Aktuelles, Experten, Studien - geschrieben von am Freitag, Januar 9, 2026 0:23 - noch keine Kommentare

TÜV-Verband zum Stromausfall in Berlin: Deutschlands Infrastruktur braucht mehr Resilienz

Der großflächige Stromausfall vom 3. bis zum 7. Januar 2026 im Südwesten Berlins hat deutlich gemacht, wie verletzlich die technische Infrastruktur in Deutschland ist

[datensicherheit.de, 09.01.2026] Der TÜV-Verband fordert bessere Wartung und regelmäßige Prüfung von Notstromanlagen in kritischen Gebäuden wie Kliniken oder Pflegeheimen. Drei von vier Anlagen hätten sicherheitsrelevante Mängel. Ganzheitliche Konzepte für die Sicherung Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) seien notwendig. Der großflächige Stromausfall vom 3. bis zum 7. Januar 2026 im Südwesten Berlins habe nämlich deutlich gemacht, „wie verletzlich die technische Infrastruktur in Deutschland ist“. Besonders in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Schulen, Kitas und anderen sogenannten Sonderbauten sei eine funktionierende Notstromversorgung lebenswichtig – doch viele Anlagen seien nicht in einwandfreiem Zustand.

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Foto: © Tobias Koch

Dr. Joachim Bühler: Wir müssen unsere Infrastruktur besser schützen und in Schuss halten!

„TÜV-Baurechtsreport 2025“: 30% der Anlagen mit gravierenden Mängeln

Laut dem „TÜV-Baurechtsreport 2025“ sei bei den Prüfungen der sogenannten Sicherheitsstromversorgungsanlagen fast jede dritte Anlage (30%) mit gravierenden Mängeln beanstandet worden, weitere 45 Prozent mit geringen Mängeln.

  • „Sicherheitsrelevante Mängel“ seien unter anderem nicht startende Notstromaggregate, unzureichender oder veralteter Kraftstoff oder defekte Batterien. Lediglich jede vierte Notstromanlage (25%) sei mängelfrei gewesen.

„Der aktuelle Stromausfall in Berlin ist ein Weckruf!“, kommentiert Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands. Er stellt hierzu klar: „Wenn im Notfall die Sicherheitsstromversorgung ausfällt, stehen lebenswichtige Schutzsysteme still – etwa Lüftung, Brandmeldeanlagen oder Aufzüge. Betreiber müssen ihre Verantwortung ernst nehmen und die Anlagen regelmäßig prüfen lassen und Instand halten!“

Infrastruktur muss besser geschützt und in Schuss gehalten werden

Nach den Bauordnungen der Länder gelten neben Kliniken, Pflegeheimen, Schulen und Kitas unter anderem auch Hochhäuser, Einkaufszentren und Versammlungsstätten wie Kinos oder Theater als „Sonderbauten“, für welche eine Notstromversorgung gesetzlich vorgeschrieben ist, um auch bei einem Stromausfall oder im Fall eines Brandes den Betrieb sicherheitsrelevanter Systeme aufrechtzuerhalten.

  • Der TÜV-Verband fordert, die KRITIS-Resilienz in Deutschland stärker in den Fokus zu rücken. Dazu gehörten verbindliche Prüfintervalle, ausreichend qualifiziertes Fachpersonal und die konsequente Umsetzung der Prüfergebnisse.

„Wir müssen unsere Infrastruktur besser schützen und in Schuss halten!“, betont Bühler. Er führt aus: „Resilienz bedeutet, vorbereitet zu sein – nicht nur auf Krisen zu reagieren. Mit unseren wiederkehrenden Prüfungen leisten die TÜV-Unternehmen ihren Beitrag, die Sicherheit der Gebäudeinfrastruktur zu gewährleisten.“

Ganzheitlicher Ansatz für die Sicherung Kritischer Infrastrukturen notwendig

Der TÜV-Verband setzt sich für ganzheitliche Konzepte zur KRITIS-Sicherung ein. Insbesondere bei Stromausfällen sei es erforderlich, nicht nur einzelne Anlagen, sondern gesamte Versorgungsketten zu betrachten.

  • Zentrale Fragen lauten demnach: „Welche Systeme müssen im Ausfallfall zwingend funktionsfähig bleiben? Wie lange ist ein Ausfall realistisch zu erwarten? Für welchen Zeitraum ist die Notstromversorgung vorgesehen? Wie ist die Kraftstofflogistik für Notstromaggregate organisiert?“

In der Praxis zeige sich, dass Kraftstoffvorräte häufig nur für zwölf bis 24 Stunden ausgelegt seien. Bei länger andauernden Ausfällen stelle sich die Frage der Nachversorgung unter erschwerten Bedingungen – eingeschränkte Logistik, ausgefallene Kommunikationsnetze, blockierte Verkehrswege. Bühlers Fazit: „Resilienz endet nicht bei der technischen Anlage. Sie umfasst organisatorische, logistische und personelle Aspekte und muss regelmäßig überprüft, geübt und angepasst werden!“

Weitere Informationen zum Thema:

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Anlagen: Elektro- und Gebäudetechnik / Stromversorgung als Fundament öffentlicher Sicherheit

mfm – future at work,
mfm – Interview: Drei Fragen an Joachim Bühler

TÜV SÜD, 04.09.2005
TÜV Baurechtsreport 2025: Mängel bei der Sicherheitsstromversorgung nehmen zu

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