Aktuelles, Branche, Studien - geschrieben von am Freitag, März 6, 2026 0:47 - noch keine Kommentare

Angriffe auf die Lieferkette betreffen fast jedes dritte Unternehmen in Deutschland

Allerdings zeigt sich eine Widersprüchlichkeit zwischen Angriffszahlen sowie Auswirkungen einerseits und der Einordnung als Bedrohung andererseits: Nur fünf Prozent der Befragten stufen Angriffe auf die Lieferkette als größte Bedrohung für ihr Unternehmen ein

[datensicherheit.de, 06.03.2026] Die Zusammenarbeit mit externen Partnern stellt Unternehmen in Deutschland zwangsläufig vor erhöhte Herausforderungen auf dem Gebiet der Cybersicherheit: Knapp ein Drittel (29%) der Unternehmen in Deutschland war nach aktuellen Kaspersky-Erkenntnissen in den vergangenen zwölf Monaten von einem Angriff auf die Lieferkette betroffen; 26 Prozent zudem von sogenannten Trusted-Relationship-Angriffen. Die häufigste Konsequenz dieser Angriffe sind demnach: Betriebsunterbrechungen (50%), Reputationsschäden (46%) und finanzielle Verluste (34%). Dennoch stuften lediglich fünf Prozent „Supply Chain“-Angriffe beziehungsweise drei Prozent „Trusted Relationship“-Angriffe als größte Bedrohung für ihr Unternehmen ein. Dies spricht laut Kaspersky für eine „Diskrepanz zwischen wahrgenommenen Cyberrisiken und deren Priorisierung in der Praxis“.

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Abbildung: Kaspersky

Diskrepanz: Betroffenheit vs. Wahrnehmung der Bedrohung der Lieferkette

Nur 5% der Befragten stufen Angriffe auf die Lieferkette als größte Bedrohung

29 Prozent der Unternehmen in Deutschland seien in den vergangenen zwölf Monaten von einem „Supply Chain“-Angriff, 26 Prozent von einem „Trusted Relationship“-Angriff betroffen gewesen.

  • Als mögliche Konsequenz im Falle von „Supply Chain“- und „Trusted Relationship“-Angriffen habe die Hälfte (50%) der Befragten in Deutschland Betriebsunterbrechungen genannt – gefolgt von Reputationsschäden (46%) und finanziellen Verlusten (34%).

Allerdings zeige sich eine Widersprüchlichkeit zwischen den Angriffszahlen, den Auswirkungen und der Einordnung als Bedrohung. Denn nur fünf Prozent der befragten technischen Experten stuften „Supply Chain“-Angriffe und drei Prozent „Trusted Relationship“-Angriffe als größte Bedrohung für ihr Unternehmen ein.

Mittelgroße Unternehmen in Deutschland am häufigsten von Angriffen auf die Lieferkette betroffen

Wie die Kaspersky-Umfrage gezeigt habe, steige in Deutschland die durchschnittliche Anzahl der Software- und Hardwarelieferanten mit der Unternehmensgröße: Bei Unternehmen mit 500 bis 1.499 Mitarbeitern liege sie bei 105, bei 1.500 bis 2.499 Mitarbeitern bei 192 und bei 2.500 oder mehr Mitarbeitern bei 536 Software- und Hardwarelieferanten.

  • Betroffen von „Supply Chain“Angriffen seien jedoch am häufigsten Unternehmen mit 1.500 bis 2.499 Mitarbeitern (36%) gewesen, gefolgt von Unternehmen mit 500 bis 1.499 Mitarbeitern (30%). Bei Unternehmen mit 2.500 oder mehr Mitarbeitern habe der Anteil bei elf Prozent gelegen. Zusätzlich zeige sich, „dass sich die durchschnittliche Zahl externer Auftragnehmer mit Systemzugang je nach Unternehmensgröße unterscheidet“.

Diese steige von 45 bei Unternehmen mit 500 bis 1.499 Mitarbeitern auf 140 bei Unternehmen mit 2.500 Mitarbeitern oder mehr an. Eine hohe Zahl externer Auftragnehmer mit Systemzugang könne neben „Supply Chain“-Risiken potenziell auch „Trusted Relationship“-Angriffe begünstigen, bei denen legitime Verbindungen und Zugänge zwischen Organisationen missbraucht würden.

Lieferketten- und „Trusted Relationship“-Angriffe im internationalen Vergleich

International zeige sich ein vergleichbares, teils noch ausgeprägteres Bild: „Weltweit waren 31 Prozent der Unternehmen von ,Supply Chain’-Angriffen betroffen, 25 Prozent meldeten ,Trusted Relationship’-Angriffe. Besonders häufig berichteten Unternehmen in der Türkei (35%), Singapur (33%) und Mexiko (31%) von Angriffen über bestehende Geschäftsbeziehungen.“

  • Gleichzeitig werde die Gefährlichkeit von „Supply Chain“-Angriffen in einigen Ländern deutlich stärker wahrgenommen als im globalen Durchschnitt: In Singapur stuften 38 Prozent der Unternehmen diese Angriffe als eine der drei gefährlichsten Cyberbedrohungen ein, in Brasilien und Kolumbien jeweils 36 Prozent, in Mexiko 35 Prozent. Weltweit hingegen sähen nur neun Prozent der befragten technischen Experten „Supply Chain“-Angriffe als größte Bedrohung, „lediglich acht Prozent nennen ,Trusted Relationship’-Angriffe als Top-Risiko – obwohl mehr als die Hälfte der Befragten (52%) angebe, dass solche Vorfälle erhebliche operative Störungen verursachen können“.

„Unternehmen agieren in einem digitalen ,Ökosystem’, in dem jede Verbindung, jeder Lieferant, jede Integration Teil der eigenen Sicherheit wird“, so Sergey Soldatov, „Head of Security Operations Center“ bei Kaspersky, in seinem Kommentar. Er führt aus: „Da Unternehmen immer stärker vernetzt sind, wächst auch ihre Anfälligkeit für Angriffe. Vor diesem Hintergrund erfordert der Schutz moderner Unternehmen heute einen ,ökosystem’-weiten Ansatz, der nicht nur einzelne Systeme stärkt, sondern das gesamte Beziehungsnetzwerk, das den Geschäftsbetrieb aufrechterhält!“

Kaspersky-Empfehlungen zur Reduzierung der Cyberrisiken entlang der Lieferkette:

  • Lieferanten vor Vertragsabschluss gründlich prüfen!
    Sicherheitsrichtlinien, Informationen zu früheren Vorfällen sowie die Einhaltung relevanter Industriestandards bewerten. Bei Software- und Cloud-Services zusätzlich verfügbare Schwachstellendaten sowie Ergebnisse von Penetrationstests berücksichtigen.
  • Sicherheitsanforderungen vertraglich festschreiben!
    Verbindliche IT-Security-Klauseln definieren, regelmäßige Audits einplanen und die Einhaltung interner „Policies“ sowie klarer „Incident Notification“-Prozesse sicherstellen.
  • Präventive technische Maßnahmen etablieren!
    Prinzip der minimalen Rechtevergabe („Least Privilege“), Zero-Trust-Ansätze und ein reifes Identity- und Access-Management umsetzen, um die Auswirkungen bei einer Kompromittierung eines Zulieferers zu begrenzen.
  • Kontinuierliches Monitoring sicherstellen!
    Laufende Überwachung der Infrastruktur und Anomalie-Erkennung in Software- sowie Netzwerkverkehr etablieren – je nach internen Ressourcen etwa mit XDR- oder MXDR-Ansätzen. („Kaspersky Next XDR Expert“ sowie „Kaspersky Managed Detection and Response“ können hierzu Unterstützung bieten).
  • Incident-Response-Plan erweitern!
    Reaktionspläne explizit um „Supply Chain“-Szenarien ergänzen – inklusive klarer Schritte zur schnellen Identifikation, Eindämmung und Trennung kompromittierter Supplier-Zugänge, beispielsweise zur Entkopplung des Lieferanten von Unternehmenssystemen.
  • Lieferanten in die eigene Sicherheit einbeziehen!
    Sicherheitsanforderungen und Verbesserungen beidseitig abstimmen, gemeinsame Prioritäten definieren und operative Zusammenarbeit wie Meldewege, Übungen und Lehren etablieren.

Weitere Informationen zum Thema:

kaspersky
Cyberimmunität ist unser erklärtes Ziel / Wir sind ein Team von über 5.000 Fachleuten mit einer über 25-jährigen Erfolgsgeschichte im Schutz von Privatpersonen und Unternehmen weltweit und haben uns die weltweite Cyberimmunität als ultimatives Ziel gesetzt.

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Sergey Soldatov / Information Security Professional, vCISO

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Supply chain reaction: securing the global digital ecosystem in an age of interdependence

datensicherheit.de, 31.07.2025
DORA – Europäische Union präzisiert Umgang mit Lieferketten-Risiken / Die Europäische Kommission hat Anfang Juli eine Ergänzung zur Verordnung über die digitale operationale Resilienz im Finanzsektor (DORA) in Form finaler technischer Regulierungsstandards (RTS) veröffentlicht. Damit konkretisiert sie Anforderungen an das Risikomanagement oftmals komplexer IKT-Lieferketten im durch DORA regulierten Bereich. Im Fokus stehen dabei Untervergaben. Der TÜV SÜD fasst die wichtigsten Punkte praxisorientiert zusammen.

datensicherheit.de, 02.06.2025
Die Angst vor dem schwächsten Glied: Cybersicherheit in der Lieferkette / Laut einer aktuellen Umfrage von Sophos haben die meisten der leitenden Manager Bedenken, dass die Integrität ihres Unternehmens durch Cybergefahren entlang der Lieferkette beeinträchtigt werden kann

datensicherheit.de, 20.04.2025
Kritische Infrastrukturen: Jede zweite Organisation unzureichend vor Cyber-Attacken in der Lieferkette geschützt / Erkenntnisse aus aktueller „DNV Cyber-Studie“ legen verstärkten Fokus auf Lieferanten nahe



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