Aktuelles, Branche - geschrieben von am Dienstag, Januar 21, 2020 20:57 - noch keine Kommentare

KI: Datenethik als Top-Priorität und Wettbewerbsvorteil

Egon Kando warnt vor unkontrollierten Einsätzen sogenannter Künstlicher Intelligenz

[datensicherheit.de, 21.01.2020] Sogenannte Künstliche Intelligenz (KI) ist offenbar „in aller Munde“ – obwohl es echte KI derzeit noch gar nicht gibt, wird das bereits nutzbare Maschinelle Lernen fleißig als „KI“ verkauft. „Branding ist nunmal alles.“ Aber egal wie man es nennt: Die Algorithmen sind schon in viele Bereiche des Alltags vorgedrungen und bestimmen damit bewusst oder unbewusst das reale Leben der Menschen.

Egon Kando

Foto: Exabeam

Egon Kando: KI und Maschinelles Lernen werden derzeit in vielen Bereichen im Rekordtempo eingeführt…

Folgen unkontrollierter KI-Einsätze bereits in vielen Fällen sichtbar geworden

Dass Technologie nach vorne prescht, ohne sich groß um die Folgen zu scheren, ist in der Geschichte der Menschheit beileibe nichts Neues. Doch die Folgen unkontrollierter Einsätze von KI sind bereits in vielen Fällen sichtbar und hinterlassen sichtbare Schäden – facebook und „Cambridge Analytica“ lassen grüßen.
Um den Wildwuchs und die Gefahren der KI einzudämmen, machen sich viele Organisationen bereits Gedanken, wie der ethische Einsatz von Daten und KI gelingen kann. Den Stand der Dinge beschreibt Egon Kando von Exabeam in seiner aktuellen Stellungnahme:

Daten sind zu einem der wertvollsten Güter geworden

Die „CIOs“ müssten die ethische Nutzung von Daten zu einer Top-Priorität machen, um mit der sich schnell entwickelnden Regulierungslandschaft Schritt zu halten, fordert Kando:
„Wir befinden uns inmitten der vierten Industriellen Revolution. Daten sind zu einem der wertvollsten Güter geworden, nicht zuletzt deshalb, weil Künstliche Intelligenz stark von ihnen abhängt. KI und Maschinelles Lernen werden derzeit in vielen Bereichen im Rekordtempo eingeführt, bei Regierungen, dem Gesundheitswesen, der Landwirtschaft, Polizei und Finanzinstituten.“ Damit machten sich diese Bereiche in Teilen von den Daten abhängig, mit denen ihre Entscheidungsfindung automatisiert werde.

Bedenken über potenziellen Missbrauch könnten nicht einfach ignoriert werden

Die Folgen über den Schaden, den missgeleitete KI-Lösungen anrichten können, zeigten sich beispielsweise im öffentlichen Misstrauen gegenüber Social-Networking-Plattformen. Der Skandal um „Cambridge Analytica“ habe gezeigt, wie u.a. facebook persönliche Informationen nutzten und welche soziale Dimension die Algorithmen der Plattformen bereits einnähmen.
KI-gestützte Werkzeuge könnten also, absichtlich – oder versehentlich, in die Privatsphäre eindringen oder Schaden, Ungerechtigkeit bzw. moralisches Unrecht verursachen. Bedenken über den potenziellen Missbrauch könnten folglich nicht einfach ignoriert werden.

Meilenstein: Weltweit erste Ethikrat für KI aktiv

Der kürzlich von der britischen Regierung gegründete weltweit erste nationale Ethikbeirats für KI sei in diesem Zusammenhang ein wahrer Meilenstein. In Zusammenarbeit mit der Regierung, den Regulierungsbehörden und der Industrie bestehe die Aufgabe des neuen Beirats darin, die Grundlagen für KI zu schaffen, Lücken in der Governance-Landschaft zu antizipieren, sich auf bewährte Praktiken zu einigen und diese zu erläutern.
So könne er dabei helfen, eine ethische und innovative Nutzung der Daten zu lenken und die Regierung hinsichtlich der Notwendigkeit spezifischer politischer oder regulatorischer Maßnahmen zu beraten.

KI wird viele Unternehmen innerhalb der nächsten drei Jahre substanziell transformieren

Für Organisationen, die KI-gestützte Systeme entwickeln oder nutzen, sei dies eine wichtige Entwicklung. Laut einer kürzlich durchgeführten Deloitte-Umfrage gäben 76 Prozent der Führungskräfte an, dass sie erwarteten, dass Künstliche Intelligenz ihre Unternehmen innerhalb der nächsten drei Jahre „substanziell transformieren“ werde.
Gleichzeitig habe ein Drittel der Befragten zugegeben, dass Fragen zur ethischen Nutzung von Daten eine ihrer größten Sorgen seien. Ganz offenbar gebe es in dem Bereich noch viel zu tun.

Zusammensetzung der Datensätze kann Ergebnisse beeinflussen und verzerren

KI-Systeme lernten aus den Datensätzen, mit denen sie trainiert werden. Die Zusammensetzung der Datensätze könne damit die Ergebnisse nicht nur beeinflussen, sondern diese auch verzerren. Ein Beispiel aus der Arbeitswelt habe jüngst gezeigt, wie Datensätze, die aus einem männlich dominierten Bereich stammten, unbeabsichtigt zu einem geschlechtsverzerrten Rekrutierungsinstrument geführt hätten.
In ähnlicher Weise könne ein Mangel an Transparenz über die zur Steuerung von KI-Systemen verwendeten Datenmodelle zu Problemen mit dem ethischen Design, der Entwicklung und dem Einsatz von KI führen.

Ethische Nutzung von Daten ein Wettbewerbsvorteil

Das Vereinigte Königreich habe das Problem wie erwähnt bereits erkannt und gehe mit der Gründung des Ethikbeirats mit gutem Beispiel voran. Insgesamt investiere die britische Regierung neuen Millionen Pfund in diese Initiative.
Der Vorstoß sei nicht ganz selbstlos – die Investition solle ganz offen die Führungsrolle Großbritanniens in diesem Bereich auf der globalen Bühne vorantreiben. Man verspreche sich so Innovationen, „die nicht nur Nutzen versprechen, sondern auch sicher und ethisch unangreifbar sind“. Ein Bericht des Sonderausschusses des britischen Oberhauses über die Auswirkungen der künstlichen Intelligenz auf die Wirtschaft und Gesellschaft Großbritanniens schätzt laut Kando, dass KI den Wert der britischen Wirtschaft bis 2035 um 630 Milliarden Pfund steigern könnte. Die ethische Nutzung von Daten scheine somit ein Wettbewerbsvorteil zu sein.

KI-Datenethik dringend auf die Prioritätenliste setzen!

Durch diesen Vorstoß habe sich die Nation Großbritannien sicherlich einen kleinen Vorsprung gegenüber anderen Regionen geschaffen. Doch auch andere Organisationen hätten bereits eingesehen, dass ethische Urteile darüber getroffen werden müssten, wie wir Daten nutzen und anwenden. Im vergangenen Jahr hätten bereits eine Reihe technologischer Schwergewichte, darunter Google und IBM, ethische Richtlinien für KI veröffentlicht.
Auch die Europäische Kommission habe kürzlich ihre Ethikrichtlinien für vertrauenswürdige KI veröffentlicht. Diese Schritte signalisierten deutlich, dass es für Organisationen jeder Art an der Zeit sei, die Datenethik im Bereich KI auf die Prioritätenliste zu setzen. Der Ruf und Erfolg von Unternehmen werde zukünftig auch davon abhängen, „ob sie ihre Daten nach ethischen Standards verarbeiten“. Um mit der sich schnell weiterentwickelnden Regulierung der ethischen Nutzung von Daten Schritt zu halten, müssten „CIOs“ KI-Ethik zu einer der Prioritäten ihrer Organisation machen.

Weitere Informationen zum Thema:

datensicherheit.de, 11.02.2019
Webbrowser als Sicherheitsrisiko: Verbraucher und Unternehmen im Visier

 



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