Aktuelles, Experten, Studien - geschrieben von dp am Montag, Juni 8, 2026 0:56 - noch keine Kommentare
Informatik-Monitor Junior 2026: Informatorische Bildung an Grundschulen auf Basis lückenhafter Lehrpläne
Wo und wie Informatik in den Lehrplänen deutscher Grundschulen integriert ist, hat die Gesellschaft für Informatik e.V. in einer von der Klaus Tschira Stiftung geförderten neuen Studie analysiert
[datensicherheit.de, 08.06.2026] Ob z.B. Tablet, Smartphone oder der Saugroboter daheim – Kinder kommen heute offensichtlich immer früher in Kontakt mit digitalen Systemen. Aus dieser Erkenntnis erwächst die Notwendigkeit, dass sie eben auch früh ein erstes Verständnis für die Funktionsweise der sie umgebenden Technologien entwickeln. Wo und wie Informatik in den Lehrplänen deutscher Grundschulen integriert ist, hat demnach die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) in einer von der Klaus Tschira Stiftung (KTS) geförderten neuen Studie untersucht – dem „Informatik-Monitor Junior“. Die zentrale Aussage sei, dass es in den Lehrplänen der Bundesländer starke Unterschiede hinsichtlich der „informatischen Bildung“ gebe – in sieben von ihnen spiele das Thema bisher noch gar keine Rolle.

Abbildung: KTS / GI
Informatische Bildung: Bundesländer im aktuellen Vergleich
Informatik in vielen Lehrplänen noch gar nicht verankert
Informatische Bildung sei ein zentraler Faktor, um Kinder und Jugendliche für ein selbstbestimmtes Leben in der zunehmend von Digitalisierung geprägten Welt vorzubereiten.
- Dies habe auch die Kultusministerkonferenz (KMK) erkannt, welche bereits 2016 in einem Strategiepapier empfohlen hatte, digitale Bildung schon in der Grundschule anzubieten.
Trotzdem seien informatische Inhalte in vielen Lehrplänen noch gar nicht verankert: Dies zeigt der am 3. Juni 2026 publizierte „Informatik-Monitor Junior“ – herausgegeben von der GI, gefördert von der KTS.
Sieben Bundesländer ohne Informatik an Grundschulen
Das Forschungsteam habe insgesamt 208 offizielle Dokumente wie Fachlehrpläne oder Medienrahmen für Grundschulen aus allen Bundesländern analysiert. Lediglich 38 davon, verteilt auf nur neun Bundesländer, enthielten Kompetenzen oder Inhalte, die sich klar der Informatik zuordnen ließen.
- Bremen führe den Ländervergleich bei informatischer Bildung der Grundschulen an. Aber auch die Lehrpläne von Schleswig-Holstein, Hamburg und Nordrhein-Westfalen wiesen bereits eine vergleichsweise breite Grundlage auf: „Sie enthalten punktuell Inhalte, die Kinder an informatische Phänomene heranführen und sie auf die aktive Teilhabe an einer zunehmend digital geprägten Welt vorbereiten.“
In Grundschullehrplänen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen stehe bisher überhaupt keine informatische Bildung in Lehrplänen und Rahmenvorgaben.
Lehrpläne zur Informatik oft zu vage und bei Weitem nicht ausreichend
Alev Dreger, Programm-Managerin „Bildung“ bei der KTS, kommentiert: „Obwohl Kinder bereits im Vorschulalter mit informatischen Phänomenen in Berührung kommen, fehlt informatische Bildung in deutschen Grundschullehrplänen noch immer weitgehend – und das trotz klarer Ansagen aus der Bildungspolitik.“
- Sie kritisiert: „Was bisher in den Lehrplänen zu finden ist, ist zu vage und bei Weitem nicht ausreichend. Hier besteht dringender Handlungsbedarf in allen Bundesländern!“
Eve Tessenow, Senior-Referentin der GI und Autorin der Studie, ergänzt: „Informatische Bildung braucht einen festen Platz in den Lehrplänen – mit klar definierten Kompetenzschwerpunkten! Ohne verbindliche Verankerung besteht die Gefahr, dass sie ins Randständige abdriftet und schlicht nicht stattfindet. Das wäre ein schwerwiegendes Versäumnis gegenüber Kindern einer Gesellschaft, die zunehmend digital geprägt ist.“
3 Handlungsempfehlungen zur Informatik in Lehrplänen:
Die Autorinnen und Autoren dieser Studie haben klare Handlungsempfehlungen formuliert, um Informatik deutschlandweit an Grundschulen zu verankern. Nur durch eine flächendeckende Umsetzung dieser drei Handlungsempfehlungen sei es möglich, die strukturelle Lücke zwischen bildungspolitischem Anspruch und schulpraktischer Realität zu schließen:
- Ausdifferenzieren statt nur ausweiten!
Es reiche nicht aus, Anknüpfungspunkte in anderen Fachlehrplänen wie Mathematik zu identifizieren. Lehrpläne und Rahmenkonzepte müssten Kompetenzen dezidiert informatisch ausdifferenzieren – „etwa indem sie Fachbegriffe wie Algorithmen, Daten oder Informatiksysteme aufnehmen“. - Geeignete Ankerfächer benennen und stärken!
Sachunterricht sowie „Technik/Werken“ eigneten sich als Ankerfächer für informatische Bildung. Gerade Sachunterricht decke aber bereits viele Inhalte ab. Daher sollte eine Integration bevorzugt in weitere Fächer geprüft werden, insbesondere Mathematik und – soweit vorhanden – eben „Technik/Werken“. Entscheidend sei dabei: „Wo Informatik stattfindet, muss sie auch als Informatik sichtbar sein – durch eigene Kennzeichnung, separate Zeichen oder einen eigenständigen Kompetenzschwerpunkt.“ - Lehrkräfte konsequent aus- und fortbilden!
Informatische Kompetenzen ließen sich Grundschülern nur dann vermitteln, wenn Lehrkräfte selbst über fundierte informatische und informatikdidaktische Kenntnisse verfügen. „Gefordert sind systematische Aus- und Fortbildungsangebote auf institutioneller Ebene sowie Rahmenbedingungen, die es Lehrkräften ermöglichen, diese Angebote tatsächlich wahrzunehmen.“
Weitere Informationen zum Thema:
GESELLSCHAFT FÜR INFORMATIK
Wir sind die Stimmer Informatik. / Mit unserem Netzwerk gestalten wir die digitale Zukunft.
DIE NATIONALE INITIATIVE mint ZUKUNFT SCHAFFEN, Gunnar Solka, 02.06.2026
MINT-Botschafterin Eve Tessenow im Interview
Klaus Tschira Stiftung
Über uns
Klaus Tschira Stiftung
Alev Dreger – Programm-Managerin Bildung
INFORMATIK-MONITOR JUNIOR
INFORMATISCHE BILDUNG IN DER GRUNDSCHULE / EINE LEHRPLANANALYSE
KMK KULTUSMINISTER KONFERENZ, Dezemebr 2016
Bildung in der digitalen Welt / Strategie der Kultusministerkonferenz
datensicherheit.de, 01.06.2026
Weltkindertag 2026: BSI-Tipps für sicheres Aufwachsen im Digitalen Zeitalter / Das BSI warnt vor zunehmenden Risiken durch altersunangemessene Inhalte, „Cybergrooming“, Datenmissbrauch und Kostenfallen
datensicherheit.de, 31.03.2026
KKH gibt Eltern Tipps, um Kinder vor digitalem Stress zu bewahren / Laut forsa-Umfrage im KKH-Auftrag ist das Suchtpotenzial digitaler Medien Eltern-Sorge Nummer 1 – Digitales Wohlbefinden und Medienkompetenz gilt es in Einklang zu bringen
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