Aktuelles, Experten - geschrieben von dp am Freitag, Februar 27, 2026 0:54 - noch keine Kommentare
Eckhart Hilgenstock: KI als Entscheidungshilfe – aber niemals Ersatz für menschliche Führung
Der Hamburger Interim-Manager Hilgenstock warnt eindringlich: „Wer als Manager Entscheidungen an die KI delegiert, hat seinen Job verfehlt. Gleiches gilt, wenn man KI nicht als Datenbasis für Entscheidungen nutzt!“
[datensicherheit.de, 27.02.2026] „Künstliche Intelligenz ist kein Ersatz für Führungsqualität!“, betont der Intermin-Manager Eckhart Hilgenstock in seiner aktuellen Stellungnahme – er möchte bewusst der Vorstellung entgegentreten, Künstliche Intelligenz (KI) könnte künftig die Entscheidungsgewalt in den Unternehmen an sich reißen. Der Hamburger gilt als KI-Fachmann im Management und wird nach eigenen Angaben von Unternehmen häufig als Interim-Manager für KI-Projekte engagiert. Er rät zur Differenzierung: „Wenn McKinsey 5.000 Berater entlässt und durch KI ersetzt, dann deswegen, weil diese lediglich Zuarbeiten statt Führungsaufgaben zu erledigen hatten. Dieser Trend wird sich fortsetzen: Primär mit Verwaltungstätigkeiten befasste Manager werden sich zunehmend in der Arbeitslosigkeit wiederfinden, während die Position von wirklichen Entscheidern gestärkt wird!“ Denn KI sei bestens geeignet, um Entscheidungen vorzubereiten, aber nicht, um diese verantwortungsvoll zu treffen.

Foto: Eckhart Hilgenstock
Eckhart Hilgenstock: Wer als Manager Entscheidungen an die KI delegiert, hat seinen Job verfehlt!
Beispiel „ChatGPT“: Deskriptive Daten in fünf Minuten statt fünf Tagen mittels KI
Hilgenstock – selbst jahrelang als Partner bei der BCG (Boston Consulting Group) tätig – berichtet: „Viele meiner ehemaligen Kollegen sind nervös“. Doch auch hierbei sei zu differenzieren: „Die Zeit, als ,Junior Consultants’ Marktanalysen erstellten und dann für eine Woche Arbeit 50.000 Euro für deskriptive Daten berechnet wurden, ist vorbei!“
- Heute erledige dies „ChatGPT“ in fünf Minuten – „mit Nacharbeitung höchstens fünf Stunden, aber niemals fünf Tage“.
Doch während in der Branche schon vom „Ende des Consultings“ die Rede sei, weist Hilgenstock auf ein ganz anderes Problem hin: Auf die – wie er meint – „falsche Übertragung der Entwicklungen in der Beratungsbranche auf den Mittelstand.“
Schlüsselrolle der KI bei der Automatisierung – aber weniger auf der Führungsebene
Hilgenstock, demnach heute als Führungskraft auf Zeit und Beirat in der mittelständischen Wirtschaft tätig, führt aus: „Immer häufiger fragen mich Inhaber, Geschäftsführer und Vorstände aus mittelständischen Unternehmen, ob sie dem Beispiel von McKinsey & Co. folgen und ihr Management ebenfalls durch KI-Software ersetzen sollen. Doch das ist in der Regel der falsche Weg!“
- Seine Begründung: „Kleine und mittlere Betriebe sind meistens deshalb so erfolgreich, weil sie näher am Kunden und am Markt sind und schneller die richtigen Entscheidungen treffen.“
Diese Nähe und Flexibilität basierten im Allgemeinen auf Führungsqualitäten, welche eben gerade nicht durch KI zu ersetzen seien. „Natürlich muss auch im Mittelstand automatisiert werden und KI spielt dabei eine Schlüsselrolle, aber weniger auf der Führungsebene.“
KI kann die Datenbasis liefern, nicht aber die Entscheidung treffen
Hilgenstock unterstreicht: „Künstliche Intelligenz liefert im besten Fall die Datenbasis, um bessere Entscheidungen zu treffen. Aber wer als Manager Entscheidungen an die KI delegiert, hat seinen Job verfehlt!“
- Bei mittelständischen Management- und Beiratsmandaten werde ihm des Öfteren die Frage gestellt, ob KI nicht ganze Abteilungen ersetzen könnte, beispielsweise das Finanzwesen.
Nach sorgfältiger Analyse komme er regelmäßig zu dem Schluss, dass die KI die Produktivität und Effizienz deutlich erhöhen könne, aber in keinem einzigen Fall „auf menschliche Faktoren wie Ehrgeiz, Fingerspitzengefühl, Markt- und Kundennähe, Empathie und Entscheidungskraft“ verzichtet werden sollte.
Praxis-Beispiele aus Finanzen und Vertrieb zeigen Zunahme der KI-Bedeutung – aber strategische Entscheidungen treffen Menschen
Er benennt ein Beispiel aus dem Finanzsektor: „Natürlich sollte man heutzutage KI nutzen, um fortlaufend Liquiditätsprognosen erstellen zu lassen. Aber es wäre grob fahrlässig, die Fragen, wie Zahlungsverzögerungen bei einem bestimmten Kunden zu interpretieren sind oder ob man bei einem neuen Auftrag ins Risiko gehen sollte, der KI zu überlassen.“
- Als weiteres Beispiel verweist er auf den Vertrieb: „Beim ,Business Development’ gehört Künstliche Intelligenz zu den größten Hebeln, um neue Kunden zu gewinnen und zusätzliche Umsatzquellen zu erschließen. Aber das funktioniert nur, wenn die Menschen im Vertrieb motiviert sind und den Umgang mit der KI beherrschen.“
Gleiches gelte für neue Geschäftsmodelle, meint Hilgenstock abschließend und gibt zu bedenken. „Ich werde im Rahmen meiner Mandate als Beirat und Interim-Manager immer häufiger gebeten, Ausschau nach neuen KI-basierten Geschäftsmodellen zu halten. In allen Fällen kann ich entsprechende Vorschläge unterbreiten, aber die Entscheidung, welchen Weg ein Unternehmen strategisch einschlagen will, ist eine Führungsaufgabe, die letztlich der Inhaber, Geschäftsführer oder Vorstand zu treffen hat.“
Weitere Informationen zum Thema:
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