Aktuelles, Experten - geschrieben von dp am Montag, Februar 2, 2026 1:06 - noch keine Kommentare
Bargeld muss bleiben – gemeinsamer Appell von 14 Verbraucherschutz-, Sozial-, Wohlfahrts- und Wirtschaftsverbänden an die Bundesregierung
Insbesondere im Interesse von Kindern, Älteren, Menschen in prekären Lebenslagen bzw. mit Behinderungen fordert ein breites Bündnis ein Gesetz zum Schutz des Bargelds mit Akzeptanzpflicht sowie kostenfreiem, barrierefreiem Zugang in angemessener Nähe
[datensicherheit.de, 02.02.2026] Für viele, vor allem jüngere Verbraucher gehört heute das Bezahlen mit sogenanntem Giralgeld, auf elektronischem Wege, zum Alltag und wird als „praktisch“ angesehen. Bargeld gerät dabei immer mehr unter Druck – in Deutschland wird es erkennbar schwieriger, bar zu zahlen oder überhaupt an Bargeld zu kommen. So lassen Selbstbedienungskassen oft nur Kartenzahlung zu, manche Geschäfte lehnen sogar Bargeld ab und Geldautomaten werden im Straßenbild immer weniger. Dabei sind gesetzliche Zahlungsmittel bisher eben Bargeld – nämlich jene von der Deutschen Bundesbank ausgegebenen, auf Euro lautenden Banknoten sowie die vom Bund emittierten, auf Euro oder Cent lautenden Scheidemünzen. Ein längerer Stromausfall, wie Anfang Januar 2026 im Südwesten Berlins, relativiert das vermeintlich praktische Bezahlen auf elektronischem Wege, wenn Kartenlesegeräte, Kassen und nach einer Weile auch die Smartphones ausfallen. Laut einer aktuellen Meldung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) hat nun ein breites Bündnis aus Verbraucherschutz-, Sozial-, Wohlfahrts- und Wirtschaftsverbänden vor dem Ausschluss von Verbrauchern bei Bezahlvorgängen gewarnt – besonders von Kindern, Älteren, Menschen in prekären Lebenslagen und Menschen mit Behinderungen. Dieses Bündnis fordert nach eigenen Angaben „ein Gesetz zum Schutz des Bargelds mit Akzeptanzpflicht sowie kostenfreiem, barrierefreiem Zugang in angemessener Nähe“.

Abbildung: Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)
Verbände und Mitzeichner des Bargeld-Appells 2026
Abheben und Einzahlen von Bargeld zunehmend umständlicher
Für Verbraucher werde es in Deutschland immer schwieriger, mit Bargeld zu bezahlen und überhaupt Zugang zu Bargeld zu erhalten. An Selbstbedienungskassen sei oft nur Kartenzahlung möglich, manche Geschäfte lehnten Bargeld sogar vollständig ab. Wichtige Angebote wie Bahnfahrkarten und Schwimmbad-Tickets könnten zum Teil nicht mehr oder nur unter erhöhtem Aufwand bar erworben werden.
- „Gleichzeitig werden das Abheben und Einzahlen von Bargeld immer aufwändiger.“ Dabei legten Verbraucher großen Wert darauf, bar zahlen zu können. Für viele Erwachsene und insbesondere auch Kinder sei Bargeld sogar die einzige mögliche Zahlungsform – „etwa bei fehlendem Zugang zu digitalen Zahlungsmethoden aufgrund eines SCHUFA-Eintrags oder weil sie kein Konto haben“.
Eigentlich habe ja jeder Erwachsene das Recht auf ein Basiskonto, aber in der Praxis verweigerten Banken dieses häufig. Besonders Menschen in schwierigen Lebenslagen, wie wohnungslose Menschen, stünden dadurch oft ohne digitale Zahlungsmöglichkeit dar.
Kostendruck auf Handel und Handwerk für Annahme von Bargeld und Bereithalten von Wechselgeld
Für den Handel und das Handwerk stiegen die Kosten für die Annahme von Bargeldzahlungen und das Bereithalten von Wechselgeld. Das Einzahlen von Bargeldeinnahmen werde erheblich schwieriger und teurer, weil Banken die Zahl an Geldautomaten und Bankfilialen reduzierten.
- Die Anzahl der Bankfilialen habe sich in den vergangenen 23 Jahren mehr als halbiert, auch die Zahl der Geldautomaten sinke kontinuierlich. Alternative Ein- und Auszahlungsmöglichkeiten etwa über den Einzelhandel seien weder flächendeckend noch überall kostenfrei verfügbar.
In ländlichen Regionen müssten Verbraucher weitere Wege zurücklegen, um Bargeld zu erhalten. Zudem schaffe die Postbank die Möglichkeit ab, Sozialleistungen per Scheck in bar auszuzahlen („Zahlungsanweisung zur Verrechnung“ / ZzV) – ein gravierendes Problem für armutsbetroffene Menschen ohne Konto.
Warnendes Beispiel: Wiederaufbau der Bargeldinfrastruktur in skandinavischen Ländern
Diese Probleme verstärkten sich gegenseitig: Weniger Zugangsmöglichkeiten zu Bargeld steigerten die Hürden für Verbraucher und führten zu sinkender Nutzung, was wiederum das Angebot weiter einschränke.
- Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könnte Bargeld bald für Verbraucher und Unternehmen nicht mehr als Zahlungsmittel nutzbar sein:
So könnte irgendwann ein aufwändiger Wiederaufbau der Bargeldinfrastruktur notwendig werden, wie es gegenwärtig in skandinavischen Ländern wie Schweden zu beobachten sei. „Das gilt es zu verhindern!“
Darum ist Bargeld auch weiterhin unverzichtbar:
- Bargeld ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe!
Bargeld sei ein einfaches Zahlungsmittel, welches unabhängig von digitalen Fähigkeiten, dem Besitz eines Bankkontos, Zugang zum Internet oder digitalen Endgeräten verwendet werden könne. Besonders Menschen in prekären Lebenslagen oder Menschen, welche das Internet nicht nutzen, seien auf Bargeld angewiesen, um überhaupt teilhaben zu können. Auch für Kinder und Jugendliche, welche häufig weder über ein eigenes Konto noch über ein Smartphone mit Bezahlfunktion verfügten, stelle Bargeld ein zentrales Instrument gesellschaftlicher Teilhabe dar. - Bargeld ist krisenfest!
Bei langanhaltenden Stromausfällen, Cyberangriffen oder Naturkatastrophen bleibe Bargeld ein verlässliches Zahlungsmittel. - Bargeld fördert das soziale Miteinander im Alltag!
Von Kuchenbasaren über Schulfeste bis zu Spendenaktionen – die Möglichkeiten für Aktivitäten von Vereinen, Kirchengemeinden, Schulen, Nachbarschaftsinitiativen und anderen ehrenamtlichen Angeboten seien häufig nur mit Bargeld praktikabel. Auch für eine direkte Hilfe, wie eine Geldspende an wohnungslose Menschen, brauche es Bargeld. - Mit Bargeld können Kinder den Umgang mit Geld mithilfe von fassbaren Münzen und Scheinen einfach erlernen
Bargeld ermögliche einen frühen Start für finanzielle Bildung und helfe allen Menschen, ihre Ausgaben im Blick zu behalten. - Bargeld schützt die Privatsphäre!
Bargeld ermögliche Unabhängigkeit von digitalen Systemen und Informationelle Selbstbestimmung.
Bündnis-Forderung, das Bargeld gesetzlich zukunftsfest zu machen
„Deshalb setzen wir uns dafür ein, Bargeld in Deutschland zukunftsfest zu machen. Unser Ziel ist, dass alle Menschen in Deutschland wählen können, wie sie bezahlen möchten – digital oder bar! Niemand soll ausgeschlossen werden, weil er oder sie bar zahlen möchte oder muss.“
- Daher fordert die Initiative nun ein Gesetz zum Schutz des Bargelds: „Es soll sicherstellen, dass Bargeld grundsätzlich als Zahlungsmittel akzeptiert wird, und dass alle Menschen kostenfrei und barrierefrei in angemessener Nähe Zugang zu Bargeld haben – sei es über Geldautomaten oder andere Lösungen.“
Mit einem solchen Gesetz könne die Bundesregierung ihr Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag, Bargeld zu erhalten und Wahlfreiheit für Verbraucher zu ermöglichen, verwirklichen.
Weitere Informationen zum Thema:
Verbraucherzentrale Bundesverband
Über uns: Gemeinsam stark für Verbraucherrechte!
GABLER BANKLEXIKON, Prof. Dr. Cornelia Manger-Nestler, LL.M.
Definition: Was ist „gesetzliche Zahlungsmittel“? / Zahlungsmittel, für die im Geschäftsverkehr ein beschränkter oder unbeschränkter Annahmezwang besteht.
Verbraucherzentrale Bundesverband, 05.01.2026
Bezahlen mit Bargeld: Verbraucheralltag mit Hürden / Verbraucherzentrale fordert klare Regeln für Bargeldakzeptanz
Bundesbank, 17.03.2025
Zugang zu Bargeld in Deutschland / Monatsbericht – März 2025
datensicherheit.de, 09.01.2026
TÜV-Verband zum Stromausfall in Berlin: Deutschlands Infrastruktur braucht mehr Resilienz / Der großflächige Stromausfall vom 3. bis zum 7. Januar 2026 im Südwesten Berlins hat deutlich gemacht, wie verletzlich die technische Infrastruktur in Deutschland ist
datensicherheit.de, 15.04.2016
Schöne neue Welt ohne Bargeld: Der Preis wäre zu hoch / Verfügbarkeit von Bargeld langfristig für Verbraucher und den Markt unverzichtbar
datensicherheit.de, 08.03.2016
Digitalcourage: Offener Brief gegen Bargeld-Abschaffung / Bereits Verbot von Bargeldtransaktionen über 5.000 Euro und Abschaffung der 500-Euro-Note in der Diskussion
Aktuelles, Experten - Feb. 2, 2026 1:06 - noch keine Kommentare
Bargeld muss bleiben – gemeinsamer Appell von 14 Verbraucherschutz-, Sozial-, Wohlfahrts- und Wirtschaftsverbänden an die Bundesregierung
weitere Beiträge in Experten
- KRITIS-Dachgesetz: eco begrüßt Verabschiedung bundesweit einheitlichen Rahmens für den Schutz Kritischer Infrastrukturen
- Bitkom sieht Pseudonymisierung als Schlüssel, um Datenschutz und datengetriebene Anwendungen zusammenzubringen
- Meike Kamp am Europäischen Datenschutztag 2026: EU-Kommission rüttelt an den Grundpfeilern des Datenschutzes
- Barrierefreie KI: Zehn praxisnahe Schritte für inklusive Innovation am Arbeitsplatz
- Am Safer Internet Day 2026 DsiN-Talk zu Medienkompetenzen in der Schule
Aktuelles, Branche, Studien - Feb. 2, 2026 0:40 - noch keine Kommentare
Zunahme Deepfake-Betrug: facebook bevorzugt im Visier Cyberkrimineller
weitere Beiträge in Branche
- Ändere Dein Passwort Tag 2026: Least Privilege und Zugangskontrolle gilt es flankierend zu beachten
- Cyberversicherungen: Compliance zur Senkung der Prämien
- Spionagewerkzeug GhostChat: Gefälschte Dating-App als Köder
- Barrierefreie KI: Zehn praxisnahe Schritte für inklusive Innovation am Arbeitsplatz
- Video-KI: Europas strengste Datenschutz-Regeln prägen die Zukunft
Aktuelles, A, Experten, Service, Wichtige Adressen - Jan. 13, 2026 1:08 - noch keine Kommentare
Registrierung bei ELEFAND: Krisen- und Katastrophenvorsorge bei Auslandsaufenthalten
weitere Beiträge in Service
- DigiCert-Umfrage: Manuelle Zertifikatsprozesse führen zu Ausfällen, Compliance-Fehlern und hohen Verlusten im Unternehmen
- Threat Hunting: Bedeutung und Wertschätzung steigt
- Umfrage: 71 Prozent der IT-Entscheidungsträger besorgt über Mehrfachnutzung von Passwörtern
- Fast die Hälfte der Unternehmen ohne geeignete Sicherheitsrichtlinien für Remote-Arbeit
- Umfrage: Bedeutung der Konsolidierung von IT-Sicherheitslösungen


