Aktuelles, Branche - geschrieben von dp am Mittwoch, Februar 25, 2026 0:43 - noch keine Kommentare
ESET-Warnung: Gestohlene Zugangsdaten längst das gefährlichste Angriffswerkzeug
In Frankreich wurden kürzlich 1,2 Millionen Bankkonten kompromittiert – nach ESET-Erkenntnissen ohne Hacker-Attacke auf den Server, sondern über gestohlenen Login
[datensicherheit.de, 25.02.2026] Laut einer ESET-Meldung vom 24. Februar 2026 hat in Frankreich vor Kurzem ein einziger kompromittierter Login dazu geführt, dass über eine Million Zugangsdaten von Bankkonten in den Händen eines Hackers gelandet sind – kein einziger Server habe dafür gehackt, keine Schadsoftware installiert werden müssen. Mit solchen erbeuteten Informationen könnten Cyberkriminelle in Zukunft Identitäten stehlen und Finanzbetrug begehen. ESET sieht in diesem Vorfall einen „Weckruf für den gesamten DACH-Raum“ und gibt IT-Verantwortlichen Empfehlungen, um die eigene IT-Sicherheit ihrer Organisationen härten zu können.
Angreifer konnte mithilfe gestohlener Zugangsdaten eines Regierungsbeamten Zugang zu FICOBA erlangen
Das französische Wirtschaftsministerium hat demnach bestätigt, dass sich ein Angreifer mithilfe gestohlener Zugangsdaten eines Regierungsbeamten Zugang zur nationalen Datenbank FICOBA verschaffte.
- Dadurch habe der Hacker Zugang zu Daten von rund 1,2 Millionen Bankkonten erlangen können – betroffen seien Kontonummern (IBANs), Namen, Adressen und in Teilen Steueridentifikationsnummern. Kein einziger Server sei dafür gehackt, kein technisches System überwunden worden – ein einziger kompromittierter Login habe genügt.
Benoît Grunemwald, „Cyber Security Evangelist“ bei ESET France, berichtet: „Der Vorfall rund um die FICOBA-Datenbank zeigt keine klassische technische Schwachstelle, sondern etwas Beunruhigendes: Der Zugang zu hochsensiblen Daten erfordert nicht immer einen direkten Angriff auf Server. Organisatorische Lücken in der Identitätsverwaltung, Authentifizierung und Zugriffskontrolle können genauso effektiv ausgenutzt werden.“ Die betroffenen Datenkategorien – von IBANs bis zu Steueridentifikationsnummern – seien eine gefährliche Grundlage für Finanzbetrug und Identitätsdiebstahl, so Grunemwalds Warnung.
Aktuelle Erkenntnisse der ESET-Forschung zur „Infostealer“-Bedrohung
Der FICOBA-Fall sei indes kein Einzelphänomen, sondern das Lehrbuchbeispiel einer Angriffsmethode, welche ESET-Forscher seit Jahren beobachteten und dokumentierten. Informationsdiebe wie „SnakeStealer“ extrahierten gezielt Passwörter aus Browsern, E-Mail-Clients und Datenbanken, schnitten Tastatureingaben mit und fertigten Screenshots an.
Zahlen aus ESETs eigener Telemetrie:
- +111 Prozent
Anstieg von „SnakeStealer“-Detektionen im ersten Halbjahr 2025 gegenüber dem zweiten Halbjahr 2024. „SnakeStealer“ sei derzeit der am häufigsten detektierte „Infostealer“ in ESETs weltweiter Telemetrie und mache rund 20 Prozent aller „Infostealer“-Detektionen aus (Quelle: „ESET Threat Report H1 2025“, welivesecurity.com). - 2,1 Milliarden
Zugangsdaten – welche allein 2024 durch „Infostealer“-Malware gestohlen wurden – seien über 60 Prozent aller weltweit kompromittierten „Credentials“ (Quelle: „Flashpoint Global Threat Intelligence Report“). - -86 Prozent
Rückgang der „Lumma Stealer“-Detektionen im zweiten Halbjahr 2025, „nachdem ESET gemeinsam mit globalen Strafverfolgungsbehörden die Infrastruktur dieses Infostealers zerschlagen hat“ (Quelle: „ESET Threat Report H2 2025“, welivesecurity.com).
ESET zur Relevanz des FICOBA-Vorfalls für die DACH-Region
Dieser Vorfall in Frankreich sei ein Warnsignal auch für den gesamten DACH-Raum (Deutschland-Österreich-Schweiz). ESET empfiehlt IT-Verantwortlichen in Behörden, Finanzinstituten und KRITIS-Betreibern, daher folgende Maßnahmen kritisch zu prüfen:
- „Privileged Access Management“ (PAM)
Wer hat Zugriff auf welche Systeme und wird dieser Zugriff regelmäßig überprüft und entzogen, wenn er nicht mehr benötigt wird? - Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA)
Sind alle privilegierten Konten mit einem zweiten Faktor gesichert? Damit gestohlene Passwörter allein für einen Zugang nicht ausreichen! - Zero-Trust-Prinzip
Kein Nutzer, kein Gerät oder kein System sollten pauschal als vertrauenswürdig gelten – weder innerhalb noch außerhalb des eigenen Netzwerks. - NIS-2-Konformität
Für betroffene Unternehmen und Behörden in Deutschland und Österreich gelten mit Umsetzung der NIS‑2‑Richtlinie strengere Meldepflichten bei Sicherheitsvorfällen und Datenpannen! - „Infostealer“-Schutz:
Klassische „Endpoint Protection“ allein bietet gegen moderne „Infostealer“ in der Regel keinen ausreichenden Schutz: Ergänzend sollten mindestens EDR-Lösungen und idealerweise ein mehrschichtiger, auf „Threat Intelligence“ gestützter Ansatz zum Einsatz kommen!
ESET erläutert Hintergrund des unbefugten Zugriffs auf FICOBA-Datenbank
Am 18. Februar 2026 habe das französische Wirtschaftsministerium gegenüber der Tageszeitung „Le Monde“ bestätigt, dass ein Angreifer unbefugten Zugriff auf die FICOBA-Datenbank („Fichier national des Comptes Bancaires et Assimilés“) erlangt habe.
- FICOBA ist das nationale Bankkontenverzeichnis Frankreichs – eine zentrale Infrastruktur, auf welche Behörden im Rahmen von Steuerprozessen und Sozialleistungen zugreifen.
Der cyberkriminelle Zugang sei eben nicht über eine Sicherheitslücke im System selbst erfolgt, sondern über gestohlene Anmeldedaten eines Beamten mit legitimen Zugriffsrechten. Die Behörden hätten jedoch rasch reagiert: Zugangsbeschränkungen seien verhängt, Strafanzeige erstattet, die französische Datenschutzbehörde CNIL sowie ANSSI (Agence nationale de la sécurité des systèmes d’information) eingeschaltet worden.
Weitere Informationen zum Thema:
RÉPUBLIQUE FRANÇAISE, Service Public, 06.01.2025
Fichier des comptes bancaires (Ficoba)
datensicherheit.de, 13.01.2025
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