichteinhaltung von Vorschriften trete das Tagesgeschäft in den Hintergrund: „Ermittlungen beginnen. Systeme werden geprüft. Projekte werden gestoppt. Plötzlich werden Teams, die eigentlich innovativ sein oder Kunden betreuen sollten, von Eindämmungsmaßnahmen und administrativem Aufwand gebunden.“
- Er unterstreicht: „Interne Untersuchungen und Audits binden erhebliche Ressourcen!“ Die Reaktion auf einen „Compliance“-Verstoß erfordere oft die Umleitung interner Teams, die Beauftragung externer Berater und die intensive Einbindung der Führungsebene. Routinearbeiten könnten verzögert oder zurückgestellt werden – mitunter über Monate hinweg.
Unter Beobachtung gerate auch die Innovation ins Stocken. „Ein neues Produkt oder eine Fusion kann später eingeführt, eine Partnerschaft auf Eis gelegt oder eine Fusion verschoben werden, bis sich der Staub gelegt hat.“ Je länger die Unterbrechung andauert, desto höher sind demnach auch die Kosten für die entgangenen Chancen.
Hinter jedem „Compliance“-Verstoß stehen Menschen – Warnung vor Schuldzuweisungen
„Sobald die Aufsichtsbehörden involviert sind, wird die Überwachung intensiviert.“ Was mit einem einzigen Verstoß begonnen habe, könne tiefgreifende Prüfungen, erweiterte Audits oder strengere Überwachungsanforderungen auslösen. Das Gleiche gelte für Partner in der Lieferkette, die nun möglicherweise zusätzliche Zusicherungen und Zertifizierungen verlangten, „bevor sie Geschäfte machen“. Selbst eine einzige Lücke bei der Einhaltung von Vorschriften könne sich zu einer ausgewachsenen Betriebskrise ausweiten. „Was klein beginnt, bleibt selten klein!“
- „Hinter jedem ,Compliance’-Vorfall stehen Menschen. Es sind die Mitarbeiter, die erklären, reagieren und sich erholen müssen.“ Wenn Schuldzuweisungen kursierten, sinke die Moral. Wenn Unsicherheit herrsche, verließen gute Leute das Unternehmen. Nach einem „Compliance“-Versagen könne sich Angst schneller verbreiten als Fakten.
Die Mitarbeiter sorgten sich um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes oder ihre persönliche Haftung. „Führungskräfte werden zurückhaltend, Teams werden still!“ Anstelle von Zusammenarbeit tritt „Compliance“-Müdigkeit auf – „das Gefühl, dass es unabhängig vom eigenen Handeln nie ausreicht“.
Reaktiver „Compliance“-Ansatz mit guter Absicht kann dennoch Mitarbeiter brüskieren
Hinzu kämen erhöhte Fluktuation und Schwierigkeiten bei der Gewinnung neuer Talente. Leistungsträger verließen oft nach großen Skandalen das Unternehmen auf der Suche nach Stabilität. Gleichzeitig zögerten potenzielle Bewerber, in ein noch unter behördlicher Prüfung stehendes oder negativ von den Medien dargestelltes Unternehmen einzutreten. „Langfristig beeinträchtigt dieser Talentverlust Innovation, Kultur und Leistung!“
- „Auf einen Sicherheitsvorfall reagieren Unternehmen in der Regel umgehend mit zusätzlichen Schulungen, neue Richtlinien und strengeren Kontrollen.“ Dieser reaktive „Compliance“-Ansatz sei zwar gut gemeint, könne Mitarbeiter jedoch überfordern und auf Unmut stoßen.
„Compliance“ werde nicht mehr als gemeinsame Verantwortung wahrgenommen, sondern als Sanktion. „In einem Umfeld aus Angst, Überlastung und Unklarheit steigt jedoch genau das Risiko menschlicher Fehler, die die Compliance verhindern soll!“, gibt Fielder zu bedenken.
„Compliance“-Verstoß mit juristischen Folgen und Konsequenzen bei der Versicherung
Sobald sich der unmittelbare Vorfall gelegt hat, tauche eine weitere Kostenwelle auf – das rechtliche Risiko. Zivil- und Sammelklagen drohten. „Kunden, Partner oder Investoren, die von der Nichteinhaltung betroffen sind, können rechtliche Schritte einleiten.“ Selbst bei außergerichtlichen Einigungen setzten sich finanzielle und reputationsbezogene Schaden fort.
- Hinzu komme die persönliche Haftung seitens der Führungskräfte und Vorstandsmitglieder. In einigen Branchen sei die Nichteinhaltung von Vorschriften eben nicht nur ein Unternehmensdelikt, sondern auch ein persönliches. Führungskräfte und Direktoren müssten mit Ermittlungen, Sanktionen oder dem Ausschluss aus dem Unternehmen rechnen. „Verantwortung beginnt an der Spitze!“
Nach einem schwerwiegenden „Compliance“-Vorfall könnten die Versicherer die Prämien erhöhen oder die Deckung einschränken, insbesondere für die Cyber- oder Organhaftung. „Was einst eine routinemäßige Erneuerung war, wird zu einer Verhandlung unter Druck.“ Letztendlich könne das rechtliche Risiko den Vorfall selbst überdauern. „Auch lange nachdem die Schlagzeilen verblasst sind, bleiben Papierkram und Konsequenzen bestehen.“
„Compliance“-Risiken rechtzeitig vor einem Schadenseintritt erkennen
Fielder verdeutlicht: „Wenn ein ,Compliance’-Verstoß Schlagzeilen macht, ist der Schaden bereits entstanden! Das Vertrauen ist erschüttert, die Abläufe sind gestört, Mitarbeiter überlastet und Rechtskosten steigen. Unternehmen befinden sich nun nicht mehr in der Prävention, sondern Krisenmanagement.“
- Die eigentliche Herausforderung für Unternehmen bestehe darin, die ersten Signale zu erkennen, „bevor sie zu etwas weitaus Kostspieligerem eskalieren“. Einer der häufigsten „blinden Flecken“ befinde sich still im Hintergrund – offengelegte Mitarbeiter-Zugangsdaten.
Jährlich tauchten Millionen von E-Mail-Adressen und Passwörtern in verifizierten Datenpannen auf. „Oft betreffen sie Mitarbeiter, die Passwörter wiederverwenden, Aktualisierungen hinauszögern oder nicht bemerken, dass ihre Daten kompromittiert worden sind.“ Für sich genommen schienen diese Sicherheitslücken vielleicht harmlos – unentdeckt schafften sie jedoch ideale Einstiegspunkte für die Übernahme von Konten, Phishing und umfassendere Sicherheitsvorfälle.
Umstieg von reaktiver auf proaktive „Compliance“ mittels „Exposure Monitoring“
„Hier setzt ,Exposure Monitoring’ an. Anstatt auf verdächtige Aktivitäten oder fehlgeschlagene Anmeldungen zu warten, gibt ,Exposure Monitoring’ Unternehmen Einblick in verifizierte Datenschutzverletzungen, die ihre Mitarbeiter betreffen.“ Es zeige, wie viele Unternehmensadressen in bekannten Verstößen aufgetaucht sind, und wie hoch das tatsächliche Risiko ist, bevor es aktiv genutzt wird.
- Noch wichtiger sei der Umstieg von reaktiver auf proaktive „Compliance“: Unternehmen könnten frühzeitig handeln, Mitarbeiter gezielt unterstützen, Verhaltensweisen ändern, und Zugangsdaten absichern, solange das Risiken noch kontrollierbar sind.
„Die versteckten Kosten der Nichteinhaltung von Vorschriften beginnen oft mit mangelnder Transparenz.“ Erkenntnis sei jedoch nur ein Teil der Lösung. Entscheidend sei, welche Maßnahmen daraus abgeleitet werden. Unternehmen profitierten von professioneller Unterstützung, um Risikoanalysen in sinnvolle Maßnahmen umzusetzen.
„Exposure Monitoring“ als Komponente eines umfassenden „Compliance“Systems
„Exposure Monitoring“ sei hierbei eingebettet in ein umfassendes „Compliance-Ökosystem“ im Umfeld vom „Human Risk Management“ (HRM), welches darauf abziele, menschliches Risiko zu reduzieren, bevor es zu einem Vorfall wird.
- „Werden Zugangsdaten kompromittiert, werden die Mitarbeiter weder beschuldigt oder im Unklaren gelassen. Stattdessen erhalten sie rechtzeitig klare, handlungsorientierte Hinweise, die erklären, was passiert ist, warum es relevant ist, und welche Schritte nun erforderlich sind.“ Dadurch werde sicheres Verhalten genau dann gestärkt, wenn es am wirksamsten sei – und nicht erst Monate später in einer allgemeinen Schulung.
Neben der Risikoüberwachung biete eine „Exposure Monitoring“-Plattform rollenspezifische Schulungen, automatische Richtlinienverwaltung und realistische Phishing-Simulationen. Das Ergebnis sei ein zusammenhängender Überblick über das „Compliance“-Risiko, mehr Transparenz für Führungskräfte und weniger Belastung für Mitarbeiter. „Dies alles ist entscheidend für eine nachhaltige Compliance, die auf Transparenz, Verantwortlichkeit und Vertrauen basiert“, kommentiert Fielder abschließend.
Weitere Informationen zum Thema:
MetaCompliance, Company News, 05.09.2025
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