Branche, Gastbeiträge - geschrieben von cp am Freitag, Februar 20, 2026 18:28 - noch keine Kommentare
Olympische Winterspiele – Angriffe auf digitale Identitäten als größtes Cyberrisiko
Die größte Herausforderung für die Cybersicherheit der Olympischen Winterspiele 2026 sind nicht Schadprogramme oder fehlende Sicherheitspatches, sondern Angriffe auf digitale Identitäten.
Von unserem Gastautor Mohamed Ibbich, Senior Director Solutions Engineering bei BeyondTrust
[datensicherheit.de, 20.02.2026] Reibungslose Abläufe bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina basieren auf einer zuverlässigen IT-Infrastruktur. Akkreditierungssysteme, Live-Übertragungen und die Zeitmessung an den Wettkampfstätten erfordern ein effizientes Zusammenspiel der eingesetzten Dienste und Technologien. Grundlage für den sicheren Datenaustausch zwischen Applikationen und Softwaresystemen ist, dass Personen, Maschinen und Services verifiziert werden — insbesondere bei automatisierten Kommunikationsprozessen.

Mohamed Ibbich, Senior Director Solutions Engineering bei BeyondTrust, Bild: BeyondTrust
Herausforderung Cybersicherheit – Komplexe IT-Infrastruktur
Eine besondere Herausforderung besteht darin, dass alle Sportstätten miteinander vernetzt sind und erstmals zwei Städte als offizielle Gastgeber fungieren. Insgesamt verteilen sich die Wettbewerbe auf sechs verschiedene Orte, die mit digitaler Infrastruktur verbunden und synchronisiert werden. Für die Veranstalter in Mailand und Cortina rückt das Thema Cybersicherheit mehr denn je in den Fokus. Allein die geografische Ausdehnung über den italienischen Teil der Ostalpen erweitert die Angriffsfläche durch unterschiedliche Netzwerke, Mobilfunknetze, Cloud- und Administrationsprozesse.
Servicekonten, APIs, IoT-Sensoren…
Ein besonderes Augenmerk muss auf digitaler Identitätssicherheit liegen. Die Zahl maschineller und menschlicher Zugangskonten wächst exponentiell. Jede maschinelle Identität und jedes Personenkonto erhöht die Gefahr, dass Unbefugte sie für Seitwärtsbewegungen im Netzwerk nutzen. Für die Olympischen Winterspiele werden Millionen menschlicher und nicht-menschlicher Identitäten für einen kurzen Zeitraum bereitgestellt, modifiziert und wieder außer Betrieb genommen.
IT-Administratoren benötigen beispielsweise privilegierte Nutzerrechte, um Infrastruktur, Betrieb, Echtzeitübertragung und mehr unterstützen zu können. Und natürlich sind die Athleten, Trainer, Offiziellen, Freiwilligen, Medienvertreter, Dienstleister, Sponsoren, Einsatzkräfte und Zeitarbeiter in irgendeiner Form auf digitale gesteuerte Zugangsmöglichkeiten angewiesen.
Mehr maschinelle als personenbezogene Indentitäten
Der Bedarf an maschinellen Identitäten übertrifft sogar die Summe menschlicher Konten um ein Vielfaches. Maschinenkonten verteilen sich oft über mehrere Systeme, Standorte und nicht verwaltete Geräte hinweg. Servicekonten, APIs, IoT-Sensoren, OT-Systeme und KI-Agenten benötigen allesamt eigene Zugangsdaten und Privilegien.
Viele Passwörter, Secrets und Einwahldaten werden für den vergleichsweise kurzen Zeitraum nicht aktualisiert. Übermäßig dimensionierte Nutzerrechte bleiben dauerhaft und können womöglich nicht ausreichend nachverfolgt werden. Die größte Herausforderung für die Cybersicherheit der Olympischen Winterspiele 2026 sind daher nicht Schadprogramme oder fehlende Sicherheitspatches, sondern Angriffe auf digitale Identitäten.
Goldphantasien für Hacker
Bei sicherheitstechnisch lückenhaften IT-Vorkehrungen kommen Bedrohungsakteure in Rekordzeit über die Ziellinie. Gestohlene Zugangsdaten ermöglichen ihnen unbemerkten Zugriff und Passwortwechsel sowie Datendiebstahl. Ohne die technischen Möglichkeiten, unbefugte Zugriffe zu unterbinden und Zugangskonten selektiv zu widerrufen, könnte ein einfacher Datenschutzverstoß zu einem massiven Sicherheitsvorfall werden. Cybersicherheitsexperten warnen, dass privilegierte Identitäten digitale Raubzüge vereinfachen und nicht-menschlichen Identitäten eine dauerhafte und unbemerkte Präsenz verschaffen.
Kontrolle von Identitäten und Privilegien essentiell
Die Voraussetzung für sicherheitstechnisch erfolgreiche Winterspiele ist, dass sich digitale Identitäten und Privilegien in großem Maßstab bei allen Teilnehmern vor Ort sowie bei Drittanbietern kontrollieren lassen. Jede Zugriffsanfrage, ob menschlich oder maschinell, muss authentifiziert, autorisiert und kontinuierlich überprüft werden, um bösartige Aktivitäten zu verhindern. Das bedeutet, dass Best Practices für Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) und privilegierte Zugriffe implementiert, gemeinsame Zugangsdaten abgeschafft sowie Netzwerksegmentierung und Just-in-Time-Zugriff durchgesetzt werden. Bei nicht-menschlichen Identitäten muss anhand von „Secure by Design“-Identitätsprinzipien verfahren werden. Denn IT-Resilienz und IT-Prävention sind gleichermaßen wichtig.
Weitere Informationen zum Thema:
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