Aktuelles, Branche, Gastbeiträge - geschrieben von am Dienstag, September 18, 2018 16:22 - noch keine Kommentare

Nach British Airways-Hack drohen der Fluggesellschaft DSGVO-Sanktionen

… und die Welt wartet auf einen Windows 0-Day-Patch

Von unserem Gastautor Juan C. Perez, Manager, Digital Marketing (Content) bei Qualys

[datensicherheit.de, 18.09.2018] Vertrauliche Daten von fast 400.000 British-Airways-Kunden werden gestohlen. Der Mac App Store zieht mehrere Apps aus dem Verkehr, nachdem Sicherheitsforscher festgestellt hatten, dass diese heimlich Daten auslesen und versenden. Bei einer chinesischen Hotelkette ereignet sich eine gigantische Datenpanne. Und eine ungepatchte Zero-Day-Lücke in Windows wird in-the-wild ausgenutzt. Das sind einige der Sicherheitsnachrichten, die uns in jüngster Zeit aufgefallen sind.

Könnte British Airways nach der Datenpanne in DSGVO-Turbulenzen geraten?

Vor kurzem drangen Hacker in die Website und die mobile App von British Airways ein und stahlen über einen Zeitraum von zwei Wochen personenbezogene Daten und Finanzinformationen von schätzungsweise 380.000 Kunden, darunter auch Zahlungskartendaten. Die Fluggesellschaft gab den Vorfall letzte Woche bekannt und erklärte, dass die Cyberkriminellen vom 21. August bis 5. September Zugang zu den kompromittierten Systemen hatten.

Die Kreditkartendaten umfassen auch die drei- oder vierstelligen Sicherheitscodes, die auf den Karten aufgedruckt sind. Außerdem fielen den Angreifern Namen, Rechnungsanschriften und E-Mail-Adressen in die Hände. Mit diesen Informationen könnten Kriminelle die betroffenen Kunden auf verschiedenste Weise betrügen, zum Beispiel durch unbefugte Nutzung ihrer Zahlungskarten oder durch Phishing-Angriffe via E-Mail.

uan C. Perez, Manager, Digital Marketing (Content) bei Qualys

Bild: Qualys

Juan C. Perez, Manager, Digital Marketing (Content) bei Qualys

Laut British Airways ist das Leck inzwischen geschlossen. Die Airline gab jedoch keine Einzelheiten zur Art des Angriffs bekannt, sondern bezeichnete diesen lediglich als „bösartig“ und „ausgeklügelt“. Experten spekulieren über die möglichen Angriffsvektoren.

„Es sieht so aus, als ob die Daten am Zugangspunkt abgegriffen wurden – jemand hat es geschafft, ein Skript auf die Website zu bekommen“, sagte Alan Woodward, Professor an der Universität von Surrey, zur BBC.

Der Sicherheitsberater Ben Oguntala, den British Airways dieses Jahr zur Verbesserung ihrer Zahlungssysteme engagiert hatte, erklärte unterdessen gegenüber der Times, dass die Panne eine „Katastrophe mit Ansage“ gewesen sei. Oguntala sagte, er habe den Dienst quittiert, nachdem er festgestellt hatte, dass die von der Fluggesellschaft implementierten Kontrollen schwach waren.

Nun wird bereits vermutet, dass der Vorfall British Airways Ärger aufgrund der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) einbringen könnte, die im Mai verbindlich geworden ist und potenziell massive Bußgelder vorsieht.

Ein ähnlicher Zwischenfall ereignete sich kürzlich übrigens bei Air Canada: Zwischen dem 22. und 24. August wurden personenbezogene Daten von rund 20.000 Benutzern der mobilen App gestohlen. Zu den betroffenen Kundendaten zählen nach Angaben der Fluggesellschaft Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Reisepassdaten, Known Traveler Numbers und Geburtsdaten. Die Kreditkartennummern sind verschlüsselt.

Apple wirft Apps mit Spyware-Verhalten raus

Apple hat in den letzten Tagen eine Reihe beliebter Anwendungen aus dem Zero-Day-Lücke gelöscht. Damit reagierte das Unternehmen auf die Berichte mehrerer Sicherheitsforscher, wonach diese von Drittanbietern entwickelten Apps Benutzerdaten auslesen und versenden.

Die Löschwelle begann offenbar damit, dass der Sicherheitsforscher Patrick Wardle – auf einen Tipp des Twitter-Nutzers @Privacyis1st hin – die App Adware Doctor bezichtigte, heimlich die Browser-Historien der Nutzer zu sammeln und die Daten an einen Host in China zu schicken.

Wardle, Mitbegründer von Digita Security, beschrieb seine Erkenntnisse im Objective See Blog, einer Website, auf der er selbst entwickelte, kostenlose MacOS-Sicherheitstools bereitstellt. Kurz nach der Veröffentlichung seines Beitrags entfernte Apple die App.

Dann schaltete sich Thomas Reed ein, Director of Mac und Mobile bei Malwarebytes. Reed berichtete, es gäbe Anwendungen im Mac App Store, die er und andere Forscher in den letzten Monaten gemeldet hätten, weil sie Benutzerdaten auslesen und verschicken.

Laut Berichten im SC Magazine, 9to5Mac, PC Magazine, BleepingComputer und anderen Publikationen löschte Apple dann übers Wochenende und am Montag weitere Anwendungen, darunter auch diejenigen, die Reed erwähnt hatte.

Chinesische Hotelkette wird Opfer eines massiven Hackerangriffs

Bei der Huazhu Hotels Group, einer der größten Hotelketten Chinas, hat sich eine Datenpanne ereignet, die sage und schreibe 130 Millionen Kunden betrifft. Man geht davon aus, dass die Hacker personen- und finanzbezogene Informationen von 13 Hotels des Unternehmens gestohlen haben.

Zu den entwendeten Daten zählen Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Bankkontonummern und Reservierungsinformationen. Berichten zufolge wurden die Daten im Dark Net entdeckt, wo sie für 8 Bitcoin – ca. 56.000 Dollar – zum Verkauf standen.

Huazhu hat keine Einzelheiten zu dem Angriff bekannt gegeben. Laut einer BBC-Meldung hat jedoch die Cybersicherheitsfirma Zibao einer lokalen Nachrichtenagentur mitgeteilt, dass ihrer Vermutung nach Softwareentwickler des Hotels versehentlich eine Datenbank auf GitHub hochgeladen haben.

Wenn das stimmt, so hätte es laut einer Notiz des SANS-Analysten Lee Neely eine bewährte Vorgehensweise gegeben, die solche Probleme vermeiden hilft. Dafür, so Neely, müsse man „einen Prozess etablieren, um GitHub und andere externe Code-Repositories darauf zu überwachen, ob absichtlich oder unabsichtlich ungeeignete Informationen eingefügt werden, wie etwa Datenbanken und private SSH-Schlüssel. Außerdem ist sicherzustellen, dass angemessene Zugriffskontrollen zum Schutz der Unternehmens-IP bestehen.“

Windows Zero-Day-Lücke wartet auf Patch und wird bereits von Hackern ausgenutzt

Nachdem ein Sicherheitsforscher auf Twitter eine Zero-Day-Schwachstelle in Windows 10 samt Proof-of-Concept-Exploit-Code veröffentlicht hatte, ließen Hacker nicht lange auf sich warten und begannen, die Lücke für reale Angriffe ausnutzen. Der Forscher räumte später ein, dass er vor der Veröffentlichung Microsoft benachrichtigen hätte sollen, um dem Unternehmen die Möglichkeit zu geben, einen Patch zu entwickeln.

Die Schwachstelle erlaubt eine Erweiterung der lokalen Rechte. Sie befindet sich in der ALPC-Schnittstelle (Advanced Local Procedure Call) des Windows Task Schedulers und kann es laut der CERT-Sicherheitsmeldung einem lokalen Benutzer ermöglichen, Systemrechte zu erhalten.

„Wir haben bestätigt, dass der Public Exploit-Code unter Windows 10 64 Bit und auf Windows Server 2016-Systemen funktioniert. Zudem haben wir die Kompatibilität mit Windows 10 32 Bit bei geringfügigen Änderungen am Public Exploit-Code bestätigt. Wenn weitere Modifikationen durchgeführt werden, ist auch eine Kompatibilität mit anderen Windows-Versionen möglich“, heißt es in der CERT-Meldung.

  • Die Schwachstelle wurde am 27. August bekannt gegeben, und nur wenige Tage später begannen Angriffe, die sie ausnutzten.
  • Microsoft arbeitet an einem Patch, der aber noch nicht veröffentlicht wurde. In einer Erklärung kündigte das Unternehmen an, den Fix am monatlichen Patchday bereitzustellen. Der nächste Patchday ist am 11. September.
  • Auch Problemumgehungen und mindestens ein Drittanbieter-Patch sind angeboten worden, wurden aber von Microsoft nicht gebilligt.

Und noch weitere Sicherheitsnachrichten …

  • Fiserv, ein großer Technologie-Dienstleister für Banken, hat einen gravierenden Fehler in seiner Web-Plattform behoben, der „persönliche und finanzbezogene Daten zahlloser Kunden auf Hunderten von Bank-Websites in Gefahr brachte“, so KrebsOnSecurity.
  • Abbyy, ein russischer Hersteller von optischer Erkennungssoftware, hat eine MongoDB-Datenbank nicht abgesichert und öffentlich im Internet zugänglich gemacht, wodurch mehr als 200.000 Dateien mit sensiblen Kundendaten offengelegt wurden.
  • Google hat ein zum internen Gebrauch entwickeltes Tool, mit dem sich schriftenbezogene Schwachstellen aufspüren lassen, als Open-Source-Anwendung freigegeben.
  • Bei zwei separaten Sicherheitsvorfällen haben Unternehmen, die Tools zur geheimen Überwachung der Inhalte und Kommunikation mobiler Geräte herstellen – TheTruthSpy und mSpy – Daten von Kunden offengelegt. Viele dieser Kunden sind Eltern, die die Handynutzung ihrer Kinder verfolgen wollen.
  • Die Browser-Erweiterung Mega.nz für Chrome ist von Hackern kompromittiert und missbraucht worden, um Informationen von Benutzern zu stehlen, darunter Passwörter und private Schlüssel für Kryptowährungskonten. Der Vorfall macht deutlich, welche Risiken von Browser-Erweiterungen und Add-ons ausgehen.
  • Die kürzlich entdeckte Sicherheitslücke in Struts 2 wird bereits real ausgenutzt – ein weiterer Grund für Unternehmen, den Patch einzuspielen, den Apache herausgegeben hat.
  • Ein Sicherheitsforscher entdeckte vor kurzem fast 400.000 Webseiten mit offenen .git-Verzeichnissen, die potenziell eine Fülle vertraulicher Informationen preisgeben, wie etwa Passwörter.

Weitere Informationen zum Thema:

datensicherheit.de, 18.09.2018
DSGVO: „Wird schon gutgehen“ ist definitiv die falsche Einstellung

datensicherheit.de, 13.08.2018
Tracker-Apps mit gefährlichen Sicherheitslücken

datensicherheit.de, 25.07.2018
Sicherheitslücken in Carsharing-Apps entdeckt

 



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